Zum 45. Jahrestag des Oktoberfest-Attentats zeigt das Bundesarchiv Dokumente aus seinem Bestand in einem Online-Schwerpunkt. Zu sehen sind zum Beispiel Ermittlungsberichte, Bilder und Briefe verschiedener staatlicher Stellen wie des Generalbundesanwaltes, aus Kanzleramt, Ministerien und auch Papiere des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit aus dem Stasi-Unterlagen-Archiv. Damit will das Bundesarchiv anhand der zugänglichen Quellen eine faktenbasierte Auseinandersetzung ermöglichen.
Am 26. September 1980 war in der Nähe des Haupteingangs des Münchener Oktoberfests eine Bombe explodiert, die 13 Menschen, darunter den Attentäter, tötete und 221 zum Teil schwer verletzte. Die rechtsextremistisch motivierte Tat ging als schwerster Terroranschlag in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein. Das Attentat ereignete sich rund eine Woche vor der Bundestagswahl und wurde zum Wahlkampfthema und zum Gegenstand von Schuldzuweisungen und Spekulationen über mögliche politische Hintergründe.
Der Attentäter Gundolf Köhler, ein 21-jähriger Student, hatte enge Kontakte in die militante rechte Szene und die verbotene „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Diese Gruppe war die größte unter den damals in der Bundesrepublik entstandenen militanten rechtsextremen Vereinigungen.
Die Arbeit der Ermittlungsbehörden, in der von einem Einzeltäter ausgegangen wurde, stand in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder im Fokus öffentlicher Kritik. 2014 wurden die Ermittlungen durch die Generalbundesanwaltschaft erneut aufgenommen, 2020 dann wieder eingestellt. Erstmals wurde offiziell eine rechtsextremistische Motivation des Täters festgestellt. Die Tathintergründe allerdings wurden nicht vollständig aufgeklärt.
Auf der Grundlage historischen Quellenmaterials bietet der Themenbeitrag unter anderem Einblicke in die Ermittlungsarbeit der Sicherheitsbehörden und die Rolle des Rechtsterrorismus in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren. Auch die politischen Auseinandersetzungen zwischen der SPD-geführten Bundesregierung und CSU-geführten bayerischen Landesregierung und die erinnerungspolitische Aufarbeitung des Anschlags werden beleuchtet.