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Köln im Jahr 1927

Köln im Jahr 1927, Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-R02133 / o. Ang.

Adenauer und Olympia

Anfang der 1930er Jahre bewarb sich Deutschland um die Austragung der Olympischen Spiele 1936. Zuvor fand ein Wettbewerb mehrerer deutscher Städte um die Ausrichtungsrechte statt: Neben Berlin bewarb sich u. a. Köln. Besonders der Oberbürgermeister der Stadt, Konrad Adenauer, setzte sich für den Standort Köln ein.

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Olympia 1936 in Deutschland?

Nachdem aufgrund des Ersten Weltkriegs die Olympischen Spiele 1916 in Deutschland ausgefallen waren, bewarb sich das Land knapp fünfzehn Jahre später um die Austragung der Spiele im Jahr 1936.  Zunächst musste jedoch entschieden werden, in welcher deutschen Stadt die Sommerspiele stattfinden sollten. Neben Berlin waren auch Frankfurt am Main, Nürnberg und Köln an einer Ausrichtung interessiert.

Die Entscheidung in diesem „nationalen Vorentscheid“ oblag dem „Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen“ (DRAfL), dem zentralen Dachverband des Sports in der Weimarer Republik. Dessen Präsident, Theodor Lewald, favorisierte als Austragungsort Berlin. Er glaubte, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) einer Austragung der Olympischen Spiele in Deutschland nur zustimmen würde, wenn die Reichshauptstadt zur Wahl stünde.

Auch andere Sportorganisationen – wie der Deut­sche Olym­pi­sche Aus­schuss – und das Auswärtige Amt unterstützten die Bewerbung Berlins.

Theodor Lewald (links) und Carl Diem bei den Olympischen Winterspielen 1928 in St. Moritz
Theodor Lewald bei den Olympischen Winterspielen 1928 in St. MoritzQuelle: Bundesarchiv, Bild 102-05459 / Pahl, Georg (Ausschnitt)

Kölns Bewerbung um die Olympischen Spiele 1936

Tribüne beim XIV. Deutschen Turnfest in Köln im Juli 1928. In der Mitte: Konrad Adenauer
Tribüne beim XIV. Deutschen Turnfest in Köln im Juli 1928. In der Mitte: Konrad AdenauerQuelle: Bundesarchiv, Bild 102-06314 / Pahl, Georg (Ausschnitt)

Dennoch machten sich neben Berlin auch andere deutsche Städte Hoffnung, die Olympischen Spiele 1936 ausrichten zu dürfen.

Am 8. April 1930 sandte Konrad Adenauer, Oberbürgermeister von Köln, die Bewerbung seiner Stadt an das IOC in Lausanne. In seinem Schreiben stellte Adenauer vor allem die bereits vorhandenen, modernen Sportanlagen in Köln in den Mittelpunkt. Er wies auch darauf hin, dass dort bereits in der Vergangenheit sportliche Großveranstaltungen stattgefunden hätten. Als Beispiel führte er das 14. Deutsche Turnfest im Jahr 1928 an: 50.000 Turnerinnen und Turner hatten daran teilgenommen und 150.000 Menschen Köln besucht. Auch die verkehrsgünstige Lage der Stadt sei ein Argument für die Austragung der Spiele in Köln, so Adenauer.

Eine Abschrift der Bewerbung ließ der Kölner Oberbürgermeister an den DRAfL schicken.

Der eigentlichen Bewerbung fügte die Stadt Köln nachträglich eine Denkschrift hinzu. Sie trug den Titel „Die Sportstadt Köln und ihr Stadion“ und sollte die Fähigkeiten Kölns zur Austragung eines Großereignisses wie Olympia nachweisen. Die Schrift enthielt drei Beiträge: „Die Anlagen für Turnen und Sport in Köln“, „Das Kölner Stadion“ sowie „Die Grünflächenpolitik der Stadt Köln – Aus der Arbeit einer modernen Grossstadt“. Der letztgenannte Beitrag war von Adenauer verfasst worden.

Als Theodor Lewald von Adenauers Bewerbungsschreiben erfuhr, wandte er sich an Arthur Scholtz, den Oberbürgermeister von Berlin. In seinem Brief bemerkte Lewald, dass die Stadt Köln mit ihren Sportanlagen durchaus in der Lage war, Olympische Spiele auszutragen. Da Lewald aber Berlin favorisierte, hielt er Scholtz an, das Deutsche Stadion im Ortsteil Grunewald auszubauen – auch die Reichshauptstadt sollte ein „olympiawürdiges“ Stadion erhalten.

  • Abschrift der offiziellen Bewerbung der Stadt Köln um die Olympischen Spiele 1936 vom 8. April 1930. Das Original wurde an das Internationale Olympische Komitee in Lausanne gesendet, die vorliegende Abschrift an Theodor Lewald, den Präsidenten des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen.
    Abschrift der offiziellen Bewerbung der Stadt Köln um die Olympischen Spiele 1936 vom 8. April 1930. Das Original wurde an das Internationale Olympische Komitee in Lausanne gesendet, die vorliegende Abschrift an Theodor Lewald, den Präsidenten des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen. (Seite 1)
  • Abschrift der offiziellen Bewerbung der Stadt Köln um die Olympischen Spiele 1936 vom 8. April 1930. Das Original wurde an das Internationale Olympische Komitee in Lausanne gesendet, die vorliegende Abschrift an Theodor Lewald, den Präsidenten des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen. (Seite 2)
    Abschrift der offiziellen Bewerbung der Stadt Köln um die Olympischen Spiele 1936 vom 8. April 1930. Das Original wurde an das Internationale Olympische Komitee in Lausanne gesendet, die vorliegende Abschrift an Theodor Lewald, den Präsidenten des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen. (Seite 2)
  • Abschrift der offiziellen Bewerbung der Stadt Köln um die Olympischen Spiele 1936 vom 8. April 1930. Das Original wurde an das Internationale Olympische Komitee in Lausanne gesendet, die vorliegende Abschrift an Theodor Lewald, den Präsidenten des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen. (Seite 3)
    Abschrift der offiziellen Bewerbung der Stadt Köln um die Olympischen Spiele 1936 vom 8. April 1930. Das Original wurde an das Internationale Olympische Komitee in Lausanne gesendet, die vorliegende Abschrift an Theodor Lewald, den Präsidenten des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen. (Seite 3)
  • Schreiben von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, an Arthur Scholtz, den Oberbürgermeister von Berlin, mit der Anregung, das Deutsche Stadion in Grunewald auszubauen (11. April 1930)
    Schreiben von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, an Arthur Scholtz, den Oberbürgermeister von Berlin, mit der Anregung, das Deutsche Stadion in Grunewald auszubauen (11. April 1930)

Köln gegen Berlin

Diese „Bevorzugung“ der Hauptstadt prangerte Adenauer in einem weiteren Schreiben vom 5. Juni 1930 an. In einer Ausgabe der „Blätter für Volksgesundheit und Volkskraft“, herausgegeben vom DRAfL, waren nur Berlin und Frankfurt als Bewerber für die Olympischen Sommerspiele erwähnt worden. Adenauer schrieb, dass „das peinliche Gefühl“ zurückblieb, „als wäre seitens des Deutschen Reichsausschusses der Bewerbung Kölns nicht die gleiche Bedeutung beigemessen worden wie der Bewerbung von Berlin und Frankfurt“.

In seiner Antwort versicherte DRAfL-Präsident Lewald, dass es sich lediglich um ein „unglückliches Versehen“ gehandelt habe. Dennoch machte Lewald auch an dieser Stelle keinen Hehl aus seiner Unterstützung für die Bewerbung der Reichshauptstadt. Nur Berlin „mit seiner gewaltigen Bevölkerungszahl, als Sitz des Reichspräsidenten und der Reichsregierung“ könne es gelingen, „die Spiele im Wettbewerb mit Rom und Barcelona“ für Deutschland zu sichern. Daher war seiner Meinung nach Berlin „die in erster Linie für die Olymp. Spiele in Betracht kommende deutsche Stadt […],“ nicht aber „[…] Köln oder Frankfurt/Main“.

  • Schreiben des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer vom 5. Juni 1930 an Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRAfL), bezüglich der fehlenden Erwähnung der Kölner Olympia-Bewerbung in der Ausgabe Nr. 21 der „Blätter für Volksgesundheit und Volkskraft“, herausgegeben vom DRAfL (Seite 1)
    Schreiben des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer vom 5. Juni 1930 an Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRAfL), bezüglich der fehlenden Erwähnung der Kölner Olympia-Bewerbung in der Ausgabe Nr. 21 der „Blätter für Volksgesundheit und Volkskraft“, herausgegeben vom DRAfL (Seite 1)
  • Schreiben des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer vom 5. Juni 1930 an Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRAfL), bezüglich der fehlenden Erwähnung der Kölner Olympia-Bewerbung in der Ausgabe Nr. 21 der „Blätter für Volksgesundheit und Volkskraft“, herausgegeben vom DRAfL (Seite 2)
    Schreiben des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer vom 5. Juni 1930 an Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRAfL), bezüglich der fehlenden Erwähnung der Kölner Olympia-Bewerbung in der Ausgabe Nr. 21 der „Blätter für Volksgesundheit und Volkskraft“, herausgegeben vom DRAfL (Seite 2)
  • Schreiben des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer vom 5. Juni 1930 an Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRAfL), bezüglich der fehlenden Erwähnung der Kölner Olympia-Bewerbung in der Ausgabe Nr. 21 der „Blätter für Volksgesundheit und Volkskraft“, herausgegeben vom DRAfL (Seite 3)
    Schreiben des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer vom 5. Juni 1930 an Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRAfL), bezüglich der fehlenden Erwähnung der Kölner Olympia-Bewerbung in der Ausgabe Nr. 21 der „Blätter für Volksgesundheit und Volkskraft“, herausgegeben vom DRAfL (Seite 3)
  • Entwurf für eine Antwort von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, auf das Schreiben des Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer
    Entwurf für eine Antwort von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, auf das Schreiben des Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer

Die Entscheidung über die Vergabe der Spiele

Die Kölner Presse schätze die Chancen ihrer Stadt auf die Ausrichtung der Spiele dennoch als gut ein: Schließlich hatte die Stadt am Rhein ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Sie verfügte bereits über Sportanlagen – nicht nur in Köln selbst, sondern in der gesamten Region (Mannschaftssportarten sollten in den Stadien u. a. im Ruhrgebiet stattfinden). Dennoch entschied sich der DRAfL am Ende für eine Bewerbung der Hauptstadt Berlin.

Die deutsche Olympia-Bewerbung war schlussendlich erfolgreich: Im Mai 1931 vergab das IOC auf der Sit­zung des Exe­ku­tiv­aus­schus­ses die Austragungsrechte für die Olympischen Spiele 1936 an Deutschland. Damit setzte es sich gegen internationale Bewerber wie Barcelona, Rom, Buenos Aires und Rio de Janeiro durch.

Im Anschluss an die Entscheidung des IOC bot Lewald Adenauer an, Sportveranstaltungen nach den Olympischen Spielen in Köln austragen zu lassen. In seiner Antwort an Lewald beglückwünschte Adenauer den DRAfL-Präsidenten zwar für die IOC-Zusage, ignorierte dieses Angebot jedoch.

  • Schreiben von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, an den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer im Anschluss an die Vergabe der Olympischen Spiele 1936 an die Stadt Berlin (18. Mai 1931, Seite 1)
    Schreiben von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, an den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer im Anschluss an die Vergabe der Olympischen Spiele 1936 an die Stadt Berlin (18. Mai 1931, Seite 1)
  • Schreiben von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, an den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer im Anschluss an die Vergabe der Olympischen Spiele 1936 an die Stadt Berlin (18. Mai 1931, Seite 2)
    Schreiben von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen, an den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer im Anschluss an die Vergabe der Olympischen Spiele 1936 an die Stadt Berlin (18. Mai 1931, Seite 2)
  • Antwort des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer an das Schreiben von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (26. Mai 1931)
    Antwort des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer an das Schreiben von Theodor Lewald, Präsident des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (26. Mai 1931)

Weiterführende Informationen

  • Konrad Adenauer und Adolf Freiherr von Oer stehen nebeneinander. Adenauer hält ein Blatt Papier in der Hand und schaut in die Kamera.
    Themenseite

    Konrad Adenauer – vom Kommunalpolitiker zum Bundeskanzler

    Oberbürgermeister in der Weimarer Republik, innere Emigration während der NS-Zeit und Kanzler in der Bundesrepublik Deutschland – das Bundesarchiv präsentiert auf dieser Seite ausgewählte Dokumente aus dem politischen Leben Konrad Adenauers.

  • Siegerehrung im modernen Fünfkampf bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin
    Themenseite

    Olympia 1936 im nationalsozialistischen Deutschland

    1936 fanden die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Deutschland statt – und damit das größte Sportereignis der Welt. Die Nationalsozialisten nutzten es für ihre Propaganda. Zum 90. Jahrestag der Spiele präsentiert das Bundesarchiv Archivalien aus dem Olympiajahr 1936.