Der eigentlichen Bewerbung fügte die Stadt Köln nachträglich eine Denkschrift hinzu. Sie trug den Titel „Die Sportstadt Köln und ihr Stadion“ und sollte die Fähigkeiten Kölns zur Austragung eines Großereignisses wie Olympia nachweisen. Die Schrift enthielt drei Beiträge: „Die Anlagen für Turnen und Sport in Köln“, „Das Kölner Stadion“ sowie „Die Grünflächenpolitik der Stadt Köln – Aus der Arbeit einer modernen Grossstadt“. Der letztgenannte Beitrag war von Adenauer verfasst worden.
Als Theodor Lewald von Adenauers Bewerbungsschreiben erfuhr, wandte er sich an Arthur Scholtz, den Oberbürgermeister von Berlin. In seinem Brief bemerkte Lewald, dass die Stadt Köln mit ihren Sportanlagen durchaus in der Lage war, Olympische Spiele auszutragen. Da Lewald aber Berlin favorisierte, hielt er Scholtz an, das Deutsche Stadion im Ortsteil Grunewald auszubauen – auch die Reichshauptstadt sollte ein „olympiawürdiges“ Stadion erhalten.
Köln gegen Berlin
Diese „Bevorzugung“ der Hauptstadt prangerte Adenauer in einem weiteren Schreiben vom 5. Juni 1930 an. In einer Ausgabe der „Blätter für Volksgesundheit und Volkskraft“, herausgegeben vom DRAfL, waren nur Berlin und Frankfurt als Bewerber für die Olympischen Sommerspiele erwähnt worden. Adenauer schrieb, dass „das peinliche Gefühl“ zurückblieb, „als wäre seitens des Deutschen Reichsausschusses der Bewerbung Kölns nicht die gleiche Bedeutung beigemessen worden wie der Bewerbung von Berlin und Frankfurt“.
In seiner Antwort versicherte DRAfL-Präsident Lewald, dass es sich lediglich um ein „unglückliches Versehen“ gehandelt habe. Dennoch machte Lewald auch an dieser Stelle keinen Hehl aus seiner Unterstützung für die Bewerbung der Reichshauptstadt. Nur Berlin „mit seiner gewaltigen Bevölkerungszahl, als Sitz des Reichspräsidenten und der Reichsregierung“ könne es gelingen, „die Spiele im Wettbewerb mit Rom und Barcelona“ für Deutschland zu sichern. Daher war seiner Meinung nach Berlin „die in erster Linie für die Olymp. Spiele in Betracht kommende deutsche Stadt […],“ nicht aber „[…] Köln oder Frankfurt/Main“.
Die Entscheidung über die Vergabe der Spiele
Die Kölner Presse schätze die Chancen ihrer Stadt auf die Ausrichtung der Spiele dennoch als gut ein: Schließlich hatte die Stadt am Rhein ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Sie verfügte bereits über Sportanlagen – nicht nur in Köln selbst, sondern in der gesamten Region (Mannschaftssportarten sollten in den Stadien u. a. im Ruhrgebiet stattfinden). Dennoch entschied sich der DRAfL am Ende für eine Bewerbung der Hauptstadt Berlin.
Die deutsche Olympia-Bewerbung war schlussendlich erfolgreich: Im Mai 1931 vergab das IOC auf der Sitzung des Exekutivausschusses die Austragungsrechte für die Olympischen Spiele 1936 an Deutschland. Damit setzte es sich gegen internationale Bewerber wie Barcelona, Rom, Buenos Aires und Rio de Janeiro durch.
Im Anschluss an die Entscheidung des IOC bot Lewald Adenauer an, Sportveranstaltungen nach den Olympischen Spielen in Köln austragen zu lassen. In seiner Antwort an Lewald beglückwünschte Adenauer den DRAfL-Präsidenten zwar für die IOC-Zusage, ignorierte dieses Angebot jedoch.