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Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Mannes und einer Dame, die mit einer älteren Frau, die auf einer Holztreppe eines Wohnwagens sitzt, sprechen

Lagerplatz von Schaustellern in Hamburg, ca. 1938, Quelle: BArch, Bild 146-1987-114-73 / o. Ang.

Rechercheleitfaden zur Verfolgung von Roma, Sinti, Jenischen und anderen als „Zigeuner“ definierten Menschen im Nationalsozialismus

Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über das Archivgut des Bundesarchivs mit Recherchehinweisen zum Thema Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung von Roma, Sinti, Jenischen und anderen als „Zigeuner“ definierten Menschen im Nationalsozialismus.

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Dieser Beitrag wurde zusammengestellt von Sabine Dumschat und Annika Souhr-Könighaus unter der Mitwirkung von Nadine Gleich.

Zugang

Bereits digitalisiertes Archivgut können Sie folgendermaßen online recherchieren und einsehen:

Schriftgut – über das Recherchesystem invenio

Fotografien – im Digitalen Bildarchiv

Film – im Digitalen Lesesaal.

Benutzbare Filme können Sie im Digitalen Lesesaal des Bundesarchivs recherchieren. Soweit dem keine rechtlichen Einschränkungen entgegenstehen, können Sie die Filme im Digitalen Lesesaal auch streamen.

Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Internetseite unter der Rubrik “Hinweise zur Nutzung von Filmen im Bundesarchiv“.

Es empfiehlt sich darüber hinaus, schriftliche Anfragen an das Serviceteam Filmbenutzung des Filmarchivs zu richten: filmbenutzung@bundesarchiv.de.

Noch nicht digitalisiertes Schriftgut können Sie in den Lesesälen des Bundesarchivs benutzen. Zur Vorbereitung Ihres Besuchs beachten Sie bitte die Hinweise auf unserer Internetseite.

Lassen Sie dem Bundesarchiv vor Ihrer Anmeldung im Lesesaal bitte einen Benutzungsantrag zukommen.

Digitalisiertes, aber noch Schutzfristen unterliegendes Archivgut kann nach Prüfung Ihrer Zugangsrechte im Lesesaal, per elektronischem Identifizierungsverfahren (e-ID) oder mittels schriftlicher Auskunft zugänglich gemacht werden.

Um Zugang zu Archivgut zu erlangen, das aus rechtlichen Gründen noch Schutzfristen unterliegt, richten Sie bitte schriftliche Anfragen an das Bundesarchiv. Bitte beachten Sie die Regelungen des Bundesarchivgesetzes sowie unsere aktuellen Hinweise zu den Modalitäten der Benutzung auf unserer Internetseite.

Die Benutzung von Beständen, die sensibel zu handhabendes Schriftgut und Bilder umfassen (v.a. Bestand R 165), kann Einschränkungen unterliegen.

Für die Benutzung noch keine 30 Jahre alter Unterlagen der Sammlung Arnold (ZSg 142) ist eine Besondere Verpflichtungserklärung notwendig.

Um Unterlagen des Stasi-Unterlagen-Archivs einsehen zu können, stellen Sie bitte eine gesonderte schriftliche Anfrage.

Überlieferung

Schriftgut und Bilder

Das Bundesarchiv verfügt über mehrere Archivalienbestände, die für Ihre Recherchen zum Thema relevant sein können. Beachten Sie neben dem Schriftgut bitte auch die Bild- und Filmbestände.

Die zentralen Bestände sind:

Filme

Neben einer filmischen Studie von Eva Justin (siehe unten) verfügt das Filmarchiv des Bundesarchivs über weiteres Material, das im Rahmen des Digitalisierungsprogrammes des Bundesarchivs zum Nationalsozialismus gesichtet und – soweit geeignet – digital verfügbar gemacht werden soll.

Bereits jetzt digital verfügbar sind vornehmlich Filme aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, darunter Beiträge in Wochenschauen. Siehe jedoch auch:

„Großstadt-Zigeuner“, produziert 1932; Signatur: 42227; Filmwerk-ID: 41491.

Zum Stand der Filmdigitalisierung auf dem Laufenden halten können Sie sich über den Digitalen Lesesaal des Bundesarchivs.

Personenbezogene Recherchen

Roma, Sinti und andere im Nationalsozialismus als „Zigeuner“ definierte Personen

Eine Recherche nach Namen einzelner Personen kann man im Online-Recherchesystem invenio durchführen.

Es sind jedoch nicht alle Personen, zu denen Schriftgut oder Bildmaterial überliefert ist, namentlich in den Erschließungsdaten erfasst. Archivalieneinheiten mit personenbezogenen Einzelfallunterlagen müssen daher detailliert geprüft werden. Zugang zu den Unterlagen wird gemäß den Vorgaben des Bundesarchivgesetzes ermöglicht. Bei privaten und publizistischen Recherchen ist eine schriftliche Anfrage erforderlich.

Die Recherche nach Namen von Personen über invenio ist möglich, allerdings ist die Bestellung der Signaturen nicht ganz selbsterklärend. Zudem existieren umfangreiche archivinterne Listen mit einem Namensindex, der auf Fotos und Karten verweist. Dieser Index ist in invenio recherchierbar.

Über die Namenssuche sind das personenbezogene Schriftgut bzw. die personenbezogenen Karteien ermittelbar. Bei einem positiven Treffer ist zu beachten, dass unter dem Punkt „Bemerkung“ in der Regel immer weitere Signaturen zu weiteren Karteien und Fotos zu finden sind. Die eigentlich ermittelte Signatur führt nämlich nur zu einer Kartei, auf der die weiteren Signaturen mit den System-Nummern aufgelistet sind.

Unter den Klassifikationspunkten 4.2 „Genealogien“ und 4.3 „Genealogie-Sammelbände“ befinden sich im Bestand R 165 die angelegten Stammbäume. Zu diesen sind jedoch nur die Familiennamen angegeben.

Einzelfälle von Zwangssterilisierungen sind im Bundesarchiv nur ausnahmsweise dokumentiert. Gemäß dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurden die Sterilisationen von Erbgesundheitsgerichten angeordnet. Da diese Gerichte bei den Amtsgerichten eingerichtet worden waren, findet man deren Überlieferung – die kriegsbedingt fragmentarisch ist – in den kommunalen oder Landesarchiven. Als Revisionsinstanzen waren Erbgesundheitsobergerichte bei den Oberlandesgerichten eingesetzt. Deren Akten sind heute in den Landesarchiven zu suchen.

Noch im Bundesarchiv befinden sich einzelne Gerichtsakten sterilisierter Personen aus der Sammlung „Berlin Document Center“ (R 9361-VI/11746-11824). Diese Akten unterliegen einer unbegrenzten personenbezogenen Schutzfrist. Es wird einzelfallbezogen geprüft, ob und in welcher Form Zugang gewährt werden kann.

Im Bundesarchiv sind ferner vereinzelte Eingaben, Widersprüche und Anträge zum Sterilisierungsgesetz überliefert, die im Bestand R 1501 (Reichsministerium des Innern) zugänglich sind: R 1501/212679. Es handelt sich dabei um die Originalakte, die über das Zentrale Staatsarchiv der DDR 1990 ins Bundesarchiv gelangte. Kopien dieser Unterlagen erhielt das Bundesarchiv in Koblenz vor 1990 aus dem Institut für Nationales Gedenken in Polen. Sie bilden heute die Archivalien R 1501/3837 (Teil 1 bis Bl. 162) und R 1501/3838 (Teil 2 ab Bl. 163 bis 373).

Täter und Täterinnen

Es empfehlen sich sowohl personenbezogene als auch sachbezogene (Felder „Titel“ und „Enthält-Vermerke“ in invenio) Recherchen. Zudem ist Foto- und Filmmaterial überliefert.

Zu einzelnen „prominenten“ Persönlichkeiten, die an der „Erforschung“ und Verfolgung von als „Zigeuner“ stigmatisierten Menschen beteiligt waren, verfügt das Bundesarchiv über umfangreiches Material:

Ärzte und Ärztinnen

Mit dem Reichsarztverzeichnis der Reichsärztekammer (R 9345) und dem Reichsarztregister der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (R 9347) kann im Bundesarchiv in zwei reichsweiten Arztregistern recherchiert werden.

Andere Archive

Relevantes Archivgut wird auch in anderen Archiven und Institutionen aufbewahrt. Hier seien nur die wichtigsten genannt:

  • Arolsen Archives, International Center on Nazi Persecution
  • Archiv der Gedenkstätte Yad Vashem
  • Archiv der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
  • Archiv der Humboldt-Universität Berlin
  • Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, München
  • Archiv der KZ-Gedenkstätte Auschwitz
  • Archiv des Kölner Rom e.V.
  • Archiv des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
  • Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW), Wien
  • Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg
  • Jenisches Archiv der Initiative Minderheiten Tirol, Innsbruck
  • Museum für Roma-Kultur, Brno (Tschechien): Zeitzeugen-Interviews
  • Österreichisches Staatsarchiv, Wien
  • Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: Sammlung Heinschik: Tondokumente
  • Staatsarchive der Bundesländer (u.a. „Zigeunerpersonalakten“), u.a. Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Landesarchiv Berlin; Landesarchiv Baden-Württemberg („Mulfingen-Kinder“)
  • Stadtarchive
  • Stiftung Survivors of the Shoah Visual Foundation: Videointerviews mit überlebenden Roma aus 18 Ländern
  • Stiftung Topographie des Terrors, Berlin
  • United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), Washington.

Weiterführende Informationen

In diesem Abschnitt finden Sie Hinweise zu relevanten Internet-Ressourcen und eine Übersicht über die Fachliteratur zum Thema.

Schwarz-Weiß-Aufnahme mit drei Männern und einer Frau bei der Übergabe eines Pferdes sowie mit mehreren Wohnwagen im Hintergrund
Geschichtsgalerie

Archivgut zur Verfolgung von Roma, Sinti, Jenischen und anderen im Nationalsozialismus als „Zigeuner“ definierten Menschen