Der letzte Olympia-Tag in Berlin
Am 16. August 1936 gingen die Olympischen Sommerspiele in Berlin zu Ende. Bevor die eigentliche Abschlussfeier begann, standen noch die letzten Medaillenentscheidungen auf dem Programm. Am frühen Nachmittag fand in Anwesenheit von Adolf Hitler das Springreiten im Reitstadion auf dem „Reichssportfeld“ in Berlin-Charlottenburg statt. Die deutsche Mannschaft konnte in allen sechs Reitdisziplinen die Goldmedaille holen.
Anschließend begann um 19:20 Uhr im Olympiastadion die Abschlussfeier der Olympischen Spiele. IOC-Präsident Henri Baillet-Latour hielt die Schlussrede, nachdem das Olympische Sinfonie-Orchester unterschiedliche Lieder gespielt hatte. Währenddessen marschierten Flaggenträger mit den Fahnen der teilnehmenden Nationen ins Stadion. Anschließend wurde die Olympische Flagge unter Artillerie-Salutschüssen eingeholt und die Olympische Flamme gelöscht. Zum Schluss hisste man die Flaggen von Deutschland, Griechenland und Japan – denn die nächsten Olympischen Spiele sollten im Jahr 1940 in Tokio und Sapporo stattfinden. Um 20 Uhr war die offizielle Abschlussfeier zu Ende.
Der Filmbericht „Olympisches Feuer“ der Germania-Selenophon Tobis zeigt die Abschlussfeier der Spiele in Berlin.
Nach der Abschlussfeier fand auf der Dietrich-Eckart-Bühne im Westen des „Reichssportfelds“ die Aufführung des Oratoriums „Herakles“ von Georg Friedrich Händel statt. Die Athletinnen und Athleten waren zudem zu einem abschließenden „Teilnehmerfest“ in die Deutschlandhalle in der Nähe des Messegeländes eingeladen. Doch zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele Sportlerinnen und Sportler abgereist, da für viele die Wettkämpfe bereits seit einigen Tagen beendet waren.
Pressereaktionen aus dem Ausland
Die internationale Presse fand vor allem für die Organisation der Spiele sowie die sportlichen Leistungen der deutschen Olympiamannschaft lobende Worte. Deutschland hatte den Medaillenspiegel mit insgesamt 89 Medaillen (allein 33 davon in Gold) mit großem Abstand gewonnen. Der britische „Daily Telegraph“ etwa schrieb, dass es für zukünftige Ausrichterstädte schwierig werden würde, „der Berliner Organisation gleichzukommen, oder sogar zu übertreffen“. Die „New York Times“ hoffte in einem Bericht vom 17. August 1936, dass das friedliche Deutschland, das sich während der Olympischen Spiele gezeigt hatte, Bestand haben würde: „Nachdem die Fahnen heruntergeholt, die Straßen und Hotels wieder in ihren Normalzustand versetzt worden sind, und Berlin wieder zu sich selbst kommt, kann man nur hoffen, dass es so bleiben wird.“
Diejenigen Stimmen aus dem Ausland, die sich bereits im Vorfeld der Spiele über die Nationalsozialisten empört hatten, blieben auch nach den Spielen kritisch. Die tschechoslowakische Zeitung „Sozialdemokrat“, herausgegeben von deutschen Exilanten, schrieb zum Ende der Spiele: „Für die Dauer der Olympiade wurden im Dritten Reich zwar die offenen Judenverfolgungen eingestellt, aber der Judenhass im kleinen, abseits der Stadt der olympischen Spiele, ging weiter.“ Die polnische Zeitung „Robotnik“ hatte die Abschlussfeier in Berlin gänzlich in ihrer Berichterstattung ignoriert. Das norwegische „Dagbladet“ betonte in einem Beitrag mit dem Titel „Das wahre Gesicht der Olympiade“ den militärischen Charakter der Spiele. Die Zeitung bezeichnete die Abschlussfeier als „eine kriegerische große Parade vor dem Führer mit Stahlhelmen, Kommandorufen und einem ganzen Bataillon präsentierter Gewehre.“
Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie
1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.