Direkt zum Seiteninhalt springen
Olympiastadion Berlin (1936 ca.)

Olympiastadion Berlin (1936 ca.), Quelle: BArch, Bild 183-R82532 / Hoffmann

Das Olympiastadion auf dem „Reichssportfeld“

Auf dem Gelände der Rennbahn Grunewald und des alten „Deutschen Stadions“ wurde für die Olympischen Sommerspiele in Berlin das neue Olympiastadion errichtet. Es bot 100.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz und war nicht nur als Austragungsort der Eröffnungsfeier das Zentrum des neuen „Reichssportfeldes“.

Zum Inhalt springen

Die Rennbahn und das alte Stadion

Auf dem Gelände des späteren Olympiastadions in Berlin-Charlottenburg standen bis 1934 die Rennbahn Grunewald und das „Deutsche Stadion“. Die Rennbahn war Austragungsort von Pferderennen, in ihrem Inneren war versenkt das Deutsche Stadion errichtet worden. Es bot Platz für 33.000 Zuschauerinnen und Zuschauer und war als zentraler Ort für die Olympischen Sommerspiele 1916 angedacht gewesen. Diese waren nach Berlin vergeben worden, fanden jedoch wegen des Ersten Weltkriegs nicht statt. Stattdessen wurde das Deutsche Stadion beispielsweise für die Endspiele der deutschen Fußballmeisterschaft, für Leichtathletikveranstaltungen und Großveranstaltungen anderer Art genutzt – wie die Feierlichkeiten anlässlich des 80. Geburtstags des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg im Jahr 1927.

Bau des neuen Stadions

Nachdem die Olympischen Spiele 1931 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nach Berlin vergeben worden waren, genehmigte Adolf Hitler am 14. Dezember 1933 den Abriss des Deutschen Stadions. An seiner Stelle sollte ein neues, monumentales Stadion u. a. mit Vorplatz, Aufmarschgelände, Schwimmstadion und weiteren Sportanlagen errichtet werden.

Die Abrissarbeiten an der Rennbahn und am Deutschen Stadion begannen im März 1934. Der Architekt Werner March war für den Bau des neuen Geländes verantwortlich. Es sollte den Namen „Reichssportfeld“ (heute: Olympiapark Berlin) tragen. Die Bauarbeiter hatten im Mehrschichtbetrieb zu arbeiten. Hans Pfundtner, Leitender Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, prüfte die Einhaltung genau. Hielten Bauunternehmen diese Anforderungen nicht ein, ersetzte er sie durch andere. Zudem mussten die auf dem „Reichssportfeld“ beschäftigten Arbeiter „arischer Abstammung“ sein.

  • Vier Männer sitzen um einen Tisch herum. Auf diesem liegt ein Plan des geplanten "Reichssportfeldes".
    Besprechung zu den geplanten Bauten auf dem „Reichssportfeld“ im Januar 1933. Von links nach rechts: Theodor Lewald (Präsident des Organisationskomitees der Sommerspiele in Berlin), Heinrich Sahm (Oberbürgermeister von Berlin) und die Architekten Paul Schwarz und Walter March
  • Abriss der Rennbahn Grunewald und des Deutschen Stadions im Jahr 1934
    Abriss der Rennbahn Grunewald und des Deutschen Stadions im Jahr 1934
  • Bau des Olympiastadions im Mai 1935
    Bau des Olympiastadions im Mai 1935
  • Richtfest der Olympiabauten auf dem Reichssportfeld. Im Vordergrund Staatssekretär Hans Pfundtner mit Spazierstock und Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten in Uniform in der Bildmitte
    Richtfest der Olympiabauten auf dem Reichssportfeld. Im Vordergrund Staatssekretär Hans Pfundtner mit Spazierstock und Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten in Uniform in der Bildmitte (21. August 1935)
  • Bauarbeiter bei der Betrachtung des Olympiastadions im Bau
    Bauarbeiter bei der Betrachtung des Olympiastadions im Bau (Oktober 1935)
  • Arbeiter auf einem Gerüst am Glockenturm. Im Hintergrund: Das Olympiastadion
    Arbeiter auf einem Gerüst am Glockenturm. Im Hintergrund: Das Olympiastadion
  • Füllprobe im Olympiastadion am 5. Juli 1936 vor dem Beginn der Olympischen Spiele
    Füllprobe im Olympiastadion am 5. Juli 1936 vor dem Beginn der Olympischen Spiele

Am 1. August 1936 wurde das Olympiastadion mit der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele eingeweiht. Das Stadion bot damals 100.000 Menschen Platz (heute knapp 74.000) und verfügt bis heute über eine 400 Meter lange Laufbahn. Während der Spiele fanden im Olympiastadion zahlreiche Wettbewerbe statt. Dazu gehörten die Leichtathletikdisziplinen, Handball- oder Fußballspiele.

  • Frühe Entwurfsskizze des Architekten Werner Mach für das Olympiastadion und das Schwimmstadion (Mai 1933)
    Frühe Entwurfsskizze des Architekten Werner Mach für das Olympiastadion und das Schwimmstadion (Mai 1933)
  • Model eines Entwurfes des Architekten Werner Mach für das Olympiastadion und Schwimmstadion (Mai 1933)
    Das Bild zeigt ein Modell eines Entwurfes des Architekten Werner Mach für das Olympiastadion und Schwimmstadion (Mai 1933). Das Schwimmstadion befindet sich in diesem Entwurf auf der Ostseite des Stadions (später auf der Nordseite). 
  • Plan des Olympiastadions in Berlin
    Plan des Olympiastadions in Berlin
  • Olympiastadion Berlin (1936 ca.)
    Olympiastadion Berlin (1936 ca.)

Das „Reichssportfeld“

Für die Olympischen Sommerspiele wurde nicht nur ein neues Stadion errichtet. Auf dem „Reichssportfeld“ entstanden als Zentrum der Olympischen Spiele 1936 weitere Neubauten. Diese orientierten sich in ihrer Architektur an den klassischen Bauten des antiken Griechenlands und der römischen Kaiserzeit. Damit sollte eine Kontinuität der Sommerspiele in Berlin mit den Olympischen Spielen der Antike hergestellt werden. Die Leitlinien für den Bau des „Reichssportfeldes“ hatte Adolf Hitler persönlich vorgegeben.

Im Zentrum des „Reichssportfelds“ lag das Olympiastadion, westlich davon diente das Maifeld als Platz für Kundgebungen und Aufmärsche. An dessen westlichem Ende befanden sich der Glockenturm, an dem die Olympiaglocke befestigt war, sowie die Langemarckhalle. Diese war zum Gedenken an die bei der Schlacht bei Langemarck in Flandern im Jahr 1914 gefallenen jungen deutschen Soldaten errichtet worden. Plaketten und Inschriften an der Halle, die den „Heldentod der Soldaten“ idealisierten, sollten die Verbindung zwischen Sport und Krieg in der NS-Ideologie verdeutlichen.

Nördlich des Olympiastadions befand sich neben dem neuerrichteten Schwimmstadion auch das Deutsche Sportforum, u. a. mit der Deutschen Reichsakademie für Leibesübungen. Östlich des Olympiastadions stand das Olympische Feldhockeystadion.

Plan des „Reichssportfeldes“
Plan des „Reichssportfeldes“Quelle: BArch, R 8077/728, Image 0112

Ganz im Westen des „Reichssportfeldes“ befand sich zudem die „Dietrich-Eckart-Freilichtbühne“ (heute: Berliner Waldbühne), die einem altgriechischen Theater nachempfunden war. Auf der Bühne fand neben den olympischen Turnwettbewerben das künstlerische Rahmenprogramm der Sommerspiele statt. Dazu gehörte u. a. die Oper „Hercules“ von Georg Friedrich Händel. Benannt war die Freilichtbühne nach einem frühen Weggefährten Hitlers, Dietrich Eckart. Eckart war einer der Begründer der NSDAP und von 1921 bis 1923 Chefredakteur der NSDAP-Parteizeitung „Völkischer Beobachter“.

„Wir haben an die körperliche Erziehung unserer Jugend, des wertvollsten Gutes unserer Nation gedacht. Deshalb haben wir Sportplätze gebaut, gärtnerische Anlagen geschaffen, kulturelle Schöpfungen an die Bauten gefügt und auf dem ‚Reichssportfelde‘ auch Gebäude errichtet, die der sportlichen Erziehung für Jahrhunderte gewidmet sein sollen.“

Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern
Quelle: Notizen zu einem Gespräch von Hans Pfundtner mit einem Journalisten der „Berliner illustrierten Nachtausgabe“ im Juni 1936, BArch, R 1501/5613, Image 0081

  • Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
    Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
  • Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
    Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
  • Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“.
    Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“.
  • Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
    Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
  • Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
    Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
  • Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
    Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
  • Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
    Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
  • Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“
    Transkript eines Rundfunkvortrages von Hans Pfundtner, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, zum Olympiastadion und zum „Reichssportfeld“

Das Gelände nach 1945

Das „Reichssportfeld“ war im Zweiten Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen worden: Es war voller Bombentrichter, einige Bauwerke lagen ganz oder teilweise in Trümmern. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzten britische Truppen das Olympia-Gelände als Kaserne. Nachdem das Gelände bereits 1946 wieder für die ersten Sportveranstaltungen genutzt worden war, dauerte der Wiederaufbau der zerstörten Bauwerke bis in die 1960er Jahre an. Seit 1963 ist das Olympiastadion Heimat des Fußballvereins Hertha BSC Berlin.

Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie

1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.

  • Siegerehrung im modernen Fünfkampf bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin
    Themenseite

    Olympia 1936 im nationalsozialistischen Deutschland

    1936 fanden die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Deutschland statt – und damit das größte Sportereignis der Welt. Die Nationalsozialisten nutzten es für ihre Propaganda. Zum 90. Jahrestag der Spiele präsentiert das Bundesarchiv Archivalien aus dem Olympiajahr 1936.