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Einsatzdokumentation der SAR-Leitstelle Glücksburg zum Seenotfall „Grete Hauschildt“, 6. Dezember 1973 (Seite 1), Quelle: BArch, BM 1/3355, Image 0026

Ernstfall im Frieden

Am 6. Dezember 1973 wütete vor der deutschen Nordseeküste ein Orkan. Mehrere Hubschrauber der Bundeswehr retteten die Besatzung eines untergehenden Frachters aus dem Sturm.

Am 6. Dezember 1973 tobte ein Orkan in der Deutschen Bucht. Bereits in den Wochen zuvor hatten sich in der Nordsee mehrere schwere Stürme mit etlichen Seenotfällen ereignet. Dabei waren zwei moderne Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) so stark beschädigt worden, dass sie für einen weiteren Einsatz vorübergehend nicht zur Verfügung standen.

Die verbliebenen Seenotkreuzer in der Nordsee waren am Abend des 6. Dezember 1973 anderweitig gebunden. So konnten dem kurz zuvor in Seenot geratenen Frachtschiff „Grete Hauschildt“ anfänglich nur kleinere Seenotboote der DGzRS und zivile Schiffe zur Hilfe kommen. Schnell wurde klar, dass sie das untergehende Schiff wegen des schweren Seegangs nicht erreichen würden. Es blieb nur die Rettung aus der Luft durch die Search-and-Rescue-Hubschrauber (Suchen und Retten, kurz: SAR) der Bundeswehr.

Nacheinander versuchten zunächst die Hubschrauber „81+00“ und „70+53“, die Besatzung der „Grete Hauschildt“ per Seilwinde („Winsch“) abzubergen, scheiterten jedoch an den extremen Witterungsbedingungen. Nach mehreren risikoreichen Versuchen gelang es schließlich der Besatzung des Hubschraubers „82+05“, drei Besatzungsmitglieder von Bord des Schiffes zu retten. Als der Treibstoff zur Neige ging, mussten die Piloten weitere Rettungsversuche abbrechen.

Die drei Geretteten waren trotz weiterer Einsatzflüge die einzigen Überlebenden der „Grete Hauschildt“. Die Besatzung des Hubschraubers „82+05“ schlug das Verteidigungsministerium aufgrund ihres Einsatzes für eine besondere Ehrung vor: Im April 1974 verlieh Bundespräsident Gustav Heinemann dem Kapitänleutnant Dieter Pfister, dem Oberleutnant zur See Klaus Labitzke und dem Oberbootsmann Jürgen Brumm das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Ein Hubschrauber vom Typ Sikorsky H34G der Heeresflieger schwebt über einem Flugfeld. Im Hintergrund sind weiterere Hubschrauber und ein Hangar zu sehen.
Ein Hubschrauber vom Typ Sikorsky H 34 G der Heeresflieger im Flug, 1954. Hubschrauber des gleichen Typs nutzte das Marinefliegergeschwader 5 bei der Seenotrettung der „Grete Hauschildt“Quelle: Bundeswehr / Archiv
Nahaufnahme der Herrenausführung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz) mit Bandschnalle
Herrenausführung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz) mit Bandschnalle, 1996Quelle: Bundesregierung, B 145 Bild-00013417 / Fassbender, Julia
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    Einsatzdokumentation der SAR-Leitstelle Glücksburg zum Seenotfall „Grete Hauschildt“, 6. Dezember 1973 (Seite 1)
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    Einsatzdokumentation der SAR-Leitstelle Glücksburg zum Seenotfall „Grete Hauschildt“, 6. Dezember 1973 (Seite 2)
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    Einsatzdokumentation der SAR-Leitstelle Glücksburg zum Seenotfall „Grete Hauschildt“, 6. Dezember 1973 (Seite 3)

Das präsentierte Dokument stammt aus Archivgut mit der Signatur BArch, BM 1/3355. Diese Akte entstand beim Referat 2 III des Führungsstabs der Marine. Dieses war unter anderem für grundsätzliche Angelegenheiten des SAR-Dienstes der Marine zuständig. Darüber hinaus enthält die Akte eine Auswahl von Einsatzberichten der Jahre 1973 bis 1976. 

  • Deckblatt eines Schreibens mit Eingangsstempel und handschriftlichen Korrekturen sowie einer Unterschrift
    Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Oberleutnant zur See Klaus Labitzke und Oberbootsmann Jürgen Brumm, März/April 1974 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebener offizieller Brief mit Postausgangsstempel, handschriftlichen Vermerken und einer Unterschrift
    Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Oberleutnant zur See Klaus Labitzke und Oberbootsmann Jürgen Brumm, März/April 1974 (Seite 2)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit unterstrichenen Wörtern und Passagen
    Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Oberleutnant zur See Klaus Labitzke und Oberbootsmann Jürgen Brumm, März/April 1974 (Seite 3)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit Absätzen
    Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Oberleutnant zur See Klaus Labitzke und Oberbootsmann Jürgen Brumm, März/April 1974 (Seite 5)

Das präsentierte Dokument stammt aus Archivgut mit der Signatur BArch, B 122/38854. Diese Akte entstand bei der Ordenskanzlei des Bundespräsidialamts, die unter anderem für die Prüfung von Auszeichnungsvorschlägen zuständig ist.

Historischer Hintergrund

Das Gesetz über die Aufgaben des Bundes auf dem Gebiet der Seeschifffahrt vom 22. November 1950 übertrug der Bundesverwaltung alle Aufgaben auf dem Gebiet des Seeverkehrs, für die vorher auch das Deutsche Reich zuständig war. Dazu gehörte unter anderem die Verpflichtung, Vorsorge für den in Seenotfällen erforderlichen Such- und Rettungsdienst zu leisten. In der Folgezeit gestalteten viele internationale Übereinkommen und Rechtsvorschriften diese staatliche Aufgabe weiter aus. Zu den ständigen Einrichtungen des Such- und Rettungsdienstes in Seenotfällen gehören feste Funkeinrichtungen, die von der DGzRS betriebenen Schiffe und Küstenstationen sowie der SAR-Dienst der Bundeswehr mit seinen Hubschraubern und Flugzeugen.

Die Marine stellte 1958 ihr erstes SAR-Kommando in Kiel-Holtenau in den Dienst. Rund ein Jahr später stellte die Luftwaffe die 1. Luftrettungsverbindungsstaffel in Faßberg auf. Seit 1965 übernimmt die Bundeswehr aufgrund einer Verwaltungsvereinbarung mit dem Bundesministerium für Verkehr die Aufgaben des Such- und Rettungsdienstes auch für Luftfahrzeuge.

Anfang der 1990er Jahre bestand das militärische SAR-Wesen aus insgesamt 17 SAR-Kommandos und 15 Rettungszentren. Luftwaffe, Marine und Heer betrieben diese mit Unterstützung des Sanitätsdienstes. Mit dem Ausbau des zivilen Luftrettungssystems ging die Anzahl der SAR-Stützpunkte deutlich zurück. Die Leitstellen in Glücksburg und Münster planen und führen die Einsätze des SAR-Dienstes der Bundeswehr.

Zusätzlich zu den zivilen Einsätzen werden die Hubschrauber und Flugzeuge des militärischen SAR-Dienstes aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten auch im militärischen Alltag für Rettungs- und Hilfseinsätze genutzt.