Direkt zum Seiteninhalt springen
Vier Offiziere der Marine halten während der Überführung an Deck des Schnellboots „Kondor“ Ehrenwache am Sarg von Konrad Adenauer.

Ehrenwache am Sarg von Konrad Adenauer während der Überführung, 1967, Quelle: Bundesregierung, B 145 Bild-00213946 / Gathmann, Jens

Die Bundesmarine und das Staatsbegräbnis Konrad Adenauers im April 1967

Der mittlerweile 91-jährige erste Bundeskanzler Konrad Adenauer erkrankte im Frühjahr 1967 schwer. Als sich seine gesundheitliche Situation weiter verschlechterte, wurden im Hintergrund die Trauerfeierlichkeiten vorbereitet – auch bei der Bundeswehr, denn sie sollte den Mittelpunkt des Trauerverbands für die Überführung des Sarges auf dem Rhein bilden.

Konrad Adenauer verstarb am 19. April 1967. Durch seine mehrwöchige schwere Krankheit konnte sich die westdeutsche Spitzenpolitik diskret auf die wahrscheinlich bevorstehenden Trauerfeierlichkeiten vorbereiten. Diese sollten in Form eines Staatsakts, also einer Veranstaltung mit besonders aufwändigem Zeremoniell, stattfinden. Daher war schnell klar, dass die Bundeswehr eine wichtige Rolle spielen würde: Militärische Ehrenerweisungen für Staatsgäste und herausragende Persönlichkeiten gehören zu den protokollarischen Aufgaben der Bundeswehr.

Für die in Norddeutschland beheimatete Marine war dieser Einsatz vor allem eine geografische Herausforderung. Es war vorgesehen, dass der Leichnam des Altbundeskanzlers nach öffentlicher Aufbahrung im Kölner Dom über den Rhein nach Rhöndorf überführt werden sollte. Daher mussten nicht nur Soldaten, sondern auch Schiffe in Marsch gesetzt werden. Da keine Wasserstraße Köln mit der deutschen Nordseeküste verbindet, war hierfür ein Umweg nötig.

Am 21. April 1967 verließen die Schnellboote „Kondor“, „Habicht“ und „Sperber“ des 2. Schnellbootgeschwaders den Marinestützpunkt Wilhelmshaven. Sie fuhren die niederländische Küste entlang und wechselten bei Rotterdam auf die Waal, einen Mündungsfluss des Rheins. Nach zweitägiger „Bergfahrt“ (Fahrt stromaufwärts) erreichten die Schiffe schließlich Köln.

Die Schnellboote der Bundesmarine stellten am 25. April 1967, dem Tag des Staatsakts, den Kern des Trauerverbandes auf dem Rhein. Boote der Wasserschutzpolizei, mehrere Boote der Bundeswehr-Flusspioniere sowie ein Ehrengeleit von britischen, niederländischen und französischen Marineeinheiten begleiteten sie. An Bord des Schnellbootes „Kondor“ erreichte der Sarg Adenauers nach zweieinhalbstündiger Fahrt seinen Zielort: die Rheininsel Grafenwerth nahe Rhöndorf. 

Die Beteiligung der Bundeswehr am Staatsakt für den verstorbenen Altbundeskanzler Konrad Adenauer ist ein Beispiel für die Aufgabe des protokollarischen Ehrendienstes der Streitkräfte. Die bekannteste Form ist der Empfang von Staatsgästen mit militärischen Ehren durch das 1957 aufgestellte Wachbataillon der Bundeswehr.

  • Maschinengeschriebenes Dokument
    Vermerk für den Unterabteilungsleiter I im Führungsstab der Marine zu vorbereitenden Maßnahmen für den Fall des Ablebens von Konrad Adenauer, 14. April 1967
  • Maschinengeschriebenes Dokument in Tabellenform mit handschriftlichen Eintragungen
    Schiffstagebuch des Schnellboots „Habicht“ vom 17. bis 30. April 1967 (Auszug) (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument in Tabellenform mit handschriftlichen Eintragungen
    Schiffstagebuch des Schnellboots „Habicht“ vom 17. bis 30. April 1967 (Auszug) (Seite 2)
  • Maschinengeschriebenes Dokument in Tabellenform mit handschriftlichen Eintragungen
    Schiffstagebuch des Schnellboots „Habicht“ vom 17. bis 30. April 1967 (Auszug) (Seite 3)
  • Maschinengeschriebenes Dokument in Tabellenform mit handschriftlichen Eintragungen
    Schiffstagebuch des Schnellboots „Habicht“ vom 17. bis 30. April 1967 (Auszug) (Seite 4)
  • Maschinengeschriebenes Dokument in Tabellenform mit handschriftlichen Eintragungen
    Schiffstagebuch des Schnellboots „Habicht“ vom 17. bis 30. April 1967 (Auszug) (Seite 5)
  • Maschinengeschriebenes Dokument in Tabellenform mit handschriftlichen Eintragungen
    Schiffstagebuch des Schnellboots „Habicht“ vom 17. bis 30. April 1967 (Auszug) (Seite 6)

Das erste der beiden vorliegenden Dokumente stammt aus Archivgut mit der Signatur BArch, BM 1/6620. Diese Akte entstand beim Referat I 3 des Führungsstabes der Marine (Fü M), das u. a. für die Öffentlichkeitsarbeit der Teilstreitkraft zuständig war. Die Akte enthält zudem das Programm des Staatsbegräbnisses für Konrad Adenauer sowie ein Dankschreiben von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger an die Bundeswehr für die Unterstützung der Trauerfeierlichkeiten.

Das Schiffstagebuch hat die Signatur BArch, BM 21-I/6260 und erstreckt sich vom 20. März  bis zum 30. Juni 1967. Neben der Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten für Konrad Adenauer ist u. a. eine Ausbildungsfahrt nach Norwegen dokumentiert.