Die fünf Kunstdisziplinen bei den Olympischen Spielen 1936 waren ihrerseits in Unterkategorien aufgeteilt, in denen dann die tatsächlichen Medaillen verliehen wurden:
- Musik: Kompositionen für Solo- und Chorgesang, Kompositionen für ein Instrument, Kompositionen für ein Orchester
- Literatur: Lyrische Werke, Epische Werke
- Baukunst: Städtebauliche Entwürfe, Architektonische Entwürfe
- Malerei/Grafik: Gemälde jeder Technik, Zeichnungen und Aquarelle, Gebrauchsgrafik
- Bildhauerkunst: Rundplastiken, Reliefs, Plaketten
Das Organisationskomitee für die Sommerspiele in Berlin hatte darüber hinaus noch weitere Disziplinen für die Kunstwettwerbe vorgeschlagen, u. a. Tanzen, Film oder Schmiedehandwerk. Doch das IOC widersprach der Aufnahme dieser Disziplinen ins olympische Programm. Stattdessen fanden Tanzvorführungen im Rahmenprogramm der Spiele statt.
Eine Auswahl von Siegerwerken
Umso aktiver beteiligten sich Kunstschaffende aus Deutschland, Österreich und aus den später im Zweiten Weltkrieg mit dem Deutschen Reich verbündeten Staaten, wie Italien oder Japan. Deutschland gewann mit Abstand die meisten Medaillen im Kunstwettbewerb: Insgesamt zwölf Stück, davon fünf Goldmedaillen.
Die Jurys setzten sich u. a. aus Vertretern des Organisationskomitees der Olympischen Spiele, internationalen Kunsthistorikern und Hochschullehrern sowie aus Mitgliedern der Reichskammer der bildenden Künste zusammen.
Gleich zwei Medaillen gewann der Architekt Werner March für den Bau des „Reichssportfeldes“, das sportliche Zentrum der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin-Charlottenburg. Er gewann in der Kategorie „Städtebaulicher Entwürfe“ die Goldmedaille, in der Kategorie „Architektonische Entwürfe“ Silber.
Die Filmproduktionsfirma Germania-Selenophon Tobis produzierte nach den Sommerspielen einen Filmbericht über die Olympischen Spiele in Berlin. Darin ließ sie auch den österreichischen Architekten Hermann Kutschera zu Wort kommen. Dieser hatte in der Kategorie „Architektonischer Entwurf“ mit seinem Werk „Skistadion“ die Goldmedaille geholt.
Am 28. Juli 1936 war das Preisgericht für die Disziplin der Bildhauerkunst zusammengekommen und hatte über die Sieger der Kategorien Rundplastiken, Reliefs und Plaketten diskutiert. Im Sitzungsprotokoll bemängelten die nicht-deutschen Preisrichter, dass der „Zehnkämpfer“, der Beitrag des deutschen Künstlers Arno Breker, in der Kategorie Rundplastiken „nicht restlos den Bestimmungen des Kunstwettbewerbes entspräche, da er in keiner sportlichen Aktion dargestellt sei“. So reichte es für den „Zehnkämpfer“ nur für die Silbermedaille. Gold holte der Italiener Farpi Vignoli mit seinem Werk „Sulkyfahrer“.
Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie
1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische RegimeRegimeAuch Regimeverhältnisse. Gesamtheit der Verhältnisse und Lebensbedingungen eines Landes oder... erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.