Die Archivalien aus der Zeit des Deutschen Reichs, die sich mit Norwegen befassen, decken fast alle Überlieferungsbereiche ab: oberste Organe des Staates, Auswärtiges, Militär, Besatzungsverwaltung, Inneres, SS und Polizei, Justiz, Finanzen und Wirtschaft, Post und Verkehr, Kultus, Wissenschaft und Propaganda, Arbeit und Soziales, NSDAP, Arbeiterparteien, Organisationen, Verbände, Wirtschaftsunternehmen, Militär und Waffen-SS.
Reichskanzlei
Die zentrale Überlieferung für die gesamte staatliche Verwaltung des Deutschen Reichs bilden die Teilbestände der Reichskanzlei (R 43, R 43-I, R 43-II). Von wenigen Akten aus den 1920er Jahren abgesehen, stammen die meisten sich auf Norwegen beziehenden Unterlagen aus dem Zweiten Weltkrieg.
Es geht dabei z.B. um die Tätigkeit von V-Leuten der Abwehr bei der Vorbereitung des Überfalls auf Norwegen, den Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener beim Bahnbau in Norwegen und die Dienststelle des Reichskommissars für die deutsche Seeschifffahrt in Norwegen.
Auswärtiges Amt
Umfangreich und gehaltvoll ist die Überlieferung des Auswärtigen Amts (R 901) über Norwegen. Zeitlich deckt sie das Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg ab.
In den Akten der Handelspolitischen Abteilung spielen die Handelsbeziehungen Norwegens zu Deutschland, aber auch zu anderen Ländern die größte Rolle. Verträge und Abkommen, Akteure, Waren und Umfänge, Spezifika wie der Wal- und Fischfang sowie die Infrastruktur sind dokumentiert.
Von der Eröffnung des zweiten Seetelegrafenkabels 1906 durch König Haakon und den deutschen Kaiser bis zu den kriegsbedingten Störungen des Handels werden vielfältige Aspekte der wirtschaftlichen Interaktion beleuchtet.
Berichte der Konsulate Christiania, Aalesund, Arendal, Bergen, Bodoe, Kristiansand, Christiansund, Drammen, Drontheim, Fredrickshald, Frederikstad, Grimstad, Hammerfest, Krageroe, Laurwig, Moss, Namsos, Stavanger, Tönsberg, Tromsoe, Vardoe aus den Jahren 1868-1919 bieten interessante Einblicke. Beleuchtet wird zudem die Auswanderung von Deutschen nach Norwegen.
Akten der Nachrichten- und Presseabteilung dokumentieren die Auswertung norwegischer Zeitungsberichte durch die deutsche Seite im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Zu finden sind auch ein Bericht der deutschen Gesandtschaft Helsinki über Ribbentrops Norwegen-Dokumente von 1940 und Tagesbefehle Hitlers anlässlich der Besetzung Norwegens.
Ein Schwerpunkt der Überlieferung der Rechtsabteilung sind Fragen der Behandlung von Deutschen in Norwegen und von Norwegern in Deutschland. In den Unterlagen der Protokollabteilung findet man ein Schreiben des Auswärtigen Amtes an den Reichskommissar für die besetzten norwegischen Gebiete Josef Terboven über die Kompetenzen des Reichskommissariats.
Außerhalb des Bundesarchivs, im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts, wird der zweite Teil der Überlieferung verwahrt.
Reichskommissar für die besetzten norwegischen Gebiete
Von zentraler Bedeutung für die Erforschung der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg ist das Schriftgut des Reichskommissars für die besetzten norwegischen Gebiete (R 83-NORWEGEN).
Der Bestand umfasst 60 Archivalien der Laufzeit 1940-1945 mit Überlieferung der Hauptabteilungen Verwaltung und Volkswirtschaft, Ernährung und Landwirtschaft, Wirtschaft, Ausfuhrwirtschaft und Bergbau, Binnenwirtschaft, Technik und Verkehr, Preisbildung und -Überwachung, Arbeit und Soziales sowie der Dienststelle Bergen.
Der Fokus liegt auf Fragen der Verwaltung und Wirtschaft. Dokumentiert sind unter anderem Planungsarbeiten für den Bau einer norwegischen Autobahn.
Deutsche Polizeidienststellen im besetzten Norwegen
Unterlagen des Höheren SS- und Polizeiführers Nord bzw. für die besetzten norwegischen Gebiete, des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD sowie des Befehlshabers der Ordnungspolizei sind im Bestand R 70-NORWEGEN (Deutsche Polizeidienststellen in den besetzten Gebieten.- Norwegen) zusammengefasst.
Die knapp über 50 Archivalien aus der Zeit 1940-1945 geben Auskunft über Personal, Organisation und Geschäftsbetrieb der Dienststellen, Häftlinge und Wachmannschaften des Lagers Beisfjord, das SS- und Polizeigericht Nord, die Widerstandsbewegung, norwegische Spitzel, die Abwehr von Sabotage und besondere Ereignisse wie die Entführung vier norwegischer Nationalsozialisten durch ein sowjetisches U-Boot.
Reichsministerium des Innern
Zu den klassischen Ministerien mit Querschnittsfunktion zählt das Reichsministerium des Innern (R 1501). Vielfältige Aspekte der deutsch-norwegischen Beziehungen bilden sich in seinen Akten ab: von den Handels- und Schifffahrtsberichten der deutschen Konsuln ab 1879 bis zur Dokumentation über internierte deutsche Kriegs- und Zivilgefangene in Norwegen im Ersten Weltkrieg, die Einrichtung des Reichskommissariats Norwegen und den Einsatz „Wiking“ der Organisation Todt“.
Persönlicher Stab Reichsführer-SS
Zentral für die Überlieferung der SS und Polizei ist der Bestand NS 19 (Persönlicher Stab Reichsführer-SS). In seinen Akten sind der Widerstand, z.B. der Kommunisten, und die Kollaboration gleichermaßen dokumentiert: der Einsatz der SS-Freiwilligen-Legion „Norwegen“, ferner die Aktivitäten des Ministerpräsidenten Quisling, des Reichskommissars für die besetzten norwegischen Gebiete, des Höheren SS- und Polizeiführers Nord und der Germanischen Leitstelle.
Ablesbar sind die Interaktionen mit Hitler und Himmler und die Reibungen innerhalb der deutschen und norwegischen Führungseliten. Belegt sind auch: die Ablehnung der von Ministerpräsident Quisling vorgeschlagenen Erörterung eines Friedensschlusses zwischen Deutschland und Norwegen durch Hitler, Bestrebungen zur Errichtung eines germanischen Forschungsinstituts in Norwegen sowie eines Rasse- und Siedlungshauptamtes, das Verbot der Heirat zwischen Wehrmachtsangehörigen und Norwegerinnen und das Veto Himmlers gegen diesen Geheimbefehl der Wehrmacht.
Reichssicherheitshauptamt
In der Zentrale von Terror und Verfolgung, dem Reichssicherheitshauptamt (R 58), liefen Meldungen aus dem gesamten deutschen Herrschaftsgebiet, darunter auch des Höheren SS- und Polizeiführers Nord und des Befehlshabers der Sicherheitspolizei in Oslo, zusammen.
Sie berichten von der Überwachung echter und vermeintlicher Gegner des Regimes, Spionen, deutschen Emigranten, von Verhaftungen, dem Vorgehen gegen Sabotageanschläge und staatsfeindliche Propaganda.
Man registrierte auch Proteste in Norwegen gegen Todesurteile deutscher Gerichte. Stetig beschaffte man Nachrichten zur Innen- und Außenpolitik. Aktenkundig wurde auch die Aufnahme von Beziehungen zwischen der NSDAP und der Quisling-Bewegung.
SS-Hauptämter
Wenn es um deutsche und norwegische Angehörige der Allgemeinen und Waffen-SS geht, sollte man auch die Bestände weiterer SS-Ämter beachten, darunter NS 2 (Rasse- und Siedlungshauptamt-SS), NS 33 (SS-Führungshauptamt), NS 31 (SS-Hauptamt) und NS 3 (SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt).
Speziell ist das Thema „Lebensborn“ und uneheliche Kinder als Folge der Besetzung in Norwegen belegt unter anderem im Bestand NS 48 (Sonstige zentrale Dienststellen und Einrichtungen der SS).
Justiz
Die zentrale Überlieferung im Bereich der Justiz ist der Bestand des Reichsjustizministeriums (R 3001). Er zeigt den Umgang der Länder miteinander bzw. mit den Bürgern des jeweils anderen Staates von der Kaiserzeit bis zur Zeit der deutschen Besatzung, wo es z.B. um die Errichtung eines deutsch-norwegischen Schiedsgerichts und um die von der norwegischen Bevölkerung abgelehnte Angliederung des deutschen Zivilgerichts an die SS-Gerichtsbarkeit ging. Ferner sind Vaterschaftsprozesse deutscher Wehrmachtsangehöriger in Norwegen dokumentiert.
Auch die Unterrichtung Adolf Hitlers über wichtige Vorkommnisse wie die Überstellung von 2000 Strafgefangenen aus dem Emsland nach Norwegen wurde aktenkundig.
Wenn es um die Schifffahrt geht, sollte man den Bestand R 27 (Prisengerichte) konsultieren. Zu Fragen rund um „feindliches Vermögen“ wäre R 87 (Reichskommissar für die Behandlung feindlichen Vermögens) hinzuzuziehen. Anschriften der SS- und Polizeigerichte IX beim Höheren SS- und Polizeiführer Norwegen findet man in NS 7 (SS- und Polizeigerichtsbarkeit).
Finanzen
Im Bereich der Finanzen spiegeln sich die deutsch-norwegischen Beziehungen in den Beständen des Reichsfinanzministeriums (R 2), der Deutschen Reichsbank (R 2501) und des Rechnungshofs des Deutschen Reiches (R 2301) wieder: von der Deutschen Antarktischen Expedition von 1938/39 über den Handel mit Fisch und Metallen, die Erschließung der Erz- und Schwefelkiesvorkommen im Gebiet von Grong, in Norwegen tätige deutsche Firmen bis zur Deckung der Kosten für die Wehrmacht und die deutsche Besatzungsverwaltung, darunter des Polizeigefangenenlagers Grini.
Im Bestand R 2501 liest man von norwegischen Bankhäusern, der Deutschen Handelskammer, Verrechnungs-, Waren-, Kredit- und Zahlungsverkehrsabkommen. Bauarbeiten des Luftgaukommandos in Norwegen prüfte der Rechnungshof des Deutschen Reiches (R 2301).
Informativ zu Bergbau, Handel und Schifffahrt sind die Akten des Reichswirtschaftsministeriums (R 3101). Zum Ersten Weltkrieg aufschlussreich sind die Akten der Kriegsgesellschaften. In der „Sammlung Geschäftsberichte“ (R 907) findet man Unterlagen zu norwegischen Banken.
Wirtschaft
Umfangreich ist die Überlieferung aus der Zeit der deutschen Besatzung. Die wirtschaftliche Ausbeutung Norwegens im Zweiten Weltkrieg lässt sich ablesen am Bestand R 3 (Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion), ferner Einsätze der Organisation Todt und Sabotageakte auf der Akerswerft in Oslo.
Zur Fischerei, Land- und Viehwirtschaft ist auch das Schriftgut des Beauftragten für den Vierjahresplan (R 26-IV) von Relevanz. Zur Energiewirtschaft sollte man den Bestand R 4604 (Generalinspektor für Wasser und Energie) hinzuziehen.
Wichtig sind auch die Unterlagen der Industriebeteiligungsgesellschaft mbH (R 121) z.B. zur Rohstoffhandelsgesellschaft (Roges), sowie der Bestand R 3112 (Reichsamt für Wirtschaftsausbau) zu wehrwirtschaftlichen Bauvorhaben und Produktionsprogrammen.
Daneben macht das Bundesarchiv das Schriftgut diverser Hauptvereinigungen, Reichsstellen und Wirtschaftsgruppen zugänglich, unter denen die Hauptvereinigung der deutschen Fischwirtschaft (R 17-III) und die Reichsstelle für Chemie (R 8-VIII) als bedeutsam für die deutsch-norwegischen Beziehungen hervorgehoben seien.
Infrastruktur
Im Schriftgut der Organisation Todt (R 50-I und R 50-II) ist der Arbeitseinsatz der Gruppe „Wiking“ dokumentiert, vom Winterdienst auf den Straßen bis zu Bauvorhaben. Planungen zum Wiederaufbau zerstörter norwegischer Städte findet man im Schriftgut des Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt (R 4606).
Zu Fragen der Infrastruktur sind zudem die Unterlagen des Reichspostministeriums (R 4701), des Reichsverkehrsministeriums (R 5), des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen (R 4601) sowie des Reichskommissars für die Seeschifffahrt (R 147) relevant.
Über die Beschäftigung deutscher Arbeiter in Schweden und den Einsatz von sowjetischen Kriegsgefangenen in Norwegen und Lappland 1942 findet man Informationen in den Akten des Reichsarbeitsministeriums (R 3901).
Kultur
In der Kulturverwaltung war das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (R 55) tonangebend. In den Protokollen der täglichen Konferenzen des Reichsministers Goebbels mit den Abteilungsleitern 1940-1943 geht es um eine Vielfalt an Themen: vom Eintreten des norwegischen Schriftstellerverbandes für Carl von Ossietzky bis zu Gastspielen deutscher Theater in Oslo.
Zum Einsatz des deutschen Schauspielers Heinrich George bei der Truppenbetreuung in Norwegen findet man Unterlagen im Schriftgut der Reichskulturkammer (R 56-I). Informationen über deutsche Schulen in Norwegen oder die deutsch-norwegische Zusammenarbeit bei der Erforschung und Kartierung des Jostedalsbre in Südnorwegen findet man in den Akten des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung (R 4901).
Umfassende Daten über Norwegen sammelte das Deutsche Auslandswissenschaftliche Institut (R 4902): zur Wirtschaft, Außen- und Innenpolitik, den Kulturbeziehungen, der deutschen Besatzung - dem Wehrmachtbefehlshaber Norwegen, Vidkun Quisling und der „Nasjonal Samling“, der „Germanske SS Norge“, der norwegischen Exilregierung in London und dem Terror gegen politische Gegner.
Einen Bericht zur Stellung der Lappen und Finnen in Norwegen von 1941 birgt der Bestand R 153 (Publikationsstelle Berlin-Dahlem). Über rassenkundliche Untersuchungen des Röntgensturmbannes von SS-Standartenführer Holfelder 1941 gibt es Dokumentation im Bestand R 135 (Sven-Hedin-Institut für Innerasienforschung).
NSDAP
In einer Diktatur maßt sich die führende Partei den Rang eines staatlichen Organs an. Die Überlieferung von Dienststellen der NSDAP ist daher von größter Aussagekraft. Das Bundesarchiv macht das Schriftgut der Parteidienststellen zugänglich, die mit zentralen Regierungs- und Verwaltungsfragen des Dritten Reichs befasst waren.
In Bezug auf Norwegen ergiebig ist das Schriftgut des Außenpolitischen Amtes der NSDAP (NS 43), das Berichte hinterlassen hat wie: „Kurze Darstellung der Verhandlungen, die zur Besetzung Norwegens führten“ (1940) oder "Die politische Vorbereitung der Norwegen-Aktion" (1940). Mitgliederlisten der Ländervertretung Norwegen der Auslandsorganisation der NSDAP findet man im Bestand NS 9 (Auslandsorganisation der NSDAP).
Dokumentation über das Judentum in Norwegen birgt der Bestand NS 15 (Der Beauftragte des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP).
Die Aktivitäten Alfred Rosenbergs und seines Einsatzstabes bilden sich in Akten der Bestände NS 8 (Kanzlei Rosenberg) und NS 30 (Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg) ab. Das Hauptarchiv der NSDAP (NS 26) forderte 1940 Gauleiter Josef Terboven zur Übergabe von Archivmaterial aus Norwegen auf.
Wichtig sind die Akten der Partei-Kanzlei (NS 6), insbesondere die „Führerbesprechungen“, Vermerke Martin Bormanns über seine Unterredungen mit Hitler. Dabei ging es z.B. um die Behandlung nationalsozialistischer Gruppen im besetzten Norwegen und 1944 um Maßnahmen für den Fall einer Invasion in das Land.
Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP (NS 22) befasste sich mit der „Volkstumsarbeit“ unter den Deutschen in Norwegen, der Reichspressechef der NSDAP (NS 42) führte Karteien über norwegische Journalisten und Zeitungen, und der Reichspropagandaleiter der NSDAP (NS 18) kümmerte sich um die kulturelle Betreuung der Truppen. Der Reichsschatzmeister der NSDAP (NS 1) verwaltete die Mitglieder der NSDAP und finanzierte die Landesgruppe Norwegen.
Zur NSDAP gehörten diverse Gliederungen und angeschlossene Verbände. Auch in deren Beständen befindet sich Dokumentation über Norwegen. Der Bestand NS 5-I mit Schriftgut der Deutschen Arbeitsfront (DAF) informiert über Norwegen-Reisen der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Das Arbeitswissenschaftliche Institut der DAF (NS 5-VI) sammelte Informationen über ein breites Themenspektrum: von der norwegischen Innen- und Außenpolitik über Wirtschaft und Handel bis hin zu Kultur und Wissenschaft.
Zur SS-Forschung instruktiv ist das Schriftgut der Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ (NS 21). Themen waren z.B. die deutsche Einwanderung in Norwegen und der Erhalt der Deutschen Brücke durch den „Germanischen Wissenschaftseinsatz“.
Kommunisten und Sozialisten
Die Zusammenarbeit der kommunistischen Parteien Norwegens und Deutschlands bildet sich im Bestand RY 1 (Kommunistische Partei Deutschlands) ab. Der Bestand RY 20 (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) informiert über sozialdemokratische Exil-Gruppen in Norwegen.
Zahlreich überliefert ist im Schriftgut der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (Bestand RY 13) die „Norwegen-Korrespondenz“, darunter vor allem Briefe von und an den Emigranten Willy Brandt aus den Jahren 1933-1936. Sie beleuchten den Widerstand der Gruppe Oslo und ihre Kontakte zur norwegischen und internationalen Arbeiterbewegung.
Man findet Dokumentation über Parteitage, Gewerkschaftskongresse, die Arbeitsrichtlinien der Antifaschistischen Emigrantengemeinschaft in Norwegen, die Umstände der Verleihung des Nobel-Preises an Carl von Ossietzky und den Protest norwegischer Gewerkschafter und Juristen gegen das Todesurteil gegen Edgar André 1936.
Organisationen, Verbände und Wirtschaftsunternehmen
Was das Schriftgut von Organisationen, Verbänden und Wirtschaftsunternehmen angeht, sind folgende Bestände zu nennen:
- R 9364 (Deutsche Gesellschaft, Oslo),
- R 8024 (Kolonialwirtschaftliches Komitee) mit einem Rundschreiben des Reichswanderungsamtes von 1920 über Auswanderungsmöglichkeiten für Deutsche,
- R 67 (Archiv für deutsche Kriegsgefangene des Frankfurter Vereins vom Roten Kreuz und für Kriegsgefangenenforschung) zu deutschen Internierten des Ersten Weltkrieges in Norwegen,
- R 1508 (Deutsches Rotes Kreuz) zum DRK-Beauftragten für Norwegen (1943-1944),
- R 8076 (Organisationskomitee der IV. Olympischen Winterspiele 1936),
- R 8077 (Organisationskomitee der XI. Olympischen Sommerspiele 1936) zu Teilnehmern und Pressevertretern aus Norwegen und
- RY 22 (Archiv des Instituts für Sozialforschung an der Universität Frankfurt/Main) zur Norwegischen Arbeiterpartei 1920-1922.
Zuschüsse zu Studienreisen nach Norwegen vergab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (R 73), z.B. für anthropologische Untersuchungen „bei den Lappen“ und zur Überprüfung der Eiszeittheorie. Das Deutsche Ausland-Institut (R 57) unterstützte kulturelle Belange der Deutschen in Norwegen. Das Deutsche Studentenwerk e.V./Reichsstudentenwerk (R 149) förderte den Austausch von Studenten zwischen Deutschland und Norwegen.
Die Aktivitäten der IG-Farbenindustrie in Norwegen bilden sich im Bestand R 8128 ab. Man liest von der Errichtung einer Magnesiumfabrik, einem Luftangriff auf das Chemiewerk Rjukan sowie von Beteiligungen an der chemischen und elektrometallurgischen Industrie, des Bergbaus und der Metallhüttenindustrie in Norwegen.
Preußische Armee und Kaiserliche Marine
Nur wenig ist im Schriftgut der Preußischen Armee überliefert. Reichhaltige Dokumentation zu Norwegen findet sich hingegen bei der Kaiserliche Marine, darunter im Bestand RM 5 (Admiralstab der Marine/Seekriegsleitung der Kaiserlichen Marine). Von Berichten über die norwegische Marine vom ausgehenden 19. Jahrhundert an bis hin zu den Vorbereitungen auf den Kriegsfall „N“ werden viele Aspekte der militärischen, aber auch der Handelsschifffahrt berührt.
Fotos der Yacht „Hohenzollern“ unter anderem mit Kaiser Wilhelm II. und seinen Besuchern, dem russischen Zaren Nikolaus II. und König Haakon VII., an Bord (1906) sind im Bestand RM 101 (Hilfsschiffe, Troßschiffe und Spezialschiffe der Kaiserlichen Marine) überliefert.
Reichswehr und Wehrmacht
Äußerst umfangreich ist die Dokumentation aus Dienststellen der Reichswehr und der Wehrmacht zu Norwegen – was sich mit der militärischen Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg erklärt.
Erhebliche Mengen der deutschen militärischen Überlieferung verblieben nach dem Krieg allerdings in Norwegen und sind im dortigen Nationalarchiv zugänglich.
Im Bestand RW 39 (Wehrmachtbefehlshaber in Norwegen) findet man „Chefsachen“ wie die Kapitulationsverhandlungen mit Norwegen im Juni 1940 oder geheime Kommandosachen, die Besetzung von Solvaer (Lofoten) mit deutschen Dienststellen oder die Durchführung eines Angriffs gegen die Sowjetunion von Norwegen und Finnland aus (Operation "Silberfuchs") sowie zahlreiche Karten, unter anderem eine Karte des Aufmarschgebiets Norwegen von 1943.
Die Planung und Befehlsführung an höchster Stelle während der Operationen in Norwegen bilden sich im Bestand RW 4 (OKW/Wehrmachtführungsstab) ab, ferner Grundsätzliches zur Regelung des Verhältnisses zwischen Norwegen und Deutschland, die Abwehrarbeit in den besetzten Gebieten, das Vorgehen gegen Saboteure, Führerweisungen und -befehle z.B. zu Vorbereitungen für den militärischen Ausnahmezustand in Norwegen sowie die Regelung der Regierungsbefugnisse im Falle einer Invasion.
Die Planung des Überfalls auf Norwegen bildet sich außerdem in den Unterlagen der Seekriegsleitung der Kriegsmarine (RM 7) und des Luftwaffenführungsstabs (RL 2-II) ab. Hinzuzuziehen sind auch die Unterlagen der Dienststellen und Kommandostellen der Kriegsmarine im Bereich Norwegen und Dänemark (RM 45-III).
Berichte von „Vertrauensleuten“ sind in den Beständen RW 5 (OKW/Amt Ausland/Abwehr) und RW 49 (Nachgeordnete Dienststellen und Einheiten des Amtes Ausland/Abwehr) zu finden. Die Räumung Norwegens 1945 bildet sich in Unterlagen des Großadmirals Dönitz im Bestand RW 44-I (OKW/Führungsstab A (Nord)) ab.
Die Wehrwirtschaftsdienststellen in Norwegen bilden ebenfalls einen eigenen Bestand (RW 28). Ergiebig sind die Unterlagen des Wehrwirtschaftsstabs Norwegen und der Wehrwirtschaftsoffiziere in Aandalsnes, Arendal, Bergen, Bodö, Dombaas, Drontheim, Hamar, Hammerfest, Kirkenes, Kristiansand, Molde, Narvik, Oslo, Stavanger und Tromsö.
Das Schriftgut der vorgesetzten Dienststelle findet man im Bestand RW 19 (OKW/Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt). Es beleuchtet viele Aspekte der rüstungswirtschaftlichen Ausnutzung des Landes unter deutscher Besatzung.
Bemerkenswert ist die Überlieferung der Gerichte der Reichswehr und Wehrmacht. Der Bestand R 60 dokumentiert das Verhalten deutscher Truppen in Norwegen, die Tätigkeit der Gerichte Seekommandant Oslofjord, Admiral norwegische Westküste und Marinechefrichter Norwegen, des Kommandanten der Seeverteidigung Stavanger und der Deutschen Minenräumdivision Norwegen.
Die meisten der über 4.000 Strafprozessakten mit Bezug zu Norwegen im Bestand PERS 15 stammen von Gerichten der Marine, jedoch auch von Heer und Luftwaffe. Inhaltlich geht es vor allem um Fahnenflucht, Zersetzung der Wehrkraft, militärischen Diebstahl und Feindbegünstigung.
Wichtig sind ferner die Akten des OKH/Generalstabs des Heeres (RH 2) mit Dokumentation zum AOK Norwegen, den Unternehmen „Barbarossa“ und „Silberfuchs“, zur Möglichkeit einer militärischen Intervention Schwedens in Norwegen im April 1945, dem Widerstand und Aktionen von Partisanen.
Erwähnt seien auch die Bestände RH 3 (OKH/Generalquartiermeister und nachgeordneter Bereich), RH 4 (OKH/Chef des Transportwesens), RH 5 (OKH/Chef des Kriegskarten- und Vermessungswesens), RH 8 (OKH/Heereswaffenamt mit nachgeordneten Dienststellen) und RH 14 (OKH/Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres).
In RH 7 (OKH/Heerespersonalamt) ist die Verleihung von Orden an Mitglieder der Besatzungsarmee dokumentiert. Weiteres zum Personal und der Organisation findet man in den Beständen RH 15 (OKH/Allgemeines Heeresamt) und RH 10 (OKH/Generalinspekteur der Panzertruppen).
Um die Einrichtung eines norwegischen Heeresarchivs unter deutscher Ägide kümmerte sich der Chef der Heeresarchive (RH 18). Im Bestand RH 60 (Kriegsgeschichtliche Abteilung des Heeres) ist der Text "Die Eroberung Norwegens und die Besetzung Dänemarks 1940" mit mehreren Lagekarten überliefert.
Im Bestand RH 53-18 (Wehrkreiskommando XVIII (Salzburg)) befinden sich mehrere Berichte und Fotos zum Norwegen-Feldzug. Neben Dokumentation zur Aufstellung der Heerestruppen und der Küstenartillerie birgt der Bestand RH 20-20 (Gebirgs-Armeeoberkommando 20) mehrere Karten, unter anderem zur Gebietseinteilung Norwegens, ein Kriegstagebuch und Unterlagen zur Räumung Norwegens („Nordlicht“) 1945.
Zu diversen Truppenteilen des Heeres, der Luftwaffe und der Kriegsmarine, die an der Invasion beteiligt waren, gibt es ebenfalls Unterlagen.
Ergänzendes Material findet man in den Militärgeschichtlichen Sammlungen. Hervorgehoben seien folgende Bestände:
- MSG 2 Sachthematische und biographische Sammlung zur deutschen Militärgeschichte 1849-1945
- MSG 200 Sammlung zum Kriegsgefangenenwesen seit 1867 ("Elsa-Brändström-Gedächtnisarchiv")
Waffen-SS
Vergleichsweise überschaubar ist die Überlieferung der Waffen-SS. Vorhanden sind Unterlagen der 6. SS-Gebirgs-Division „Nord“ (RS 3-6) und der SS-Freiwilligen-Legion Norwegen/SS-Panzergrenadier-Regiment 23 „Norge“ (11. SS-Panzer-Grenadier-Division „Nordland“) im Bestand RS 24 (Einheiten der Panzergrenadiere der Waffen-SS) mit Gefechtsberichten und namentlichen Verlustmeldungen, sowie den besonders intensiv genutzten Verleihungslisten in RW 59 „Personalverwaltende Stellen der Wehrmacht“ (darin u.a. Verleihungen an norwegische Angehörige der Waffen-SS).
Personenbezogene Unterlagen können in den Sammlungen des „Berlin Document Center“ (Teilbestände R 9361) zu finden sein.