Was machte die Stasi in der Bundesrepublik? Diese Frage führt mitten hinein in ein vielschichtiges Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte. Antworten darauf gibt der erste Band der neuen Dokumentationsreihe „Die Stasi und die Bundesrepublik“. In Fallbeispielen wird anhand von Dokumenten aus dem Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv gezeigt, wie die DDR-Geheimpolizei ins tägliche Leben der Menschen eingriff – oft, ohne dass es die Betroffenen merkten.
Neben Spionage- und Sabotageaktivitäten nahm die Stasi gezielt die deutsch-deutschen Kontakte ins Visier: Besonders ab 1972, als die DDR ihre Grenzen für westdeutsche Besucher öffnete, fürchtete die Stasi, dass diese Reisen politische Subversion oder spionageähnliche Tätigkeiten fördern könnten. Die Stasi überwachte nicht nur die Identität und Reiseziele der West-Besucher, sondern überprüfte auch ihre politischen Verbindungen und Motivationen. So geriet ein Besucher aus der Bundesrepublik ins Visier der Geheimpolizei, weil er bei seiner Einreise in die DDR angab, Kontakte zur westdeutschen Partei „Die Grünen“ zu pflegen und in einem Landtag tätig zu sein. Die Stasi überwachte ihn daraufhin in der Bundesrepublik. Fotos in der Stasi-Akte zeigen, wie ein Spitzel ihn unbemerkt in seinem Haus in Westdeutschland fotografierte.
Auch westdeutsche Hilfsorganisationen, die sich für DDR-Flüchtlinge einsetzten, standen im Fokus der Staatssicherheit. Sie infiltrierte und überwachte Gruppen wie „Hilferufe von drüben“, um sicherzustellen, dass diese keine systematische Unterstützung für Geflüchtete aus der DDR aufbauen konnte.
Wie tief die Stasi in zivilgesellschaftliche Bereiche der westdeutschen Gesellschaft eingriff und wie sehr unmittelbare Kontakte zwischen Menschen aus der Bundesrepublik und der DDR der Stasi ein Dorn im Auge waren, zeigt die umfangreiche Überwachung von Funkamateuren. Beispielhaft steht hierfür die Überwachung eines Pfarrers aus Niedersachsen, der als Amateurfunker enge Kontakte zu Funkern aus der DDR und Polen pflegte. Die Stasi überwachte seine Aktivitäten aus Sorge, er könne negative politische Informationen über die DDR verbreiten. Zur Aufklärung seiner Kontakte dokumentierte sie akribisch die Ausrichtung seiner Funkantennen und fing seine Briefe in die DDR ab.
Die Dokumentation zeigt den umfassenden Zugang der Stasi in die verschiedensten Bereiche der westdeutschen Gesellschaft hinein. Zugleich gibt sie Einblicke in die geheimen Operationen der DDR-Geheimpolizei und beleuchtet die weiten Kreise, die diese Aktivitäten zogen.
Hinweis für Redaktionen:
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Themenbeiträge aus der Publikation online:
Zwischen den Frequenzen – Die Überwachung der deutsch-deutschen Amateurfunker
Feindobjekt Flüchtlingslager – die Stasi in Uelzen und Gießen
Die Autorin im Video:
https://youtu.be/KK2tDSKwEmU
Mehr zur Publikation:
https://www.bundesarchiv.de/publikationen/publikation/deutsch-deutsche-kontakte-unter-beobachtung