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Symbolbild einer Trägerkarawane. Ein direkter Zusammenhang mit Kulturgutverlagerungen ist nicht belegt.

Symbolbild einer Trägerkarawane. Ein direkter Zusammenhang mit Kulturgutverlagerungen ist nicht belegt., Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1984-041-09 / o. Ang.

Quellen zu Kulturgutverlagerungen im kolonialen Kontext (1884–1918)

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Einführende Informationen

Mit dem Bekenntnis der deutschen Regierungskoalition 2018-21 zur „Aufarbeitung der Provenienzen von Kulturgut aus kolonialem Erbe“ (2018) sowie der Selbstverpflichtung von Bund, Ländern und Kommunen in den „Ersten Eckpunkten zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ (2019) wurden auf politischer Ebene die Weichen für die Aufarbeitung der Herkunftsgeschichte von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten gestellt. Darauf aufbauend wurden im Oktober 2025 „Gemeinsame Leitlinien zum Umgang mit Kulturgütern und menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten“ vereinbart.

In den Archivbeständen des Bundesarchivs aus der deutschen Kolonialzeit finden sich für die postkoloniale Provenienzforschung wichtige Quellen, die Fragen nach der Herkunft von Objekten beantworten können, die unter kolonialen Bedingungen erworben wurden. Dabei ist die Erforschung der kolonialen Strukturen, die sich in den authentischen Quellen des Bundesarchivs widerspiegeln, von besonderer Bedeutung. Sie tragen insgesamt zum Verständnis der Hintergründe der Kulturgutverlagerungen in der Zeit zwischen 1884 und 1918 bei.

Die im Bundesarchiv verwahrten Kolonialbestände spiegeln in aller Regel die Sichtweisen deutscher kolonialer Akteure wider, eine sorgfältige quellenkritische Würdigung ist daher unverzichtbar. Bitte beachten Sie auch die Hinweise zur spezifischen Sprache kolonialer Quellen.

Zugangsinformationen

Die Recherche zu den Schriftgutbeständen der Kolonialüberlieferung im Bundesarchiv ist über die im Recherchetool des Bundesarchivs invenio bereitgestellten Erschließungsdaten möglich. Die wichtigsten Archivalien zur Kolonialgeschichte sind digitalisiert und über invenio zugänglich (inklusive Downloadfunktion). Bitte beachten Sie auch die Möglichkeiten einer Digitalisierung on demand.

Digital verfügbares Bildmaterial (v.a. Fotos und Plakate) können Sie im Digitalen Bildarchiv abrufen. Filmmaterial ist im Digitalen Lesesaal recherchierbar.

Die Originalüberlieferung aus der Kolonialzeit befindet sich an unterschiedlichen Bundesarchiv-Standorten. In Berlin-Lichterfelde werden staatliche zivile Unterlagen, Nachlässe sowie Filme verwahrt. Die Militärüberlieferung und militärbezogene Nachlässe werden in Freiburg betreut. In Koblenz befinden sich ebenfalls Nachlässe und zahlreiche Fotos.

Der Zugang und die Nutzung der Kolonialüberlieferung unterliegt den Regelungen des Bundesarchivgesetzes (BArchG).

Recherchestrategien

In den überlieferten Kolonialbeständen sind in aller Regel keine größeren Aktenkomplexe, Zusammenstellungen von Listen oder Karteien über verlagerte Kulturgüter enthalten. Daher sind spezifische Recherchestrategien sinnvoll.                                                                                                       

Im Rahmen der postkolonialen Provenienzforschung ist zunächst die Einschätzung von objektübergreifenden Erwerbskontexten wichtig. Diese gelingt über Recherchen z. B. nach einzelnen Akteuren (handelnden Personen), wissenschaftlichen Expeditionen, über sog. „Strafexpeditionen“ und andere gewaltsame Unternehmungen, aber auch über geographische Begriffe. Es ist nicht ausgeschlossen, in diesem Zusammenhang auf die Erwähnung oder Auflistung einzelner Objekte zu stoßen, z.B. in Unterlagen zur Finanzierung von Expeditionen.

Als erster Einstieg in die Recherchen kann die geographische Übersicht über Kolonialbestände des Bundesarchivs dienen, die die vorhanden Bestände einzelnen Kolonien zuordnet.

Ein weißer und ein schwarzer Mann bei der Grenzvermessung der Süd- und Südostgrenze von Kamerun gegen das französische Kongogebiet

Geographischer Einstieg in die Kolonialbestände

Hier finden Sie eine Übersicht über die Bestände zur deutschen Kolonialgeschichte, sortiert nach den deutschen Kolonien und „Schutzgebieten“ in Afrika, im Pazifischen Ozean und in China.

Mehr

Innerhalb eines Bestandes führt die strukturierte oder navigierende Suche in invenio im Einzelfall zu relevanten Unterlagen. Als Suchbegriffe können auch entsprechende Synonyme, zeittypische Begriffe oder Schreibweisen sowie alte oder eingedeutschte Ortsnamen (z.B. Schutzgebiete statt Kolonien, Jaunde statt Yaoundé, Klein Popo statt Anecho oder Aneho) in Betracht kommen. Die Eingabe von Personen- und Ortsnamen oder Sachbegriffen im Suchschlitz führt oftmals nicht zu den erhofften Ergebnissen. Daher ist in der Regel eine strukturierte oder navigierende Suche in invenio angezeigt. Suchen Sie hierfür in der sog. „Klassifikation“ (Gliederung) eines Bestandes (ähnlich wie im Inhaltsverzeichnis einer wissenschaftlichen Arbeit) auch nach übergreifenden Betreffen des Gesuchten, z.B. „Forschungsreisende in Togo“ oder „Aufstände in Deutsch Neuguinea“. Die anschließende Durchsicht der dort zugeordneten Akten kann zu einschlägigen Ergebnissen führen.

Bitte beachten Sie, dass zu Regionen mit kurzer deutscher Kolonialherrschaft in der Regel weniger Überlieferung vorhanden ist (es gilt die Faustregel: je weiter im Binnenland, umso kürzer die deutsche Herrschaft, z.B. Ruanda). Überdies ist es – insbes. durch Kriegsereignisse im Ersten und Zweiten Weltkrieg – zu Lücken in der Überlieferung gekommen (z.B. Vernichtung des Großteils der Schutztruppen-Überlieferung).

Eine Vielzahl der Unterlagen zur Kolonialgeschichte ist in alter deutscher Handschrift (Kurrent- oder Frakturschrift) verfasst. Die „Kurrent-Schreibmaschine“ unterstützt Sie beim Lesen alter Texte.

Auswahl relevanter Archivbestände

Die im Bundesarchiv überlieferten Quellen aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs (1871 bis 1918) beinhalten eine Vielzahl authentischer Quellen zur deutschen Kolonialzeit ab 1884, die für die Provenienzforschung zu Kulturgut aus kolonialen Kontexten herangezogen werden können. Darunter befinden sich die Bestände staatlicher Stellen, insbes. des Reichskolonialamts, aber auch Bestände nichtstaatlicher Akteure. Die Kolonialüberlieferung enthält jedoch in der Regel keine größeren Schriftgutkomplexe, die sich explizit auf verlagerte bzw. unrechtmäßig entzogene Kulturgüter beziehen. Daher ist eine detaillierte Recherche im konkreten Einzelfall erforderlich.

Unterlagen von Missionsgesellschaften, privatwirtschaftlichen Firmen (Handel, Plantagen) und Museen sind im Bundesarchiv nicht zu erwarten, allenfalls der Schriftwechsel zwischen ihren Vertretern und staatlichen Stellen.

Die nachfolgende Liste von Beständen hat lediglich exemplarischen Charakter. Bitte nutzen Sie zur Orientierung im Rahmen Ihrer Recherchen in invenio auch die zum Teil sehr umfangreichen Informationen zu den jeweiligen Beständen, die zur Überlieferungsgeschichte und inhaltlichen Schwerpunkten Auskunft geben.

Weiterführende Informationen

  • Quellen zur Kolonialgeschichte
    Eine Gesamtübersicht der Überlieferung zur deutschen Kolonialgeschichte im Bundesarchiv
  • „Die Sache ist unhaltbar“
    In seiner Reihe „Im Fokus“ thematisiert das Bundesarchiv Dokumente zu Widerstandsbestrebungen in drei ehemaligen deutschen Kolonien: Deutsch-Südwestafrika (das heutige Namibia), Ponape (Inselgruppe im Pazifik) und Kamerun.
  • Archivführer Deutsche Kolonialgeschichte
    Ein archivübergreifender Wegweiser zu kolonialgeschichtlichen Quellen.
  • Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
    Auswahl an Links zu Recherchemöglichkeiten und weiterführende Verweise zum Forschungskontext Kultur- und Sammlungsgut aus Kolonialen Kontexten
  • Eva Künkler "Koloniale Gewalt und der Raub kultureller Objekte und menschlicher Überreste. Eine systematische Übersicht zu Militärgewalt und sogenannten Strafexpeditionen in deutschen Kolonialgebieten in Afrika (1884–1919)". Working Paper 2/2022 des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.
  • Eva Künkler "Koloniale Gewalt in Deutsch-Neuguinea und der Raub kultureller Objekte und menschlicher Überreste: Eine systematische Übersicht zu Militärgewalt und sogenannten Strafexpeditionen in deutschen Kolonialgebieten in Ozeanien (1884–1914)“. Working Paper 4/2022 des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.