Einführende Informationen
Der Begriff „Schwere und mittlere Kampfschiffe der Reichs- und Kriegsmarine“ beschreibt Schlachtschiffe, Panzerschiffe sowie Schwere und Leichte Kreuzer.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs blieb der deutschen Marine, seit 1919 „Reichsmarine“ genannt, anders als im Fall der gemäß der Waffenstillstandsbedingungen an die Siegermächte abgelieferten Hochseeflotte, eine Basis an Kräften erhalten, die ihren Weiterbestand sichern konnte. Innerhalb der außerordentlich engen materiellen und personellen Limitationen des Versailler Vertrages wurde dem Reich, anders als 1945, der Schutz seiner maritimen Interessen wenigstens in seinen unmittelbar angrenzenden Gewässern erlaubt. Dazu wurde ein Grundbestand an großen Einheiten von acht alten Linienschiffen der Braunschweig- und Deutschland-Klasse sowie ebenso vielen Kleinen Kreuzern zugestanden, von denen jeweils zwei in Reserve verbleiben sollten. Ersatzbauten dieser aus der Zeit nach der Jahrhundertwende stammenden und zum Teil schon bei der Kaiserlichen Marine von der Front abgezogenen Schiffe waren erst nach einer Frist von 20 Jahren seit dem Stapellauf bei Linienschiffen und 15 Jahren bei den Kreuzern zulässig.
Nach einer Phase der Konsolidierung der Reichsmarine unter dem Chef der Admiralität Paul Behncke vom 31. August 1920 bis 30. September 1924, begann unter der Leitung des Admirals Hans Zenker der Ersatz des veralteten Schiffsmaterials. Aufgrund der geringen zur Verfügung stehenden Geldmittel war zunächst nur der Bau eines einzigen Kreuzers möglich, der 1925 unter dem Namen „Emden“ zur Flotte trat. In den folgenden Jahren wurde der Bau der wesentlich verbesserten Kreuzer der „K“-Klasse, „Königsberg“, „Karlsruhe“ und „Köln“, in Auftrag gegeben. 1928 folgte darauf die Inbaugabe des Kreuzers „Leipzig“ sowie der Neubau des „Panzerschiffes“ (gemäß dem in Deutschland wörtlich aufgefassten, französischen Terminus des Versailler Vertrages) „A“, der späteren „Deutschland“. Dieser folgten noch zwei weitere Panzerschiffe, „Admiral Scheer“ und „Admiral Graf Spee“. Im selben Jahr wurde Admiral Zenker in Folge der Lohmann Affäre durch Admiral Dr. h. c. Erich Raeder ersetzt, der ebenfalls über die Machtübernahme der Nationalsozialisten hinaus Chef der Marineleitung blieb.
Basierend auf der zunächst zurückhaltenden Flottenpolitik Adolf Hitlers kam es im Jahr 1935 zu einem die Stärke der deutschen Flotte auf 35 % der britischen begrenzenden Flottenabkommen, zu dessen Vertragsabschluss aber die beiden Schlachtschiffe „Scharnhorst“ und „Gneisenau“ bereits auf Stapel gelegt worden waren. Nur wenig später wurde der Bau der beiden ersten Schweren Kreuzer, „Admiral Hipper“ und „Blücher“, begonnen. Noch im gleichen Jahr folgten Aufträge für die „Bismarck“ als erstes vollwertiges Schlachtschiff sowie für einen dritten Schweren Kreuzer und zwei Flugzeugträger. 1936 brachte den Baubeginn des zweiten Schlachtschiffs der Bismarck Klasse, „Tirpitz“ und zweier weiterer Kreuzer. Während im darauf folgenden Jahr keinerlei Aufträge für größere Kriegsschiffe vergeben wurden, waren es 1938 vier Leichte Kreuzer.
Im Angesicht der an Umfang zunehmenden Flotte wurde mit Wirkung vom 1. April 1937 der Chef des Marinekommandoamts zugleich Chef des Stabes der Seekriegsleitung. Weitere Überlegungen führten 1938/1939 zur Bildung der Marinegruppenkommandos Ost (Swinemünde) und West (Wilhelmshaven), deren Aufgabe die Leitung der Seeoperationen in ihrem jeweiligen Bereich sein sollte, während der Flottenchef an Bord seines Flaggschiffes die taktische Führung zu übernehmen hatte.
Auf Befehl Hitlers vom 27. Januar 1939 wurde der sogenannte „Z-Plan“ in die Wege geleitet, der, unter dem Eindruck eines sich potenziell anbahnenden Konfliktes mit Großbritanniens Royal Navy, bis Mitte/Ende der 1940er Jahre vor allen anderen Rüstungsvorhaben durchgeführt werden sollte. So war bis 1948/49 ein Schiffsbestand von 10 Schlachtschiffen, 12 neuen Panzerschiffen, drei alten Panzerschiffen, vier Flugzeugträgern, fünf Schweren Kreuzern, 22 Leichten Kreuzern, 22 Spähkreuzern, 68 Zerstörern, 90 Torpedobooten, 249 U Booten, 10 Minenschiffen, 75 Schnellbooten, 227 Geleitbooten, Minensuchbooten, U-Jägern sowie 909 Betriebsfahrzeugen vorgesehen. Baukapazität, Rohstoffzuteilungen und die Frage der Finanzierung bewirkten allerdings bereits frühzeitig eine Verzögerung dieser Planungen. In Verbindung mit dem nach Kriegsbeginn verhängten Baustopp der sich bereits im Bau befindlichen Einheiten der Jahre 1938/39 zwecks Nutzung der vorhandenen Werftkapazitäten für den U-Boot-Bau und des Abbruchs des bereits verbauten Materials, bedeutete dies bereits in der frühesten Phase des Krieges ein Scheitern des Z-Plans.
Trotz der starken Unterlegenheit der deutschen Kriegsmarine kamen die schweren Einheiten von Kriegsbeginn an zum Einsatz, vornehmlich im atlantischen Tonnagekrieg gegen Großbritannien. Dabei erlitt die Kriegsmarine schon bald nach Kriegsbeginn einen schweren Rückschlag durch den Verlust des Panzerschiffs „Admiral Graf Spee“. Auch auf anderen Seekriegsschauplätzen traten schnell Verluste ein, so etwa auch bei der Besetzung Norwegens im April 1940, bei der die Marine den ganz neuen Schweren Kreuzer „Blücher“ und die beiden älteren Leichten Kreuzer „Karlsruhe“ und „Königsberg“ verlor. Den dritten und am schwersten wiegenden Verlust erlitt die Kriegsmarine im Mai 1941 mit dem Untergang des Schlachtschiffes „Bismarck“, nachdem dieses in einer Gefechtsbegegnung wenige Tage zuvor den britischen Schlachtkreuzer „Hood“ versenkt hatte. Zu Jahresbeginn 1942 wurden die seit mehr als einem Jahr zuvor in Brest liegenden schweren Einheiten „Scharnhorst“, „Gneisenau“ und „Prinz Eugen“, abgezogen und im „Unternehmen Cerberus“ durch den Ärmelkanal in ihre deutschen Marinebasen gebracht. Von 1942 an wurde Mittel- und Nordnorwegen zur Heimat der meisten großen deutschen Einheiten, von wo aus sie als Präsenzflotte Wirkung entfalten sollten. Der unergiebige Einsatz einer deutschen Kampftruppe gegen ein britisches Geleit in der Silvesternacht des Jahres 1942 stellte für Adolf Hitler jedoch einen Anlass dar, die Außerdienststellung und Verschrottung aller in seinen Augen nutzlos gewordenen großen Flotteneinheiten zu befehlen, was zum Abgang Großadmiral Raeders im Januar 1943 führte.
Sein Nachfolger, Großadmiral Karl Dönitz, erreichte eine wesentliche Abmilderung dieses Befehls. Ein kurz vor Jahresende 1943 durch ebenjenen befohlener Einsatz des Schlachtschiffes „Scharnhorst“ gegen ein Eismeergeleit, das den deutschen Heeresverbänden an der Ostfront Entlastung bringen sollte, endete mit dem Verlust des Schlachtschiffes, dessen Schwesterschiff „Gneisenau“ bereits im Vorjahr in Folge eines Bombentreffers zur Strecke gebracht worden war. 1944 sank daraufhin in Nordnorwegen die „Tirpitz“, 1945 in Hoheitsgewässern des Deutschen Reiches die Schweren Kreuzer „Admiral Scheer“ und „Admiral Hipper“, sowie die Leichten Kreuzer „Köln“ und „Emden“. Ab Anfang 1945 wurden im Rahmen der großen Evakuierungsaktionen mit der Bedrohung Ost- und Westpreußens durch die vordringenden sowjetischen Truppen aller verfügbarer Schiffraum bis hin zur Klasse der Schweren Kreuzer genutzt, um über zwei Millionen Soldaten, Flüchtlinge und Verwundete abzutransportieren. Zu Ende des Krieges blieben lediglich drei Kreuzer zurück. Zwei davon, „Prinz Eugen“ und „Leipzig“, überlebten das Jahr 1946 nicht mehr. Einzig die „Nürnberg“, seit 1946 unter dem Namen „Admiral Makarov“ der sowjetischen Baltischen Rotbannerflotte angehörend, blieb noch bis Anfang der 1960er Jahre im Dienst.
