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Ein Ausschnitt einer Weltkarte. In der Mitte befindet sich der NATO-Stern als Kompass. Das Büdnisgebiet der NATO-Staaten ist in Blau eingefärbt, das Gebiet des Warschauer Pakts in Rot.

Schaubild von 1985 zu den Bündnisgebieten der NATO und des Warschauer Pakts, Quelle: BArch, BW 1/637753

Die Bundeswehr in der NATO

Die freiwillige Integration in die NATO legte der Bundesrepublik eine Vielzahl von Verpflichtungen auf. Im Gegenzug erhielt Westdeutschland dafür Beistandsversprechen der anderen NATO-Mitglieder. Abschreckung eines Gegners und kollektive Verteidigung waren die Leitgedanken westdeutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik im Kalten Krieg.

Blick auf die Eröffnungssitzung der NATO-Tagung in der Stadthalle in Bad Godesberg 1957. Die Teilnehmer der NATO-Staaten sitzen an einem hufeisenförmigen Tisch, drumherum sitzen Zuschauerinnen und Zuschauer. Über der Tribüne im Hintergrund ist eine NATO-Fahne aufgehängt.
Eröffnungssitzung der Tagung des NATO-Rats in der Stadthalle Bad Godesberg, 1957. Die Integration in die NATO bedeutete nicht nur eine militärische sondern auch eine frühe politische Integration in supranationale Strukturen.Quelle: Bundesregierung, B 145 Bild-00009897 / Steiner, Egon

Die Bundeswehr baute nie eine militärische Führungsstruktur in der Art eines gesamtverantwortlichen Generalstabs auf. Die Aufnahme Deutschlands in die NATO erfolgte unter der Voraussetzung, dass die Land-, Luft- und Seestreitkräfte der Bundeswehr bereits zu Friedenszeiten fest in die militärische Organisation der NATO eingebunden wurden.

Die Divisionen des Heeres der Bundeswehr bildeten zusammen mit Verbänden verbündeter NATO-Staaten eine von Nord nach Süd eng geschlossene „Schichttorte“ der Vorneverteidigung. Damit sollten konventionelle Streitkräfte einem Angriff der Sowjetunion auf NATO-Bündnisgebiet soweit östlich wie möglich begegnen. Zusammen bildeten die Verbände die beiden NATO-Armeegruppen „Central Army Group“ (CENTAG) und „Northern Army Group“ (NORTHAG). Diese wiederum wurden unterhalb des Oberbefehlshabers der alliierten Truppen in Europa (Supreme Allied Commander Europe – SACEUR) durch die beiden Regionalkommandos „Allied Forces Central Europe“ und „Allied Forces Northern Europe“ (AFCENT und AFNORTH) geführt. 

Die fliegenden und bodengestützten Verbände der deutschen Luftwaffe waren zusammen mit den Luftstreitkräften der Alliierten in das engmaschige Luftverteidigungssystem der NATO integriert. Den Schutz des Luftraums über der Bundesrepublik gewährleisteten bereits im Frieden die integrierten Kräfte der 2. und 4. taktischen Luftflotten der NATO (Allied Tactical Air Force – ATAF).

Die Bundesmarine sicherte unter der Führung des NATO-Kommandos BALTAP (Baltic Approaches) mit ihren Schiffen und den Marinefliegern die deutschen Küsten sowie den Zugang zu Nord- und Ostsee. Zudem beteiligte sie sich regelmäßig an den multinationalen maritimen Präsenzverbänden im Ärmelkanal (Standing Naval Forces Channel – STANAVFORCHAN) sowie im Atlantik und der Nordsee (Standing Naval Forces Atlantic – STANAVFORLANT).

  • Schaubild „Das Heer in der Vorneverteidigung", in Weißbuch 1985, S.191.
    Schaubild „Das Heer in der Vorneverteidigung“, im Weißbuch 1985, S. 191
  • Schaubild „Das Luftverteidigungssystem der NATO“, in Weißbuch 1985, S.207.
    Schaubild „Das Luftverteidigungssystem der NATO“, im Weißbuch 1985, S. 207

Die vorliegenden Schaubilder stammen aus Archivgut mit der Signatur BArch, BW 1/637753. Bei dem Archivgut handelt es sich um das Weißbuch 1985 zur Lage und Entwicklung der Bundeswehr. Das Weißbuch war das höchste sicherheits- und verteidigungspolitische Grundsatzdokument der Bundesregierung und richtete sich neben der bundesdeutschen Öffentlichkeit auch an Verbündete und befreundete Staaten.

Historischer Hintergrund

Angesichts des beginnenden Koreakrieges beschloss der NATO-Rat am 26. September 1950, zeitnah eine integrierte NATO-Kommandostruktur unter der zentralen Führung eines militärischen Oberbefehlshabers aufzubauen.

Der 5-Sterne-General und spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower wurde im Dezember 1950 zum ersten SACEUR ernannt. Während des Zweiten Weltkriegs hatte Eisenhower als Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte bei der Landung in der Normandie und der anschließenden militärischen Befreiung Westeuropas seine Fähigkeiten zur Führung von Koalitionsstreitkräften gezeigt. Nach 1945 war Eisenhower zunächst Oberbefehlshaber der US-Truppen in Europa und der erste Militärgouverneur für die amerikanische Besatzungszone.

Vier Soldaten tragen einen weiteren Soldaten, der einen Verwundeten spielt, auf einer Bahre. An ihren Abzeichen erkennt man, dass drei Soldaten aus den Niederlanden stammen und einer aus Deutschland. Im Hintergrund ist ein getarntes Fahrzeug zu sehen, in dem ein Soldat am montierten Maschinengewehr sitzt.
Soldaten der 13. Leichten Brigade des niederländischen Heeres üben zusammen mit deutschen Sanitätssoldaten die Versorgung von Verwundeten bei der NATO-Gefechtsübung „Grand Quadriga“ in Litauen, 2024Quelle: Bundeswehr / Dorow, Marco

Um die NATO-Strategie einer möglichst grenznahen Verteidigung des NATO-Territoriums umsetzen zu können, war eine Einbindung des militärischen Potenzials der Bundesrepublik Deutschland in die NATO fast unumgänglich. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs stieß die Aussicht einer Wiederbewaffnung Westdeutschlands in Frankreich und anderen Ländern allerdings auf Vorbehalte und Ablehnung. Allein durch eine strikte Einbindung in multinationale Strukturen war die Aufstellung einer neuen westdeutschen Armee für die übrigen Verbündeten überhaupt vorstellbar. Diese Einbindung sollte eine erneute Aggression (West-)Deutschlands verhindern und seinen ehemaligen Kriegsgegnern ein gewisses Maß an Kontrolle sichern.

Der französische Ministerpräsident René Pleven schlug deshalb im Oktober 1950 den Aufbau einer Armee unter europäischem Kommando vor. Die geplante Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sollte die empfundenen Risiken einer deutschen Wiederbewaffnung auffangen und zugleich die europäische Einigung voranbringen. Im August 1954 scheiterte das EVG-Projekt, weil die französische Nationalversammlung den EVG-Vertrag nicht ratifizierte.

Die am 23. Oktober 1954 unterzeichneten Pariser Verträge beendeten das Besatzungsstatut für die Bundesrepublik Deutschland und machten den Weg für ihren Beitritt zur NATO frei.

Die Diskussionen unter den NATO-Mitgliedern über die Wiederbewaffnung Westdeutschlands

Das im Bundesarchiv verwahrte Archivgut bildet vorwiegend eine nationale, deutsche Perspektive auf historische Ereignisse ab. Anderes Archivgut kann diese Perspektive weiten und ergänzen. Anhand von Dokumenten aus Beständen des NATO-Archivs in Brüssel lässt sich nachvollziehen, mit welchen positiven Erwartungen, aber auch Vorbehalten die Gründungsmitglieder der NATO auf die Überlegungen zu einer Wiederbewaffnung der Bundesrepublik blickten.

Die nachstehende Auswahl von Dokumenten aus dem NATO-Archiv gewährt Einblicke in das damalige Für und Wider einer deutschen Wiederbewaffnung. Die Dokumente zeigen den historischen Ursprung der deutschen NATO-Mitgliedschaft und der militärischen Integration der Bundeswehr in das westliche Bündnis.

  • Beschluss des NATO-Rats vom 26. Sept. 1950 über den Aufbau einer integrierten militärischen Kommandostruktur unter Einbeziehung von Streitkräften der Bundesrepublik.
    Beschluss des NATO-Rats vom 26. Sept. 1950 über den Aufbau einer integrierten militärischen Kommandostruktur unter Einbeziehung von Streitkräften der Bundesrepublik.
  • Bericht des Militärausschusses an den NATO-Rat über einen militärischen Beitrag der Bundesrepublik zur Verteidigung Westeuropas, 13. Dez. 1950.
    Bericht des Militärausschusses an den NATO-Rat über einen militärischen Beitrag der Bundesrepublik zur Verteidigung Westeuropas, 13. Dez. 1950
  • Protokoll des Treffens des NATO-Rats am 19. Dez. 1950 über einen militärischen Beitrag der Bundesrepublik und den Aufbau einer integrierten Kommandostruktur
    Protokoll des Treffens des NATO-Rats am 19. Dez. 1950 über einen militärischen Beitrag der Bundesrepublik und den Aufbau einer integrierten Kommandostruktur