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Die Generale Hans Speidel und Adolf Heusinger in Uniform halten ihre Ernennungsurkunden in den Händen. Zwischen ihnen geht Verteidigungsminister Theodor Blank im Anzug. Im Hintergrund sind Presseteams zu erkennen.

Hans Speidel (r.) und Adolf Heusinger (l.) nach ihrer Ernennung zu Bundeswehroffizieren 1955, Quelle: Bundesregierung, B 145 Bild-00159943 / Unterberg, Rolf

Die Geburtsstunde der Bundeswehr

Der Bundesminister für Verteidigung Theodor Blank ernannte im November 1955 die ersten 101 Soldaten der Bundeswehr.

Nach der bedingungslosen Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands am 8. Mai 1945 forderten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, Deutschland zu demilitarisieren. Doch bald führte der sich verstärkende Konflikt zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion zu einer Änderung dieses Konsenses: Unter dem Eindruck des Koreakrieges wollten die ehemaligen westlichen Kriegsgegner, insbesondere die USA, die junge Bundesrepublik in die militärische Verteidigung Westeuropas gegen einen erwarteten Angriff aus der Sowjetunion einbeziehen.

Allerdings scheiterte die Idee einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft 1954 an der Nicht-Zustimmung Frankreichs zum Gründungsvertrag. In der Folge ebneten nun die Pariser Verträge vom 23. Oktober 1954 den Weg zu einer Wiederbewaffnung Westdeutschlands und die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die NATO. Der Beitritt zur westlichen Allianz erfolgte am 6. Mai 1955. Damit verpflichtete sich die Bundesrepublik zugleich, innerhalb kurzer Zeit umfangreiche Streitkräfte für die Landes- und Bündnisverteidigung aufzustellen.

  • Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
    Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
  • Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
    Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
  •  Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
    Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
  • Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
    Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
  • Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
    Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
  • Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955
    Rede Theodor Blanks vor den ersten freiwilligen Soldaten der Bundeswehr am 12. November 1955

Das vorliegende Dokument befindet sich in der Archivalie mit der Signatur BArch, BW 2/721. Es handelt sich um eine Handakte von Generalleutnant Hans Speidel aus seiner Tätigkeit als Abteilungsleiter IV (Gesamtstreitkräfte) im neu gegründeten Bundesministerium für Verteidigung.

Historischer Hintergrund

Ab 1950 gab es auf Betreiben von Bundeskanzler Konrad Adenauer Überlegungen, die junge Bundesrepublik Deutschland wieder zu bewaffnen. Die ersten Vorarbeiten übernahm zunächst eine als „Zentrale für Heimatdienst“ firmierende Planungsgruppe. Ihr Leiter war der ehemalige Wehrmachtgeneral Gerhard Graf von Schwerin. Die von Schwerin angedachte Aufstellung einer „Bundesgendarmerie“ scheiterte allerdings am Veto der westlichen Alliierten. Daraufhin berief Adenauer im Oktober 1950 den CDU-Abgeordneten Theodor Blank zum „Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“. Am 7. Juni 1955 wurde Theodor Blank zum ersten Bundesminister für Verteidigung ernannt und behielt dieses Amt bis zum Oktober 1956.

Nach langer Planung erhielten am 12. November 1955 die ersten 101 Soldaten in der Bonner Ermekeilkaserne ihre Ernennungsurkunden zum freiwilligen Dienst in den neuen westdeutschen Streitkräften. Bei der Vereidigung bezog sich Theodor Blank auf die Preußischen Heeresreformen zwischen 1807 und 1815: Am 12. November 1955 jährte sich der Geburtstag des preußischen Heeresreformers Gerhard von Scharnhorst zum 200. Mal. Blank hob diesen Jahrestag in seiner Rede hervor und betonte die besondere Verantwortung der neuen Soldaten. Er unterstrich, dass die Bundeswehr keine bloße Fortsetzung der Wehrmacht sei, sondern eine neue Armee unter demokratischer Kontrolle. Die neuen Soldaten sollten als „Bürger in Uniform“ in eine demokratische Gesellschaft eingebunden sein und sich zugleich nicht als staatlich-militärische Elite verstehen.

Die Ernennung dieser ersten 101 Soldaten gilt heute als Geburtsstunde der Bundeswehr. Das historisch bedeutende Ereignis fand vergleichsweise schmucklos in einer Kasernenhalle und ohne prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft statt. Diese Begleitumstände stehen sinnbildlich für die beginnende Aufstellung der Bundeswehr: Sie war von Improvisation, Mangel und Zeitdruck geprägt und erfolgte unter dem zum Teil kritischen Blick der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit.