Die Rennbahn und das alte Stadion
Auf dem Gelände des späteren Olympiastadions in Berlin-Charlottenburg standen bis 1934 die Rennbahn Grunewald und das „Deutsche Stadion“. Die Rennbahn war Austragungsort von Pferderennen, in ihrem Inneren war versenkt das Deutsche Stadion errichtet worden. Es bot Platz für 33.000 Zuschauerinnen und Zuschauer und war als zentraler Ort für die Olympischen Sommerspiele 1916 angedacht gewesen. Diese waren nach Berlin vergeben worden, fanden jedoch wegen des Ersten Weltkriegs nicht statt. Stattdessen wurde das Deutsche Stadion beispielsweise für die Endspiele der deutschen Fußballmeisterschaft, für Leichtathletikveranstaltungen und Großveranstaltungen anderer Art genutzt – wie die Feierlichkeiten anlässlich des 80. Geburtstags des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg im Jahr 1927.
Bau des neuen Stadions
Nachdem die Olympischen Spiele 1931 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nach Berlin vergeben worden waren, genehmigte Adolf Hitler am 14. Dezember 1933 den Abriss des Deutschen Stadions. An seiner Stelle sollte ein neues, monumentales Stadion u. a. mit Vorplatz, Aufmarschgelände, Schwimmstadion und weiteren Sportanlagen errichtet werden.
Die Abrissarbeiten an der Rennbahn und am Deutschen Stadion begannen im März 1934. Der Architekt Werner March war für den Bau des neuen Geländes verantwortlich. Es sollte den Namen „Reichssportfeld“ (heute: Olympiapark Berlin) tragen. Die Bauarbeiter hatten im Mehrschichtbetrieb zu arbeiten. Hans Pfundtner, Leitender Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, prüfte die Einhaltung genau. Hielten Bauunternehmen diese Anforderungen nicht ein, ersetzte er sie durch andere. Zudem mussten die auf dem „Reichssportfeld“ beschäftigten Arbeiter „arischer Abstammung“ sein.
Am 1. August 1936 wurde das Olympiastadion mit der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele eingeweiht. Das Stadion bot damals 100.000 Menschen Platz (heute knapp 74.000) und verfügt bis heute über eine 400 Meter lange Laufbahn. Während der Spiele fanden im Olympiastadion zahlreiche Wettbewerbe statt. Dazu gehörten die Leichtathletikdisziplinen, Handball- oder Fußballspiele.
Das „Reichssportfeld“
Für die Olympischen Sommerspiele wurde nicht nur ein neues Stadion errichtet. Auf dem „Reichssportfeld“ entstanden als Zentrum der Olympischen Spiele 1936 weitere Neubauten. Diese orientierten sich in ihrer Architektur an den klassischen Bauten des antiken Griechenlands und der römischen Kaiserzeit. Damit sollte eine Kontinuität der Sommerspiele in Berlin mit den Olympischen Spielen der Antike hergestellt werden. Die Leitlinien für den Bau des „Reichssportfeldes“ hatte Adolf Hitler persönlich vorgegeben.
Im Zentrum des „Reichssportfelds“ lag das Olympiastadion, westlich davon diente das Maifeld als Platz für Kundgebungen und Aufmärsche. An dessen westlichem Ende befanden sich der Glockenturm, an dem die Olympiaglocke befestigt war, sowie die Langemarckhalle. Diese war zum Gedenken an die bei der Schlacht bei Langemarck in Flandern im Jahr 1914 gefallenen jungen deutschen Soldaten errichtet worden. Plaketten und Inschriften an der Halle, die den „Heldentod der Soldaten“ idealisierten, sollten die Verbindung zwischen Sport und Krieg in der NS-Ideologie verdeutlichen.
Nördlich des Olympiastadions befand sich neben dem neuerrichteten Schwimmstadion auch das Deutsche Sportforum, u. a. mit der Deutschen Reichsakademie für Leibesübungen. Östlich des Olympiastadions stand das Olympische Feldhockeystadion.
Ganz im Westen des „Reichssportfeldes“ befand sich zudem die „Dietrich-Eckart-Freilichtbühne“ (heute: Berliner Waldbühne), die einem altgriechischen Theater nachempfunden war. Auf der Bühne fand neben den olympischen Turnwettbewerben das künstlerische Rahmenprogramm der Sommerspiele statt. Dazu gehörte u. a. die Oper „Hercules“ von Georg Friedrich Händel. Benannt war die Freilichtbühne nach einem frühen Weggefährten Hitlers, Dietrich Eckart. Eckart war einer der Begründer der NSDAP und von 1921 bis 1923 Chefredakteur der NSDAP-Parteizeitung „Völkischer Beobachter“.
Das Gelände nach 1945
Das „Reichssportfeld“ war im Zweiten Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen worden: Es war voller Bombentrichter, einige Bauwerke lagen ganz oder teilweise in Trümmern. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzten britische Truppen das Olympia-Gelände als Kaserne. Nachdem das Gelände bereits 1946 wieder für die ersten Sportveranstaltungen genutzt worden war, dauerte der Wiederaufbau der zerstörten Bauwerke bis in die 1960er Jahre an. Seit 1963 ist das Olympiastadion Heimat des Fußballvereins Hertha BSC Berlin.
Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie
1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.