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Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Theodor Blank schreiten bei ihrem Besuch in Andernach zusammen mit drei hochrangigen Bundeswehroffiziere eine angetretene Formation von Soldaten des Heeres und der Marine ab. Im Hintergrund stehen Pressefotografen.

Bundeskanzler Konrad Adenauer und Bundesminister Theodor Blank beim Truppenbesuch in Andernach, 20. Januar 1956, Quelle: BArch, B 145 Bild-00012010 / Unterberg, Rolf

Aufstellungsappell in Andernach

Bundeskanzler Konrad Adenauer besuchte am 20. Januar 1956 die ersten Soldaten der Bundeswehr in der Andernacher Krahnenberg-Kaserne, der „Wiege der Bundeswehr“.

Mit der Veranstaltung in Andernach stellte die Bundesregierung die neue Bundeswehr öffentlich vor. Eingeladen zu dem Ereignis waren neben dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Peter Altmeier und weiteren Vertretern aus Politik und Öffentlichkeit, wie dem Bürgermeister und lokalen Pfarrern, auch Militärattachés der NATO-Partner und zahlreiche Medienvertreterinnen und -vertreter aus dem In- und Ausland.

Die neuen deutschen Streitkräfte hatten die Krahnenberg-Kaserne erst kurz zuvor von der französischen Armee übernommen – damals noch ein für die Unterbringung der neuen Soldaten behelfsmäßig hergerichtetes Barackenlager. Auf dem Appellplatz traten die Lehrkompanien von Heer, Luftwaffe und Marine an. Sie bildeten den Kern der aufzustellenden Streitkräfte.

Nachdem Verteidigungsminister Theodor Blank die Soldaten begrüßt hatte, sprach der Bundeskanzler zu den angetretenen Soldaten, deren Front er kurz zuvor abgeschritten hatte. In seiner kurzen Rede betonte Adenauer die feste Einbindung der Bundeswehr und ihrer Soldaten in die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik.

  • Auszug aus der Rede Adenauers (maschinenschriftliche Abschrift) vom 20. Januar 1956
    Auszug aus der Rede Adenauers (maschinenschriftliche Abschrift) vom 20. Januar 1956

Das Dokument befindet sich in der Archivalie mit der Signatur BArch, BW 2/20177. Der Aktenband stammt aus dem Registraturgut des späteren Führungsstabes der Streitkräfte im Bundesministerium der Verteidigung. In der Akte befinden sich auch das Programm für den 20. Januar 1955 und die Liste der in- und ausländischen Gäste.

Historischer Hintergrund

Die Zeremonie in Andernach bildete den vorläufigen Abschluss auf dem Weg zur Gründung einer westdeutschen Armee. Der Bedeutung des Anlasses gemäß nahmen neben der westdeutschen obersten politischen und militärischen Führung auch Vertreter der neuen NATO-Partner teil. Mit dieser Veranstaltung trat die Bundeswehr erstmals in die breitere Öffentlichkeit. Dennoch war der öffentliche Aufstellungsappell in Andernach das Gegenteil eines pompös inszenierten Großereignisses. Die im Bundesarchiv überlieferten Text-, Bild- und Tondokumente belegen vielmehr Zurückhaltung in der Zurschaustellung des Militärs und das Bemühen, dessen gesellschaftliche Integration herauszustellen. Die Veranstaltung wurde offiziell nie als „Aufstellungsappell“ bezeichnet, sondern lediglich als erster „Besuch“ des Bundeskanzlers bei den neuaufgestellten Streitkräften betitelt.

Folgende Prämissen gab Bundeskanzler Adenauer den werdenden Streitkräften der Bundesrepublik Deutschlands mit auf den Weg: den Einsatz für die Wahrung des Friedens, die Unterordnung unter den „Primat der Politik“, die Akzeptanz der Werte und Normvorstellungen der Zivilgesellschaft und den Bruch mit der Vergangenheit. Diese Vorgaben richteten sich zugleich an die deutsche Öffentlichkeit, die bis dahin zu einem großen Teil der Wiederbewaffnung kritisch bis ablehnend gegenüberstand.

Die letzte erhaltene Baracke in der Krahnenberg-Kaserne der Bundeswehr in Andernach steht heute unter Denkmalschutz und beinhaltet eine Ausstellung zur „Wiege der Bundeswehr“.