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Außenansicht des Kölner Rathauses in den 1920er/30er Jahren

Kölner Rathaus, Quelle: BArch, Bild 183-J14629 / o. Ang.

Machtwechsel im Kölner Rathaus – Brief Konrad Adenauers zu seiner Entlassung aus dem Staatsdienst

Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers im Januar 1933 enthoben die Nationalsozialisten den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer seines Amtes. Nach seiner Entlassung aus dem Staatsdienst im Juli 1933 wandte er sich im Jahr darauf per Brief an das preußische Innenministerium und verwies auf seine politischen Verdienste im Rheinland.

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Historischer Hintergrund

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Der Machtwechsel an der Spitze des Deutschen Reichs bedeutete das Ende der Weimarer Republik – eines bei vielen verhassten politischen Systems, das aber auch Unterstützerinnen und Unterstützer hatte. So z. B. den prorepublikanischen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer.

Während der Weimarer Republik hatte Adenauer die NSDAP zwar als legale Partei angesehen und geglaubt, sie ließe sich durch eine Regierungsbeteiligung „zähmen“. Diese Annahme erwies sich nach Hitlers Machtantritt jedoch als Trugschluss. Adenauer positionierte sich gegen die neue Regierung und kritisierte wiederholt die antidemokratischen Maßnahmen der Nationalsozialisten.

Dazu gehörte u. a. Hermann Görings „Schießerlass“ vom 17. Februar 1933. Er erlaubte der preußischen Polizei den straffreien Einsatz der Schusswaffe gegen politische Gegnerinnen und Gegner. Aber auch die einschüchternde Präsenz von SA und SS während der Kommunalwahl in Köln am 12. März 1933 kritisierte Adenauer scharf.

Als Hitler im Vorfeld der Reichstagswahl Mitte Februar 1933 Köln besuchte, verzichtete Adenauer auf den Empfang des Reichskanzlers am Flughafen – mit der Begründung, Hitler sei als NSDAP-, nicht als Regierungschef in Köln. Außerdem ließ Adenauer die Hakenkreuzfahnen an der Deutzer Hängebrücke entfernen.

Es folgte eine intensive Hetzkampagne gegen Adenauer: Die NSDAP unterstellte dem Kölner Oberbürgermeister u. a. Misswirtschaft und separatistische Bestrebungen zur Gründung einer „Rheinischen Republik“ nach dem Ersten Weltkrieg.

Am 13. März 1933 marschierte ein wütender Mob auf das Kölner Rathaus zu. Die SA hatte zudem Stellung vor Adenauers Wohnhaus bezogen. Da dieser seine Festnahme oder sogar Ermordung fürchten musste, floh er aus Köln. Der Gauleiter von Köln-Aachen, Josef Grohé, erklärte Adenauer für abgesetzt und bestimmte Günter Riesen als kommissarischen Oberbürgermeister der Stadt.

Blick auf den Kölner Rathausturm mit gehisster Hakenkreuzfahne
Turm des Kölner Rathauses mit Hakenkreuzfahne im Jahr 1933Quelle: BArch, Bild 183-2024-0815-500 / o. Ang.

„Beamte, die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, können aus dem Dienst entlassen werden.“

§ 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933

Anfang April 1933 leitete der Kölner Regierungspräsident Hans Elfgen auf Veranlassung Adenauers selbst ein Dienststrafverfahren wegen Miss- und Vetternwirtschaft sowie Korruption gegen den abgesetzten Oberbürgermeister ein. Mangels Beweisen wurde dieses später aber wieder eingestellt. Außerdem wurde Adenauer vorläufig des Dienstes enthoben.

Am 17. Juli 1933 wurde Adenauer per Schreiben des preußischen Innenministeriums offiziell aus dem Dienst der Stadt Köln entlassen. Grundlage dafür war § 4 des am 7. April 1933 erlassenen Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, kurz: Berufsbeamtengesetz (BBG). Mit diesem Gesetz hatte das NS-Regime eine radikale Säuberung des öffentlichen Dienstes von politisch Unerwünschten eingeleitet.

Das Dokument

  • Schriftdokument mit Maschinentext, strukturierten und nummerierten Absätzen sowie in roter Farbe markierten Passagen
    Brief Konrad Adenauers an den preußischen Innenminister Wilhelm Frick zu seiner Entlassung aus dem Staatsdienst, 10. August 1934 (Abschrift, Seite 1)
  • Schriftdokument mit Maschinentext, strukturierten Absätzen sowie in roter Farbe markierten und unterstrichenen Passagen
    Brief Konrad Adenauers an den preußischen Innenminister Wilhelm Frick zu seiner Entlassung aus dem Staatsdienst, 10. August 1934 (Abschrift, Seite 2)
  • Schriftdokument mit Maschinentext, strukturierten Absätzen, in roter Farbe markierten und unterstrichenen Passagen sowie einem handschriftlichen Vermerk am linken Rand
    Brief Konrad Adenauers an den preußischen Innenminister Wilhelm Frick zu seiner Entlassung aus dem Staatsdienst, 10. August 1934 (Abschrift, Seite 3)
  • Schriftdokument mit Maschinentext, strukturierten Absätzen sowie in roter und blauer Farbe markierten und unterstrichenen Passagen
    Brief Konrad Adenauers an den preußischen Innenminister Wilhelm Frick zu seiner Entlassung aus dem Staatsdienst, 10. August 1934 (Abschrift, Seite 4)
  • Schriftdokument mit Maschinentext, strukturierten Absätzen sowie in roter Farbe markierten und unterstrichenen Passagen
    Brief Konrad Adenauers an den preußischen Innenminister Wilhelm Frick zu seiner Entlassung aus dem Staatsdienst, 10. August 1934 (Abschrift, Seite 5)

Am 10. August 1934 wandte sich Adenauer, der inzwischen in Neubabelsberg bei Potsdam wohnte, in einem Brief an den preußischen Innenminister Wilhelm Frick. Darin äußert er sein Unverständnis für seine Entlassung, v. a. für die Begründung, er sei „national unzuverlässig“.

Um diesen Vorwurf zu entkräften, schilderte Adenauer ausführlich seine „Verdienste um die Rettung der Deutschen Rheinlande“ zwischen 1918 und 1923. Außerdem bestritt er die Vorwürfe, in dieser Zeit separatistische Bestrebungen zur Abtretung des Rheinlandes unterstützt zu haben – ganz im Gegenteil: Er habe sich deutlich gegen diese positioniert. Am Ende des Schreibens bat Adenauer Frick darum, die Entscheidung zu seiner Entlassung auf Grundlage von § 4 des Berufsbeamtengesetzes noch einmal zu überprüfen.

Adenauer wandte sich zu einer Zeit an das preußische Innenministerium, als er die Repressalien des NS-Regimes bereits am eigenen Leib erfahren hatte: Nach der Flucht aus Köln und der Zerstörung seiner beruflichen Existenz hatte ihn die Gestapo im Zuge des „Röhm-Putsches“ vom 30. Juni 1934 für kurze Zeit festgenommen.

Die hier präsentierte Maschinenabschrift von Adenauers Brief ist im Nachlass von Franz und Käte Dahlem überliefert. Der ehemalige NS-Widerstandskämpfer Hans Schwarz hatte sie Ende März 1970 an Franz Dahlem geschickt, da der Brief Informationen zur „Rheinischen Republik“ enthält.

Dahlem gehörte zwischen 1919 und 1923 als Mitglied der USPD, später der KPD der Kölner Stadtverordnetenversammlung an. In den 1920er Jahren war er an der Organisierung des Kampfes gegen die Ruhrbesetzung und die Separatistenbewegung im Rheinland beteiligt.

Weiterführende Informationen

Mehr zum Thema

  • Text in Maschinenschrift mit händischer Unterschrift
    Dokument zur Zeitgeschichte

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    Zwei Jahre nach seiner Entlassung aus dem Staatsdienst wandte sich Kölns ehemaliger Oberbürgermeister Konrad Adenauer im April 1935 an die Reichskanzlei. Seine Bitte: öffentlich Stellung nehmen zu dürfen gegen Vorwürfe, nach dem Ersten Weltkrieg separatistische Bestrebungen verfolgt zu haben.

  • gedruckte, in zwei Spalten aufgeteilte Seite mit Paragrafen, Absätzen und Gesetzestext; rot markierte Überschrift; handschriftliche Vermerke am rechten Rand
    Geschichtsgalerie

    7. April 1933: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums

    Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 leitete das nationalsozialistische Regime eine radikale Säuberung des öffentlichen Dienstes ein.

  • gedruckte Seite mit einem Fragebogen, auf dem gepunktete Zeilen für Angaben wie Name, Wohnort, Amtsbezeichnung und so weiter freigelassen sind
    Rechercheleitfaden

    Berufsbeamtentum im Nationalsozialismus

    Auf dieser Seite finden Sie Recherchehinweise zu Archivgut des Bundes zum Berufsbeamtentum in der NS-Zeit.