Historischer Hintergrund
Nach Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 geriet Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer schnell ins Visier der Nationalsozialisten. Grund dafür waren seine demokratische, prorepublikanische Gesinnung und wiederholte Kritik an den neuen Machthabern.
Insbesondere während des Wahlkampfs zur Reichstagswahl im März 1933 wurde Adenauer zur Zielscheibe für Angriffe von rechts. Dazu gehörte auch der Vorwurf, er habe nach dem Ende des Ersten Weltkriegs separatistische Bestrebungen zur Abspaltung des Rheinlands vom Deutschen Reich verfolgt.
Am 1. Februar 1919 hatte sich Adenauer nach anfänglichem Zögern tatsächlich für die Schaffung einer „Westdeutschen Republik“ ausgesprochen – u. a. um die Position des Rheinlands gegenüber Preußen zu stärken. Mit der Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung im Sommer 1919 verwarf Adenauer seine Rheinstaatpläne vorerst. Nach der Ruhrbesetzung Anfang 1923 griff er sie jedoch wieder auf, um eine wirtschaftliche und politische Aussöhnung und Zusammenarbeit mit Frankreich zu erreichen.
Im Gegensatz zu den separatistischen Gruppierungen um Josef Adam Dorten oder Friedrich Matthes plante Adenauer aber zu keinem Zeitpunkt eine Abspaltung des Rheinlands vom Deutschen Reich. Bereits die politische Rechte in der Weimarer Republik verbreitete diese Falschbehauptung, um den ungeliebten Oberbürgermeister zu diskreditieren.
Nach Adenauers Absetzung Mitte März 1933 griffen die Nationalsozialisten die Vorwürfe wieder auf: Im Zuge eines Dienststrafverfahrens versuchten sie ihn so zusätzlich des Landesverrats zu überführen – was aufgrund mangelnder Beweise letztlich erfolglos blieb.



