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Cover der Publikation 'Die Stasi und das Saarland'

Cover der Publikation "Die Stasi und das Saarland", Quelle: Bundesarchiv/Stasi-Unterlagen-Archiv

Pressemitteilung

„Die Stasi und das Saarland“  

Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv präsentiert neues Dokumentenheft / Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen“  

„Glück auf, Erich Honecker“ ist auf den Transparenten zu lesen, mit denen die winkende und DDR-Fahnen schwenkende Menschenmenge im September 1987 die durch das saarländische Wiebelskirchen fahrende Autokolonne begrüßte. Der DDR-Staatsratsvorsitzende wurde von Neunkirchens Oberbürgermeister und der Wiebelskirchener Schalmeienkapelle empfangen, hielt eine Rede im Bürgerhaus und besuchte mit seiner Schwester sein Elternhaus. Gleichzeitig machte sich öffentlich Unmut breit. Es kam zu Demonstrationen gegen den Besuch, „Die Mauer muss weg“-Rufe ertönten, Plakate forderten Reisefreiheit und Menschenrechte für Bürgerinnen und Bürger der DDR. Diese und weitere Geschichten werden im neuen Dokumentenheft „Die Stasi und das Saarland“ erzählt – mit vielen Schriftstücken, Fotos und Skizzen. Das Heft gehört zum Angebot des Bundesarchivs – Stasi-Unterlagen-Archivs zum Tag der Deutschen Einheit, der am ersten Oktoberwochenende in Saarbrücken begangen wird.

Dokumentenheft „Die Stasi und das Saarland“:
Der Besuch Erich Honeckers im Saarland im September 1987 war ein historisches Ereignis: Es war die erste und einzige Reise eines Staatschefs der DDR in die Bundesrepublik während der Teilung Deutschlands –entsprechend groß war die Sorge in den Reihen der Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische...). Mit der Aktion „Dialog“ sollte die Stasi die persönliche Sicherheit Honeckers garantieren und mögliche Störungen verhindern. Neben den angekündigten Protesten registrierte das MfS bis Mitte Juli 1987 mehr als 30 Mord- und Gewaltandrohungen gegen Honecker.

Die Dokumente zeigen, wie die Stasi dabei vorging, z. B. wie die Inoffizielle Mitarbeiterin (IMInoffizieller MitarbeiterInoffizielle Mitarbeiter waren das wichtigste Instrument des Ministeriums für Staatssicherheit...) „Barbara“ im Auftrag der DDR-Geheimpolizei versuchte, die Identität eines anonymen Drohbriefschreibers aufzudecken. Die Stasi beobachtete die Proteste intensiv, sammelte Aufrufe und Informationen über geplante Veranstaltungen oder dokumentierte Aktionen wie den symbolischen Aufbau einer Mauer in Dillingen durch die „Junge Union“.

In der vorliegenden Dokumentation geht es auch um Städtepartnerschaften zwischen Städten des Saarlands und der DDR. Im April 1986 kam es zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt zu der ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaft – gegen den Willen des MfS, das persönliche Kontakte zwischen Ost und West fürchtete und deshalb versuchte, inoffizielle Mitarbeiter zu gewinnen. Die Stasi überwachte außerdem die Universität des Saarlandes sowie Wirtschaftsunternehmen.

Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen“ in Saarbrücken:
Aktion „Dialog“ nannte die Stasi nicht nur den Besuch Honeckers im Saarland, ebenso betitelte sie die Aktivitäten rund um den Besuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt in der DDR-Stadt Güstrow 1981. Vom Einsatz zur Absicherung des Besuchs und zur Verhinderung von Kontakten Schmidts mit der Bevölkerung zeugt eine großformatige Karte, die Einblicke in die Planung der Stasi und die Ängste der Geheimpolizei vor der eigenen Bevölkerung gibt. Die Karte ist Teil der bundesweiten Wanderausstellung „Alles Wissen Wollen“, die vom 15. September bis 10. Oktober in der Stiftung Demokratie Saarland zu sehen ist. Sieben Vitrinen zeigen Faksimiles von 21 Objekten aus den Beständen des Stasi-Unterlagen-Archivs.

Dazu gehört ein großer, handgefertigter Buchstabe „A“ (wie Ausreise) aus Alufolie und Krepp-Papier aus der Gegenstandsablage der Stasi. Ein Ehepaar hatte ihn 1985 ins Fenster seiner Wohnung gehängt, um den Wunsch zur Ausreise öffentlich zu dokumentieren – und musste deshalb in UntersuchungshaftUntersuchungshaftFreiheitsentziehende Zwangsmaßnahme zur Sicherung des Strafverfahrens. Die Untersuchungshaft begann.... Gezeigt wird auch ein Stasi-Observationsfoto aus Berlin 1986: Zu erkennen ist einer der Beteiligten des Attentats auf die West-Berliner Diskothek „La Belle“ beim Betreten der libyschen Botschaft in Ost-Berlin.

Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 15. September, um 18 Uhr mit einem Zeitzeugengespräch zwischen Juliane Haubold-Stolle (Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv) und dem DDR-Bürgerrechtler Karsten Dümmel. Zudem bietet das Stasi-Unterlagen-Archiv am Montag, 15. September, von 17 bis 20 Uhr und am Dienstag, 16. September, von 11 bis 14 Uhr eine Bürgersprechstunde an und berät zu Anträgen auf Einsicht in Stasi-Unterlagen.

Die Ausstellung ist vom 15. September bis 10. Oktober 2025 in der Stiftung Demokratie Saarland in der Europaallee 18 in Saarbrücken zu sehen. Sie ist montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Während des Einheitsfestes zum Tag der Deutschen Einheit vom Donnerstag, 2. Oktober, bis Samstag, 4. Oktober, ist die Ausstellung von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Service für Redaktionen

Zum Download: Online-Geschichten mit Dokumenten, Fotos und Skizzen Die Stasi und das Saarland“:

Honecker-Besuch:
https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/erich-honeckers-besuch-im-saarland-1987/

Städtepartnerschaft:
https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/freundschaft-unter-kontrolle-staedtepartnerschaften-zwischen-dem-saarland-und-der-ddr/

Uni im Visier der Stasi:
https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/die-ueberwachung-der-universitaet-des-saarlandes/

Die Autorin im Video:
https://www.youtube.com/watch?v=KhX2TbohVgY

Zum Download als PDF:
Publikation „Die Stasi und das Saarland“: https://www.bundesarchiv.de/publikationen/publikation/die-stasi-und-das-saarland/

Rezensionsexemplare für Presse und Interviewanfragen:
presse@bundesarchiv.de

Zur Ausstellung „Alles Wissen Wollen“:
Bilder zum Download und Kurzfilm

Kontakt zur Pressestelle

Elmar Kramer, Stellv. Pressesprecher

Pressesprecher

Elmar Kramer

Telefon: 030 18 665-7181
E-Mail: elmar.kramer@bundesarchiv.de