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Szenen aus Berlin zur Zeit der Weimarer Republik

Szenen aus Berlin zur Zeit der Weimarer Republik, Quelle: BArch, Bild 102-14017 / Pahl, Georg; BArch, Bild 102-05044 / Pahl, Georg; BArch, Bild 102-07741 / Pahl, Georg; BArch, Bild 102-07717 / Pahl, Georg

„Babylon Berlin“ im Bundesarchiv

Die Krimiserie „Babylon Berlin“ erzählt – angelehnt an die Romanvorlage von Volker Kutscher – die Geschichte eines Kommissars und seiner Kriminalassistentin in Berlin während der letzten Jahre der Weimarer Republik. Das Bundesarchiv verwahrt umfangreiches Schrift- und Bildgut zu den historischen Hintergründen der TV-Serie. Diese Seite gibt einen Einblick.

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Das nächtliche Berlin vor 100 Jahren

Die deutsche Reichshauptstadt Berlin ist Schauplatz der TV-Serie „Babylon Berlin“ und war zur Zeit der Weimarer Republik ein Ort der Gegensätze. Einerseits machten die in der Weimarer Verfassung festgelegten Grundrechte Berlin zu einer modernen Kulturmetropole mit bisher nicht gekannten Freiheiten für ihre Bewohnerinnen und Bewohner. Vor allem das Berliner Nachtleben war national und international berühmt: Viele Menschen durchfeierten die Nächte in Varietés, Tanzlokalen, Kinos oder Erlebnisgastronomien. Auf der anderen Seite herrschte an vielen Orten der Stadt große Armut, die die Menschen in prekäre Lebenssituationen führte. Der Grund waren Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit.

  • Tanz beim Berliner Sechstagerennen
    Während des Sechstagerennens, einer Berliner Radsportveranstaltung, sorgte im Berliner Sportpalast eine Klavierspielerin für Tanzmusik. (November 1927)
  • Kokain-Dealer auf den nächtlichen Straßen Berlins verkauft zwei Frauen Kokain
    Die Straßen Berlins bei Nacht: Ein Kokain-Dealer verkauft seine Ware an zwei Frauen. (Oktober 1924)<br /> <br /> Originaltitel: „(…) ‚Koks Emil‘ der schlimmste Parasit der Grosstadt. Er verkauft in kleinen Kapseln das Kokain. Die Prise kostet M 5,-. Seine Opfer bestehen zum grössten Teil aus der Damenhalbwelt. Der ‚Spanner‘, stets im Hintergrund, warnt beim näherkommen Fremder durch einen Pfiff den Kokainverkäufer.“
  • Wahl „Miss Germany“ 1927
    Im Berliner Sportpalast fand am 21. März 1927 die Wahl zur ersten „Miss Germany“ statt. Die 21-jährige Hildegard Kwandt wurde von der Jury (u. a. mit dem Filmregisseur Fritz Lang und dem Maler Joseph Oppenheimer) zur Siegerin gewählt.
  • Suppenausgabe in einem Obdachlosenheim in Berlin
    Männer bei der Suppenausgabe im städtischen Obdachlosenheim „Palme“ in Berlin-Prenzlauer Berg. Es war das größte seiner Art in Berlin. (November 1924)
  • Sechs Personen stehen an einem Tresen. Vier davon sind Männer, die Frauenkleider tragen.
    In Berlin-Schöneberg, in der Motzstraße / Ecke Kalckreuthstraße befand sich eines von mehreren Berliner Lokalen mit dem Namen „Eldorado“. Dabei handelte es sich um ein Lokal, das besonders von Menschen aus der homosexuellen Szene und der Transvestitismus-Szene besucht wurde. (1929)
  • Ein Mann verkauft Likör auf den nächtlichen Straßen Berlins
    Ein Mann verkauft Likör auf den nächtlichen Straßen Berlins (Oktober 1924)
  • Potsdamer Platz bei Nacht
    Blick vom Potsdamer Platz in die Stresemannstraße: Im Vordergrund sieht man das „Haus Vaterland“, einen großen Gastronomie- und Vergnügungsbetrieb. Im Hintergrund ist das „Europahaus“ zu sehen, ein Bürogebäude mit auffälliger Leuchtreklame. (Juni 1932)
  • Familie an einem Esstisch
    Die Mutter teilt am Essenstisch eine Wurst für sich, ihren Mann und ihre fünf Kinder auf. (1919/1924 ca.)
  • Japanische Teestube im „Haus Vaterland“
    Das „Haus Vaterland“ war ein großer Gastronomie- und Vergnügungsbetrieb am Potsdamer Platz. Es beherbergte zwölf unterschiedliche Themenrestaurants, u. a. eine japanische Teestube.
  • Drei Männer beim verbotenen Glücksspiel unter einer Laterne
    Drei Männer beim verbotenen Glücksspiel unter einer Laterne (Oktober 1924)
  • Vorführung von Frauenfrisuren
    Der Pariser Friseur „Monsieur Antoine“ führte im Berliner Tanzlokal „Barberina“ den Bubikopf vor. Dabei handelt es sich um eine Kurzhaarfrisur für Mädchen und Frauen, die in Europa in den 1920er Jahren an Beliebtheit gewann.
  • Frauenschlafsaal in einem Obdachlosenheim in Berlin
    Frauen im Schlafsaal des städtischen Obdachlosenheims „Palme“ in Berlin-Prenzlauer Berg. Es war das größte seiner Art in Berlin. (November 1924)
  • „Moka Efti“ in der Friedrichstraße
    Das „Moka Efti“ (Eingang in der rechten Bildmitte) war ein Gastronomiebetrieb in der Friedrichstraße, Ecke Leipziger Straße in Berlin-Mitte. Der griechisch-italienische Kaufmann Giannis Eftimiades (nach dem das Lokal benannt war) hatte das „Moka Efti“ im Jahr 1926 eröffnet. Innerhalb weniger Jahre wurde es zu einem der beliebtesten Cafés und Tanzhäuser Berlins.<br /> <br /> In der TV-Serie „Babylon Berlin“ ist das „Moka Efti“ ein wiederkehrender Handlungsort.
  • Ein Mann verkauft Wurst auf den nächtlichen Straßen Berlins
    Auf den Straßen Berlins verkauft ein Händler warme Würstchen. (Oktober 1924)
  • Das Clown-Trio „Die Fratellinis“
    Das Clown-Trio „Die Fratellinis“ zu Gast in Berlin im Dezember 1932. Es bestand aus den drei italienischen Brüdern Paul, François und Albert Fratellini, die ab 1910 mit ihrem Programm auf Tour durch ganz Europa gingen. 
  • Straßenmusiker mit Kind
    Ein Straßenmusiker trat im April 1924 als Filmstar Charlie Chaplin verkleidet in einem Berliner Hinterhof auf. Mit dabei war sein Kind, das als Jackie Coogan verkleidet war, einem Kinderstar des frühen Hollywoods. Charlie Chaplin und Jackie Coogan hatten gemeinsam für den Stummfilm „The Kid“ (1921) vor der Kamera gestanden.
  • Presseball mit Leni Riefenstahl
    40. Presseball in Berlin, u. a. mit der Filmregisseurin und Schauspielerin Leni Riefenstahl (zweite von links, 1930)
  • Nachtarbeiten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
    Arbeiter bei nächtlichen Gleisbauarbeiten der BVG
  • Obdachlose Männer auf einer Parkbank bei Nacht
    Vier schlafende Männer auf einer Parkbank in Berlin-Tiergarten (Oktober 1924)<br />  
  • Kurfürstendamm bei Nacht
    Blick von der Gedächtniskirche zum Kurfürstendamm bei Nacht am 6. November 1925

Die Berliner Polizei zur Zeit der Weimarer Republik

Im Zentrum der Serie „Babylon Berlin“ steht die Sitten- und später die Kriminalpolizei in Berlin.

1920 wurde in Preußen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit die Schutzpolizei gegründet. Ihr Personal wurde u. a. im Streifendienst und in der Verkehrsüberwachung eingesetzt. In Berlin war die Polizei zudem mit den gewaltsamen Konflikten rechter und linker Kräfte konfrontiert – und bei beiden Lagern unbeliebt: Während das linke Lager die Polizei als autoritär, gewalttätig und militärisch betrachtete, hielten die Rechten sie für schwach und passiv.

Die Berliner Polizei selbst wollte vor allem Volksnähe demonstrieren und arbeite ab Mitte der 1920er Jahre an diesem Ruf – beispielsweise mit dem neuen Slogan „Die Polizei, dein Freund und Helfer“. Auch der erstmalige Eintritt von Frauen in den Dienst der Berliner Kriminalpolizei im Jahr 1926 sollte zeigen, dass die Berliner Polizei „Teil des Volkes“ war. Frauen arbeiteten bei der Polizei in speziellen Bereichen wie der Jugendfürsorge oder bei der Sittlichkeitspolizei.

Unter der Führung von Ernst Gennat, Leiter der Zentralen Mordinspektion, hielten auch erstmals moderne Methoden der kriminalistischen Ermittlungsarbeit Einzug in die Berliner Polizei. Unter anderem professionalisierte er die Spurensicherung am Tatort und führte eine „Zentralkartei für Mordsachen und Lehrmittelsammlung“ ein. Zudem hatte Gennat in einem Aufsatz von 1930 den Begriff „Serienmörder“ geprägt.

Nach der Machtübernahme im Jahr 1933 schalteten die Nationalsozialisten auch die Berliner Polizei gleich. Nach der Auflösung der Landespolizeien in Deutschland wurde Reichsführer-SS Heinrich Himmler Chef der Polizei. Polizeitruppenverbände waren so direkt an den Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt.

Die folgende Galerie gibt einen Einblick in die Arbeit der Berliner Polizei zur Zeit der Weimarer Republik.

  • Kommissaranwärter der Hochschule für Kriminalisten in Berlin-Charlottenburg
    Kommissaranwärter der Hochschule für Kriminalisten in Berlin-Charlottenburg untersuchen einen fingierten Fall. Die Rolle der Leiche übernahm ein Kriminalbeamter. (Mai 1931)
  • Hochschule für Kriminalisten, Aufnahme des Tatbestandes mittels Kamera
    Kriminalanwärter auf dem Hof der Hochschule für Kriminalisten in Berlin-Charlottenburg bei der Aufnahme eines Tatbestandes (1931)
  • Spurensicherung von Kriminalkommissar-Anwärter während ihrer Ausbildung
    Kommissaranwärter bei der Ausbildung an der Hochschule für Kriminalistik: Spurensicherung mit Lupe und Zentimetermaß (1931)
  • Erste Seite der KPD-Zeitung „Der rote Gummiknüppel“ vom 1. Mai 1929
    Erste Seite der Kommunistischen Zellenzeitung „Der rote Gummiknüppel“ vom 1. Mai 1929, die sich an die unteren Polizeibeamten der Berliner Schutzpolizei richtete
  • Polizeipräsidium am Alexanderplatz in Berlin
    Das Berliner Polizeipräsidium (wegen seiner markanten Fassade auch „Rote Burg“ genannt) war seit 1890 das Dienstgebäude unterschiedlicher Polizeibehörden. Bis zu seinem Abriss im Jahr 1957 stand es am östlichen Rand des Alexanderplatzes. Seit 2007 steht hier an seiner Stelle das Einkaufszentrum „Alexa“.
  • Kriminalrat Ernst Gennat bei der Feier seines 25-jährigen Dienstjubiläums
    Kriminalrat Ernst Gennat bei der Feier seines 25-jährigen Dienstjubiläums
  • Porträt Karl Zörgiebels
    Porträt Karl Zörgiebels (ca. 1933)
  • Der „Berliner Blutmai“ 1929: Polizeiposten in den Strassen Neuköllns beobachten gegenüberliegende Häuser
    Polizeiposten in Neukölln während des „Berliner Blutmais“ 1929
  • Porträt von Bernhard Weiß
    Porträt von Bernhard Weiß, 1930
  • Diffamierende Karikatur von Bernhard Weiß in der nationalsozialistischen Parteizeitung „Der Angriff“ vom 15. August 1927
    Diffamierende Karikatur von Bernhard Weiß in der nationalsozialistischen Parteizeitung „Der Angriff“ vom 15. August 1927
  • Ausstellung von Diebesgut im Polizeipräsidium von Berlin im Mai 1932
    Ausstellung von Diebesgut im Polizeipräsidium von Berlin im Mai 1932
  • Prüfung beim Polizeihunde-Training im Februar 1926
    Prüfung beim Polizeihunde-Training im Februar 1926<br />  
  • Vorwort aus dem Prospekt zur „Internationalen Polizeiausstellung in Berlin“
    Vorwort aus dem Prospekt zur „Internationalen Polizeiausstellung“, die in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm in Berlin vom 25. September bis zum 17. Oktober 1926 stattfand
  • Uniformen für männliche und weiblichen Polizisten bei der Berliner Polizeiausstellung 1926
    Uniformen für männliche und weiblichen Polizisten bei der Berliner Polizeiausstellung 1926
  • Ausbildung von Polizisten zu Rettungsschwimmern
    Ausbildung von Polizisten zu Rettungsschwimmern

Der „Berliner Blutmai“ im Jahre 1929

Die Serie „Babylon Berlin“ thematisiert den „Berliner Blutmai“ in ihrer ersten Staffel.

Im Dezember 1928 hatte der Berliner Polizeipräsident Karl Zörgiebel ein Versammlungs- und Demonstrationsverbot in Berlin erlassen. Es sollte die öffentliche Sicherheit in einer Stadt aufrechterhalten, die von Straßenkämpfen linker und rechter Lager gezeichnet war. Vor allem die paramilitärischen Verbände der KPD („Roter Frontkämpferbund“) und der NSDAP („Sturmabteilung“) bekämpften sich offen.

Am 1. Mai 1929 wollte die KPD ihre traditionelle Mai-Kundgebung ausrichten. Zörgiebel weigerte sich, dafür das Demonstrationsverbot aufzuheben. Dennoch riefen die Kommunisten zu einer friedlichen Demonstration auf, zu der am 1. Mai 1929 tausende Menschen im Berliner Stadtzentrum zusammenkamen.

Die Polizei hatte an unterschiedlichen Stellen der Stadt Straßensperren errichtet. 13.000 Polizisten gingen gewaltsam gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten vor. Dies führte zu dreitägigen Unruhen, mehr als 30 Menschen wurden von Polizisten getötet. Weiterhin gab es ungefähr 200 Verletzte und über 1.200 Festnahmen.

Als Reaktion auf den „Blutmai“ ließ die preußische Regierung den „Roten Frontkämpferbund“ verbieten. Einige Tage später wurde das Demonstrationsverbot auf das gesamte Deutsche Reich erweitert.

  • Aufruf zur Massendemonstration am 1. Mai 1929 (Seite 1)
    Aufruf zur Massendemonstration am 1. Mai 1929 (Seite 1)
  • Aufruf zur Massendemonstration am 1. Mai 1929 (Seite 2)
    Aufruf zur Massendemonstration am 1. Mai 1929 (Seite 2)
  • Polizeibericht zu den Ereignissen des 1. Mai 1929 in Berlin („Blutmai“)
    Polizeibericht zu den Ereignissen des 1. Mai 1929 in Berlin („Blutmai“)

Die Not der „Kriegszitterer“

Als „Schüttler“ oder „Kriegszitterer“ wurden nach dem Ersten Weltkrieg Soldaten bezeichnet, die – nach heutigem Wissen – an einer posttraumatischen Belastungsstörung litten, in deren Folge sie u. a. Schüttelsyndrome aufwiesen. Im Jahre 1919 stand ein Kriegsinvalide vor dem Berliner Gericht, der beim Betteln mit einem Stock auf Polizeibeamte eingeschlagen hatte.

In „Babylon Berlin“ ist Kommissar Gereon Rath als Veteran des Ersten Weltkriegs ebenfalls ein „Kriegszitterer“. Er versucht die psychischen und physischen Folgen mit Morphium zu unterdrücken.

  • Beitrag zur Gerichtsverhandlung eines „Kriegszitterers“ aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 1. November 1919
    Dokument zur Zeitgeschichte

    Zeitungsbericht über einen vor Gericht stehenden „Kriegszitterer

    Die Deutsche Allgemeine Zeitung schrieb im Herbst 1919 über einen Fall, der sich in Berlin zugetragen hat. Dort stand ein Kriegsinvalide vor Gericht, der beim Betteln Polizisten angegriffen hatte.

    Mehr
  • Ein deutscher Soldat mit geschultertem Gewehr blickt in die Kamera.
    Themen-Portal

    Sammlung von Gefechtsberichten und Tagebucheinträgen von Soldaten im 1. Weltkrieg

    Das Bundesarchiv präsentiert auf einem Themen-Portal Akten des Ersten Weltkriegs, Dokumente und Fotos zu zahlreichen Einzelthemen und weitere Angebote für Recherche und Weiterbildung rund um den Ersten Weltkrieg.

  • Die Schwarze Reichswehr

    In der zweiten Staffel von „Babylon Berlin“ ermitteln Kommissar Gereon Rath und Charlotte Ritter gegen Angehörige der Schwarzen Reichswehr, die einen Putsch planen.

    Als Schwarze Reichswehr galten während der Weimarer Republik zum einen jegliche paramilitärischen Verbände, die sich illegal außerhalb der Reichswehr formierten. Zum anderen bezeichnete diese auch eine konkrete paramilitärische Organisation des Wehrkreiskommandos III in der Region Berlin-Brandenburg.

    Mit dem Küstriner Putsch vom 1. Oktober 1923 wollte die Schwarze Reichswehr unter Major Bruno Ernst Buchrucker die deutsche Reichsregierung stürzen. Einheiten der regulären Reichswehr verhinderten den Umsturzversuch. Am 3. Oktober 1923 entwaffneten sie in Döberitz einen Truppenteil der Schwarzen Reichswehr und nahmen dabei 200 Personen fest.

    • Auszug aus dem Dokument
    • Auszug aus dem Dokument
    • Auszug aus dem Dokument

    Die geheime Fliegerschule in Lipezk

    Der am 28. Juni 1919 von der Reichsregierung unterzeichnete Versailler Vertrag untersagte dem Deutschen Reich den Aufbau von Luftstreitkräften. Darüber hinaus waren die vorhandenen Kriegsflugzeuge auszuliefern bzw. zu zerstören. Die deutschen Luftstreitkräfte waren damit ersatzlos abgeschafft, eine Wiederbegründung war sowohl verboten als auch praktisch unmöglich gemacht.

    Dennoch war die militärische Führung nicht bereit, auf dieses bereits im Weltkrieg unverzichtbar gewordene militärische Instrument auf Dauer zu verzichten und sich jeglicher Anstrengungen hier zu enthalten. Frühzeitig wurde daher im Reichswehrministerium die Notwendigkeit der Ausbildung von Flugzeugführern thematisiert und es wurden erste verdeckte Maßnahmen zur Erhaltung von Personal und Wissen ergriffen. Die Reichswehr und die Rote Armee schlossen am 15. April 1925 einen Vertrag für eine getarnte Fliegerschule und Erprobungsstätte im sowjetischen Lipezk.

    In der zweiten Staffel von „Babylon Berlin“ erhält Kommissar Gereon Rath Hinweise auf diesen „verbotenen Ort“. Er fliegt dorthin, um Beweisfotos von den illegalen Militärübungen anzufertigen.

    Jagdflugzeuge Fokker D. XIII auf dem Flugfeld, ca. 1926/1927
    Geschichtsgalerie

    Lipezk – Die geheime Fliegerschule und Erprobungsstätte der Reichswehr in der Sowjetunion

    Obwohl vom Versailler Vertrag 1919 untersagt, begann das Deutsche Reich ab 1925 heimlich wieder mit der Ausbildung von Flugschülern für die Luftwaffe. Am 15. April 1925 wurde ein Vertrag über die Einrichtung einer deutschen Fliegerschule in Lipezk (Sowjetunion) unterzeichnet.

    Das Kino in der Weimarer Republik

    Am 18. Dezember 1917 gründete sich die Universum-Film AG, kurz Ufa, unter der Leitung der „Deutschen Bank“. Sie sollte vor allem für die Kriegspropaganda genutzt werden. Zur Zeit der Weimarer Republik entwickelte sich die Ufa zum zweitgrößten Filmimperium der Welt und kaufte in den frühen 1920er Jahren das heutige Filmparkgelände in Potsdam Babelsberg.

    Es entstanden Klassiker wie z. B. „Der letzte Mann“ von Friedrich Wilhelm Murnau oder „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich. Neben „der Dietrich“ brachte die junge Ufa auch Filmstars wie Heinz Rühmann, Zarah Leander oder den Regisseur Ernst Lubitsch hervor.

    Zehn Jahre nach der Gründung der Ufa stand das Filmimperium jedoch vor dem finanziellen Ruin. Die USA übernahmen die Oberhand auf dem internationalen Filmmarkt, und Auslandsgeschäfte lohnten sich nicht mehr. Alfred Hugenberg, der Medienunternehmer und Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), kaufte die Ufa 1927 auf und gliederte sie in seinen Hugenberg-Konzern ein. Hugenberg konzentrierte sich vor allem auf die Umstellung auf Tonfilme, und nach bereits zwei Jahren ging die Ufa gestärkt aus dem Konzern hervor.

    In der dritten Staffel von „Babylon Berlin“ sind die Filmstudios Babelsberg ein wichtiger Handlungsort. Hier wird eine berühmte Schauspielerin ermordet.

    Hans Litten und die Rote Hilfe

    Der Rechtsanwalt Hans Litten (1903–1938) tritt als Nebenfigur in der dritten Staffel von „Babylon Berlin“ auf. Litten arbeitete als „Arbeiter-Anwalt“ für die Rote Hilfe Deutschlands (RHD) – einer KPD-nahen Hilfsorganisation, die Arbeiterfamilien sowie linke Aktivistinnen und Aktivisten juristisch und finanziell unterstützte. Mit der Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 verbot das NS-Regime die RHD und ließ u. a. Hans Litten verhaften, der im Jahr 1938 im KZ Dachau starb.

    • Zeichnung von Hans Litten (Porträt)
      Porträt Hans Litten, Zeichnung von Gustav Hammermann (1900-1977) im Konzentrationslager Lichtenburg, 1935/1936 ca.
    Razzia gegen Kommunisten und Juden im März 1933 in Berlin
    Rechercheleitfaden

    Verfolgung von Mitgliedern der kommunistischen Bewegung durch das nationalsozialistische Regime

    In diesem Rechercheleitfaden finden Sie eine Übersicht zum Archivgut des Bundesarchivs zur Verfolgung von Mitgliedern der kommunistischen Bewegung durch das nationalsozialistische Regime.

    Der Stennes-Putsch

    In der vierten Staffel „Babylon Berlin“ ermittelt Kommissar Gereon Rath verdeckt in der Sturmabteilung (SA) der NSDAP. Dabei erlebt er auch den Putschversuch des SA-Oberführers Walther Stennes (gespielt von Hanno Koffler) gegen Adolf Hitler.

    Walther Stennes führte ab 1927 unter dem Gauleiter Joseph Goebbels als oberster SA-Führer Ostdeutschlands (OSAF-Ost) die paramilitärischen SA-Gruppen in Berlin und Brandenburg. In Saal- und Straßenschlachten terrorisierten diese die politischen Gegner der Nationalsozialisten – vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten.

    Bereits im Jahr 1930 hatte es innerhalb der NSDAP Auseinandersetzungen zwischen Stennes und der Parteispitze bezüglich ihrer Strategie zur „Machtübernahme“ gegeben. Stennes, der vehement für einen gewaltsamen Umsturz eintrat, hatte am 31. März 1931 sein Amt als SA-Oberführer eingebüßt und wurde zur Münchner Parteizentrale abkommandiert. Daraufhin besetzte am 1. April 1931 ein SA-Trupp unter Stennes das NSDAP-Parteigebäude in der Berliner Hedemannstraße, in der sich auch die Redaktionsräume der NS-Parteizeitung „Der Angriff“ befanden. Der Putsch-Versuch scheiterte und endete – anders als in der Serie – friedlich, nachdem SS-Oberführer Kurt Daluege den aufständischen SA-Männern mit der Polizei drohte.

    Porträt Walther Stennes in Uniform als SA-Oberführer mit Orden und Auszeichnungen
    Porträt Walther Stennes in Uniform als SA-Oberführer mit Orden und AuszeichnungenQuelle: BArch, Bild 119-2608 / o. Ang.

    Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg

    Hitlers Zeit im Ersten Weltkrieg beschäftigt Charlotte Ritter in der fünften und letzten Staffel von „Babylon Berlin“.

    Adolf Hitler meldete sich freiwillig für den Einsatz im Ersten Weltkrieg. Er trat der „Bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 16“ bei und kam an die Westfront. Dort wurde er u. a. als „Offiziersbursche“ und als Meldegänger eingesetzt. Im Dezember 1914 wurde Hitler mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet und zum Gefreiten befördert.

    Im Oktober 1916 wurde Hitler in der Schlacht an der Somme von Granatensplittern am Oberschenkel verwundet. Nach Genesungsaufenthalten in Beelitz bei Potsdam und in München kam er im März 1917 zurück an die Westfront. Im August 1918 erhielt er für einen Meldegang nach dem Ausfall der Telefonleitungen auch das Eiserne Kreuz I. Klasse.

    Als der Erste Weltkrieg im November 1918 endete, lag Hitler abermals im Lazarett: Aufgrund eines Senfgasangriffs in Flandern war er zeitweise erblindet.

    Die NSDAP stellte Hitlers Zeit als „einfacher Soldat“ im Ersten Weltkrieg in ihrer Propaganda besonders heraus. Der Grund: Die einfachen „Soldaten“ an der Front waren von der NSDAP zu „Kriegshelden“ erhoben worden.

    • Ausschnitt aus den „Braunschweiger Neuesten Nachrichten“ vom 15. August 1938 mit einem Foto von Adolf Hitlers Erkennungsmarke aus dem Ersten Weltkrieg
      Ausschnitt aus den „Braunschweiger Neuesten Nachrichten“ vom 15. August 1938 mit einem Foto von Adolf Hitlers Erkennungsmarke aus dem Ersten Weltkrieg
    • Gruppenbild von deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Unten links sitzend ist Adolf Hitler zu sehen (1916 ca.)
      Gruppenbild von deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Unten links sitzend ist Adolf Hitler zu sehen (1916 ca.)
    • Adolf Hitler (sitzend, ganz rechts) als Soldat im Ersten Weltkrieg mit anderen deutschen Soldaten (1914/1918)
      Adolf Hitler (sitzend, ganz rechts) als Soldat im Ersten Weltkrieg mit anderen deutschen Soldaten (1914/1918)
    • Adolf Hitler (oberste Reihe, zweiter von rechts) im Kriegslazarett Beelitz am 26. Oktober 1916
      Adolf Hitler (oberste Reihe, zweiter von rechts) im Kriegslazarett Beelitz am 26. Oktober 1916
    • Vorschlag zur Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse an Adolf Hitler (Bayerisches Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 16)
      Vorschlag zur Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Klasse an Adolf Hitler (Bayerisches Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 16)

    Die Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933

    Die Wahl Hitlers zum Reichskanzler ist ein zentrales Thema der fünften und letzten Staffel von „Babylon Berlin“.

    Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 bedeutete gleichzeitig das Ende der Weimarer Republik. Die Nationalsozialisten feierten den „Tag der Machtübernahme“ mit Fackelzügen durch das Brandenburger Tor. Mithilfe von Terror und Propaganda leiteten sie in den folgenden Monaten Maßnahmen zur Beseitigung des Rechtsstaats und der parlamentarischen Demokratie ein.

    Adolf Hitler im Auto auf dem Weg zum Reichspräsidenten im Januar 1933
    Geschichtsgalerie

    30. Januar 1933: Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler

    Reichspräsident Paul von Hindenburg ernannte am 30. Januar 1933 den Vorsitzenden der NSDAP Adolf Hitler zum Reichskanzler.

    Der Reichstagsbrand im Februar 1933

    Der Reichstagsbrand steht am Endpunkt der fünften und letzten Staffel von „Babylon Berlin“. 

    In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 brannte der Reichstag in Berlin. Der niederländische Kommunist Marinus van der Lubbe wurde als Brandstifter festgenommen. Er erklärte, dass er die Tat allein durchgeführt habe und damit zum Widerstand gegen das NS-Regime aufrufen wollte.

    Die Nationalsozialisten machten die Kommunisten für den Anschlag verantwortlich und warfen ihnen vor, einen Umsturz geplant zu haben. Die Regimegegner ihrerseits bezichtigten die Nationalsozialisten, den Brand des Reichstags selbst inszeniert zu haben – als willkommenen Vorwand dafür, ihre politischen Konkurrenten auszuschalten.

    Es folgten: permanenter Ausnahmezustand, Außerkraftsetzung der wichtigsten Grundrechte, Massenverhaftungen. Am Ende dieses Geschehens stand die vollständige Demontage der deutschen Demokratie.

  • Frontansicht des brennenden Reichstag. Rauchschwaden kommen aus der Kuppel.
    Geschichtsgalerie

    Urteil des Reichsgerichts im Reichstagsbrandprozess

    Im Februar 1933 brannte der Reichstag. Vom 21. September bis zum 23. Dezember 1933 fand der Reichstagsbrandprozess statt. Angeklagt waren: als Täter der Niederländer Marinus van der Lubbe, als mutmaßliche Anstifter der Vorsitzende der KPD-Reichstagsfraktion Ernst Torgler sowie die bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff, Blagoj Siminoff Popoff und Wassil Konstantinoff Hadji Taneff.

  • Wähler stehen Schlange vor dem Wahllokal in der Eckkneipe Ernst Rohde. Im Vordergrund sind ein Polizist mit geschultertem Gewehr und ein Nationalsozialist mit einem um den Hals gehängten Wahlplakat zu sehen.
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    5. März 1933: Wahl zum Deutschen Reichstag

    Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg den Nationalsozialisten Adolf Hitler zum Reichskanzler.

    Rede von Adolf Hitler im Reichstag zum Ermächtigungsgesetz am 23. März 1933
    Rechercheleitfaden

    „Ermächtigungsgesetz“ vom 24. März 1933

    Auf dieser Seite finden sie eine Auswahl wichtigen Archivguts des Bundesarchivs zum „Ermächtigungsgesetz“ vom 23. März 1933.