Die Weihnachtszeit 1944 stand im Deutschen Reich im Zeichen des Krieges: Die Gebietsverluste an Ost- und Westfront nahmen stetig zu, die alliierten Streitkräfte zerstörten deutsche Städte, Industrie und Infrastruktur, und die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechterte sich in den letzten Monaten des Jahres 1944 immer mehr. Die Moral der Deutschen war auf einem Tiefpunkt.
Damit die Stimmung zur Weihnachtszeit nicht noch weiter sank, wollte die NSDAP während des Festes für etwas Normalität sorgen – durch Weihnachtsbäume.
Martin Bormann, Leiter der NSDAP-Partei-Kanzlei, betonte Anfang Dezember 1944 in einem Rundschreiben die „hohe symbolische Bedeutung des Weihnachtsbaums“ für das deutsche Volk. Sein Fehlen würde „stimmungsmäßig bedenkliche Folgen haben“. Daher sollte die Versorgung der Bevölkerung mit Weihnachtsbäumen „unter Ausschöpfung aller örtlichen Möglichkeiten“ ermöglicht werden.
Die Bäume sollten lokal geschlagen werden, da die Verkehrslage keinen Eisenbahntransport von Weihnachtsbäumen zuließ. Familien mit Kindern sollten „weitgehendst“ einen Baum erhalten. Kinderlosen Familien sowie alleinstehenden Personen sollten zumindest Tannenzweige zur Verfügung gestellt werden.
Bormanns Rundschreiben ist im Bundesarchiv-Bestand NS 6 zur Partei-Kanzlei der NSDAP überliefert. Er ist über invenio digital abrufbar.