Die Diskussionen über den Weg und die Formen der Wiederbewaffnung standen unter der Prämisse, das künftige Militär in freiheitlich-demokratische Staats- und Gesellschaftsordnung einzubetten und als Teil eines kollektiven Verteidigungsbündnisses aufzustellen. Gleichzeitig gab es personelle Kontinuitäten: Ehemalige Wehrmachtoffiziere erarbeiteten die konzeptionellen Grundlagen und bildeten das erste Führungspersonal der späteren Bundeswehr.
Das Archivgut präsentiert ein vielschichtiges Bild des historischen Geschehens. Deutlich erkennbar sind die unterschiedlichen Denkansätze, die 1950 das Fundament der späteren bundesdeutschen Verteidigungspolitik und der Bundeswehr schufen.
Die Aktennotiz und der Konzeptionsentwurf stammen aus Archivgut mit der Signatur BArch, BW 9/3105. Diese Akte entstand bei der Zentrale für Heimatdienst und wurde später in das Registraturgut des Amtes Blank übernommen. Es handelt sich um eine Handakte des Grafen von Schwerin, in der persönliche Vermerke, Notizen und Entwürfe für Vortragsunterlagen abgelegt sind.
Die Denkschrift stammt aus dem Nachlass des ehemaligen Wehrmachtoberst Eberhard Graf von Nostitz. Er war einer der Mitverfasser der Himmeroder Denkschrift. Sein Nachlass wurde vom Bundesarchiv übernommen. Die Akte mit der Signatur BArch, N 3/4 enthält eine Sammlung persönlicher und amtlicher Aufzeichnungen zum Thema Wiederbewaffnung.
Zugleich benannte Bundeskanzler Adenauer im Mai 1950 offiziell den ehemaligen Wehrmachtsgeneral Gerhard Graf von Schwerin als Berater in Militär- und Sicherheitsfragen. Dessen kleiner Mitarbeiterstab trug die Tarnbezeichnung „Zentrale für Heimatdienst“ (ZfH) und war dem Bundeskanzleramt unterstellt.
Laut einer Aktennotiz von Schwerins vom 25. Mai 1950 beauftragte Adenauer den ehemaligen Offizier mit Planungen für den Aufbau einer „Bundesgendarmerie“. Diese sollte etwaige kommunistische Infiltrationsversuche bekämpfen und im Falle einer militärischen Auseinandersetzung die westlichen Alliierten unterstützen. In den Folgewochen dehnte von Schwerin seinen Auftrag auf die Aufstellung von Streitkräften aus. Ob dies eigenmächtig oder auf Geheiß Adenauers erfolgte, ist bis heute ungeklärt. Innerhalb der Bundesregierung konkurrierten von Schwerins Arbeitsstab und die Gruppe um Wildermuth miteinander, wenn es um die Vorstellung militärpolitischer Konzepte beim Bundeskanzler ging.
Die drei westlichen Besatzungsmächte und die Außenminister der NATO-Staaten erteilten auf einer Konferenz vom 12. bis 19. September 1950 in New York den konkreten Überlegungen zum Aufbau einer paramilitärischen Bundespolizei eine Absage. Zwischen den Zeilen kommunizierten die USA allerdings, dass sie einen militärischen Beitrag der Bundesrepublik auf freiwilliger Basis zur Verteidigung Westdeutschlands begrüßen würden. Angesichts dieser Entwicklung entsprachen die Überlegungen der Arbeitsgruppe unter Wildermuth zu westlicher Integration, staatlicher Souveränität und militärischem Schutz besser der außenpolitischen Strategie Adenauers.