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Handgezeichnete Karte, auf der die Länder Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien und das ehemalige Ost-Pakistan (heute Bangladesch) abgebildet sind. Auf der Karte sind einige wichtige Städte rot eingzeichnet.

Handgezeichnete Karte der Länder Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien und Bangladesch (Ost-Pakistan), ohne Datum, Quelle: BArch, BL 1/4871, Image 0394

Karachi – Teheran – Köln

Im Dezember 1971 eskalierte abermals der indisch-pakistanische Konflikt zu einer militärischen Auseinandersetzung. Zahlreiche deutsche Staatsbürgerinnen und -bürger, die sich in der Region aufhielten, befanden sich damit in einer aktiven Konfliktzone im Ausland. Die Luftwaffe der Bundeswehr evakuierte sie.

Das Auswärtige Amt ersuchte das Verteidigungsministerium in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember 1971 um Amtshilfe bei der Rückholung der eigenen Staatsbürgerinnen und -bürger aus der Krisenregion. Die Planungen sahen vor, sie auf dem Luftweg aus der pakistanischen Hafenstadt Karachi zu evakuieren. Die Evakuierung war nur möglich, weil die Bundesregierung die Regierung des Iran dafür gewinnen konnte, Teheran als Drehscheibe der Operation zu nutzen.

Die Sicherheitsgarantien der indischen Streitkräfte ließen nur ein kurzes Zeitfenster für die Mission zu. Deshalb plante die Luftwaffe gleich zwei Boeing 707 und zwei ihrer C-160 Transall-Maschinen ein. Die erste Maschine startete bereits am frühen Morgen des 6. Dezember 1971 vom militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn in die 7.000 Kilometer entfernte Krisenregion.

Eine Boeing 707 der Flugbereitschaft steht auf einem Flugfeld. Die Maschine trägt die Kennung 10+03. Vor der Maschine steht ein Soldat des Bodenpersonals.
Eine Boeing 707 der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung auf einem Flugfeld, 1969Quelle: Bundeswehr / Oed, Günther

Die schleppende Abfertigung der Passagierinnen und Passagiere durch die Behörden in Karachi, unsichere Verhältnisse im Luftraum des nördlichen Westpakistans sowie allgemeine Kommunikationsprobleme erschwerten den Einsatz. Die Bundeswehr hatte kaum Informationen zur militärischen Situation in Karachi. So war es ein großer Vorteil, dass ein Flugkapitän der Lufthansa den Einsatz begleitete, der die Stellungen der indischen und pakistanischen Flugabwehr kannte. Im Laufe der nächsten sechs Tage flog die Luftwaffe insgesamt 377 Deutsche und 144 Staatsbürgerinnen und -bürger anderer Länder aus.

Da der Einsatz nicht reibungslos ablief, verwarf die Bundesregierung eine weitere angedachte Luftevakuierung aus Rawalpindi. Die Betroffenen gelangten mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes auf dem Landweg in das benachbarte Afghanistan und kehrten von dort nach Deutschland zurück.

  • Maschinenschriftliches Dokument mit handschriftlichen Ergänzungen
    Erfahrungsbericht des Lufttransportkommandos, 6. Januar 1972 (Seite 1)
  • Maschinenschriftliches Dokument mit handschriftlichen Unterstreichungen
    Erfahrungsbericht des Lufttransportkommandos, 6. Januar 1972 (Seite 2)
  • Maschinenschriftliches Dokument
    Erfahrungsbericht des Lufttransportkommandos, 6. Januar 1972 (Seite 3)
  • Maschinenschriftliches Dokument mit handschriftlichen Markierungen am linken Rand
    Erfahrungsbericht des Lufttransportkommandos, 6. Januar 1972 (Seite 4)
  • Maschinenschriftliches Dokument mit händischer Unterschrift
    Erfahrungsbericht des Lufttransportkommandos, 6. Januar 1972 (Seite 5)
  • Maschinenschriftliches Dokument mit handschriftlicher Ergänzung
    Erfahrungsbericht des Lufttransportkommandos, 6. Januar 1972 (Seite 6)
  • Maschinenschriftliches Dokument
    Erfahrungsbericht des Lufttransportkommandos, 6. Januar 1972 (Seite 7)
  • Maschinenschriftliches Dokument mit händischer Unterschrift
    Erfahrungsbericht des Lufttransportkommandos, 6. Januar 1972 (Seite 8)
  • Maschinenschriftliches Dokument mit handschriftlichen Ergänzungen und Stempeln in verschiedenen Farben
    Dankschreiben von Außenminister Walter Scheel an Verteidigungsminister Helmut Schmidt, 8. Dezember 1971

Bei der Akte mit der Signatur BArch, BL 1/4871 handelt es um Archivgut aus dem Registraturgut des Führungsstabes der Luftwaffe im Bundesministerium der Verteidigung. Die dortige Stabsabteilung Fü L III, bei der die Akte entstand, war zuständig für die militärische Führung der Luftwaffe auf ministerieller Ebene. Die Akte enthält neben Erfahrungsberichten auch Unterlagen zur zweiten, nicht realisierten Evakuierungsmission aus Rawalpindi.

Historischer Hintergrund

Der indisch-pakistanische Konflikt, der bis in die Gegenwart andauert, hat politische, religiöse und ethnische Ursachen. Sie reichen zurück in die 1940er Jahre, als Großbritannien seine damalige Kolonie Britisch-Indien in die Unabhängigkeit entlassen hat. Bereits 1947 führten die beiden gerade erst unabhängig gewordenen Staaten einen Krieg um die Zugehörigkeit der Region Kaschmir. Auch in den Folgejahren kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan.

Bis 1971 war Pakistan geteilt in einen West- und einen Ostteil. Wegen dem dazwischenliegenden Indien hatten die beiden Landesteile keinen territorialen Zusammenhang. Mit militärischer Unterstützung Indiens wurde Ostpakistan im gleichen Jahr zum unabhängigen Bangladesch. Das indische Vorgehen lieferte Pakistan den Anlass für einen militärischen Angriff. Am 3. Dezember 1971 bombardierte die pakistanische Luftwaffe Radarstationen und Flugplätze in Indien und löste damit den dritten Indisch-Pakistanischen Krieg aus.

Das Auswärtige Amt richtete am 4. Dezember 1971 einen Krisenstab zur Situation in Indien und Pakistan ein. Die Bundesregierung entschloss sich, die in der Konfliktregion befindlichen deutschen Staatsbürgerinnen und -bürger zu evakuieren. Die Federführung für die Mission lag beim Auswärtigen Amt, das dafür Amtshilfe durch die Bundeswehr in Anspruch nahm.