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Skizze des Ausstellungsbereich der Olympischen Kunstaustellung in der Deutschlandhalle in Berlin

Skizze des Ausstellungsbereiches der Olympischen Kunstaustellung in der Deutschlandhalle in Berlin, Quelle: BArch, R 8077/174, Image 0747

Der Kunstwettbewerb bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin

Bis 1948 gehörte ein Kunstwettbewerb zum Programm der Olympischen Spiele. Dabei wurden Werke in den Bereichen Musik, Literatur, Baukunst, Malerei/Grafik und Bildhauerkunst ausgezeichnet. Im Rahmen des Kunstwettbewerbs gab es eine Ausstellung. Sie öffnete am 15. Juli 1936 in Halle VI des Ausstellungsgeländes am Kaiserdamm in Berlin-Charlottenburg.

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Die Geschichte des Olympischen Kunstwettbewerbs

Von 1912 bis 1948 war ein Kunstwettbewerb Teil der Olympischen Spiele. Die Idee geht zurück auf Pierre de Coubertin, den Begründer der olympischen Bewegung der Neuzeit und Gründungsmitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Er wollte den ansonsten sportlichen Charakter der Olympischen Spiele um eine künstlerische Komponente ergänzen und so die „geistige mit der körperlichen Ertüchtigung“ verbinden. Dementsprechend sollten alle eingereichten Kunstwerke eine Verbindung zum Thema Sport aufweisen.

Die Siegerinnen und Sieger der fünf „Kunstdisziplinen“ Musik, Literatur, Baukunst, Malerei/Grafik und Bildhauerkunst erhielten wie die Sportlerinnen und Sportler Medaillen. Die Künstlerinnen und Künstler durften in mehreren Disziplinen Werke einreichen – jedoch ausschließlich solche, die nicht bereits bei vorherigen Olympischen Kunstwettbewerben eingereicht worden waren. Gab es in einer Kategorie keine Einreichungen, wurden darin keine Medaillen vergeben.

Propagandaminister Joseph Goebbels sowie der Grafiker und NS-Propagandist Hans Schweitzer-Mjölnir bei der Eröffnung des Olympischen Kunstwettbewerbs
Propagandaminister Joseph Goebbels sowie der Grafiker und NS-Propagandist Hans Schweitzer-Mjölnir bei der Eröffnung des Olympischen KunstwettbewerbsQuelle: BArch, Bild 183-1992-0421-500 / o. Ang.

Die fünf Kunstdisziplinen bei den Olympischen Spielen 1936 waren ihrerseits in Unterkategorien aufgeteilt, in denen dann die tatsächlichen Medaillen verliehen wurden:

  • Musik: Kompositionen für Solo- und Chorgesang, Kompositionen für ein Instrument, Kompositionen für ein Orchester
  • Literatur: Lyrische Werke, Epische Werke
  • Baukunst: Städtebauliche Entwürfe, Architektonische Entwürfe
  • Malerei/Grafik: Gemälde jeder Technik, Zeichnungen und Aquarelle, Gebrauchsgrafik
  • Bildhauerkunst: Rundplastiken, Reliefs, Plaketten

Das Organisationskomitee für die Sommerspiele in Berlin hatte darüber hinaus noch weitere Disziplinen für die Kunstwettwerbe vorgeschlagen, u. a. Tanzen, Film oder Schmiedehandwerk. Doch das IOC widersprach der Aufnahme dieser Disziplinen ins olympische Programm. Stattdessen fanden Tanzvorführungen im Rahmenprogramm der Spiele statt.

Kunst bei den Sommerspielen in Berlin

Skizze des Ausstellungsbereich der Olympischen Kunstaustellung in der Deutschlandhalle in Berlin
Skizze des Ausstellungsbereiches der Olympischen Kunstaustellung in der Deutschlandhalle in BerlinQuelle: BArch, R 8077/174, Image 0747

Am 15. Juli 1936 eröffnete die Olympische Kunstausstellung, 17 Tage vor den eigentlichen Spielen. Hier wurden die künstlerischen Werke der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kunstwettbewerbs ausgestellt. Die Kunstausstellung war Teil der propagandistischen Ausstellung „Deutschland“, die laut Ausstellungskatalog „Land und Leute, (…) Arbeit und hohe Kultur“ des Deutschen Reiches zeigen wollte. 70.000 Menschen besuchten die Ausstellung in Halle VI des Ausstellungsgeländes am Kaiserdamm in Berlin-Charlottenburg.

Im Gegensatz zu den Sportlerinnen und Sportlern weigerten sich viele Künstlerinnen und Künstler, an den Olympischen Sommerspielen in Deutschland teilzunehmen. Der Grund für den Boykott waren die Verfolgung und Diskriminierung von Jüdinnen, Juden und Andersdenkenden durch den NS-Staat. Vor allem Künstlerinnen und Künstler aus Frankreich und Großbritannien blieben den Spielen in Deutschland fern, obwohl sie sich rege an den Olympischen Kunstwettbewerben der vorherigen Jahre beteiligt hatten. Dadurch blieben manche Kategorien vollständig ohne Medaillenvergaben.

Eine Auswahl von Siegerwerken

Umso aktiver beteiligten sich Kunstschaffende aus Deutschland, Österreich und aus den später im Zweiten Weltkrieg mit dem Deutschen Reich verbündeten Staaten, wie Italien oder Japan. Deutschland gewann mit Abstand die meisten Medaillen im Kunstwettbewerb: Insgesamt zwölf Stück, davon fünf Goldmedaillen.

Die Jurys setzten sich u. a. aus Vertretern des Organisationskomitees der Olympischen Spiele, internationalen Kunsthistorikern und Hochschullehrern sowie aus Mitgliedern der Reichskammer der bildenden Künste zusammen.

  • Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin
    Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin
  • Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 2)
    Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 2)
  • Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 3)
    Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 3)
  • Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 4)
    Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 4)
  • Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 5)
    Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 5)
  • Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 6)
    Preisverteilung beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Seite 6)

Gleich zwei Medaillen gewann der Architekt Werner March für den Bau des „Reichssportfeldes“, das sportliche Zentrum der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin-Charlottenburg. Er gewann in der Kategorie „Städtebaulicher Entwürfe“ die Goldmedaille, in der Kategorie „Architektonische Entwürfe“ Silber.

  • Zeichnung des „Reichssportfeld“
    Zeichnung des „Reichssportfeld“
  • Plan des „Reichssportfeldes“
    Plan des „Reichssportfeldes“

Die Filmproduktionsfirma Germania-Selenophon Tobis produzierte nach den Sommerspielen einen Filmbericht über die Olympischen Spiele in Berlin. Darin ließ sie auch den österreichischen Architekten Hermann Kutschera zu Wort kommen. Dieser hatte in der Kategorie „Architektonischer Entwurf“ mit seinem Werk „Skistadion“ die Goldmedaille geholt.

Am 28. Juli 1936 war das Preisgericht für die Disziplin der Bildhauerkunst zusammengekommen und hatte über die Sieger der Kategorien Rundplastiken, Reliefs und Plaketten diskutiert. Im Sitzungsprotokoll bemängelten die nicht-deutschen Preisrichter, dass der „Zehnkämpfer“, der Beitrag des deutschen Künstlers Arno Breker, in der Kategorie Rundplastiken „nicht restlos den Bestimmungen des Kunstwettbewerbes entspräche, da er in keiner sportlichen Aktion dargestellt sei“. So reichte es für den „Zehnkämpfer“ nur für die Silbermedaille. Gold holte der Italiener Farpi Vignoli mit seinem Werk „Sulkyfahrer“.

  • Protokoll der zweiten Arbeitssitzung des Preisgerichts für die Bildenden Künste beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin
    Protokoll der zweiten Arbeitssitzung des Preisgerichts für die Bildenden Künste beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin
  • Protokoll der zweiten Arbeitssitzung des Preisgerichts für die Bildenden Künste beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin
    Protokoll der zweiten Arbeitssitzung des Preisgerichts für die Bildenden Künste beim Kunstwettbewerb der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin

Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie

1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische RegimeRegimeAuch Regimeverhältnisse. Gesamtheit der Verhältnisse und Lebensbedingungen eines Landes oder... erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.

  • Siegerehrung im modernen Fünfkampf bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin
    Themenseite

    Olympia 1936 im nationalsozialistischen Deutschland

    1936 fanden die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Deutschland statt – und damit das größte Sportereignis der Welt. Die Nationalsozialisten nutzten es für ihre Propaganda. Zum 90. Jahrestag der Spiele präsentiert das Bundesarchiv Archivalien aus dem Olympiajahr 1936.