Direkt zum Seiteninhalt springen
Der Inspekteur des Sanitätswesens Gunter Desch schreitet während seines Besuchs des deutschen UNTAC-Kontingents eine Reihe von angetretenen Sanitätssoldaten im deutschen Feldhospital in Phnom Penh ab.

Besuch des Inspekteurs des Sanitätswesens, Generaloberstabsarzts Gunter Desch, bei den Soldaten des deutschen Kontingents in Kambodscha, vermutlich 1993, Quelle: BArch, BW 24/22446, Image 0028

Eindrücke aus dem UN-Einsatz in Kambodscha 1992/93

Zwischen Mai 1992 und November 1993 betrieb die Bundeswehr ein Feldlazarett in Kambodscha. Spätere Erfahrungsberichte ermöglichen Einblicke in den Alltag und die Stimmung während dieses ersten Blauhelm-Einsatzes der Bundeswehr im Rahmen der UNTAC-Mission der Vereinten Nationen.

Die Terrorherrschaft der „Roten Khmer“ (1975–1979), der Krieg mit dem Nachbarland Vietnam und der darauffolgende Bürgerkrieg hatten die staatlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Kambodscha tief erschüttert. Mit der United-Nations-Transitional-Authority-in-Cambodia-Mission (UNTAC) unterstützten die Vereinten Nationen die Umsetzung des 1991 von den Konfliktparteien des Bürgerkriegs unterzeichneten Friedensabkommens für Kambodscha und die Durchführung demokratischer Wahlen.

Die Bundeswehr übernahm einen wesentlichen Teil der medizinischen Versorgung der UNTAC-Truppe: Rund 450 Soldaten des Sanitätsdienstes betrieben in der Hauptstadt Phnom Penh ein Feldlazarett. Ihr Hauptauftrag war die medizinische Versorgung des militärischen und zivilen UNTAC-Personals. Im Rahmen freier Kapazitäten sollten die deutschen Soldaten auch der notleidenden Zivilbevölkerung helfen. Viele Menschen wurden durch nicht geräumte Landminen getötet oder schwer verletzt. Durch ihr Engagement erwarben sich die Bundeswehrsoldaten ein hohes Ansehen bei der örtlichen Bevölkerung. Während des Einsatzes führten sie insgesamt 115.000 ambulante Behandlungen und 3.500 Behandlungen im German Field Hospital durch. Die lokale Bevölkerung bezeichnete das Krankenhaus als „Haus der Engel“.

Die beschränkten Möglichkeiten und politische Restriktionen, die weitere Hilfe unmöglich machten, stürzten die deutschen Sanitäter angesichts des großen Leids in moralische Dilemmata.

Während des knapp 18-monatigen Einsatzes gab es eine durchgehend positive Berichterstattung über die Arbeit der deutschen Blauhelmsoldaten. Unterbrochen wurde diese durch die Nachricht, dass unbekannte Täter den Feldwebel Alexander Arndt auf offener Straße erschossen hatten; er war der erste in einem Auslandseinsatz getötete Soldat der Bundeswehr.

Nach Abschluss des deutschen UNTAC-Engagements erstellten die am Einsatz beteiligten Dienststellen sowie ausgewählte Funktionsträger umfangreiche Erfahrungsberichte. Diese historischen Dokumente liefern alltags- und mentalitätsgeschichtliche Einblicke in den Auslandseinsatz in Kambodscha. Sie eröffnen heutigen Betrachterinnen und Betrachtern zum Teil sehr persönlich gehaltene und bisweilen auch emotional eingefärbte Perspektiven auf die Vergangenheit.  

  • Maschinenschriftliches Dokument
    Erfahrungsbericht des Katholischen Standortpfarrers München I über seinen Einsatz als Militärpfarrer in Kambodscha, 5. Dezember 1993 (Seite 1)
  • Maschinenschriftliches Dokument mit rotem Anführungszeichen am rechten Rand
    Erfahrungsbericht des Katholischen Standortpfarrers München I über seinen Einsatz als Militärpfarrer in Kambodscha, 5. Dezember 1993 (Seite 2)
  • Maschinenschriftliches Dokument
    Erfahrungsbericht des Katholischen Standortpfarrers München I über seinen Einsatz als Militärpfarrer in Kambodscha, 5. Dezember 1993 (Seite 3)
  • Maschinenschriftliches Dokument
    Erfahrungsbericht des Katholischen Standortpfarrers München I über seinen Einsatz als Militärpfarrer in Kambodscha, 5. Dezember 1993 (Seite 4)
  • Maschinenschriftliches Dokument mit händischer Unterschrift
    Erfahrungsbericht des Katholischen Standortpfarrers München I über seinen Einsatz als Militärpfarrer in Kambodscha, 5. Dezember 1993 (Seite 5)

Das präsentierte Dokument stammt aus Archivgut mit der Signatur BArch, BW 41/1002. Die Akte ist Teil des Registraturguts des Sanitätsamtes der Bundeswehr. Sie umfasst eine Sammlung von Erfahrungsberichten der am Einsatz beteiligten Einheiten sowie von Militärgeistlichen, die die Bundeswehr zur seelsorgerischen Betreuung der Soldaten nach Kambodscha entsandte.

Historischer Hintergrund

Durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den beiden deutschen Teilstaaten und den Siegermächten des Zeiten Weltkrieges erlangte das wiedervereinigte Deutschland seine volle Souveränität. Die Bundesregierung betonte bereits im Oktober 1990, dass sich Deutschland künftig an militärischen Aktionen zur Verwirklichung kollektiver Sicherheit beteiligen werde. Zunächst entsandte die Bundeswehr ihre Kräfte in verschiedene Einsätze, die im Zusammenhang mit dem Zweiten Golfkrieg standen. Die Beteiligung an den Missionen der Vereinten Nationen in Kambodscha bot nun eine weitere Möglichkeit, diesem politischen Anspruch gerecht zu werden.

Bereits am 25. Oktober 1991 hatte Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg die Beteiligung von 15 Sanitätssoldaten an der Vorausmission UNAMIC (United Nations Advance Mission in Cambodia) gebilligt. Am 8. April 1992 entschied die Bundesregierung dann zugunsten einer deutschen Beteiligung an der nachfolgenden, größeren UNTAC-Mission. UNTAC war ein Meilenstein in der Geschichte der Blauhelm-Missionen der Vereinten Nationen: Zum ersten Mal verwalteten die Vereinten Nationen treuhänderisch die Regierungsgewalt eines souveränen Landes. Die internationale Blauhelm-Truppe umfasste insgesamt mehr als 15.000 Soldaten und 3.000 Polizisten aus über 100 Ländern.

Die Entscheidung über eine militärische Beteiligung Deutschlands war nicht unumstritten. Im Bundestag und in der Öffentlichkeit wurde diskutiert, ob eine Teilnahme der Bundeswehr an UN-Einsätzen verfassungsrechtlich überhaupt möglich war – nicht nur in Kambodscha, sondern auch in Somalia oder im ehemaligen Jugoslawien. Oder ob das Grundgesetz verlangte, dass sich ein Einsatz der Bundeswehr auf NATO-Gebiete beschränken müsste, wenn es sich nicht um reine humanitäre Hilfe handelte. Die Aufgabe der UNTAC ging aber über reine humanitäre Hilfe hinaus. In ihrer öffentlichen Darstellung betonte die Bundesregierung deshalb den humanitären Aspekt des Einsatzes in Kambodscha. So fand dieser trotz aller Kontroversen einen breiten Rückhalt in Parlament und Öffentlichkeit.

In der öffentlichen Wahrnehmung trat der Kambodscha-Einsatz im Frühjahr 1993 in den Hintergrund. Zu diesem Zeitpunkt begann die Bundesregierung, die Bundeswehr in deutlich größerem Rahmen an einer weiteren Mission der Vereinten Nationen, UNOSOM II, zu beteiligen.

Die Fotokollage enthält verschiedene Bilder vom Aufbruch des deutschen Sanitätskontingents nach Kambodscha im Rahmen der UN-Mission UNTAC 1992. Die Bilder zeigen unter anderem Soldaten auf einem Flugfeld und beim Verladen von Kisten in ein Flugzeug.
Anlässlich der Entsendung des ersten Kontingents deutscher Sanitätssoldaten nach Kambodscha im Mai 1992 sammelte die Medienzentrale des Streitkräfteamtes Eindrücke von der Verabschiedung aus Deutschland. Abzüge der Fotos fanden später Eingang in die Akten der Inspektion des Sanitätswesens der BundeswehrQuelle: BArch, BW 24/22446, Image 0006