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Am 16. April startete die Rote Armee ihre Offensive auf die Reichshauptstadt („Berliner Operation“). Begleitet von gewaltigem Artilleriebeschuss, rückten über zwei Millionen sowjetische Soldaten mit Tausenden Panzern, Artilleriegeschützen und Flugzeugen von der Oder und Neiße aus auf Berlin vor. Auf ihrem Weg Richtung Westen stießen sie bei den Seelower Höhen – knapp 90 Kilometer östlich von Berlin – auf stark befestigte deutsche Verteidigungsstellungen. Nach verlustreichen Kämpfen mit Zehntausenden Toten besiegte die Rote Armee am 19. April 1945 die Heeresgruppe Weichsel.
Angriff auf Berlin
Ab dem 20. April 1945 beschoss die Rote Armee Berlin mit ihrer Artillerie und rückte von Osten und Süden her auf die Reichshauptstadt vor. Einen Tag später überquerte sie den äußeren Verteidigungsring: Bei Marzahn erreichten die sowjetischen Truppen die Außenbezirke der Stadt und stießen kurz darauf nach Weißensee, Hohenschönhausen, Lichtenberg und Mahlsdorf vor.
In den darauffolgenden Tagen drängte die Rote Armee die deutschen Verteidiger in heftigen Straßen- und Häuserkämpfen immer weiter zurück. Gleichzeitig umkreiste sie Berlin in einer Zangenbewegung: Am 25. April 1945 trafen die sowjetischen Streitkräfte südwestlich der Stadt aufeinander – und kesselten die Reichshauptstadt ein. Am selben Tag erreichten sie am Alexanderplatz den innersten Verteidigungsring.
Ende 1945 stand die Rote Armee im Regierungsviertel, dem Machtzentrum des NS-Staats. Am 30. April 1945 startete sie ihren Angriff auf den Reichstag. Am selben Tag beging Hitler knapp einen Kilometer entfernt im „Führerbunker“ Selbstmord. Nach heftigen Kämpfen eroberten die sowjetischen Truppen den Reichstag, den Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS, Fallschirmjäger und eingeflogene Marineinfanteristen erbittert verteidigt hatten.
Am 2. Mai 1945 befahl General der Artillerie Helmuth Weidling allen Soldaten der Reichshauptstadt, zu kapitulieren (Dokument überliefert im Landesarchiv Berlin). Damit endeten die Kämpfe in Berlin, während der Krieg in anderen Teilen des Landes noch bis zum 8. Mai 1945 andauerte.
Das Dokument
Eine Karte aus den Unterlagen des LVI. Panzerkorps zeigt den Verteidigungsbereich Berlin im April 1945. Kommandierender General des Korps war Helmuth Weidling, den Hitler am 24. April 1945 zum Kampfkommandanten von Berlin ernannt hatte.
Bereits mit dem Befehl Reymanns vom 9. März 1945 war die Reichshauptstadt in mehrere Verteidigungsringe und -sektoren eingeteilt worden. Der äußerste Verteidigungsring umfasste die Randbezirke Berlins, der zweite den S-Bahn-Ring und der dritte das Regierungsviertel. Innerhalb der Ringe befanden sich die Sektoren A bis H und das Regierungsviertel (hier „Stadtkern“; in anderen Quellen, wie Reymanns Befehl, taucht auch die Bezeichnung „Z“ für „Zitadelle“ auf). Für jeden Sektor war ein Kommandant zuständig. A und B sowie G und H wurden am 25. April 1945 auf Weisung Weidlings unter einem Kommandanten zusammengefasst.
Neben den Verteidigungsringen und -sektoren sind auf der Karte auch die Frontverläufe und Truppenbewegungen der Wehrmacht (blau) und der Roten Armee (rot) eingezeichnet. Außerdem markiert ein Symbol östlich des Tiergartens (direkt über dem Wort „Stadtkern“) vermutlich den Standort des „Führerbunkers“ unter der Reichskanzlei. Dieser diente Hitler und seinem Stab als „Führerhauptquartier“ (Dokumente überliefert im Bestand RW 47).