Einführende Informationen
Nach dem erfolgreichen Überfall auf Polen im Jahr 1939 richtete sich der Fokus des Deutschen Reichs gen Westen. Dort stand es Frankreich und Großbritannien gegenüber, die beide dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg erklärt hatten, um Polen beizustehen. Bekanntermaßen gelang es den Alliierten nicht, Polen vor der Zerschlagung zu bewahren, doch änderte dies nichts am Kriegsstatus. Am 10. Mai 1940 startete die Wehrmacht zusammen mit der Waffen-SS den Westfeldzug, infolgedessen es gelang, Frankreich militärisch zu besiegen und das britische Expeditionskorps zum Rückzug zu zwingen.
Der Westfeldzug von 1940 kann jedoch nicht ohne die Berücksichtigung der sogenannten Nordflanke – sprich: Dänemark und Norwegen – betrachtet werden. Beide Länder waren für die deutsche Marineführung und Adolf Hitler in Hinblick auf den Kampf mit Großbritannien, sollte es keinem Friedensabkommen zustimmen, von strategischer Bedeutung. Von Dänemark ausgehend bot sich eine günstige Position für die Sicherung des Zugangs zur Ostsee und die Häfen an der Küste Norwegens erlaubten es der Kriegsmarine, in der Nordsee effektiver zu operieren. Für die deutsche Rüstungsindustrie waren zudem Erzlieferungen aus Schweden wichtig, die es dauerhaft zu sichern galt. Hinzukam noch die Sorge, dass beide Länder Frankreich und Großbritannien eine gute Ausgangslage bieten könnten, um das Deutsche Reich im Norden militärisch unter Druck zu setzen.
Obwohl Dänemark und Norwegen neutral waren, entschied sich die deutsche Militärführung aufgrund ihrer strategischen Überlegungen für einen Präventivschlag und starte, nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, das Unternehmen Weserübung.
In den frühen Morgenstunden des 9. Aprils 1940 begann der Angriff auf Dänemark, dem unmittelbar ein Ultimatum folgte. Dänemark sollte der deutschen Besetzung zustimmen, andernfalls drohte die Bombardierung von Kopenhagen. Die dänischen Streitkräfte waren der Wehrmacht völlig unterlegen und militärischer Widerstand erschien somit aussichtslos. Infolgedessen kapitulierte Dänemark noch am selben Tag und stand bis Mai 1945 unter deutscher Kontrolle.
Zwischen Norwegen und dem Deutschen Reich kam es bereits am 8. April 1940 zu ersten Kampfhandlungen. Die norwegische Regierung entschied sich jedoch nicht, gegenüber dem Deutschen Reich unmittelbar zu kapitulieren, sondern weiterzukämpfen. Dabei erhielt sie Unterstützung von Frankreich und Großbritannien sowie von polnischen Exiltruppen.
Anders als in Dänemark, erwartete die Wehrmacht in Norwegen erbitterter Widerstand, der zu zahlreichen Verlusten auf deutscher Seite führte. Insbesondere die Kriegsmarine verlor durch Gefechte mit der Royal Navy und durch norwegische Küstenartilleriebatterien den Großteil ihrer eingesetzten Zerstörer. Dennoch landeten deutsche Truppen erfolgreich in Arendal, Bergen, Egersund, Kristiansand, Narvik, Oslo, Stavanger und Trondheim. Die darauffolgenden Vorstöße der deutschen Truppen an Land verliefen teils sehr schleppend, da die dortige Gegenwehr nicht minderstark ausfiel. Die Erfolge der Wehrmacht und Waffen-SS im Westen führten allerdings dazu, dass Frankreich und Großbritannien ihre Streitkräfte aus Norwegen abziehen mussten. Infolge des Wegfalls der alliierten Unterstützung und des sich abzeichnenden Sieges des Deutschen Reichs in Frankreich, kapitulierte Norwegen schließlich am 10. Juni 1940. Damit war das Unternehmen Weserübung ein Erfolg, wenngleich die deutschen Verluste sehr hoch ausfielen.
Diese stark komprimiert geschilderten Ereignisse entfalten sich umfangreich in den Unterlagen der ehemaligen Wehrmacht. Sie sind aufgrund von Kriegseinwirkungen jedoch nicht vollständig. Besonders gen Ende des Zweiten Weltkriegs fanden durch die deutschen Stellen umfangreiche Vernichtungsaktionen statt. Außerdem erlitt das Heeresarchiv am 14. April 1945 im Zuge der Bombardierung Potsdams einen Volltreffer und brannte nahezu vollständig aus. Lediglich zuvor ausgelagerte Unterlagen blieben von den Flammen verschont. Für Unterlagen der Wehrmacht, die vor 1942 entstanden sind, gilt zu berücksichtigen, dass es im Februar 1942 im Heeresarchiv zu einem Brand kam, der zahlreiche Akten beschädigte und zum Teil zerstörte. Nachfolgend erfahren Sie, wie Sie trotz der Überlieferungslücken relevante Quellen zum Unternehmen Weserübung finden.
Recherchestrategie
Ortsbezogene Recherchen im Bundesarchiv, die die Zeit des Zweiten Weltkriegs betreffen, sind meist mit hohen Aufwänden verbunden, denn die hiesigen Bestände sind allesamt nach militärischen Dienststellen und Truppenteilen abgelegt. Ein Zugriff über Orts- oder Gebietsnamen besteht in der Regel nicht. Zwar können Sie in invenio mit Schlagworten suchen, doch führt dieses Vorgehen nur zu wenigen beziehungsweise nicht selten zu überhaupt keinen Treffern. Das bedeutet jedoch nicht, dass keinerlei Überlieferung existiert.
Stattdessen besteht die Notwendigkeit, eine Vielzahl von Beständen auszuwerten – eine sehr zeitintensive Sucharbeit, deren Ergebnis angesichts der Überlieferungslage offen bleiben muss, denn von Regimentern, Bataillonen und sonstigen kleineren Einheiten sowie Dienststellen sind in der Regel nur wenige oder keine Unterlagen erhalten und selbst die Kriegstagebücher der Divisionen enden meistenteils bereits 1943.
Die Vorstöße der Landstreitkräfte der Wehrmacht in Dänemark und Norwegen bilden sich maßgeblich auf Lagekarten ab. Wenn Sie sich für die Operationen und Stationierungen von deutschen Truppenteilen in bestimmten Orten oder Gebieten dieser beiden Länder während des Überfalls interessieren, dann können Sie mit Hilfe von Lagekarten deren Namen in Erfahrung bringen. Die Lagekarten des Führerhauptquartiers sind hierfür besonders geeignet. Sie werden im Bestand OKH / Generalstab des Heeres.- Lagekarten (RH 2-KART) verwahrt.
Die Lagekarten sind nach Kriegsschauplatz sowie Zeitraum geordnet und stehen mit verschiedenen Maßstäben zur Verfügung. Relevant sind dabei die Karten zur Lage Norwegen und Dänemark 1940/1945.
Wenn Sie anhand der Einsichtnahme in die Lagekarten die Namen der Truppenteile in Erfahrung gebracht haben, können Sie Ihre Recherche in deren Kriegstagebüchern und sonstigen Unterlagen fortsetzen.
Primäre Überlieferung zum Unternehmen Weserübung
Zentrale Stellen der Wehrmacht
Quellen zum Überfall auf Dänemark und Norwegen befinden sich in zahlreichen Beständen des Bundesarchivs. Die unmittelbare Planung ist auf der höchsten militärischen Ebene in den Akten des Oberkommandos der Wehrmacht beim Wehrmachtführungsstab (RW 4) überliefert. Auf Seiten der Luftwaffe war der Luftwaffenführungsstab (RL 2-II) in die Vorbereitungen eingebunden. Der Großteil der Planungsunterlagen ist jedoch bei der Seekriegsleitung der Kriegsmarine (RM 7) zu verorten.
Kommandos und Befehlshaber der Kriegsmarine
Auf der Ebene der Kommandos und Befehlshaber der Kriegsmarine liegen weitere Operationsunterlagen, wie beispielsweise grundsätzliche Anordnungen und Befehle, vor.
Obwohl in Dänemark und Norwegen Divisionen des Heeres einmarschierten, liegen beim Oberkommando des Heeres zur Weserübung keine Planungsunterlagen vor. Dieser Umstand ist darauf zurückzuführen, dass das Oberkommando des Heeres bei der Ausarbeitung der Invasion schlichtweg außenvorgelassen wurde.
Länderspezifische Überlieferung – Dänemark
Heer
Für den Einmarsch in Dänemark war auf Seiten des Heeres das Höhere Kommando z.b.V. XXXI. (RH 24-80) zuständig. Dieses setzte sich aus drei Großverbänden – zwei Divisionen und eine Brigade – zusammen und wurde von einer Panzer-Abteilung der Heerestruppe unterstützt.
Luftwaffe
Das X. Fliegerkorps (RL 8) führte im Rahmen des Überfalls auf Dänemark mehrere Luftangriffe durch. Außerdem landeten Teile des Fallschirmjäger-Regiments 1 (RL 33) an wichtigen Verkehrsknotenpunkten und nahmen überdies einige Flugplätze ein.
Kriegsmarine
Für die Invasion Dänemarks wurden die Kriegsschiffgruppen 7 bis 11 bereitgestellt. Von den Kriegsschiffsgruppen selbst gibt es keine eigenständigen Bestände im Bundesarchiv. Gleichwohl hatten deren Führer parallel andere Funktionen inne. Sie waren mitunter die Kommandanten von einzelnen Schiffen, Verbänden und Dienststellen der Kriegsmarine. Die dazu vorliegenden Bestände umfassen wiederum Unterlagen zu den Aktivitäten der Kriegsschiffsgruppen.
Abseits davon liegen in den Akten der einzelnen Schiffe und Flottillen der Kriegsschiffgruppen weitere relevante Quellen zur Weserübung vor.
Länderspezifische Überlieferung – Norwegen
Heer
Die Invasion Norwegens oblag beim Heer der Gruppe XXI (XXI. Armeekorps) (RH 24-21). Diese bestand aus insgesamt acht Großverbänden – sieben Divisionen und eine Brigade.
Luftwaffe
Wie bereits in Dänemark, führte das X. Fliegerkorps (RL 8) auch Luftangriffe auf Norwegen im Zuge der Invasion durch. Teile des Fallschirmjäger-Regiments 1 (RL 33) nahmen überdies den Flughafen von Oslo ein.
Kriegsmarine
Für die Invasion Norwegens standen die Kriegsschiffgruppen 1 bis 6, sowie mehrere Unterseeboot- und Seetransportgruppen bereit. Auch von diesen sind keine unmittelbaren Bestände im Bundesarchiv vorhanden. Stattdessen bildet sich deren Überlieferung in den Akten derjenigen Schiffe, Verbände und Dienststellen ab, für die die Führer der Kriegsschiffgruppen gleichzeitig verantwortlich waren.
In den Akten der einzelnen Schiffe und Flottillen der jeweiligen Kriegsschiff-, Unterseeboot- und Seetransportgruppen sind weitere Quellen zu erwarten.
Die an der Weserübung beteiligten Unterseebootgruppen 1 bis 6, 8 und 9 wurden direkt vom Befehlshaber der Unterseeboote der Kriegsmarine (RM 87) geführt.
Die Seetransportgruppen setzten sich aus einer Tanker- und einer Ausfuhrstaffel sowie drei Seetransportstaffeln zusammen.
Ersatzüberlieferung zum Unternehmen Weserübung
Archivgut
Aufgrund der immensen Schriftgutverluste lassen sich viele Fragen zum Unternehmen Weserübung anhand der amtlichen Überlieferung leider nicht mehr vollumfänglich beantworten. Das Bundesarchiv stellt jedoch eine sehr umfangreiche Ersatzüberlieferung bereit.
Zunächst können in den Beständen der Historical Division der US-Army, Studiengruppe Wehrmachtführung und Heer (ZA 1) und Studiengruppe Luftwaffe (ZA 3), nützliche Unterlagen existieren. Diese umfassen Ausarbeitungen zu zahlreichen deutschen Truppenteilen und den verschiedenen Kriegsschauplätzen des Zweiten Weltkriegs.
Von der Abteilung Wehrmachtpropaganda des Wehrkreiskommandos XVIII (Salzburg) (RH 53-18) liegen außerdem zahlreiche Berichte, Zeitungsausschnitte und Fotos zum Norwegenfeldzug des Unternehmens Weserübung vor.
Im Bestand Sachthematische und biographische Sammlung zur deutschen Militärgeschichte 1849–1945 (MSG 2) befinden sich unter anderem private Tagebücher, Feldpostbriefe sowie Erlebnisberichte von ehemaligen Soldaten. Da der Bestand sehr umfangreich ist, empfiehlt es sich, eine Eingrenzung auf diesen in der allgemeinen Suche durchzuführen und anschließend mit Schlagworten zu operieren.
Bibliotheksgut
Im Bibliothekskatalog des Bundesarchivs können Sie nach möglicherweise vorhandenen Ausarbeitungen zu Truppenteilen suchen. Diese sind insbesondere dann sehr hilfreich, wenn kaum Akten zu den gesuchten Truppenteilen überliefert sind. Derartige Publikationen basieren zum Teil auf den Erinnerungen ehemaliger Angehöriger.
Unterlagen zum Unternehmen Weserübung einsehen
Allgemeines
Das Bundesarchiv verfolgt das Ziel, sämtliche Bestände der Wehrmacht zu digitalisieren und online zugänglich zu machen. Aufgrund der schieren Menge an Akten wird es jedoch noch mehrere Jahre dauern, bis das Ziel erreicht wird.
Im Falle des Überfalls auf Dänemark und Norwegen liegen bereits die Bestände des Wehrmacht- und des Luftwaffenführungsstabs, des X. Fliegerkorps, des Fallschirmjäger-Regiments 1, der 3. Gebirgs-Division und des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte digital vor. Zudem wurden die Archivalien einiger Schiffe, wie z. B. des schweren Kreuzers „Admiral Hipper“ und des Linienschiffs „Schleswig-Holstein“ online zugänglich gemacht.
Nicht digitalisierte Unterlagen können Sie entweder vor Ort einsehen oder deren Digitalisierung on demand beauftragen.
Bitte beachten Sie, dass aufgrund der angesprochenen Digitalisierungsbestrebungen des Bundesarchivs einzelne Bestände temporär nicht für die Benutzung bereitstehen können. Nähere Hinweise finden Sie auf unserer Internetseite zu den temporär gesperrten Beständen.
Benutzungshinweise für die Ersatzüberlieferung zum Unternehmen Weserübung
Die Unterlagen in dem Bestand MSG 2 liegen im Bundesarchiv aufgrund von privatrechtlichen Vereinbarungen vor. Da es sich um eine Sammlung zahlreicher privater Abgaben handelt, ist stets eine individuelle Prüfung der Akten und deren Rechtesituation nötig. Wenn Sie Akten gefunden haben, die Sie gern einsehen möchten, dann bitten wir Sie, uns deren Archivsignaturen mitzuteilen. In der Regel ist die Benutzung von Akten aus MSG 2 nicht an besondere Benutzungsbedingungen geknüpft. Die Rechtesituation erfordert jedoch eine der Benutzung vorausgehende Prüfung.
Wir bitten Sie deshalb, für eine Einsichtnahme neben Ihrem Benutzungsantrag auch die Besondere Verpflichtungserklärung für die Nutzung von Archivgut privater Herkunft einzureichen. Da es sich um Unterlagen privater Herkunft handelt, ist für die Benutzung die Unterzeichnung einer solchen Erklärung erforderlich. Sie verpflichten sich damit, die schutzwürdigen Belange von Personen, die in den Unterlagen genannt werden, angemessen zu wahren und Urheberrechte zu beachten.
Weitere Quellen in anderen Archiven und Institutionen
In den Nationalarchiven Dänemarks und Norwegens können zahlreiche weitere Quellen zum Unternehmen Weserübung vorliegen, die einen Einblick in die Perspektive der beiden überfallenen Länder gewähren. Es ist ebenfalls sinnvoll, bei den Nationalarchiven Frankreichs und Großbritanniens anzufragen, da beide Länder Truppen nach Norwegen entsandten.
Dänemark:
Rigsarkivet
Kalvebod brygge 34
1560 København V
Telefon: +45 33 92 33 10
E-Mail
Norwegen:
Arkivverket
P.O. Box 4013 Ullevål Stadion
0806 Oslo
Telefon: + 47 480 55 666
Kontaktmöglichkeiten
Frankreich:
Archives nationales
59, rue Guynemer
93383 Pierrefitte-sur-Seine cedex
Telefon: +33 (0) 1 75 47 20 02
E-Mail
Großbritannien:
The National Archives
Kew, Richmond
Surrey TW9 4DU
Kontaktseite
In Hinblick auf den norwegischen Kriegsschauplatz ist zudem das Projekt „Krigskart.no“ empfehlenswert. Dabei handelt es sich um eine interaktive Karte Norwegens, die Aufschluss über zahlreiche Kriegsereignisse zwischen 1940 und 1945 gibt. Das norwegische DigitaltMuseum bietet eine umfassende Fotosammlung zur Besatzungszeit an, die sich aus verschiedenen Museen des Landes speist.