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Ausschnitt aus Informationsbroschüre „Manöver“ zur Übung „Flinker Igel 84“

Ausschnitt aus Informationsbroschüre „Manöver“ zur Übung „Flinker Igel 84“, Quelle: BArch, BH 7-2/964

Die Heeres-Übung „Flinker Igel“ im Jahr 1984

Große militärische Übungen und Manöver waren während des Kalten Krieges eine alltägliche Erscheinung. Bei der Übung „Flinker Igel“ etwa übte die Bundeswehr im Herbst 1984 die Verteidigung Süddeutschlands.

Kernauftrag der Bundeswehr ist die Landes- und Bündnisverteidigung. In diesem Zusammenhang übte sie während des Kalten Krieges gemeinsam mit den verbündeten NATO-Streitkräften regelmäßig und in großem Umfang die Abwehr eines militärischen Angriffs von außen. Die Übungen der militärischen Stäbe waren öffentlich wenig sichtbar. Doch die mit einer großen Anzahl an Soldaten, Gerät und Gefechtsfahrzeugen durchgeführten Manöver hatten den Rang eines öffentlichen Großereignisses mit ambivalenter Wirkung: Auf der einen Seite hatten sie einen großen öffentlichen Schauwert, zogen Interessierte an und schufen vielfältige Berührungspunkte zwischen Militär und Bevölkerung. Auf der anderen Seite brachte eine massive Militärpräsenz inmitten des zivilen Alltagsgeschehens vielfältige Einschränkungen und Belastungen für die Bevölkerung mit sich.

  • An die Bevölkerung gerichtetes Informationsschreiben des Kommandierenden Generals des II. Korps, Sept. 1984.
    An die Bevölkerung gerichtetes Informationsschreiben des Kommandierenden Generals des II. Korps, Sept. 1984
  • An die Bevölkerung gerichtetes Informationsschreiben des Kommandierenden Generals des II. Korps, Sept. 1984.
    An die Bevölkerung gerichtetes Informationsschreiben des Kommandierenden Generals des II. Korps, Sept. 1984

Das vorliegende Dokument stammt aus Archivgut mit der Signatur BArch, BH 7-2/964. Bei dem Archivgut handelt es sich um eine an Vertreterinnen und Vertreter aus Öffentlichkeit und Medien verteilte Informationsmappe. Die Akte ist Teil des Registraturguts des Stabes des II. Korps. Der Archivbestand BArch, BH 7-2 enthält noch weitere vollständig digitalisierte Archivalien zu „Flinker Igel“. 

Historischer Hintergrund

Bei „Flinker Igel“ trainierten in Bayern in der Zeit vom 13. bis 21. September 1984 insgesamt 55.000 deutsche, amerikanische und kanadische Soldaten. Das Manöver war als sogenannte freilaufende Volltruppen-Gefechtsübung angelegt. Aufgrund der großen Anzahl an beteiligten Soldaten und Material reichten die Kapazitäten der Truppenübungsplätze nicht aus. Teile des Geschehens fanden deshalb auch im öffentlichen Raum statt. Dadurch kam es zu zahlreichen Berührungspunkten mit der ortsansässigen Bevölkerung: Panzer und Soldaten bezogen Stellung auf Wiesen und Feldern oder fuhren durch Ortschaften. Straßen wurden für Militärkolonnen gesperrt und an Info-Ständen gab es ein Unterhaltungsprogramm für Interessierte

Als Szenario nahm „Flinker Igel“ eine „Drei-Länder-Lage“ an: Unter dem Vorwand von Übungstätigkeit griff das fiktive Gelb-Land seinen Nachbarn Blau-Land an. Kurze Zeit später griff auch der sogenannte Rot-Land-Pakt auf Seiten von Gelb-Land militärisch in das Geschehen ein. Das Ziel der Übung bestand darin, das Zusammenspiel der Stäbe und Einheiten von zwei Großverbänden des Heeres zu üben. Dabei sollten auch das damals bestehende Territorialheer, die Truppen der NATO-Verbündeten und die Luftwaffe miteinbezogen werden. Das Territorialheer bestand überwiegend aus Reservisten und hatte die Aufgabe, im Verteidigungsfall die Mobilmachung zu unterstützen und im rückwärtigen Gebiet die Operationsfreiheit des Feldheeres zu sichern. Das Übungsspektrum von „Flinker Igel“ war umfangreich, es reichte bis zur Ausgabe einer eigenen Feldzeitung sowie dem Aufbau einer Feldpostversorgung.

Große Übungen wie „Flinker Igel“ verursachten Lärmbelastung und Manöverschäden. Bauern mussten mit Schäden an ihren Feldern rechnen und die Verlegung von Panzern und anderem schwerem Material führte zu Straßenschäden. Darüber hinaus wurde zu Beginn der 1980er Jahre das allgemeine Stimmungs- und Meinungsbild der westdeutschen Bevölkerung zur Notwendigkeit von Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit zunehmend kritischer. Deshalb unternahm die Bundeswehr besondere Anstrengungen, um die Gunst der Öffentlichkeit für das Militärmanöver „Flinker Igel“ zu gewinnen. Der wenig martialische Name und das ansprechende Logo sollten bei den Bürgerinnen und Bürgern Sympathien wecken. Das Sinnbild des Igels zog man aus dem Gedicht „Bewaffneter Friede“ von Wilhelm Busch, in dem der schlaue Igel seine Stacheln nicht abgeben will, solange der Fuchs noch seine Zähne hat. Analog zu diesem „Friedenshelden“ wollte die Bundeswehr sich in der Öffentlichkeit präsentieren.