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Die Speerwerferin Tilly Fleischer mit Siegerkranz und Olympia-Eiche

Die Speerwerferin Tilly Fleischer mit Siegerkranz und Olympia-Eiche, Quelle: BArch, Bild 183-G00464 / Hoffmann

Tilly Fleischer: Olympisches Gold und olympische Eichen

Die Speerwerferin Ottilie „Tilly“ Fleischer holte die erste Goldmedaille für Deutschland bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin. Fleischer erhielt nicht nur eine Goldmedaille für ihren Olympiasieg: Wie alle Gewinnerinnen und Gewinner in Berlin bekam sie auch einen Eichen-Setzling in einem Keramiktopf.

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  • Die Speerwerferin Tilly Fleischer mit Siegerkranz und Olympia-Eiche
    Die Speerwerferin Tilly Fleischer mit Siegerkranz und Olympia-Eiche

Tilly Fleischers Olympia-Sieg

Am Tag nach der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin holte die Frankfurterin Ottilie „Tilly“ Fleischer die erste Goldmedaille für Deutschland. Die Speerwerferin hatte bereits vier Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in Los Angeles die Bronzemedaille gewonnen. 1936 in Berlin gelang ihr mit einer Weite von 45,18 Metern ein neuer olympischer Rekord. Für Ihren Olympiasieg wurde sie in die „Führerloge“ des Olympiastadions eingeladen und schüttelte dort Adolf Hitler und Hermann Göring die Hände. Ihre Heimatstadt Frankfurt am Main schenkte Fleischer als Belohnung für ihren Sieg ein Auto.

Der Filmbericht „Olympisches Feuer“ der Germania-Selenophon Tobis zeigt den Speerwurf-Wettbewerb der Frauen mitsamt Fleischers Olympia-Wurf, der Siegerehrung und ihrer Begegnung mit Hitler und Göring.

Die Olympia-Eichen

Neben der Goldmedaille erhielt Fleischer wie die anderen Siegerinnen und Sieger bei den Spielen in Berlin den Setzling einer deutschen Stieleiche in einem kleinen Keramiktopf. Die Eiche symbolisierte in der nationalsozialistischen Propaganda das treue und standfeste deutsche Volk. Auf dem Keramiktopf war zudem folgender Spruch eingraviert: „Wachse zur Ehre des Sieges, rufe zu weiterer Tat“. Die Gewinnerinnen und Gewinner sollten die Setzlinge mit in ihre Heimat nehmen und dort einpflanzen. Die „Deutsche Zeitung“ schrieb am 4. Juni 1936, dass sich die Eichensetzlinge „zu kräftigen Bäumen entwickeln und so ein Jahrhundert lang oder mehr das Andenken an die Olympischen Spiele in Berlin wachhalten“ sollten.

Nur noch wenige der damaligen Eichen haben sich bis heute erhalten. Die Eichen, die zwei niederländische Schwimmerinnen bekommen hatten, wurden vor dem Olympiastadion Amsterdam gepflanzt und stehen noch heute dort. Die Eiche des argentinischen Polo-Teams wurde am Stadion „Campo Argentino de Polo“ in Buenos Aires gepflanzt. Vor der James Ford Rhodes High School in Cleveland (USA), wo der viermalige Olympiasieger Jesse Owens trainiert haben soll, stand bis 2022 eine seiner Eichen. Da diese nicht mehr blühte, wurde sie gefällt – allerdings wurde ein Stängel des originalen Baums neu eingepflanzt.

Die Speerwerferin Tilly Fleischer mit Siegerkranz und Olympia-Eiche
Die Speerwerferin Tilly Fleischer mit Siegerkranz und Olympia-EicheQuelle: BArch, Bild 183-G00464 / Hoffmann

Tilly Fleischer ließ ihren Eichensetzling vor dem Waldstadion in Frankfurt am Main einpflanzen. Nachdem der Baum in den 1990er Jahren gefällt werden musste, wurde in Fleischers Anwesenheit eine neue Eiche gepflanzt. Sie erinnert bis heute an ihren Olympiasieg.

Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie 

1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.

  • Siegerehrung im modernen Fünfkampf bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin
    Themenseite

    Olympia 1936 im nationalsozialistischen Deutschland

    1936 fanden die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Deutschland statt – und damit das größte Sportereignis der Welt. Die Nationalsozialisten nutzten es für ihre Propaganda. Zum 90. Jahrestag der Spiele präsentiert das Bundesarchiv Archivalien aus dem Olympiajahr 1936.