Die Beurteilung der Deutschen Bruderhilfe aus Sicht der Stasi lässt sich anhand der Aktenlage als zwiespältig beschreiben. Einerseits beschäftigte sich die Stasi intensiv mit dem Verein; verschiedene Abteilungen und Diensteinheiten setzten sich immer wieder mit ihm auseinander. Schon eine „Verbindung“ zur Bruderhilfe war verdächtig – bereits der einmalige Empfang einer Sendung reichte aus, um das MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... auf den Plan zu rufen. 1968/69 ließ der stellvertretende Minister für Staatssicherheit Bruno BeaterBeater, Bruno05.02.1914 - 09.04.1982
(1914–1982) mehrere detaillierte Studien zur „Aufklärung“ von Paketversandorganisationen erstellen, in denen die Deutsche Bruderhilfe neben anderen Hilfsorganisationen untersucht und recht prominent abgehandelt wurde.
Wenn es in die Argumentation passte, wurde die Bruderhilfe bisweilen auch als eine besondere Bedrohung dargestellt: So wurde sie in einer Diplomarbeit, verfasst an der Hochschule des MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... im Jahr 1973, zum „Kreis der gefährlichsten Organisationen, die straff organisiert sind“, gezählt.
Andererseits wurde die Deutsche Bruderhilfe formal nicht als „Feindorganisation“ eingestuft. So existieren keine umfangreichen Stasi-Unterlagen zum Verein selbst oder zu relevanten Persönlichkeiten. Auch die Auskünfte zur Bruderhilfe, die die Berliner Stasi-Zentrale bei Bedarf an andere MfS-Dienststellen verschickte, zeugen von einer geringen Informationsdichte und einem veralteten Wissensstand, der dem eigenen Bedarf an Informationen nicht gerecht wurde. Insgesamt deutet die heutige Aktenlage nicht darauf hin, dass das MfS die Deutsche Bruderhilfe als besonders relevant für seine Arbeit eingeschätzt hätte.
Dabei kam dem Verein wohl auch zugute, dass er sich bereits kurz nach seiner Gründung gegen eine direkte Zusammenarbeit mit explizit antikommunistischen Gruppen wie der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ oder dem „Untersuchungsausschuss freiheitlicher Juristen“ entschieden hatte. Das in späteren Jahren eher geringe Interesse der Stasi, wie es sich in den Akten zeigt, hängt wohl auch damit zusammen, dass die Hochzeiten der Bruderhilfe Ende der 1960er Jahre bereits hinter ihr lagen. Ob die Stasi die Bruderhilfe in den 1950er Jahren womöglich intensiver im Visier hatte, lässt sich anhand der überlieferten Akten nicht mehr feststellen.