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Flugblatt der „Weißen Rose“

Flugblatt der „Weißen Rose“, Quelle: BArch, R 3018/18431

Archivgut zur Widerstandsgruppe „Weiße Rose“

In diesem Leitfaden finden Sie nützliche Recherchehinweise zur Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ und einen Überblick über die einschlägigen Archivalien im Bundesarchiv.

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von Sabine Dumschat, Andreas Grunwald und Torsten Zarwel

„Es lebe die Freiheit!“ So lauteten die letzten Worte von Hans Scholl vor seiner Hinrichtung. Dieses Bekenntnis und den Widerstand gegen die NS-Diktatur, die Ermordung der Juden in Europa und die Gräuel des Vernichtungskriegs in Polen und der Sowjetunion bezahlten zahlreiche Mitglieder der „Weißen Rose“ mit ihrem Leben.

Die Ermittlungsunterlagen der Gestapo inklusive der Flugblätter sowie die Akten aus den Strafprozessen vor dem Volksgerichtshof gegen Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf, Professor Kurt Huber und weitere Unterstützer der „Weißen Rose“ in München, Ulm und Hamburg sind im Bundesarchiv zugänglich. Das Bundesarchiv verfügt somit über die Originale der wichtigsten Belege aus staatlichen Dienststellen über die Verfolgung, Verhaftung und Hinrichtung der Mitglieder dieser Widerstandsgruppe.

Der bedeutendste Teil der Überlieferung war nach dem Zweiten Weltkrieg in sowjetischen Gewahrsam geraten. Nach der Auswertung im geheimdienstlichen „Sonderarchiv“ in Moskau wurden diese Akten in den 1950er Jahren in die DDR zurückgeführt. Eine Ausnahme bilden die Unterlagen zu dem in Orenburg geborenen Alexander Schmorell, die in Russland verblieben. In der DDR hatte das „NS-Archiv“ des Staatssicherheitsdienstes prioritären Zugriff, andere Akten gelangten in das Zentrale Parteiarchiv der SED und ins Zentrale Staatsarchiv – und 1990 schließlich ins Bundesarchiv. Nur wenige Unterlagen des Volksgerichthofs waren nach Kriegsende in die Hände der US-amerikanischen Armee geraten und gelangten in den 1960er Jahren, andere erst 1994 gemeinsam mit den Beständen des Berlin Document Center ins Bundesarchiv.

Hauptsächlich handelt es sich bei den Archivalien der Koblenzer Altbestände R 60-I und R 60-II, die heute in die Bestände R 3017 und R 3018 integriert sind, um kopiertes Material, das in den 1980er Jahren dem Bundesarchiv aus der DDR übergeben wurde. Als abgebende Stelle fungierte der Generalstaatsanwalt der DDR, obgleich sich die Originalakten im Zentralen Parteiarchiv der SED und dem „NS-Archiv“ der Staatssicherheit befanden. Aus privater Hand kam im Jahr 2012 der Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und ihrem Freund Fritz Hartnagel hinzu, der dem Bundesarchiv seitens der Familie zur Archivierung übergeben wurde und den Nachlass N 2370 bildet. Schriftgut aus der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, nicht zuletzt Fotos und Filmmaterial, dokumentieren Rezeption und Würdigung des Widerstands der „Weißen Rose“ in der Nachkriegszeit. Besonders nachgefragt sind jedoch die zeitgenössischen Unterlagen.

Die Flugblätter

Bei den Benutzern und Benutzerinnen des Bundesarchivs gleichbleibend stark nachgefragt sind die Flugblätter der „Weißen Rose“. Sie befinden sich in folgenden Akten:

Die Flugblätter wurden bereits oftmals ediert. Online sind sie verfügbar unter:

Kurzübersicht:
  • Flugblatt I vom Juni 1942: „Leistet passiven Widerstand“
  • Flugblatt II vom Juni 1942: Eroberung Polens, Ermordung von 300.000 Juden
  • Flugblatt III vom Juli 1942: „Salus publica suprema lex“
  • Flugblatt IV vom Juli 1942: Krieg in Russland
  • Flugblatt V vom Januar 1943: „Aufruf an alle Deutsche!“
  • Flugblatt VI vom Februar 1943: „Kommilitoninnen! Kommilitonen!“
  • Flugblatt-Entwurf vom 28./29.1.1943 (von Christoph Probst)

Inventar wichtiger Akten, Fotos und Filme im Bundesarchiv

Das Inventar kann und will keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Es listet die intensiv benutzten Akten auf und weist auf zugängliche Fotos und Filme hin.

Kenntlich gemacht wird zu allen Akten aus der NS-Zeit der Überlieferungsweg. Hierbei werden folgende Abkürzungen verwendet:

  • BArch – Bundesarchiv „alt“: Gemeint ist die bereits vor 1990 im Bundesarchiv (damals am Standort Koblenz) befindliche Überlieferung
  • ZPA – Zentrales Parteiarchiv der SED (Berlin)
  • NS-Archiv des MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... – „NS-Archiv“ des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR
  • BDC – Berlin Document Center

Überlieferung aus Institutionen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland trägt zur Erforschung der Rezeptionsgeschichte bei.

Die Erschließungsdaten sowie – soweit bereits verfügbar – die Digitalisate des Archivguts können auf den Internetseiten des Bundesarchivs abgerufen werden über:

Bitte beachten Sie, dass die Originale der Archivalien an unterschiedlichen Orten in verschiedenen Dienststellen des Bundesarchivs aufbewahrt werden.

Weitere Informationen zur Recherche außerhalb des Bundesarchivs

Weiterführende Informationen

  • Montage von schwarz-weißen Porträtfotos von Hans Scholl und Sophie Scholl
    Geschichtsgalerie

    Sophie und Hans Scholl, zum Tode verurteilt am 22. Februar 1943

    Vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, wurden Sophie und Hans Scholl nur Stunden später zusammen mit ihrem Weggefährten Christoph…

  • erste Seite eines mit Schreibmaschine geschriebenen Vermerks zu einer Befragung von Christoph Probst
    Dokument zur Zeitgeschichte

    Siebtes Flugblatt der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“

    Bei seiner Verhaftung am 18. Februar 1943 trug Hans Scholl den Entwurf für ein siebtes Flugblatt bei sich. Der Schrifttext fand Eingang in die Ermittlungsakten…

  • Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg, September 1933
    Rechercheleitfaden

    Quellen zum Deutschen Reich im Nationalsozialismus

    Als Zeit des Nationalsozialismus wird die Regierungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bezeichnet. Sie begann mit der Ernennung…