Direkt zum Seiteninhalt springen

Hauptabteilung XXII (Terrorabwehr)

Zum Inhalt springen

Stand: Dezember 2021
Umfang: 332 lfm
Laufzeit: (1939 - 1945) 1950 - 1990
Erschließungsstand: 100 %

Aufgaben der Diensteinheit

- Aufdeckung, Verhinderung und Bekämpfung von Terror- und anderen Gewaltakten gegen die DDR
- geheimdienstliche Beobachtung und Bearbeitung links- und rechtsterroristischer und anderer gewaltorientierter Organisationen, Gruppen und Personen im „Operationsgebiet“
- Überwachung bzw. Kontrolle des internationalen Terrorismus (insbesondere der nationalen Befreiungsbewegungen) sowie des Links- und Rechtsextremismus und –radikalismus in der Bundesrepublik Deutschland, u. a. mit der Maßgabe der „Verhinderung des Missbrauchs des Territoriums sowie von Bürgern der DDR
- Realisierung operativer und militärisch-operativer Aufgaben der vorbeugenden Terrorabwehr und anderen „operativ bedeutsamen“ Gewaltakten einschließlich der Verhandlungsführung mit Geiselnehmern und Entführern
- Realisierung operativer und militärisch-operativer Aufgaben der vorbeugenden Terrorabwehr und Abwehr anderer bedeutsamer Gewaltakte einschließlich der Verhandlungsführung mit Geiselnehmern und Entführern
- Ausbildung und Einsatz von spezifischen Kräften zur Terrorbekämpfung
- Einsatz von spezifischen Kräften innerhalb und außerhalb der DDR
- Flugsicherheitsbegleitung und Mitwirkung an der Verhinderung und Bekämpfung von Angriffen gegen Luftfahrzeuge und zivile Flughäfen der DDR
- Bearbeitung anonymer und pseudonymer Androhungen von Terror- und Gewaltakten
- Feststellung, Sicherung und Transport von sprengkörperverdächtigen Gegenständen

Enthält u. a.

- Zuflucht/Einbürgerung von Mitgliedern der Roten Armee Fraktion (RAF) in die DDR und deren Einsatz als IM
- Revolutionäre Zellen (RZ)
- Palästinensische Widerstandsorganisationen (z. B. Fatah und Abu-Nidal-Organisation)
- Extremistische Organisationen in der Türkei, vor allem Graue Wölfe und die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK)
- Proiranische Organisation Hisb Allah
- Emigrantenorganisationen aus Afghanistan, Armenien, dem Baltikum und Bulgarien
- Die Carlos-Gruppe Organisation Internationaler Revolutionäre
- Sekten Sikhs und Ananda Marga in Indien und die Mun-Sekte aus Südkorea
- Maoistische Gruppierungen, z. B. die KPD/ML und die Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad/Peru)
- Trotzkistische Gruppen
- Terroristische Organisationen in Westeuropa, wie die Irisch-Republikanische Armee, Nordirland (IRA) und die baskische Untergrundorganisation, Spanien/Baskenland (ETA), Rote Brigaden (Italien)
- Wehrsportgruppen, rechtsextremistische/rechtskonservative Gruppen/Parteien in der Bundesrepublik Deutschland, z. B. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), Deutsche Volksunion (DVU), Republikaner, Aktionsfront nationaler Sozialisten, Freiheitliche Arbeiterpartei (FAP), Junge Nationaldemokraten, Bund Heimattreue Jugend
- Gegen die DDR tätige Bürgerrechtsorganisationen, wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM), Arbeitsgemeinschaft 13. August
- Zusammenarbeit mit anderen Diensteinheiten des MfS sowie mit verbündeten Geheimdiensten, u. a. im Zusammenhang mit dem System der gemeinsamen Erfassung von Informationen über den Gegner (SOUD-Speicher)
- Wirkung von Giften und Umgang mit Sprengstoffen im Zusammenhang mit der Ausbildung und der Einsatzplanung spezifischer Kräfte
- Drohungen gegen Einrichtungen, Repräsentanten und Bürger der DDR, u. a. ein Aufforderungsschreiben zum Suizid mit beigefügten scharfen Patronenhülsen an Erich Honecker, anlässlich seines Staatsbesuches in der Bundesrepublik Deutschland
- Filme über Geiselnahmen
- Telefonmitschnitte von Anrufen u. a. beim MfS, mit der Ankündigung von Attentaten, Bombendrohungen und Beschimpfungen

Informationen über die Bearbeitung des Teilbestandes

Die Unterlagen wurden bereits 1990 von den Strafverfolgungs- und Ermittlungsbehörden der Bundesrepublik Deutschland genutzt. Dazu war es notwendig, die unerschlossenen Unterlagen durch das Stasi-Unterlagen-Archiv vorab zu sichten. Das führte später bei der Erschließung der Unterlagen - wegen ihrer vorzeitigen Paginierung - zu erheblichen Schwierigkeiten. Der größte Teil der Unterlagen wurde als lose Blatt-Ablage und ungeordnet in Bündeln überliefert. Zum Teilbestand gehören auch eine große Anzahl Fotos, Negative und Dias sowie Videos, Tonträger und einige Kinefilme. Die Erschließung der Unterlagen konnte 2015 beendet werden.
Die Rekonstruktion zerrissener Unterlagen in Säcken und deren Erschließung ist für den gesamten Teilbestand abgeschlossen.

Findmittel (intern - Stasi-Unterlagen-Archiv):
- personenbezogene MfS-Karteien
- Schlagwort- und Decknamenkartei
- Datenbank "Elektronisches Personenregister" (EPR)
- Datenbank "Sachaktenerschließung" (SAE)
- Datenbank zu Mitarbeitern der HV A, zu HIM und OibE (HHO)

Besonderheiten

Die Zentrale Material Ablage (ZMA) der Hauptabteilung XXII
Die ZMA war für die DE hinsichtlich der Auswertung und Speicherung von operativ bedeutsamen Informationen zu Personen und Sachverhalten eine wichtige Arbeitsquelle. Auf der Grundlage der Dienstanweisung 1/80, die die Organisation der Bereitstellung, Aufbereitung, Erfassung und Aktualisierung operativ bedeutsamer Informationen für die Informationsspeicher der Abteilung XXII zum Gegenstand hatte, wurde eine zentrales, einheitliches Ablagesystem geschaffen. Verantwortlich für die Führung der ZMA waren – entsprechend der DA 1/80 – der Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG) und die Leiter der nachgeordneten operativen Strukturen der Abt. XXII.

In der AKG der Abt. XXII hatte die Ablage der ZMA nach politisch-operativen Aspekten entsprechend den in einem Rahmenkatalog enthaltenen Sachkomplexen zu erfolgen. Die Auswertung in den nachgeordneten operativen Strukturen erfolgte grundsätzlich sachverhaltsbezogen nach Personen.

Die Struktur der ZMA wurde nach folgenden Grundablagen aufgebaut:

- Personalablage

- Ablage nach Sachverhalten (Organisationsablage)

- Ablage nach operativ-bedeutsamen Informationen.

Die Ablageformen waren wie folgt gekennzeichnet:

- A – Personenablage (A/…lfd. Nr.)

- B – Organisationsablage (B/…lfd. Nr.)

- C – Informationsablage (C/Teilablage/…lfd. Nr.) und ist untergliedert in folgende Teilablagen:

C/III/….- Informationen der HA III

C/26/…- Informationen der Abt. 26

• C/Op./..- Operativ-Informationen

• C/Akt./..- terroristische Aktivitäten

Ein direkter Zugriff auf die ZMA der HA XXII erfolgte über die Vorverdichtungs- Such- und Hinweiskartei (VSH) der DE. Der Umfang der VSH beträgt 23,91 lfm.

Im Zuge der Auflösung des MfS/AfNS wurden die Ablageformen der ZMA der DE und damit auch der direkte Zugriff zerstört. Eine Rekonstruktion war nicht mehr möglich.

Die überlieferten Unterlagen der ZMA wurden im Rahmen der Bündelerschließung durch das Stasi-Unterlagen-Archiv nach 1990 neu signiert und im SAE verzeichnet. War die originale ZMA – Signatur erkennbar, dann wurde diese im Aktentitel oder als Bemerkung unterhalb des Titels festgehalten, so dass nach dieser ZMA-Nr. recherchiert werden kann.

Unterlagen aus der Personenablage der ZMA der DE sind teilweise auch in der vom Stasi-Unterlagen-Archiv gebildeten Reihe „AP + lfd. Nr. /92“ abgelegt und die Personendaten sind in der Personendatenbank des Stasi-Unterlagen-Archivs erfasst. Der Umfang beträgt 670 Akten.

Signaturbeispiele:

HA XXII AP 43053/92

HA XXII AP 66480/92

HA XXII AP 66481/92