Kommandobehörden des Feldheeres
Heeresgruppe (H.Gr., Hgr.)
Einer Heeresgruppe waren in der Regel zwei bis vier Armeen unterstellt. Sie besaß relativ wenige direkt unterstellte Einheiten, meist lediglich Nachrichtenkräfte. Heeresgruppen wurden häufig umbenannt. Deshalb gab es beispielsweise mehrere Heeresgruppen Süd, die jedoch auf verschiedenen Kriegsschauplätzen eingesetzt waren. Bei der Identifizierung des richtigen Bestandes (RH 19-) in invenio kann deswegen ein Blick in die Bestandsgeschichte und die Informationen zur Provenienz in den Beständebeschreibungen helfen.
Für das Rückwärtige Heeresgebiet ( der Raum rückwärts der Armeen), vor allem für die Sicherung und Partisanenbekämpfung war der „Befehlshaber im Rückwärtigen Heeresgebiet“ verantwortlich (Abkürzung meist als „RHG“, z. B. RHG SÜD bei HGr. Süd). Dazu waren ihm Sicherungsdivisionen, sonstige Wach- und Sicherungstruppenteile, teilweise auch Polizeieinheiten zugeteilt.
Armee (AOK)
Es gab Armeen und Gebirgsarmeen (RH 20-) sowie Panzerarmeen (RH 21-), die auch als Gebirgs-, Panzer- und Armeeoberkommando (AOK) bezeichnet wurden. Armeeabteilungen und Panzergruppen gehören ebenfalls in diese Bestandsgruppe. Armeen waren durchnummeriert oder führten als Zusatz Namens- oder Buchstabenbezeichnungen.
Den Armeen unterstanden im Schnitt zwei bis maximal fünf Korps. Dazu starke Versorgungstruppen und Sanitätseinrichtungen, da die gesamte Versorgung über die Armee lief. Weiter waren der Armee die „Heerestruppen“ unterstellt, die wiederum von hier aus den Korps und Divisionen zugeteilt wurden (vor allem Artillerie, Pioniere, Panzerjäger). Fest zugeteilt waren weiterhin Sicherungs- und Ordnungstruppen (meistens mindestens eine Feldgendarmerie-Abteilung, sowie mehrere Feld- und Ortskommandanturen mit unterstellten Sicherungsbataillonen), ein Korück (Kommandantur des rückwärtigen Armeegebiets) und evtl. eine Sicherungsdivision. Weiter mindestens ein Armee-Nachrichten-Regiment und häufig auch Luftwaffeneinheiten (fliegende Verbände und Flak), die aber nur „auf Zusammenarbeit angewiesen“ und nicht direkt unterstellt waren. Je nach Größe des rückwärtigen Armeegebiets kam darüber hinaus noch eine umfangreiche Zivilverwaltung und Wehrwirtschaftseinheiten hinzu.
Korps (K)
Korps wurden auch als Generalkommandos bezeichnet. Neben den Armeekorps (AK), die die Masse der Korps ausmachten, gab es noch einige Panzer- und Gebirgskorps (RH 24-). Ihnen waren zwei bis fünf Divisionen unterstellt.
Bei Kriegsbeginn hatten die Korps fest zugeteilte Korpstruppen (Nachrichten-Abteilung, Artillerie-Regiment, 2-3 Pionier-Bataillone, Versorgungstruppen, Feldgendarmerie). Nach 1940 hatten die Korpsstäbe nur noch die Nachrichten-Abteilung, schwache Versorgungstruppen und die Feldgendarmerie fest zugeteilt, alles andere wurde nur fallweise unterstellt.
Verbände und Einheiten des Feldheeres
Division (D, Div.)
Divisionen stellten die unterste operative Einheit dar, die über alle zu selbständiger Gefechtsführung erforderlichen Waffen und Versorgungsdienste verfügte. Sie waren in der Regel mit drei Infanterie-Regimentern, einem Artillerie-Regiment und weiteren Divisions-Einheiten (z. B. Pionier-Bataillon, Panzer-Abteilung und Versorgungseinheiten (z. B. Bäckerei-Kompanie) und einem Nachschubführer) ausgestattet. Die Divisions-Einheiten hatten dieselbe Nummer wie die Division. Je nach Aufstellungswelle gab es zahlreiche Abweichungen, vor allem bei den sog. Bodenständigen Divisionen und den Besatzungsdivisionen (z. B. nur eine Artillerie-Abteilung statt des Regiments, keine Aufklärungsabteilung – sondern nur eine Radfahrkompanie usw.).
Bei den Divisionen wurde nach ihrem Hauptbestandteil bzw. Verwendungszweck unterschieden. In invenio werden die folgenden Bestandsgruppen geführt:
Brigade (Brig.)
Brigaden waren verstärkte Regimenter und sind in invenio den Beständen der „Weiteren Einheiten“ (RH 37 etc.) zugeordnet.
Bei den Brigaden gilt es eine ganze Reihe von Fällen zu unterscheiden:
- Bis etwa 1940 gab es bei den Panzerdivisionen je einen Stab für eine Panzer- und für eine Schützenbrigade. Jede dieser Brigaden sollte zwei Regimenter der betreffenden Waffengattung haben. Nach 1940 wurden die meisten dieser Brigadestäbe aufgelöst.
- Die Infanteriedivisionen hatten keine Brigadestäbe, hier wurden die drei Infanterie-Regimenter direkt vom Divisions-Stab geführt. Die Einführung eines der Brigade vergleichbaren „Infanteriekommandeurs“ wurde 1939 nur bei wenigen Divisionen verwirklicht, diese Stäbe verfielen bald darauf der Auflösung.
- Bei der Artillerie und den Pionieren gab es Brigaden, die höchst unterschiedlich zusammengesetzt waren, das reichte von zwei Bataillonen bis zu drei Regimentern mit zusätzlichen selbständigen Kompanien/Batterien.
- Ab etwa 1943/44 gab es selbständige Panzerbrigaden, mit ebenfalls sehr verschiedener Zusammensetzung.
- Weiter existierten Sicherungsbrigaden, Kavalleriebrigaden, Grenadierbrigaden, Radfahr-Jägerbrigaden usw. – bei keiner dieser Brigaden ist ein eindeutiges Schema in der Gliederung erkennbar.
- Schließlich wurden auch die nur aus drei bis fünf Batterien bestehenden ehemaligen Sturmgeschützabteilungen in Sturmgeschützbrigaden oder Heeres-Sturmartillerie-Brigaden umgetauft.
Festzuhalten bleibt: Die Führungsebene der Brigade war bei der Wehrmacht nicht zwingend zwischen Regiment und Division eingeschoben. Meistens war die Brigade ein selbständiger Verband in höchst unterschiedlicher Stärke und Gliederung.
Regimenter und Bataillone
Regimenter und Bataillone waren entweder Einheiten der Divisionen und diesen fest zugeordnet oder sogenannte Korps- und Armeetruppen (mit Nummern ab 400 bzw. 500). Daneben gab es Einheiten – meist Bataillone – die zur Heerestruppe gehörten und keinem Verband dauerhaft unterstellt waren. Unterlagen der Regimenter und Bataillone sind in invenio ebenfalls den Beständen der „Weiteren Einheiten“ (RH 37 etc.) zugeordnet.
Regiment (Rgt.)
Das Regiment bestand aus zwei bis vier Bataillonen, dazu eventuell noch direkt dem Regimentsstab unterstellte Kompanien oder Züge (z. B. Panzerjäger-Kompanie und Nachrichtenzug beim Infanterie-Regiment 1939). Die Regimenter einiger Waffengattungen gliederten sich in „Abteilungen“ statt in „Bataillone“ (z. B. Artillerie, Panzer, Kavallerie, Nachrichten).
Bataillon (Btl.)
Das Bataillon bestand meistens aus
- dem Bataillonsstab mit Nachrichtenzug (teilweise später zu einer Stabskompanie zusammengefasst)
- zwei bis fünf Kompanien der jeweiligen Waffengattung, die aber nicht notwendigerweise alle gleich gegliedert waren. So hatten z. B. die Panzergrenadier-Bataillone zeitweise vier unterschiedliche Kompanien. Das normale Infanterie-Bataillon hatte drei Schützenkompanien und eine MG-Kompanie mit sMG (schweres Maschinengewehr) und Granatwerfern.
- Versorgungsteilen (teilweise später auch in der Stabskompanie)
Auch bei den Bataillonen gab es viele Besonderheiten: z. B. hatten manche Waffengattungen eigene Nachschubkolonnen auf Bataillons-Ebene (etwa bei der Artillerie und den Pionieren). Dem Pionier-Bataillon unterstand weiter eine Zeit lang direkt die Brückenkolonne mit Kriegsbrückengerät. Bei einigen Waffengattungen war die Bezeichnung „Abteilung“ statt „Bataillon“ gebräuchlich (z. B. Artillerie, Panzer, Aufklärung, Kavallerie, Nachrichten).
Kompanie (/Schwadron/Batterie)
Die Kompanie (Kp.) war ca. 180 bis 250 Mann stark. Sie bestand im Allgemeinen aus:
- dem Kompanietrupp (Kompanie-Chef, Kompanie-Truppführer, Melder, Fernmeldepersonal)
- mehreren Zügen (meist drei)
- ggf. selbständigen Trupps (z. B. Panzerbüchsentrupp, sMG-Gruppe)
- Versorgungsteilen (Kompanie-Feldwebel, Rechnungsführer, Waffen- und Geräteunteroffizier, Tross usw.)
Hierbei gab es sehr viele Varianten, vor allem bei der Artillerie, der Nachrichtentruppe oder den Pionieren.
Bei einigen Waffengattungen wurde die Bezeichnung „Schwadron“ statt „Kompanie“ verwendet (z. B. Aufklärung, Kavallerie, bespannte Nachschubeinheiten), bei der Artillerie entsprach die Kompanie der Batterie (Bttr.).
Zug (Zg.)
Ein Zug war in der Regel 12-60 Mann stark. Er bestand normalerweise aus dem Zugtrupp als Führungsinstrument (Zugführer, stv. Zugführer, Melder, ggf. Funker) und einigen Gruppen. Dazu konnte noch ein Trupp zur Feuerunterstützung treten, z. B. ein leichter Granatwerfer.
Der Zug bei den Panzerjägern bestand z. B. bei Ausstattung mit der 3,7 cm Pak (Panzerabwehrkanone) aus einem Zugführer mit zwei bis drei Meldern, drei Geschützen und einem MG-Trupp zur Nahverteidigung. Der Zug bei der Panzertruppe bestand – ohne Gruppeneinteilung – meist aus vier bis fünf Panzern. Bei den MG-Kompanien bildeten meist zwei Gruppen zu je 2 sMG einen Zug (= 4 sMG), bei der Artillerie konnte - musste aber nicht - eine Einteilung mit zwei bis drei Geschützen pro Zug vorkommen.
Gruppe (Gr.)
Gruppen gab es vor allem bei der Infanterie, den Pionieren und der Kavallerie. Die Gruppenstärke der Infanterie betrug im Schnitt 10 Mann, dabei 1 Gruppenführer und 1 MG. Die Gruppe war normalerweise die unterste Teileinheit zur selbständigen Lösung von Gefechtsaufgaben, z. B. Spitzengruppe beim Marsch oder Spähtrupp.
Trupp (Tr.)
Der Trupp (4-8 Mann) war die kleinste militärische Teileinheit, noch unterhalb der Gruppenebene. Ihm gleichzusetzen sind die Besatzung (z. B. bei den Panzern) oder die Geschützbedienung. Der Trupp existierte vor allem bei Einheiten, bei denen eine Gliederung nach Gruppen ungebräuchlich war: z. B. bestand der Nachrichtenzug eines Infanterieregiments aus mehreren Funk- und mehreren Fernsprechtrupps. Dabei konnte der Trupp aber durchaus aus mehreren Fahrzeugen bestehen, z. B. bei schweren Funktrupps (Langwellenverbindungen), großen Fernschreibvermittlungen oder auch beim Spähtrupp der Aufklärungstruppe, der aus mindestens zwei Fahrzeugen zusammengesetzt war.
Bei der Infanterie trat der Trupp vor allem als selbständige Teil-Einheit neben den Gruppen und Zügen auf, z. B. als leichter Granatwerfertrupp im Zug oder als Panzerbüchsentrupp in den Kompanien. Die Reichswehr teilte eine Zeit lang ihre Infanteriegruppen in Schützentrupp (Gewehrschützen) und MG-Trupp (MG plus 2-3 MG-Träger) ein. Bei der Kavallerie gab es statt des Trupps den „Reiterabmarsch“ zu 4 Mann, drei Abmärsche bildeten eine Reitergruppe. Diese Einteilung war aus rein praktischen Erwägungen schon im 19. Jahrhundert entstanden, drei Reiter saßen zum Feuergefecht ab, der vierte Mann war der Pferdehalter.
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Janna Stupperich
Stand: August 2026