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Schwarz-Weiß-Aufnahme mit drei Herren in Trenchcoats, die von uniformierten Soldaten begleitet werden.

Verhaftung der Regierung Dönitz durch britische Soldaten (Mitte v. l. n. r.: Generaloberst Alfred Jodl, Albert Speer, Großadmiral Karl Dönitz), 23. Mai 1945, Quelle: BArch, Bild 146-1985-079-31 / o. Ang.

Die Geschäftsführende Reichsregierung Dönitz

Karl Dönitz stand nach Adolf Hitlers Tod für drei Wochen an der Spitze des Deutschen Reichs. Unterlagen aus dem Bundesarchiv beleuchten seine Einsetzung als Reichspräsident und die Amtszeit seiner Regierung.

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Bildung der Regierung Dönitz

Kurz vor seinem Tod berief Adolf Hitler Großadmiral Karl Dönitz testamentarisch zu seinem Nachfolger als Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs. Dönitz war bis dato Oberbefehlshaber der Marine und erfuhr von der Nachfolgeregelung am 30. April 1945. Über Hitlers Suizid am selben Tag wurde er erst am 1. Mai 1945 informiert.

Dönitz wandte sich daraufhin per Rundfunk an das deutsche Volk: Er verkündete den Tod Hitlers sowie seine Ernennung zum Reichspräsidenten und rief zur Fortsetzung der Kampfhandlungen auf.

Am 2. Mai 1945 beauftragte er den vormaligen Reichsfinanzminister Johann Ludwig „Lutz“ Graf Schwerin von Krosigk mit der Bildung einer Reichsregierung. Am 3. Mai 1945 richtete sich diese in einem rund 14 Quadratkilometer großen „Sonderbereich“ um den Marinestützpunkt Flensburg-Mürwik ein.

  • Auf Papier geklebte Schwarz-Weiß-Porträtaufnahme eines Mannes in mit zahlreichen Orden geschmückter Uniform; händische Unterschrift unter dem Bild.
    Porträt von Karl Dönitz, ca. 1943–1945
  • Formular auf rotem Papier, maschinenschriftlich ausgefüllt mit Text in Großbuchstaben, ohne Umlaute, mit handschriftlichen Daten und Angaben
    Funkspruch aus Berlin zur Lage in der Reichshauptstadt, 30. April 1945 (Vorderseite)
  • Formular auf rotem Papier, maschinenschriftlicher Text in Großbuchstaben, ohne Umlaute und mit unterstrichenen Passagen
    Funkspruch aus Berlin zur Lage in der Reichshauptstadt, 30. April 1945 (Rückseite)
  • Maschinenschriftlich ausgefülltes Formular mit roten Stempeln, Markierungen und handschriftlichen Ergänzungen
    Funkspruch von Martin Bormann an Karl Dönitz, 30. April 1945 (Vorderseite)
  • Maschinenschriftlich ausgefülltes Formular mit roten Stempeln, Markierungen und handschriftlichen Ergänzungen
    Funkspruch von Martin Bormann an Karl Dönitz, 30. April 1945 (Rückseite)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit handschriftlichen Streichungen und Ergänzungen in blauer und roter Farbe
    Karl Dönitz’ Treuebekenntnis gegenüber Adolf Hitler, 1. Mai 1945
  • Maschinenschriftlich ausgefülltes Formular mit rotem Stempel „Geheim!“
    Funkspruch Martin Bormanns an Karl Dönitz, 1. Mai 1945
  • Halbseitiges Dokument in Maschinenschrift
    Funkspruch von Joseph Goebbels an Karl Dönitz, 1. Mai 1945
  • Dokument in Maschinenschrift mit strukturierten Absätzen
    Tagesbefehl von Karl Dönitz an die Wehrmacht, 1. Mai 1945
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen, unterstrichenen Teilüberschriften und handschriftlichen Korrekturen
    Tagebucheintrag zur Bildung der Regierung Dönitz, 2. Mai 1945 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit nummerierten und strukturierten Absätzen
    Tagebucheintrag zur Bildung der Regierung Dönitz, 2. Mai 1945 (Seite 2)
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Marineschiffes in einer Hafenanlage; im Hintergrund eine bewaldete Anhöhe mit herausragendem Turm und einem burg- oder schlossähnlichen großen Gebäude
    Marineschule Flensburg-Mürwik, ca. 1910/1918
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme eines großen, schloss- oder burgähnlichen Gebäudekomplexes auf einer Anhöhe am Ufer einer Meeresbucht
    Marineschule Flensburg-Mürwik, ca. 1910/1918

Dreiwöchige Amtszeit

Die alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkriegs duldeten die „Flensburger Regierung“ als Ansprechpartner für die Kapitulation des Deutschen Reichs im Mai 1945.

Während die Kapitulationsverhandlungen mit den Westmächten liefen, wollte Dönitz deutsche Soldaten sowie Zivilistinnen und Zivilisten aus den Ostgebieten evakuieren. Im Hafen des ostpreußischen Pillau (heute Baltijsk) legten Schiffe an, die Flüchtlinge vor den vorrückenden sowjetischen Truppen retten und auf dem Seeweg gen Westen aus der Gefahrenzone bringen sollten.

Die Evakuierung gehörte zu den von der Regierung Dönitz selbst gestellten Aufgaben – die sie aber nicht bzw. nur sehr mangelhaft realisierte.

Am 23. Mai 1945 verhafteten britische Soldaten Karl Dönitz sowie die Mitglieder seiner geschäftsführenden Reichsregierung und des Oberkommandos der Wehrmacht. Damit beendeten sie die dreiwöchige Amtszeit des Großadmirals und des Kabinetts Schwerin von Krosigk.

Ab dem 5. Juni 1945 galt mit der „Berliner Erklärung“ Besatzungsrecht, und die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion übernahmen die Regierungsgewalt.

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen, unterstrichenen Teilüberschriften und handschriftlichen Korrekturen
    Tagebucheintrag zu den Kapitulationsverhandlungen, 6. Mai 1945
  • Maschinengeschriebener Kurztext mit händischen Korrekturen, Unterstreichungen, Vermerken und Unterschrift
    Funkspruch von Generaloberst Alfred Jodl, 6. Mai 1945
  • Dokument mit Maschinentext mit strukturierten Absätzen und handschriftlichen Vermerken am oberen Rand
    Rundfunkansprache von Karl Dönitz, 8. Mai 1945 (Seite 1)
  • Dokument mit Maschinentext
    Rundfunkansprache von Karl Dönitz, 8. Mai 1945 (Seite 2)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten und nummerierten Absätzen
    Tagebucheintrag zur Frage der Existenzberechtigung der Regierung Dönitz, 8. Mai 1945 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten und nummerierten Absätzen sowie einer handschriftlichen Korrektur
    Tagebucheintrag zur Frage der Existenzberechtigung der Regierung Dönitz, 8. Mai 1945 (Seite 2)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit strukturierten Absätzen sowie unterstrichenen Textpassagen
    Tagebucheintrag zur Frage der Existenzberechtigung der Regierung Dönitz, 8. Mai 1945 (Seite 3)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit nummerierten Absätzen und handschriftlichen Korrekturen
    Tagebucheintrag zur Übergabe von Akten, 10. Mai 1945 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit handschriftlichen Korrekturen und Vermerken
    Tagebucheintrag zur Übergabe von Akten, 10. Mai 1945 (Seite 2)
  • Maschinengeschriebener Brief mit nummerierten Absätzen und handschriftlichen Vermerken
    Schreiben zu alliierten Meldungen über die Misshandlung von KZ-Häftlingen, 16. Mai 1945 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebener Brief mit nummeriertem Absatz und handschriftlicher Unterschrift
    Schreiben zu alliierten Meldungen über die Misshandlung von KZ-Häftlingen, 16. Mai 1945 (Seite 2)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit Absätzen
    Aufgaben der Reichsregierung Dönitz, 19. Mai 1945 (Seite 1)
  • Maschinengeschriebenes Dokument mit alphabetisch gegliederten Absätzen
    Aufgaben der Reichsregierung Dönitz, 19. Mai 1945 (Seite 2)
  • Schwarz-Weiß-Aufnahme mit drei Herren in Trenchcoats, die von uniformierten Soldaten begleitet werden.
    Verhaftung der Regierung Dönitz durch britische Soldaten (Mitte v. l. n. r.: Generaloberst Alfred Jodl, Albert Speer, Großadmiral Karl Dönitz), 23. Mai 1945

Verurteilung und Testament Dönitz’

Karl Dönitz wurde im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess am 1. Oktober 1946 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Aus dem Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau kam er im Oktober 1956 wieder frei.

Am 8. Mai 1975 verfasste Dönitz sein „politisches Testament“. Sein Rechtsanwalt Otto Kranzbühler übergab es nach dem Tod Dönitz’ (24. Dezember 1980) dem Bundespräsidialamt (B 122/27998 und B 136/15109).

  • Schwarz-Weiß-Fotografie mit mehreren Männern in Anzügen, die in einem Gerichtssaal auf der Anklagebank sitzen. Am Rand stehen mehrere uniformierte Polizisten.
    Karl Dönitz als Angeklagter im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, 1945/46 (hintere Reihe v. l. n. r.: Karl Dönitz, Erich Raeder, Baldur von Schirach; vordere Reihe v. l. n. r.: Hermann Göring, Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel, Ernst Kaltenbrunner)
  • Handschriftliches Dokument
    „Politisches Testament“ von Karl Dönitz, 8. Mai 1975 (Kopie, Seite 1)
  • Handschriftliches Dokument
    „Politisches Testament“ von Karl Dönitz, 8. Mai 1975 (Kopie, Seite 2)
  • Handschriftliches Dokument
    „Politisches Testament“ von Karl Dönitz, 8. Mai 1975 (Kopie, Seite 3)

Digitalisierung von Archivgut des Bundes

Das Bundesarchiv hat den gesamten Schriftgutbestand R 62 (Geschäftsführende Reichsregierung Dönitz) digitalisiert. Zusätzlich zu den hier präsentierten macht es zahlreiche weitere Archivalien zum Wirken der Regierung Dönitz online zugänglich. Mehr dazu finden Sie in unserem Rechercheleitfaden.

Mit seinen Memoiren und Interviews, die Dönitz in der Nachkriegszeit gab, prägte er die frühe Geschichtsschreibung und beschönigte seine und die Aktivitäten seiner Regierung. Außerdem relativierte der überzeugte Nationalsozialist immer wieder seine Verantwortung für Kriegsverbrechen. Als wichtiges Korrektiv kann die amtliche Überlieferung dienen, die jeder online einsehen kann.

Sabine Dumschat

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