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Schwarz-Weiß-Porträtfoto Wolf Biermann

Pressekonferenz des Liedermachers Wolf Biermann in Köln, 1976, Quelle: BArch, B 145 Bild-00012398 / Lothar Schaack

Wolf Biermann – der „unbequeme Dichter“
 

Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 und die darauf folgende Protestwelle unter DDR-Intellektuellen gilt als bedeutende Zäsur in der DDR-Geschichte. Ausgewählte Dokumente und Fotos aus den Beständen des Bundesarchivs geben Einblick in Hintergründe und Verlauf von Biermanns Konflikt mit der SED.

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Lyrik und Kritik an der SED

Geboren wurde Wolf Biermann in Hamburg als Kind einer kommunistischen Arbeiterfamilie. Sein jüdischer Vater Dagobert war aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. Jahrelang inhaftiert, wurde er 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet – eine Herkunft, die Wolf Biermann stark prägte.

Ein großer Teil der Akten, die die Verfolgung Dagobert Biermanns durch die NS-Justiz dokumentieren, sind vom Bundesarchiv digitalisiert worden und online einsehbar:

Weitere Nennungen in den Akten der Mitangeklagten sind über die Namenssuche bei invenio auffindbar.

Als Schüler trat Wolf Biermann in Hamburg den Jungen Pionieren bei und nahm 1950 als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland am 1. Deutschlandtreffen der Jugend in der DDR teil. Drei Jahre später siedelte er im Alter von 16 Jahren in die DDR über und legte 1955 in Gadebusch/Schwerin sein Abitur ab. Das dann begonnene Studium der politischen Ökonomie brach Biermann 1957 ab. Es folgten zwei Jahre als Regieassistent am Berliner Ensemble. 1959 begann Biermann erneut ein Studium, diesmal der Philosophie und Mathematik, das er 1963 beendete. In dieser Zeit sammelte er weitere Erfahrungen in der Leitung des von ihm mitgegründeten Berliner Arbeiter- und Studententheaters (b.a.t.), schrieb Texte, Lieder und Gedichte.

Im Dezember 1962 – anderthalb Jahre nach dem Mauerbau – veranstaltete Stephan Hermlin als Leiter der Sektion Dichtkunst und Sprachpflege in der Akademie der Künste der DDR einen „Lyrikabend“ mit ungedruckten Texten junger Autorinnen und Autoren. Der Lyrikabend bot Wolf Biermann und anderen jungen Kunstschaffenden eine frühe Bühne, darunter Volker Braun sowie Rainer und Sarah Kirsch. Die bei diesem Abend offen geäußerte Kritik an der Politik der SED führte aber auch zu harschen Reaktionen. Stephan Hermlin verlor im folgenden Jahr sein Amt als Sekretär der Sektion Dichtkunst und Sprachpflege und musste als Vizepräsident des Schriftstellerverbandes zurücktreten.

Wolf Biermann bei einer Lesung des Schriftstellers Stephan Hermlin in der Akademie der Künste (Berlin), 12. Dezember 1962
Wolf Biermann trägt vor, im Hintergrund der Organisator des Abends: Stephan HermlinQuelle: BArch, Bild 183-A1212-0006-001 / Eckleben, Irene
Seitlich aufgenommenes Panoramafoto in Schwarz-Weiß mit Wolf Biermann auf einer Bühne, Gitarre spielend und singend in Richtung eines großen Sitzpublikums
Wolf Biermann bei einem Auftritt im Marx-Engels-Auditorium der Berliner Humboldt-Universität, 8. Januar 1963Quelle: BArch, Bild 183-B0109-0004-001 / Eckleben, Irene

Biermanns Bekanntheit und Erfolge nahmen rasch zu. Neben Engagements in der DDR kam es zu publikumswirksamen Auftritten in der Bundesrepublik und in West-Berlin. Gleichzeitig stieg der Druck aus der SED-Spitze auf ihn. 1963 wurde das b.a.t. geschlossen. Biermann erhielt ein sechsmonatiges Auftrittsverbot, bestand sein Universitätsexamen, erhielt jedoch die Urkunde nicht ausgehändigt. Wenn Biermann auftrat, wurden seine Auftritte akribisch beobachtet. Die Überwachung durch die Staatssicherheit wurde auch für ihn offensichtlich. Die Dokumente, die in der Akte zu Wolf Biermann aus dem Büro des für Kultur zuständigen ZK-Sekretärs der SED Kurt Hager gesammelt sind, zeigen, wie intensiv sich Biermann und die führenden Funktionäre und Institutionen der DDR aneinander abarbeiteten.

  • Bericht der SED-Bezirksleitung Berlin an das ZK der SED über einen nicht öffentlichen Auftritt Biermanns im Künstlerclub „Die Möwe“ in Ost-Berlin (Seite 1), 13. Juni 1964
    <p>Bericht der SED-Bezirksleitung Berlin an das ZK der SED über einen nicht öffentlichen Auftritt Biermanns im Künstlerclub „Die Möwe“ in Ost-Berlin (Seite 1), 13. Juni 1964</p>
  • Bericht der SED-Bezirksleitung Berlin an das ZK der SED über einen nicht öffentlichen Auftritt Biermanns im Künstlerclub „Die Möwe“ in Ost-Berlin (Seite 2), 13. Juni 1964
    <p>Bericht der SED-Bezirksleitung Berlin an das ZK der SED über einen nicht öffentlichen Auftritt Biermanns im Künstlerclub „Die Möwe“ in Ost-Berlin (Seite 2), 13. Juni 1964</p>
  • Bericht der SED-Bezirksleitung Berlin an das ZK der SED über einen nicht öffentlichen Auftritt Biermanns im Künstlerclub „Die Möwe“ in Ost-Berlin (Seite 3), 13. Juni 1964
    <p>Bericht der SED-Bezirksleitung Berlin an das ZK der SED über einen nicht öffentlichen Auftritt Biermanns im Künstlerclub „Die Möwe“ in Ost-Berlin (Seite 3), 13. Juni 1964</p>

Auftritts- und Veröffentlichungsverbot

Im Herbst 1965 kam es dann zum Eklat: In der Bundesrepublik erschienen die erste Langspielplatte Biermanns, „Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West)“, und der Gedichtband „Die Drahtharfe“. Wie Biermann in seinen Erinnerungen schrieb, nahm der Druck daraufhin spürbar zu. Am 5. Dezember1965 brachte das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ einen halbseitigen Artikel des Kulturredakteurs und späteren stellvertretenden Kulturministers Klaus Höpcke zu Biermann, der diesen wegen seiner Kritik an der SED und der positiven Resonanz in der Bundesrepublik scharf angriff.

Wie riskant diese Eskalation für Biermanns Existenz in der DDR wurde, zeigt seine Reaktion auf einen Artikel im westdeutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vom 14. Dezember 1965 mit dem dieser auf den Artikel des „Neuen Deutschlands“ reagierte. Dabei zitierte der „Spiegel“ ausgiebig aus einem Interview mit Biermann, wogegen dieser in einem Brief an die „Spiegel“-Redaktion protestierte. Biermann schickte noch vor Erscheinen der Zeitschrift eine Kopie dieses Schreibens an Kurt Hager, der sie weiterreichte an den Ersten Sekretär des ZK der SED Walter Ulbricht und den ZK-Sekretär für Sicherheitsfragen Erich Honecker, der auf dem anstehenden 11. Plenum des ZK der SED die zentrale Rede halten sollte.

  • Information an Walter Ulbricht über ein Schreiben Wolf Biermanns an den ZK-Sekretär für Kultur, Kurt Hager, 14.12.1965
    Schreiben Wolf Biermanns an den ZK-Sekretär für Kultur, Kurt Hager, auf einer Kopie von Biermanns Schreiben an die Redaktion des „Spiegel“ vom 12.12.1965. Hager leitete das Schreiben am 14.12.1965 an Walter Ulbricht und Erich Honecker weiter. Honecker zeichnete die Kenntnisnahme mit seiner Paraphe EH ab. In Bleistift die Verfügung „Erl[edigt] Abl[age]“.<br />  
  • Schreiben Wolf Biermanns an den ZK-Sekretär für Kultur, Kurt Hager, 12. Dezember 1965
    Schreiben Wolf Biermanns an den ZK-Sekretär für Kultur, Kurt Hager, auf einer Kopie von Biermanns Schreiben an die Redaktion des „Spiegel“ vom 12.12.1965. Hager leitete das Schreiben am 14.12.1965 an Walter Ulbricht und Erich Honecker weiter. Honecker zeichnete die Kenntnisnahme mit seiner Paraphe EH ab. In Bleistift die Verfügung „Erl[edigt] Abl[age]“.<br />  

Doch die Wogen waren nicht mehr zu glätten. Am 15. Dezember 1965 begann das 11. Plenum des ZK der SED, das als „Kahlschlagplenum“ in die Geschichte einging. Die Parteiführung der SED beendete hier eine vorübergehende Liberalisierung ihrer Kulturpolitik. Erich Honecker bezeichnete Wolf Biermann in seinem einleitenden Bericht als Verräter an sozialistischen Grundpositionen und forderte, es sei an der Zeit, „der Verbreitung fremder und schädlicher Thesen und unkünstlerischer Machwerke“ entgegenzutreten. Er leitete so die folgenden Jahre des strikten Auftrittsverbots für Biermann ein.

  • Auszug aus dem stenografischen Protokoll des Berichts Erich Honeckers vor dem 11. Plenum des ZK der SED, 15. bis 18. Dezember 1965
    Der Rede-Auszug dokumentiert Honeckers Angriff auf Wolf Biermann.
  • Auszug aus dem stenografischen Protokoll des Berichts Erich Honeckers vor dem 11. Plenum des ZK der SED, 15. bis 18. Dezember 1965
    Der Rede-Auszug dokumentiert Honeckers Angriff auf Wolf Biermann.

Schon 1965 protestierten Kunstschaffende und Intellektuelle aus Ost und West gegen das Vorgehen der SED gegen Biermann. Die Parteiführung beobachtete diese Solidarisierung sehr genau. So übersandte Kurt Hager Kopien einiger Protestbriefe als Information an die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros der SED. In allen wurde ein fairer Umgang mit Wolf Biermann eingefordert. Die Akte mit diesen Briefen (BArch, DY 30/49037)  enthält auch eine ausführliche Kritik des Gedichtbands „Die Drahtharfe“ durch den Kulturfunktionär und Lyriker Erhard Scherner.

Ein offizielles Verbot von Auftritten und Veröffentlichungen Wolf Biermanns aus dem Politbüro der SED oder dem Ministerium für Kultur ist allerdings nicht überliefert. Belegt ist dagegen eine interne Anweisung des FDJ-Zentralrats über ein allgemeines Auftrittsverbot Biermanns bei FDJ-Veranstaltungen, das schon vom 1. November 1965 stammt und die schrittweise Verschärfung der Maßnahmen gegen Biermann dokumentiert.

  • Information des 1. Sekretärs der FDJ, Horst Schumann, an leitende Mitarbeiter der Jugendorganisation, über ein Verbot von Auftritten Wolf Biermanns und jeglicher Propagierung seiner Texte im Rahmen der FDJ, 1. November 1965
    <p>Information des 1. Sekretärs der FDJ, Horst Schumann, an leitende Mitarbeiter der Jugendorganisation, über ein Verbot von Auftritten Wolf Biermanns und jeglicher Propagierung seiner Texte im Rahmen der FDJ, 1. November 1965</p>

Anders als manch anderer Künstler verstummte Wolf Biermann unter dem Druck des Partei- und Staatsapparats nicht. Akten der Abteilung Kultur beim ZK der SED und des Ministeriums für Kultur zeigen deutlich die Hilflosigkeit der führenden Funktionäre im Umgang mit dem Phänomen Biermann. So wurde schon 1966 über eine Ausweisung Wolf Biermanns aus der DDR nachgedacht.

Trotz Auftritts- und Veröffentlichungsverbot in der DDR blieb Biermann als Dichter und Liedermacher präsent. Zwar konnte er nur im privaten Kreis auftreten, doch Aufnahmen seiner Lieder erschienen im Westen, regelmäßig auch Gedichtsammlungen und Einzeltexte. Biermanns Theaterstück „Der DRA-DRA“ wurde in der Bundesrepublik und Schweden aufgeführt.

Regelmäßig gingen Einladungen aus der Bundesrepublik und anderen westeuropäischen Ländern bei Biermann ein, die er mit der Bitte um Genehmigung an das zuständige Ministerium für Kultur weiterreichte. In der Akte DR 1/16895 sind mehrere dieser Anträge und der Umgang des Ministeriums mit ihnen überliefert, ebenso weitere Kontakte zwischen leitenden Ministeriumsmitarbeitern und Biermann.

Schon im März 1966 schickte der Abteilungsleiter Bruno Haid Biermann eine Einladung – oder Vorladung – zu einem Gespräch über Biermanns politische Positionen und den weiteren Umgang mit seinen Werken. Einen zusammenfassenden Vermerk über das Gespräch verfasste Haid am 10. Mai 1966.

  • Information Kurt Hagers an Erich Honecker vom 27. Juni 1966
    Vorschlag der Abteilung „Kultur“ der SED zur Ausbürgerung Wolf Biermanns an Kurt Hager (Seite 1), 21. Juni 1966
  • Vorschlag der Abteilung „Kultur“ der SED zur Ausbürgerung Wolf Biermanns an Kurt Hager (Seite 2), 21. Juni 1966
    <p>Vorschlag der Abteilung „Kultur“ der SED zur Ausbürgerung Wolf Biermanns an Kurt Hager (Seite 2), 21. Juni 1966</p>
  • Information Kurt Hagers an Erich Honecker über den Vorschlag der Abteilung „Kultur“ zur Ausbürgerung Wolf Biermanns, 27. Juni 1966
    Information Kurt Hagers an Erich Honecker über den Vorschlag der Abteilung „Kultur“ zur Ausbürgerung Wolf Biermanns, 27. Juni 1966
  • Vermerk vom Abteilungsleiter des Ministeriums für Kultur Bruno Haid über ein Gespräch mit Wolf Biermann am 3. Mai 1966 (Seite 1)
    <p>Vermerk vom Abteilungsleiter des Ministeriums für Kultur Bruno Haid über ein Gespräch mit Wolf Biermann am 3. Mai 1966 (Seite 1)</p>
  • Vermerk vom Abteilungsleiter des Ministeriums für Kultur Bruno Haid über ein Gespräch mit Wolf Biermann am 3. Mai 1966 (Seite 2)
    <p>Vermerk vom Abteilungsleiter des Ministeriums für Kultur Bruno Haid über ein Gespräch mit Wolf Biermann am 3. Mai 1966 (Seite 2)</p>
  • Vermerk vom Abteilungsleiter des Ministeriums für Kultur Bruno Haid über ein Gespräch mit Wolf Biermann am 3. Mai 1966 (Seite 3)
    <p>Vermerk vom Abteilungsleiter des Ministeriums für Kultur Bruno Haid über ein Gespräch mit Wolf Biermann am 3. Mai 1966 (Seite 3)</p>
  • Gesprächseinladung von Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, an Wolf Biermann (Seite 1), 7. April 1966
    <p>Gesprächseinladung von Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, an Wolf Biermann (Seite 1), 7. April 1966</p>
  • Gesprächseinladung von Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, an Wolf Biermann (Seite 2), 7. April 1966
    <p>Gesprächseinladung von Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, an Wolf Biermann (Seite 2), 7. April 1966</p>
  • Antwortschreiben Wolf Biermanns auf eine Gesprächseinladung vom Ministerium für Kultur, 3. April 1966
    <p>Antwortschreiben Wolf Biermanns auf eine Gesprächseinladung vom Ministerium für Kultur, 3. April 1966</p>
  • Briefkuvert des Antwortschreibens Wolf Biermanns auf eine Gesprächseinladung vom Ministeriums für Kultur, 3. April 1966
    <p>Briefkuvert des Antwortschreibens Wolf Biermanns auf eine Gesprächseinladung vom Ministeriums für Kultur, 3. April 1966</p>
  • Notiz der Sekretärin von Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, über Telefonate zur Kontaktaufnahme mit Wolf Biermann, März 1966
    Vermerke der Sekretärin von Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, über Telefonate zur Kontaktaufnahme mit Wolf Biermann, März 1966
  • Einladung von Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, an Wolf Biermann, 29. März 1966
    <p>Termineinladung von Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, an Wolf Biermann, 29. März 1966</p>

Wenige Tage nach dem Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 in West-Berlin wurde Wolf Biermann mit seinem in Reaktion auf den Mordversuch verfassten Lied „Drei Kugeln für Rudi Dutschke“ zur 1.-Mai-Demonstration in West-Berlin eingeladen. Am 25. April 1968 vermerkte Haid, laut dem Minister für Kultur, Klaus Gysi, werde der Antrag abgelehnt.

Ebenfalls 1968 lud die niederländische Stiftung „J’accuse“ Biermann zu einer Veranstaltung im Januar 1969 ein. 1971 erfolgten Einladungen aus Schweden zur Premiere von Biermanns Stück „Der DRA-DRA“ in Göteborg und einem Auftritt im Schwedischen Radio, die vom Ministerium für Kultur ebenfalls abgelehnt wurden – aber wohl genehmigt worden wären, hätte Biermann auf seine Rückkehr in die DDR verzichtet.

  • Vermerk aus dem Büro von Bruno Haid (Ministerium für Kultur) zur Rückgabe des Lied-Materials von „Drei Kugeln für Rudi Dutschke“ an den Urheber Wolf Biermann, April 1968
    <p>Vermerk aus dem Büro von Bruno Haid (Ministerium für Kultur) zur Rückgabe des Lied-Materials von „Drei Kugeln für Rudi Dutschke“ an den Urheber Wolf Biermann, April 1968</p>
  • Begleitschreiben Wolf Biermanns zur Versendung des Liedmaterial „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ an Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, 22. April 1968
    Begleitschreiben Wolf Biermanns zur Versendung des Liedmaterial „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ an Bruno Haid, Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, 22. April 1968
  • Liedtext „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ von Wolf Biermann, April 1968
    <p>Liedtext „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ von Wolf Biermann, April 1968</p>
  • Notenblatt für das Lied „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ von Wolf Biermann, April 1968
    <p>Notenblatt für das Lied „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ von Wolf Biermann, April 1968</p>
  • Ablehnung der Bearbeitung von Wolf Biermanns Antrags auf Ausreise in die Niederlande für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung der Stiftung „J’accuse“, 11. November 1968
    Ablehnung der Bearbeitung von Wolf Biermanns Antrags auf Ausreise in die Niederlande für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung der Stiftung „J’accuse“, 11. November 1968
  • Begleitschreiben Wolf Biermanns zum Antrag auf Ausreise in die Niederlande für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung der Stiftung „J’accuse“, 28. Oktober 1968
    Begleitschreiben Wolf Biermanns zum Antrag auf Ausreise in die Niederlande für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung der Stiftung „J’accuse“, 28. Oktober 1968
  • Briefkuvert des Antrags Wolf Biermanns auf Ausreise in die Niederlande für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung der Stiftung „J’accuse“, 28. Oktober 1968
    <p>Briefkuvert des Antrags Wolf Biermanns auf Ausreise in die Niederlande für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung der Stiftung „J’accuse“, 28. Oktober 1968</p>
  • Einladung der niederländischen Stiftung „J’accuse“ an Wolf Biermann für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung zum Thema Menschenrechte, Oktober 1968
    <p>Einladung der niederländischen Stiftung „J’accuse“ an Wolf Biermann für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung zum Thema Menschenrechte (Seite 1), Oktober 1968</p>
  • Einladung der niederländischen Stiftung „J’accuse“ an Wolf Biermann für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung zum Thema Menschenrechte, Oktober 1968
    <p>Einladung der niederländischen Stiftung „J’accuse“ an Wolf Biermann für einen Gastauftritt bei einer Veranstaltung zum Thema Menschenrechte (Seite 2), Oktober 1968</p>
  • Einladung mit Gästeliste der niederländischen Stiftung „J’accuse“ an Wolf Biermann für einen Auftritt bei einer Veranstaltung zum Thema Menschenrechte, Oktober 1968
    <p>Einladung mit Gästeliste der niederländischen Stiftung „J’accuse“ an Wolf Biermann für einen Auftritt bei einer Veranstaltung zum Thema Menschenrechte (Seite 3), Oktober 1968</p>
  • Begleitschreiben vom Stellvertreter Bruno Haids (Abteilungsleiter im Ministerium für Kultur), Klaus Gysi, zu Wolf Biermanns Antrag auf Ausreise nach Göteborg, 15. November 1971
    <p>Begleitschreiben vom Stellvertreter Bruno Haids (Abteilungsleiter im Ministerium für Kultur), Klaus Gysi, zum Ausreiseantrag Wolf Biermanns nach Göteborg, 15. November 1971</p>
  • Antrag Wolf Biermanns beim Ministerium für Kultur für die Ausreise nach Göteborg (Schweden) zur Premiere seines Stücks „Der Dra-Dra“, 5. November 1971
    <p>Antrag Wolf Biermanns beim Ministerium für Kultur für die Ausreise nach Göteborg (Schweden) zur Premiere seines Stücks „Der Dra-Dra“, 5. November 1971</p>
  • Vorderseite des Briefkuverts vom Antrag Wolf Biermanns auf Ausreise nach Göteborg (Schweden) zur Premiere seines Stücks „Der Dra-Dra“, 5. November 1971
    Vorderseite des Briefkuverts vom Antrag Wolf Biermanns auf Ausreise nach Göteborg (Schweden) zur Premiere seines Stücks „Der Dra-Dra“, 5. November 1971
  • Begleitschreiben des stellvertretenden Leiters der Hauptabteilung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, Klaus Gysi, zum an Kurt Hager übermittelten Antrag Wolf Biermanns auf Ausreise nach Göteborg (Schweden), 15. November 1971
    Begleitschreiben des stellvertretenden Leiters der Hauptabteilung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, Klaus Gysi, zum an Kurt Hager übermittelten Antrag Wolf Biermanns auf Ausreise nach Göteborg (Schweden), 15. November 1971
  • Information von Bruno Haid, Ministerium für Kultur, an Kurt Hager, Kulturverantwortlicher der SED, über die Ablehnung des Antrags Wolf Biermanns auf Ausreise nach Stockholm, 18. Oktober 1971
    Information von Bruno Haid, Ministerium für Kultur, an Kurt Hager, Kulturverantwortlicher der SED, über die Ablehnung des Antrags Wolf Biermanns auf Ausreise nach Stockholm, 18. Oktober 1971
  • Schreiben von Bruno Haid, Abteilungsleiter im Ministerium für Kultur, an das Büro des Kulturministers mit Empfehlung der abschlägigen Beantwortung des Antrags Wolf Biermanns auf Ausreise nach Stockholm, 12. Oktober 1971
    Schreiben von Bruno Haid, Abteilungsleiter im Ministerium für Kultur, an das Büro des Kulturministers mit Empfehlung der abschlägigen Beantwortung des Antrags Wolf Biermanns auf Ausreise nach Stockholm, 12. Oktober 1971
  • Antrag Wolf Biermanns auf Genehmigung einer Reise nach Schweden mit beigefügtem Einladungstext eines Stockholmer Radiosenders, 4. Oktober 1971
    <p>Antrag Wolf Biermanns auf Genehmigung einer Reise nach Schweden mit beigefügtem Einladungstext eines Stockholmer Radiosenders, 4. Oktober 1971</p>
  • Notiz mit Weitergabe der Zuständigkeit für die abschlägige Beantwortung des Antrags Wolf Biermanns auf Genehmigung einer Reise nach Schweden, Oktober 1971
    <p>Notiz mit Weitergabe der Zuständigkeit für die abschlägige Beantwortung des Antrags Wolf Biermanns auf Genehmigung einer Reise nach Schweden, Oktober 1971</p>
  • Schreiben von Bruno Haid, Abteilungsleiter im Ministerium für Kultur, zum Antrag Wolf Biermanns auf Genehmigung einer Reise nach Schweden, 12. Oktober 1971
    <p>Schreiben von Bruno Haid, Abteilungsleiter im Ministerium für Kultur, zum Antrag Wolf Biermanns auf Genehmigung einer Reise nach Schweden, 12. Oktober 1971</p>

Ausbürgerung Biermanns und die Folgen

Erst im September 1976 konnte Biermann nach Vermittlung der Liedermacherin Bettina Wegner und Einladung durch einen Gemeindepfarrer wieder öffentlich in der DDR auftreten – auf einer Kirchenveranstaltung in Prenzlau. Einige Wochen später, im November 1976, wurde ihm – zur eigenen Überraschung – eine Konzertreise in die Bundesrepublik Deutschland genehmigt.

Am Tag der Volkskammerwahl 1976, dem 17. Oktober, führte der Wahlhelfer Walter Hoyer mit Wolf Biermann in dessen Wohnung ein Gespräch. Derartige Wahlgespräche dienten dazu, Nichtwähler doch noch zur Stimmabgabe zu animieren. Der vierseitige Bericht ist eine der letzten Zusammenfassungen der politischen Positionen Wolf Biermanns aus Sicht des SED-Staats vor Biermanns Ausbürgerung. Das auf Seite 2 angesprochene Zitat von Rosa Luxemburg verwandte Biermann auch keinen Monat später bei seinem Konzert am 13. November 1976 in der Kölner Sporthalle. Nach Biermanns gefeiertem Auftritt in Köln beschloss das Politbüro des Zentralkomitees der SED, was Partei und Ministerium für StaatssicherheitMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... lange vorbereitet hatten: die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. Der Politbürobeschluss zur Ausbürgerung Biermanns befindet sich in der Akte BArch, DY 30/46123. Der Ministerrat der DDR setzte den Politbürobeschluss dann in seiner Sitzung vom 18. November 1976 um.

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen
    <p>Bericht des Wahlhelfers Walter Hoyer an die SED-Kreisleitung Zentrale Organe der Gewerkschaften über ein Gespräch mit Wolf Biermann (Seite 1), 18.Oktober 1976</p>
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten und nummerierten Absätzen
    Bericht des Wahlhelfers Walter Hoyer an die SED-Kreisleitung Zentrale Organe der Gewerkschaften über ein Gespräch mit Wolf Biermann (Seite 2), 18.Oktober 1976
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten und nummerierten Absätzen
    Bericht des Wahlhelfers Walter Hoyer an die SED-Kreisleitung Zentrale Organe der Gewerkschaften über ein Gespräch mit Wolf Biermann (Seite 3), 18.Oktober 1976
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen
    Bericht des Wahlhelfers Walter Hoyer an die SED-Kreisleitung Zentrale Organe der Gewerkschaften über ein Gespräch mit Wolf Biermann (Seite 4), 18.Oktober 1976
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen und händischer Unterschrift
    Bericht des Wahlhelfers Walter Hoyer an die SED-Kreisleitung Zentrale Organe der Gewerkschaften über ein Gespräch mit Wolf Biermann (Seite 5), 18.Oktober 1976
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit ausgefülltem Formularkopf, strukturierten Absätzen, handschriftlichem Vermerk und händischer Unterschrift
    Politbüro-Information über den Stand der Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und Künstlern (Seite 1), 14. Dezember 1976
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Abschnitten und nummerierten Namenslisten
    <p>Politbüro-Information über den Stand der Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und Künstlern (Seite 2), 14. Dezember 1976</p>
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Abschnitten und nummerierten Namenslisten
    <p>Politbüro-Information über den Stand der Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und Künstlern (Seite 3), 14. Dezember 1976</p>
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Abschnitten und nummerierten Namenslisten
    Politbüro-Information über den Stand der Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und Künstlern (Seite 4), 14. Dezember 1976
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Abschnitten, nummerierten Namenslisten und einem handschriftlichen Vermerk
    Politbüro-Information über den Stand der Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und Künstlern (Seite 5), 14. Dezember 1976
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Abschnitten und nummerierten Namenslisten
    Politbüro-Information über den Stand der Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und Künstlern (Seite 6), 14. Dezember 1976
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Abschnitten und einem händisch markierten Absatz
    Politbüro-Information über den Stand der Auseinandersetzung mit Künstlerinnen und Künstlern (Seite 7), 14. Dezember 1976
  • Beschluss des Ministerrates über die Aberkennung der Staatsbürgerschaft der DDR vom 18. November 1976
Schwarz-Weiß-Aufnahme mit Wolf Biermann, lachend und Gitarre spielend vor einem Standmikrofon
Der Liedermacher, der nach jahrelangen Auftrittsverboten 1976 während einer Tournee in der Bundesrepublik ausgebürgert wurde, trat am 1. Dezember 1989 in der Messehalle 2 in Leipzig zum ersten Mal wieder in der DDR aufQuelle: BArch, Bild 183-1989-1201-046 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud

Die Ausbürgerung Biermanns führte innerhalb und außerhalb der DDR zu einer Welle von Protesten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern und anderen Intellektuellen. Zentral war hierbei ein von Stephan Hermlin initiierter offener Brief, dem sich in den nächsten Tagen zahlreiche Kunstschaffende anschlossen. Die DDR-Führung setzte sich intensiv mit den Biermann-Unterstützern auseinander und sammelte selbst Solidaritätsbekundungen zu ihrer Entscheidung. In den folgenden Jahren siedelten zahlreiche kritische Kunstschaffende und Intellektuelle aus der DDR in die Bundesrepublik über. Die Ausbürgerung Wolf Biermanns wurde so zu einer entscheidenden kulturpolitischen Zäsur in der Geschichte der DDR. Berichte zur Auseinandersetzung mit den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern des offenen Briefes in Einzelgesprächen befinden sich z. B. in der Akte BArch DR 1/ 16895 (Digitalisate 14–40).

Seit seiner Ausbürgerung aus der DDR lebt Wolf Biermann als kritischer Autor und Liedermacher in Hamburg. Erst nach dem Fall der Mauer konnte er 1989 wieder in der DDR auftreten.

Weiterführende Links und Literatur

Schwarz-Weiß-Fotografie mit drei Herren und einer Frau in formeller Kleidung, lächelnd und an einem langen Tisch sitzend
Themenbeitrag

Kulturkampf und „Kahlschlag“

Das „Kahlschlag“-Plenum gilt als entscheidende Zäsur in der Kulturpolitik der DDR. Die SED-Spitze rechnete hier mit kritischen Schriftstellern und Intellektuellen ab und warf den Kulturtätigen vor, die Jugend negativ zu beeinflussen.

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Wolf Biermann, Heinrich Böll und Günther Wallraff vor Mikrofonen bei einer Pressekonferenz
Dokument zur Zeitgeschichte

Ausbürgerung von Wolf Biermann

Durch Beschluss des Ministerrats der Deutschen Demokratischen Republik wurde Wolf Biermann am 18. November 1976 die Staatsbürgerschaft der DDR mit Wirkung zum 16. November 1976 aberkannt.

  • Die DDR im Blick der Stasi 1976
    Publikation

    Die DDR im Blick der Stasi 1976

    Die KSZE-Beschlüsse zeigten 1976 Wirkungen: Die Bereitschaft zu offenem Protest war gewachsen, viele stellten Ausreiseanträge. Die Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz und die Ausbürgerung Wolf Biermanns hatten Auswirkungen, die die SED-Führung und ihren Machtapparat herausforderten.

  • 'Staatsbürgerliche Pflichten grob verletzt'
    Publikation

    "Staatsbürgerliche Pflichten grob verletzt"

    Wolf Biermann siedelte 1953 als Schüler in die DDR über, die der junge Kommunist für das bessere Deutschland hielt. Er studierte und lernte auch am Berliner Ensemble. Er schrieb Lieder und Gedichte. Über die Zeit geriet er durch seine Werke in Konflikt mit den DDR-Oberen, die immer wieder hofften, ihn auf die Linie der Partei zu bringen.