Am Morgen des 8. September 1969 begann das Bundeswehr-Manöver „Großer Rösselsprung“: In Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen traten rund 65.000 Soldaten des NATO-Bündnisses zum Manöver an, über 15.000 Fahrzeuge und 100 Kampfjets kamen zum Einsatz. Hauptübungsgebiete waren das Solling-Gebirge, die Warburger Börde und das Vogelsberg-Gebirge. Als Teil der Übung sprangen 1.000 Fallschirmjäger bei Nacht über dem Übungsgebiet ab.
Die 7. Panzergrenadierdivision nahm die Rolle des Angreifers ein, die 2. Panzergrenadierdivision die des Verteidigers. Beide gehörten zum III. Korps der Bundeswehr, das das Gros der Soldaten stellte. Amerikanische, belgische und französische Einheiten beteiligten sich ebenfalls an dem Manöver – sowohl auf der Seite des Angreifers wie auch des Verteidigers. Das Manöver endete am 12. September.
NATO und Bundeswehr gingen davon aus, dass die Armeen des Warschauer Pakts ihre Angriffe über die Norddeutsche Tiefebene in Richtung Ruhrgebiet und/oder die sogenannte Fulda-Lücke in Richtung Westen planen würden. Damit war das ebene Terrain entlang der Nidda nahe der hessischen Stadt Fulda gemeint. Wegen seiner geografischen Gegebenheiten galt dieser Raum zwischen mehreren Mittelgebirgen als wahrscheinliche Einfallsschneise eines sowjetisch geführten Angriffs auf den Großraum Frankfurt. Hier ragte das Staatsgebiet der DDR weit nach Westen und das flache Gelände eignete sich für einen schnellen Vorstoß von Panzerverbänden. Ein erfolgreicher Angriff hätte einen Keil zwischen die beiden NATO-Armeegruppen NORTHAG (Northern Army Group) und CENTAG (Central Army Group) getrieben.




