Zur politischen Situation im Zeitraum 1945 bis 1949/57 siehe den Epochen-Leitfaden Quellen zu den Alliierten Besatzungszonen (1945–1949).

Panzertrümmer in der Weinmeisterstraße in Berlin, 1946, Quelle: BArch, Bild 183-H26633 / o. Ang.
Deutsche Streitkräfte 1945 bis 1949/57
Hier finden Sie einen Rechercheleitfaden für die Bundesarchiv-Bestände zu den deutschen Streitkräften 1945 bis 1949/57.
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Zur militärischen Situation in Deutschland 1945 bis 1949/57
1945–1949
In den im Zuge der Kapitulation der deutschen Streitkräfte vom 8. Mai 1945 eingerichteten Besatzungszonen lag die Ausübung der obersten staatlichen Gewalt bei den Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion. Alle noch vorhandenen deutschen militärischen Einrichtungen unterstanden damit alliiertem Befehl. Zum Teil handelte es sich dabei um Angelegenheiten der Abwicklung und Demobilmachung, auch Liegenschaftsverwaltung, zum Teil wurden bewusst deutsche Soldaten in verschieden geartete alliierte Dienste genommen. Im Wesentlichen handelte es sich um noch vorhandene Einrichtungen der Wehrmacht (die formal erst im August 1946 aufgelöst wurde), um den neu aufgestellten Deutschen Minenräumdienst, um deutsche Dienstgruppen im Dienst der britischen, der französischen und der US-Armee, sowie um kriegsgefangene, später ehemalige deutsche Offiziere, die im alliierten Auftrag ihre Kriegserfahrungen auswerteten.
1949–1957
Auch nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland bestanden die ab 1945 in den westlichen Besatzungszonen gebildeten deutschen Dienstgruppen fort. Selbst nach Gründung der Bundeswehr 1955 gab es kurzzeitig eine Parallelität deutscher Soldaten in der Bundeswehr und deutscher Soldaten in den deutschen Dienstgruppen unter alliiertem Befehl. Dieser Zustand wurde 1957 durch die förmliche Auflösung der Dienstgruppen beendet. Ihre Angehörigen wurden zum größten Teil in die Bundeswehr übernommen.
Spitzenbehörden, Personalumfänge und Einsätze dieser Streitkräfte
Wehrmacht nach der Kapitulation
Es bestanden im gesamten deutschen Staatsgebiet, aber auch in den besetzten Gebieten, vereinzelt Einrichtungen der Wehrmacht fort. Ihre Aufgaben waren sehr unterschiedlich, alle unterstanden dem Befehl einer Siegermacht, ggf. auch den Behörden des ehemals besetzten Gebietes. Einzelnen Einrichtungen kam aufgrund des Umfangs ihrer Zuständigkeit größere Bedeutung zu, etwa dem Deutschen Hauptquartier Nord, das in britischem Auftrag als oberste deutsche Dienststelle für die in der britischen Besatzungszone internierten deutschen Streitkräfte fungierte.
Deutscher Minenräumdienst
Spitzenbehörde: Deutsche Minenräumdienstleitung (unter britischem Oberbefehl)
Personalumfang: Herbst 1945 ca. 27.000 Mann
Einsätze: Minenräumung
Deutsche Dienstgruppen
Noch während des Krieges bauten die Alliierten Arbeitseinheiten aus ehemaligen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen auf. Gemäß vertraglicher Regelung von 1952 wurden die Dienstgruppen im Jahr 1957 aufgelöst. Ihr Gesamtumfang lag zuletzt bei ca. 80.000 Mann.
Deutsche Dienstgruppen der US-Armee
- Marinedienstgruppe: anfangs 470, zuletzt (1951) 150 Mann
- Military Labor Service, ab 1947 Industrial Police: 1949 9.000 Mann, 1950 aufgelöst
- Labor Service: erst ab 1948 auch Deutsche, daraus entstanden die Labor Service Technical Units, 1957 aufgelöst
Deutsche Dienstgruppen der britischen Armee
- Labour Service, ab 1947 German Civil Labour Organisation, ab 1950 German Service Organisation; 35.000–60.000 Mann, 1957 aufgelöst
Deutsche Dienstgruppen der französischen Armee
- Unterstützungseinheiten, dazu ab 1951 zwei deutsche Pionier-Bataillone unter französischem Befehl.
Einrichtungen der militärwissenschaftlichen Auswertung
Alle Siegermächte hatten großes Interesse daran, von den Erfahrungen der Wehrmacht im vergangenen Krieg zu profitieren. In größeren und kleineren Teams wurden deutsche Offiziere beauftragt, Studien zu konkreten militärischen Fachfragen, zu einzelnen Gefechten oder zu bestimmten Waffensystemen oder Arbeitsprozessen zu verfassen.
Im Auftrag der US-Armee
- Operational History (German) Section der Historical Division der US-Armee
- Naval Historical Team
Im Auftrag der britischen Armee
- Information Office der Royal Admiralty
Im Auftrag der sowjetischen Armee
- Sonderkonstruktionsbüro der Technischen Sonderkommission der Streitkräfte der UdSSR
Die archivische Überlieferung im Bundesarchiv
Die Zuständigkeit für die Überlieferung der genannten Einrichtungen liegt grundsätzlich beim Bundesarchiv. Allerdings ist nur sehr wenig tatsächlich vorhanden. Die vorhandenen Unterlagen befinden sich im Bundesarchiv, Abt. Militärarchiv, am Standort Freiburg i.Br. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich Teile der Überlieferung unerkannt in anderen Archiven befinden.
Die Überlieferung im Militärarchiv
Wehrmacht nach der Kapitulation
An Einrichtungen der Wehrmacht nach der Kapitulation sind vor allem zu nennen:
- RW 54 Deutsches Hauptquartier Nord und unterstellte Einrichtungen
- RW 64 Deutsches Hauptquartier Bellaria (SEP-Enklave Rimini) und unterstellte Einrichtungen
Deutscher Minenräumdienst
Die Überlieferung des Deutschen Minenräumdienstes bildet einen Bestand.
Deutsche Dienstgruppen
Die Überlieferung der deutschen Dienstgruppen bildet mehrere kleine Bestände.
Größeren Umfang hat nur:
Einrichtungen der militärwissenschaftlichen Auswertung
Die Überlieferung der verschiedenen Einrichtungen der militärwissenschaftlichen Auswertung in alliiertem Auftrag bilden mehrere Bestände – sowohl als Einrichtungen im Dienst von westalliierten Streitkräften und Behörden, als auch als Einrichtungen im Dienst der sowjetischen Streitkräfte. Von besonderer Relevanz sind:
- ZA 1 Operational History (German) Section der Historical Division der US-Army / Studiengruppe Wehrmachtführung und Heer
- ZA 3 Operational History (German) Section der Historical Division der US-Army / Studiengruppe Luftwaffe
Unterlagen aus Privatbesitz
Zur Ergänzung der staatlichen Überlieferung, vor allem auch im Hinblick auf die großen kriegsbedingten Schriftgutverluste, übernimmt das Bundesarchiv auch Unterlagen aus Privatbesitz, die als Sammlungen oder Nachlassbestände angelegt werden.
Im Bereich der militärischen Überlieferung 1945 bis 1949/57 sind vor allem folgende Nachlassbestände relevant: