Den Gründungsvätern der Bundeswehr war bewusst, dass es beim Aufbau der künftigen Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland nicht nur um Ausrüstung, Strukturen und Doktrinen gehen konnte. Auch das Innenleben musste gestaltet werden. Neben einer sich von der Wehrmacht abgrenzenden neuen Führungskultur benötigte die neue Armee auch Identifikationspunkte für die Selbstvergewisserung bei ihrer Aufgabenerfüllung. Aus der belasteten deutsche Militärgeschichte ließ sich für die Bundeswehr als Armee eines neuen demokratischen Staates kein ungebrochenes Traditionsbild formen, wie es bei vielen der NATO-Verbündeten bestand. Programmatisch hielt die Himmeroder Denkschrift vom Oktober 1950 fest, dass „ohne Anlehnung an die Formen der alten Wehrmacht […] grundlegend Neues zu schaffen“ sei. Zugleich forderte die Denkschrift, „den soldatischen Erfahrungen und den Gefühlen des deutschen Volkes“ Rechnung zu tragen (BArch, BW 9/3119c, Image 0095).
Bereits der von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß eingesetzte Beirat für die Innere Führung der Bundeswehr erstellte im März 1959 ein Gutachten zur Neubegründung von Traditionsverhältnissen in der Bundeswehr vor. Darin forderte er, dass die Bundeswehr „ihre Tradition vor allem aus sich selber, aus ihrer Einordnung in die Demokratie und aus ihrem Einstehen für die freiheitliche Rechts- und Friedensordnung entwickeln muss“. Allerdings fanden aufgrund von personellen Kontinuitäten und einer eigenen, kurzen, militärisch ereignislosen Geschichte Erzählungen über die ehemalige Wehrmacht immer wieder Eingang in die Traditionsausübung der jungen Bundeswehr. Bei dienstlichen wie außerdienstlichen Traditionsveranstaltungen trafen Bundeswehrsoldaten mit ehemaligen Wehrmachtangehörigen zusammen.















