Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag der USA
Bereits Mitte der 1960er Jahre begannen in den USA die Vorbereitungen auf den „Bicentennial“, den 200. Geburtstag der Vereinigten Staaten von Amerika. Anstatt einer offiziellen, zentralen Feier fanden im ganzen Land unterschiedliche Feierlichkeiten statt. Diese koordinierte die „American Revolution Bicentennial Administration“.
Von deutscher Seite aus fiel die Beteiligung an der Geburtstagsfeier des transatlantischen Partners und wichtigsten NATO-Verbündeten hauptsächlich der Marine zu. Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ und der Zerstörer „Hessen“ unternahmen im Jahr 1976 längere Amerikareisen, um die Bundesrepublik und die Bundeswehr bei Veranstaltungen zu repräsentieren. Die Fahrten waren als Ausbildungsreisen klassifiziert. Die deutschen Schiffe dienten für viele Meet-and-Greets mit Honoratioren, der Presse und US-amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern, vor allem aber als Schauplätze für Politikerbesuche.
Flottenparade und Kanzlerbesuch
Das größte Ereignis der Feierlichkeiten zum „Bicentennial“ war eine große Flottenparade am 4. Juli 1976 in New York. An dieser „International Naval Review“ nahmen neben den beiden deutschen Einheiten Schiffe aus mehr als 40 Ländern teil. Bundesverteidigungsminister Georg Leber (SPD) war als Gast geladen. Zusammen mit US-Präsident Gerald Ford und anderen internationalen Gästen beobachtete er an Bord des amerikanischen Flugzeugträgers „USS Forrestal“ die Parade. Dieser war die „Operation Sail 76“ vorausgegangen: eine Segelregatta von den Bermudas nach Newport (Rhode Island), die die „Gorch Fock“ für sich entscheiden konnte.
Nach der „International Naval Review“ und einem Besuch von Verteidigungsminister Leber blieb die „Hessen“ bis zum 8. Juli 1976 in New York. Tausende Amerikanerinnen und Amerikaner besuchten das Schiff jeden Tag während seiner Liegezeit.
Nach dem Auftakt in New York setzten die „Gorch Fock“ und die „Hessen“ ihre USA-Reise fort. Politischer Höhepunkt war der Besuch der „Gorch Fock“ in Baltimore (Maryland) Mitte Juli 1976.
Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) war ebenfalls auf Geburtstagsbesuch in den USA. Er nutzte die Gelegenheit für einen offiziellen Empfang mit US-Präsident Ford und US-Außenminister Henry Kissinger an Bord des Segelschiffs. Einen Tag später stattete er auch der „Hessen“ einen Kurzbesuch ab. Sie lag in Philadelphia (Pennsylvania) vor Anker.
Nach einer kurzen Musterung stand für die „Gorch Fock“ und die „Hessen“ die Weiterreise an. Die „Hessen“ schloss ihre USA-Tour mit einem Besuch in Charleston (South Carolina) ab – Senator Strom Thurmond hatte eingeladen. Für die „Gorch Fock“ ging es nach ihrem Aufenthalt in Baltimore direkt weiter nach Grönland, dem nächsten Ziel ihrer Ausbildungsreise.
Resümee des Verteidigungsministeriums
Im deutschen Verteidigungsministerium bewertete man die USA-Reise der beiden Schiffe als vollen Erfolg. Sie hatten große Aufmerksamkeit erhalten und die US-amerikanische Presse hatte sich positiv über die Hafenbesuche geäußert.
Auch im Jahr 2026 segelte die „Gorch Fock“ wieder in die USA, um Deutschland bei der Schiffsparade anlässlich der 250-Jahr-Feier in New York zu vertreten.
Weitere Recherchemöglichkeiten
Das Bundesarchiv hat einige Akten rund um die Teilnahme der Bundeswehr an den Bicentennial-Feierlichkeiten digitalisiert: