von Sabine Dumschat, Andreas Grunwald und Torsten Zarwel
„Es lebe die Freiheit!“ So lauteten die letzten Worte von Hans Scholl vor seiner Hinrichtung. Dieses Bekenntnis und den Widerstand gegen die NS-Diktatur, die Ermordung der Juden in Europa und die Gräuel des Vernichtungskriegs in Polen und der Sowjetunion bezahlten zahlreiche Mitglieder der „Weißen Rose“ mit ihrem Leben.
Die Ermittlungsunterlagen der Gestapo inklusive der Flugblätter sowie die Akten aus den Strafprozessen vor dem Volksgerichtshof gegen Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf, Professor Kurt Huber und weitere Unterstützer der „Weißen Rose“ in München, Ulm und Hamburg sind im Bundesarchiv zugänglich. Das Bundesarchiv verfügt somit über die Originale der wichtigsten Belege aus staatlichen Dienststellen über die Verfolgung, Verhaftung und Hinrichtung der Mitglieder dieser Widerstandsgruppe.
Der bedeutendste Teil der Überlieferung war nach dem Zweiten Weltkrieg in sowjetischen Gewahrsam geraten. Nach der Auswertung im geheimdienstlichen „Sonderarchiv“ in Moskau wurden diese Akten in den 1950er Jahren in die DDR zurückgeführt. Eine Ausnahme bilden die Unterlagen zu dem in Orenburg geborenen Alexander Schmorell, die in Russland verblieben. In der DDR hatte das „NS-Archiv“ des Staatssicherheitsdienstes prioritären Zugriff, andere Akten gelangten in das Zentrale Parteiarchiv der SED und ins Zentrale Staatsarchiv – und 1990 schließlich ins Bundesarchiv. Nur wenige Unterlagen des Volksgerichthofs waren nach Kriegsende in die Hände der US-amerikanischen Armee geraten und gelangten in den 1960er Jahren, andere erst 1994 gemeinsam mit den Beständen des Berlin Document Center ins Bundesarchiv.
Hauptsächlich handelt es sich bei den Archivalien der Koblenzer Altbestände R 60-I und R 60-II, die heute in die Bestände R 3017 und R 3018 integriert sind, um kopiertes Material, das in den 1980er Jahren dem Bundesarchiv aus der DDR übergeben wurde. Als abgebende Stelle fungierte der Generalstaatsanwalt der DDR, obgleich sich die Originalakten im Zentralen Parteiarchiv der SED und dem „NS-Archiv“ der Staatssicherheit befanden. Aus privater Hand kam im Jahr 2012 der Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und ihrem Freund Fritz Hartnagel hinzu, der dem Bundesarchiv seitens der Familie zur Archivierung übergeben wurde und den Nachlass N 2370 bildet. Schriftgut aus der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, nicht zuletzt Fotos und Filmmaterial, dokumentieren Rezeption und Würdigung des Widerstands der „Weißen Rose“ in der Nachkriegszeit. Besonders nachgefragt sind jedoch die zeitgenössischen Unterlagen.
