Die Terrorherrschaft der „Roten Khmer“ (1975–1979), der Krieg mit dem Nachbarland Vietnam und der darauffolgende Bürgerkrieg hatten die staatlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Kambodscha tief erschüttert. Mit der United-Nations-Transitional-Authority-in-Cambodia-Mission (UNTAC) unterstützten die Vereinten Nationen die Umsetzung des 1991 von den Konfliktparteien des Bürgerkriegs unterzeichneten Friedensabkommens für Kambodscha und die Durchführung demokratischer Wahlen.
Die Bundeswehr übernahm einen wesentlichen Teil der medizinischen Versorgung der UNTAC-Truppe: Rund 450 Soldaten des Sanitätsdienstes betrieben in der Hauptstadt Phnom Penh ein Feldlazarett. Ihr Hauptauftrag war die medizinische Versorgung des militärischen und zivilen UNTAC-Personals. Im Rahmen freier Kapazitäten sollten die deutschen Soldaten auch der notleidenden Zivilbevölkerung helfen. Viele Menschen wurden durch nicht geräumte Landminen getötet oder schwer verletzt. Durch ihr Engagement erwarben sich die Bundeswehrsoldaten ein hohes Ansehen bei der örtlichen Bevölkerung. Während des Einsatzes führten sie insgesamt 115.000 ambulante Behandlungen und 3.500 Behandlungen im German Field Hospital durch. Die lokale Bevölkerung bezeichnete das Krankenhaus als „Haus der Engel“.
Die beschränkten Möglichkeiten und politische Restriktionen, die weitere Hilfe unmöglich machten, stürzten die deutschen Sanitäter angesichts des großen Leids in moralische Dilemmata.
Während des knapp 18-monatigen Einsatzes gab es eine durchgehend positive Berichterstattung über die Arbeit der deutschen Blauhelmsoldaten. Unterbrochen wurde diese durch die Nachricht, dass unbekannte Täter den Feldwebel Alexander Arndt auf offener Straße erschossen hatten; er war der erste in einem Auslandseinsatz getötete Soldat der Bundeswehr.
Nach Abschluss des deutschen UNTAC-Engagements erstellten die am Einsatz beteiligten Dienststellen sowie ausgewählte Funktionsträger umfangreiche Erfahrungsberichte. Diese historischen Dokumente liefern alltags- und mentalitätsgeschichtliche Einblicke in den Auslandseinsatz in Kambodscha. Sie eröffnen heutigen Betrachterinnen und Betrachtern zum Teil sehr persönlich gehaltene und bisweilen auch emotional eingefärbte Perspektiven auf die Vergangenheit.






