Tilly Fleischers Olympia-Sieg
Am Tag nach der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin holte die Frankfurterin Ottilie „Tilly“ Fleischer die erste Goldmedaille für Deutschland. Die Speerwerferin hatte bereits vier Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in Los Angeles die Bronzemedaille gewonnen. 1936 in Berlin gelang ihr mit einer Weite von 45,18 Metern ein neuer olympischer Rekord. Für Ihren Olympiasieg wurde sie in die „Führerloge“ des Olympiastadions eingeladen und schüttelte dort Adolf Hitler und Hermann Göring die Hände. Ihre Heimatstadt Frankfurt am Main schenkte Fleischer als Belohnung für ihren Sieg ein Auto.
Der Filmbericht „Olympisches Feuer“ der Germania-Selenophon Tobis zeigt den Speerwurf-Wettbewerb der Frauen mitsamt Fleischers Olympia-Wurf, der Siegerehrung und ihrer Begegnung mit Hitler und Göring.
Tilly Fleischer ließ ihren Eichensetzling vor dem Waldstadion in Frankfurt am Main einpflanzen. Nachdem der Baum in den 1990er Jahren gefällt werden musste, wurde in Fleischers Anwesenheit eine neue Eiche gepflanzt. Sie erinnert bis heute an ihren Olympiasieg.
Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie
1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.