Einführende Informationen
Die Aufarbeitung von während des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogenen Kunst- und Kulturgütern ist ein zentrales Anliegen der Bundesregierung. Auf der Grundlage der Washingtoner Prinzipien von 1998 hat sich der Bund im Dezember 1999 gemeinsam mit den Ländern und kommunalen Spitzenverbänden auf eine "Erklärung zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz" (Gemeinsame Erklärung) verständigt. Die Erklärung unterstreicht, dass die Identifizierung und Rückgabe von NS-Raubgut zu den Kernaufgaben der öffentlichen Kultureinrichtungen gehört.
Das Bundesarchiv als große kulturbewahrende Einrichtung besitzt eine Vielzahl von Schriftgutbeständen aus der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Nachkriegszeit, die den Raub und die Verlagerung von Kulturgut seitens staatlicher Institutionen und Dienststellen dokumentieren. Mit der dauerhaften Sicherung und Nutzbarmachung des Archivguts unterstützt das Bundesarchiv ganz wesentlich die Forschung zu NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut.
Bitte beachten Sie, dass die Schriftgutbestände aus der Zeit des Nationalsozialismus u. a. aufgrund kriegsbedingter Zerstörung, vorsätzlicher Vernichtung oder Beschlagnahmung äußerst lückenhaft sind. Das überlieferte Schrift- und sonstige Archivgut wiederum ist ungeachtet der Rückführungen seitens der alliierten Mächte und Bestandsabgleichen innerhalb Deutschlands bis heute auf zahlreiche Archive des In- und Auslands verteilt.
Zugangsinformationen
Zu den NS-kontextbezogenen Schriftgutbeständen des Bundesarchivs kann im Suchsystem invenio online recherchiert werden. Invenio ermöglicht eine bestands-, sach- und personenbezogene sowie auch eine alle Bestände übergreifende und systematische Recherche in der zentralen Datenbank des Bundesarchivs. Eine Vielzahl der Schriftgutbestände ist bereits in Gänze oder zu großen Teilen digitalisiert und kann über invenio unmittelbar eingesehen und auch heruntergeladen werden. Die Digitalisierung wird fortlaufend fortgesetzt, und die digitalisierten Archivalien werden sukzessive online gestellt. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten einer Digitalisierung on demand. Neben Detailinformationen auf der Ebene einzelner Akten oder Aktengruppen finden Sie in invenio grundlegende Informationen zu den jeweiligen Beständen, die zur Überlieferungsgeschichte und inhaltlichen Schwerpunkten Auskunft geben.
Bereits digital verfügbares Bildmaterial (v.a. Fotos und Plakate) können Sie im Digitalen Bildarchiv abrufen. Noch nicht digitalisiertes Bildmaterial kann in den Lesesälen an den Standorten Koblenz und Berlin-Lichterfelde benutzt werden. Filmmaterial ist im Digitalen Lesesaal auf der Internetseite des Bundesarchivs recherchierbar. Benutzungen des Filmmaterials können in der Dienststelle Berlin-Lichterfelde durchgeführt werden. Das Bundesarchiv digitalisiert stetig auch seine Überlieferung an Tondokumenten, die Sie ebenfalls über invenio finden.
Die Originalüberlieferung der Aktenbestände aus zivilen Dienststellen des „Dritten Reiches“ wird im Wesentlichen am Standort Berlin-Lichterfelde des Bundesarchivs verwahrt. Das in diesem Kontext wichtige militärische Schriftgut verwaltet die Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg im Breisgau. Unter Umständen kann auch die Überlieferung der ehemaligen „Wehrmachtauskunftsstelle“ relevant sein, die am Standort Berlin-Tegel verwahrt wird. Relevante Überlieferung aus der Nachkriegszeit wird an den Standorten Koblenz, Bayreuth, Ludwigsburg, Freiburg und Berlin verwahrt.
Der Zugang und die Nutzung des Materials im Kontext des Nationalsozialismus unterliegt den Regelungen des Bundesarchivgesetzes (BArchG).
Eine Vielzahl der Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus und auch der frühen Nachkriegszeit ist in alter deutscher Handschrift (Kurrent- oder Frakturschrift) verfasst. Die „Kurrent-Schreibmaschine“ unterstützt Sie beim Lesen alter Texte.