Direkt zum Seiteninhalt springen
Einfahrt zum Universitätscampus in Saarbrücken um 1990

Einfahrt zum Universitätscampus in Saarbrücken um 1990, Quelle: Universitätsarchiv Saarbrücken

Die Überwachung der Universität des Saarlandes

Die Beobachtung der Universität des Saarlandes zeigt exemplarisch, wie die Stasi systematisch westdeutsche Hochschulen infiltrieren wollte, dabei jedoch häufig auf praktische Grenzen stieß. Wissenschaftsspionage, politische Einflussnahme und Rekrutierung von IMs standen im Zentrum der Strategie, doch der tatsächliche Nutzen war oft minimal.

Die Überwachung westdeutscher Universitäten durch die Staatssicherheit der DDR war ein zentraler Bestandteil ihrer Auslandsspionage. Hochschulen galten aus Sicht des MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... nicht nur als Orte wissenschaftlicher Forschung, sondern auch als „Hort politischer Indoktrination“ zukünftiger Eliten. Ziel war es, sowohl Forschungsinformationen aus den Natur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften abzuschöpfen, als auch Einfluss auf politisch relevante Studierende und Lehrende zu gewinnen. Besonders ins Visier nahm die Stasi jene Universitätsinstitute, die sich mit der DDR oder Ostforschung beschäftigten. Sie plante in ausgewählten Universitätsstädten sogenannte Stasi-Stützpunkte aufzubauen, von denen aus inoffizielle Mitarbeiter (IMInoffizieller MitarbeiterInoffizielle Mitarbeiter waren das wichtigste Instrument des Ministeriums für Staatssicherheit...) rekrutiert werden sollten.

Ausschnitt aus dem Dokument "Dienstanweisung 5/71 über die systematische operative Überwachung von Hochschulen und Universitäten in der Bundesrepublik"
Dienstanweisung 5/71 über die systematische operative Überwachung von Hochschulen und Universitäten in der BundesrepublikQuelle: BArch, MfS, BV Frankfurt (Oder), BdL, Nr. 1427, Bl. 1

Die Universität des Saarlandes in Saarbrücken stand in den 1980er-Jahren ebenfalls auf der Beobachtungsliste des MfS. Mit der ersten deutsch-deutschen Hochschulpartnerschaft zur Universität Leipzig 1987 rückte sie stärker ins Blickfeld der Stasi. Lehrende wie Prof. Dr. Brühl [Name geändert], der mit Studierenden regelmäßig die Leipziger Messen besuchte, wurden als „äußerst reaktionär und antikommunistisch“ eingestuft. Die Stasi dokumentierte akribisch seine Aktivitäten und die der Studierenden, insbesondere deren Kontakte und Reiseberichte, um negative Darstellungen der DDR zu verhindern.

Dokument in der Stasi-Mediathek ansehen

Ein anschauliches Beispiel der Stasi-Überwachung liefert der IMInoffizieller MitarbeiterInoffizielle Mitarbeiter waren das wichtigste Instrument des Ministeriums für Staatssicherheit... „Pfleger“. Laith [Name geändert], ein jordanischer Student an der Universität des Saarlandes, wurde 1983 als inoffizieller Mitarbeiter geworben. Durch seine Position im Allgemeinen Studentenausschuss und seine politischen Kontakte erhielt er Zugang zu wichtigen studentischen und lokalen politischen Kreisen. Ziel der Stasi war, über „Pfleger“ Informationen zu politischen Gruppierungen, Studierendenvertretern, Anti-Atom- und Friedensinitiativen sowie Lehrenden wie Prof. Brühl [Name geändert] zu erhalten.

Dokument in der Stasi-Mediathek ansehen

Trotz des hohen Aufwands blieb die Überwachung jedoch weitgehend erfolglos. „Pfleger“ lieferte nur wenig brauchbare Informationen, etwa Wahlprogramme oder Haushaltspläne, und konnte keine bedeutenden Kontakte für die Stasi rekrutieren. Persönliche Umstände, wie finanzielle Probleme und ein unterbrochenes Studium, führten zudem zum Abbruch wichtiger Verbindungen. Auch die geplante Ausweitung seiner Spionagetätigkeit, etwa über einen Ministerialbeamten, kam nicht zustande.

Weitere Informationen

  • Die Stasi und das Saarland
    Publikation

    Die Stasi und das Saarland

    Das Ministerium für Staatssicherheit spitzelte nicht nur in der DDR. Auch Saarländerinnen und Saarländer wurden überwacht und verfolgt.

  • Erich Honecker und Oskar Lafontaine im Gespräch in der saarländischen Staatskanzlei, 10. September 1987
    Themenbeitrag

    Aktion „Dialog“ – Erich Honeckers Besuch im Saarland 1987

    Mit der Aktion „Dialog“ überwachte die Stasi im Jahr 1987 den Besuch Erich Honeckers im Saarland. Für Honecker, der aus dem saarländischen Wiebelskirchen stammte, hatte die Reise auch eine persönliche Ebene. Das MfS bereitete sich auf mögliche Proteste und Störungen vor.

    Feierliche Ratifizierung der Städtepartnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt
    Themenbeitrag

    Freundschaft unter Kontrolle? Städtepartnerschaften zwischen dem Saarland und der DDR

    Wer kennt sie nicht: die Ortsschilder, die stolz auf Partnerstädte in Frankreich, Italien oder Österreich hinweisen. Dass es jedoch auch Partnerschaften über den Eisernen Vorhang hinweg gab, ist weniger bekannt – und oft waren diese engmaschig von der Stasi überwacht.