Feldjäger des deutschen ISAF-Kontingents an einem Kontrollposten in Afghanistan, 20. April 2004,
Quelle:
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Die Bundeswehr und der „Krieg gegen den Terror“
Der 11. September 2001 und der deutsche Weg nach Afghanistan
Am 11. September 2001 steuerten Angehörige des Terrornetzwerkes al-Qaida mehrere entführte Passagiermaschinen in das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington. Als Reaktion auf diese Anschläge begannen die USA ihren „Krieg gegen den Terror“ – mit weitreichenden Folgen auch für Deutschland und die Bundeswehr.
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Beginn der „Operation Enduring Freedom“
Direkt nach den Anschlägen erreichten zahlreiche internationale Solidaritätsbekundungen die USA. Bereits am 12. September 2001 sicherte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag den USA die uneingeschränkter Solidarität Deutschlands zu. Er bezeichnete den Terrorakt als eine „Kriegserklärung gegen die gesamte zivilisierte Welt“. Auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) erklärte den Anschlag in seiner Resolution vom 12. September 2001 zu einem bewaffneten Angriff auf die USA und zu einer Gefährdung des internationalen Friedens.
Der NATO-Rat stellte am selben Tag in Aussicht, dass der Bündnisfall nach Artikel 5 eintreten könnte, wenn der Angriff auf die USA erwiesenermaßen von außen gekommen sei. Die USA konnten Beweise für die Verantwortung der Terrorgruppe al-Qaida und ihres Anführers Osama bin Laden, die ihren Sitz in Afghanistan hatten, für die Flugzeugentführungen vorlegen. Daraufhin beschloss der NATO-Rat am 4. Oktober 2001, den Bündnisfall auszurufen – zum ersten Mal in der Geschichte der NATO.
Bundespräsident Johannes Rau an der Gedenktafel für die internationalen Opfer der Terroranschläge auf das World-Trade-Center am 11. September 2001 in New York, 12. November 2001Quelle: BArch, B 145 Bild-00001801 / Stutterheim, Christian
Solidaritätskundgebung unter dem Motto „Keine Macht dem Terror – Solidarität mit den Vereinigten Staaten von Amerika“ mit über 200.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Bundespräsident Johannes Rau hielt eine Rede, in der er den US-Amerikanerinnen und -Amerikanern Anteilnahme und Mitgefühl ausdrückteQuelle: BArch, B 145 Bild-00007841 / Fassbender, Julia
Nachdem sich die in Afghanistan regierenden Taliban geweigert hatten, Osama bin Laden auszuliefern, begannen die USA am 7. Oktober 2001, unabhängig von den Beratungen und Entscheidungen der NATO, mit ihrer großangelegten „Operation Enduring Freedom“ (OEF). Sie war der militärische Teil einer umfassenden Anti-Terror-Politik der US-Regierung.
Das Operationsgebiet von OEF erstreckte sich auf den Nahen Osten, Süd-Ost-Asien und Afrika: In Afghanistan stürzten Truppen afghanischer Warlords – die sogenannte Nordallianz – mithilfe von Luftunterstützung und Spezialkräften der USA und verbündeter Streitkräfte innerhalb eines Monats die Taliban-Regierung. Auf den Philippinen unterstützten die USA die Sicherheitskräfte bei der Bekämpfung muslimischer Rebellen, die sich mit al-Qaida verbündet hatten. Vor dem Horn von Afrika sollten US-amerikanische und verbündete Truppen zusammen mit einem internationalem Marineverband dabei helfen, aus Afghanistan geflohene islamistische Terroristen zu bekämpfen und zugleich Piraterie als Einnahmequelle für den internationalen Terrorismus auszutrocknen.
Der Nordatlantikvertrag wurde 1949 von ursprünglich 12 Staaten unterzeichnet. Er etablierte ein System kollektiver Verteidigung, dem im Laufe der Zeit immer mehr Nationen beitraten. Im Zentrum steht Artikel 5 des Vertrages. Darin legten die Verbündeten fest, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Bündnismitglied einem Angriff auf alle gleichkommt.
Aus dieser Festlegung folgt aber kein Automatismus: So ist zunächst nicht näher definiert, was eigentlich als „bewaffneter Angriff“ zählt. Zudem müssen sich alle Mitglieder einig sein, dass ein solcher Angriff vorliegt – sie müssen das Eintreten von Artikel 5 also aktiv beschließen. Selbst dann geht damit nicht automatisch ein bewaffneter Konflikt einher. Jedes der Mitglieder entscheidet für sich selbst, welche Maßnahmen es für richtig hält, um die Sicherheit des Vertragsgebietes wiederherzustellen.
Nachdem die NATO den Bündnisfalls ausgerufen hatte, startete sie die militärischen Bündnis-Operationen „Eagle Assist“ und „Active Endeavour“. Für „Eagle Assist“ verlegte sie ab dem 9. Oktober 2001 Teile der NATO-eigenen AWACS-Flotte (Airborne Early Warning and Control System) in die USA. Sie sollten den Luftraum überwachen und die US-amerikanischen Streitkräfte bei ihrer Luftraumsicherungsmission „Noble Eagle“ unterstützen.
Beurteilung der Rechtslage zum Eintreten von Artikel 5 des NATO-Vertrags (Bündnisfall), 25. Oktober 2001 (Seite 1)
Pressemitteilung des Nordatlantikrats zum Eintreten des Bündnisfalls gemäß Artikel 5 des NATO-Vertrags, 12. September 2001
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Operation „Active Endeavour“ fand im Mittelmeer statt: Marineeinheiten, vorrangig von Anrainerstaaten unter den NATO-Mitgliedern, überwachten den Seeverkehr und kontrollierten Schiffe, bei denen sie eine Verbindung zum internationalen Terrorismus vermuteten. Die Operation sollte hauptsächlich der Abschreckung dienen und Terroranschläge auf Schiffe – wie etwa den auf die USS „Cole“ im Jahr 2000 – verhindern. In den Jahren 2003/2004 erhielten zivile Schiffe auf Anfrage auch militärischen Geleitschutz durch die Straße von Gibraltar. Hieran waren auch deutsche Schnellboote beteiligt. Die Mission endete erst im Jahr 2016.
Zwei deutsche Einsätze in Afghanistan
OEF macht den Anfang
Für die „Operation Enduring Freedom“ ersuchten die USA das Ausland um militärische, vor allem aber um politische Unterstützung. Als Zeichen der uneingeschränkten Solidarität bot die Bundesregierung den USA an, dass Deutschland sich militärisch an OEF beteiligt. Diese Entscheidung stieß in Teilen der deutschen Öffentlichkeit auf erhebliche Kritik. Denn die Bundeswehr sollte erstmals in einen Auslandseinsatz entsandt werden, der nicht humanitären Zwecken oder der Friedenssicherung diente.
Eine Zustimmung des Bundestages zum Antrag der Bundesregierung über die Beteiligung der Bundeswehr an OEF galt trotz der absoluten Mehrheit der rot-grünen Koalition nicht als sicher. Die Entscheidung zum Bundeswehreinsatz wurde auch in den Regierungsparteien zum Teil kritisch gesehen. Aus diesem Grund verknüpfte Bundeskanzler Gerhard Schröder am 16. November 2001 die Entscheidung des Bundestages zum deutschen Afghanistan-Einsatz mit der Vertrauensfrage. Die Entscheidung zum Bundeswehreinsatz wurde somit auch zur Zukunftsfrage der rot-grünen Regierung.
Bundeskanzler Gerhard Schröder am Rednerpult im Deutschen Bundestag während der Sitzung vom 16. November 2001Quelle: BArch, B 145 Bild-00006418 / Fassbender, Julia
Bundeskanzler Gerhard Schröder vor der Regierungsbank während der Abstimmung des Deutschen Bundestags über die Entsendung deutscher Truppen nach Afghanistan, 16. November 2001Quelle: BArch, B 145 Bild-00007263 / Bienert, Andrea
Der Antrag der Bundesregierung sah vor, dass sich zunächst 3.900 deutsche Soldaten an der „Operation Enduring Freedom“ beteiligten – darunter auch 100 Spezialkräfte des erst fünf Jahre zuvor aufgestellten Kommandos Spezialkräfte (KSK). In Afghanistan beteiligten sie sich an Suchaktionen nach Taliban-Mitgliedern und der Sicherung von alliierten Operationen. Auch Kräfte der „Strategic Aeromedical Evacuation“ (StratAirMedEvac), die verletzte und erkrankte Soldaten ausflogen, stellte die Bundeswehr zur Verfügung. Außerdem verlegte sie einen ABC-Abwehrverband nach Kuwait, um dort im Falle eines Einsatzes chemischer oder biologischer Waffen durch Terroristen abrufbar zu sein.
Die Bundeswehr beteiligte sich von Anfang auch an der maritimen Komponente von OEF am Horn von Afrika. 1.800 der 3.900 Soldaten waren Marineangehörige und machten damit den größten Anteil am zugebilligten Mandat aus. Sie wurden in Dschibuti stationiert.
Die deutsche Öffentlichkeit betrachtete die Anti-Terror-Politik der US-Regierung und damit auch die „Operation Enduring Freedom“ mehrheitlich sehr kritisch bis ablehnend. Zweifel an der Verhältnismäßigkeit von Luftschlägen, gezielten Tötungen mutmaßlicher und tatsächlicher Terroristen sowie der Außerkraftsetzung rechtsstaatlicher Grundsätze bei der Verhaftung von Terrorverdächtigen riefen verbreitet Ablehnung und Empörung hervor.
Einschätzung zur völkerrechtlichen Zulässigkeit des Einsatzes bewaffneter deutscher Streitkräfte bei der Unterstützung der gemeinsamen Reaktion auf terroristische Angriffe gegen die USA (Seite 1), 13. November 2001
Sachstandsdarstellung zum Stand der aktuellen Planung bezüglich einer deutschen Beteiligung an „Operation Enduring Freedom“, ohne Datum (Seite 1)
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Die „International Security Assitance Force“ und der Versuch des „Nation Buildings“
Nachdem die Kräfte der Nordallianz mithilfe der OEF-Kräfte die Taliban-Herrschaft beendet hatten, entstand in Afghanistan ein Machtvakuum. Unter dem Schirm der Vereinten Nationen begannen im November 2001 unterschiedliche afghanische Kräfte und Interessengruppen mit Verhandlungen über eine künftige afghanische Zentralregierung.
Zur Unterstützung legten die Vereinten Nationen eine internationale Konferenzreihe auf, die auf Initiative der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn stattfand. Die Verhandlungen hatten das Ziel, Afghanistan in eine friedliche, demokratische und rechtsstaatliche Zukunft zu führen. Um ein sicheres Umfeld für die neue Zentralregierung in Kabul zu schaffen, baten die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer um die Schaffung einer internationalen Schutztruppe durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
UNO-Konferenz mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener afghanischer Interessengruppen im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn. Thema der Verhandlungen war die politische Zukunft Afghanistans nach dem Sturz der Taliban, 27. November 2001Quelle: BArch, B 145 Bild-00006397 / Reineke, Engelbert
Fatima Gailani, Mitglied der Peshawar-Gruppe, die bei den Petersberger Verhandlungen über die politische Zukunft Afghanistans die paschtunische Bevölkerungsmehrheit vertrat, 27. November 2001Quelle: BArch, B 145 Bild-00007273 / Reineke, Engelbert
Mit Resolution 1386 vom 20. Dezember 2001 autorisierte der Sicherheitsrat die Entsendung der militärischen Schutztruppe (International Security Assistance Force / ISAF).
Die Bundesregierung beschloss, dass Deutschland zu den ersten und größeren Truppenstellern für ISAF gehören sollte. Der Bundestag stimmte dem Antrag der Bundesregierung auf Entsendung von zunächst 1.200 Soldatinnen und Soldaten nach Kabul am 22. Dezember 2001 zu.
Stichpunkte des Leiters Planungsstab für die Vorstellung des Berichts der Bundesregierung zur sicherheits- und verteidigungspolitischen Lage nach dem Terroranschlag auf die USA, 11. Dezember 2001 (Seite 1)
Ministervorlage über die mögliche Gestaltung eines deutschen Beitrags zu einer internationalen Sicherungstruppe für Afghanistan im Rahmen eines Mandats der Vereinten Nationen, 10. Dezember 2001 (Seite 1)
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Die ISAF-Mission war zunächst räumlich auf die Hauptstadt Kabul beschränkt. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erweiterte das Mandat ab 2003 auf das gesamte Land. Im selben Jahr verständigten sich die NATO-Mitgliedstaaten darauf, die Führung von ISAF zu übernehmen, allerdings weiterhin unter dem Mandat der Vereinten Nationen.
Im Jahr 2006 übernahm die Bundeswehr die militärische Verantwortung für den Norden Afghanistans.
Weisung des Bundesverteidigungsministeriums zur Vorbereitung eines deutschen Afghanistan-Einsatzes im Rahmen der ISAF (Seite 1), 22. Dezember 2001
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Afghanistan, die Bundeswehr und die Probleme des „Nation Buildings“
Durch die umfangreiche Beteiligung der Bundeswehr und die Verhandlungen auf dem Petersberg versprach sich die Bundesregierung einen starken politischen Einfluss auf den internationalen Prozess zur Zukunft Afghanistans. Sie wollte demonstrieren, dass Deutschland als eine der führenden Industrienationen internationale Verantwortung übernimmt – auch auf militärischem Gebiet.
„Um zu verdeutlichen, worum es wirklich geht, habe ich davon gesprochen, dass unsere Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt wird. Deutschland ist sicherer, wenn wir zusammen mit Verbündeten und Partnern den internationalen Terrorismus dort bekämpfen, wo er zu Hause ist, auch mit militärischen Mitteln.“
Rede von Bundesverteidigungsminister Peter Struck zur Fortsetzung des deutschen Einsatzes in Afghanistan vor dem Deutschen Bundestag am 20. Dezember 2002
Das Zitat des damaligen Bundesministers der Verteidigung Peter Struck verdeutlicht, dass die Bundesregierung mit ihrem Engagement in Afghanistan einem neuen, erweiterten Sicherheitsverständnis folgte, der sich zu Beginn der 2000er Jahre in Europa entwickelte. Nach dem Ende des Kalten Krieges sah man sich in Deutschland umgeben von Demokratien, Freunden und Partnern, die Gefahr eines existenzbedrohenden Krieges erachtete man als gering.
Ein Beispiel für neue und vielfältigere Bedrohungen, die immer stärker in den Fokus rückten, war insbesondere der sich ausbreitende internationale Terrorismus. Hinzu kam eine in den Gesellschaften der westlichen Welt verbreitete Auffassung, dass sich Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit „exportieren“ ließen, wenn für die richtigen Rahmenbedingungen gesorgt würde.
In Afghanistan drückte sich dieser Gedanke von „Nation Building“ dadurch aus, dass ausländische Kräfte nicht nur eine militärische Schutztruppe (ISAF) stellten, sondern das Land auch beim Aufbau zivilstaatlicher Strukturen unterstützten.
Fahrzeug des deutschen Kontingents der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) auf Patrouillenfahrt, 28. August 2003Quelle: BArch, B 145 Bild-00016337 / Kühler, Bernd
Bundespräsident Christian Wulff (3. v. r.) und Generalmajor Markus Kneip (4. v. r.), Regionalkommandeur Nord der ISAF, beim Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehreinsätze in Afghanistan im Ehrenhain des Bundeswehrfeldlagers „Camp Marmal“ bei Masar-i-Scharif, 16. Oktober 2011Quelle: BArch, B 145 Bild-00250058 / Bergmann, Guido
Die ab 2005/2006 nach Afghanistan zurückkehrenden Taliban setzten die ISAF-Truppe durch Anschläge und verdeckte Kriegführung militärisch unter Druck. Dies führte dazu, dass die NATO den Umfang der ISAF-Truppe immer weiter aufstocken musste. Zugleich erhöhte sich die Zahl der in Afghanistan getöteten Soldatinnen und Soldaten.
Die Bundeswehr entsandte bis zum Ende des Einsatzes im Jahr 2021 über 90.000 Soldatinnen und Soldaten. 35 Soldaten starben durch Anschläge und Gefechte, zahlreiche wurden verletzt und verwundet, viele erlitten posttraumatische Belastungsstörungen.
Die deutsche Gesellschaft hielt entgegen der Realität vor Ort lange Zeit am Bild der Bundeswehrsoldaten als bewaffnete Entwicklungshelfer fest. Die humanitären Aspekte des „Nation Buildings“ – Bau von Brunnen, Einsatz für Frauenrechte, Bau von Schulen und Straßen – standen im Vordergrund. Als der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg unter dem Eindruck der Ereignisse vor Ort erstmals von kriegsähnlichen Zuständen in Afghanistan sprach, reagierten Politik und Öffentlichkeit verbreitet mit Widerspruch.
Das Ende des deutschen Engagements in Afghanistan
Im Jahr 2008 beschloss die NATO auf ihrem Gipfel in Bukarest, die Verantwortung für die Sicherheit Afghanistans schrittweise in einheimische Hände zu geben und gleichzeitig das eigene militärische Engagement zurückzufahren. Im Sommer 2011 begann die Übergangsphase, in der die afghanischen Sicherheitskräfte nach und nach die Sicherheitsverantwortung im ganzen Land übernehmen sollten. Die Truppen der westlichen Alliierten blieben trotzdem noch bis August 2021 in Afghanistan, um die Sicherheitsbemühungen der afghanischen Sicherheitskräfte zu unterstützen.
Die USA verhandelten im Jahr 2020 mit den Taliban, die zu diesem Zeitpunkt als Schattenregierung schon lange weite Teile des Landes faktisch kontrollierten, über den Abzug US-amerikanischer und verbündeter Truppen. Nach Abschluss des Doha-Abkommens verstärkten die Taliban ihre Anschläge gegen den afghanischen Staat. Dadurch brach das demokratische Staats- und Gemeinwesen westlicher Prägung rapide zusammen. Im Chaos verließen die westlichen Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Helferinnen und Helfer fluchtartig das Land. Die ehemaligen Angehörigen der afghanischen Sicherheitskräfte waren den Taliban damit schutzlos ausgeliefert. Viele von ihnen flohen, wurden verfolgt oder ermordet.
Mit den Ursachen und Folgen des 20-jährigen Afghanistan-Engagements und dem desaströsen Ende beschäftigte sich sowohl eine mit Expertinnen und Experten besetzte Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages als auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss.
Recherchehinweise
Alle Unterlagen zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan unterliegen noch der archivgesetzlichen Schutzfrist von 30 Jahren nach BArchG §11. Die hier gezeigten Dokumente konnten dank einer Sondergenehmigung des Bundesministeriums der Verteidigung bereits vor Ablauf dieser Frist veröffentlicht werden.
Die Auslandseinsätze der Bundeswehr prägten das Erscheinungsbild der Bundeswehr. Dafür steht beispielhaft die Aufstellung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr (EinsFüBw), das mit der Führung der beschriebenen Einsätze seine erste Bewährungsprobe bestehen musste. Eine wenige Jahre später veröffentlichte Informationsbroschüre zeigt, wie sich das Profil der Bundeswehr in den 2010er Jahren von der Landes- und Bündnisverteidigung hin zu einer Armee im Einsatz verschoben hatte. Die Broschüre finden Sie unter folgendem Link.
Externer Link
invenio
Informationsbroschüre des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr
Staat, Militär und Gesellschaft – historische Dokumente zur Bundeswehr
Zum 70. Jahrestag der Gründung der Bundeswehr präsentiert das Bundesarchiv Archivalien zur Geschichte der deutschen Streitkräfte – von ihrer Aufstellung bis zur Zeit nach der Wiedervereinigung.