Wirtschaftsspionage am Hafen
Seit jeher spielen Handel und Seefahrt und mit ihnen die Häfen eine wesentliche Rolle in Bremens Wirtschaft. Als „Tor zur Welt“ verbanden sie die Stadt mit internationalen Warenströmen und Märkten. Der in den 1960er Jahren errichtete Containerhafen in Bremerhaven gehört zu den größten der Welt und der Fischereihafen ist nach wie vor ein bedeutendes Zentrum für den Umschlag und die Verarbeitung von Fisch. Der Schiffsbau prägte Bremen über Jahrzehnte hinweg als zentraler Wirtschaftszweig, ehe die Werften durch Globalisierung und Ölkrisen zunehmend in schweres Fahrwasser gerieten.
Diese wirtschaftliche Bedeutung machte die Bremer Häfen für das MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... interessant. Es versuchte, die Bremer Werften auszuspionieren, die sie als Konkurrenz für den DDR-Schiffsbau betrachtete. Umgekehrt sah es das MfS als seine Aufgabe an, den Abfluss von Informationen aus den volkseigenen Betrieben (VEB) zu Bremer Werften und Hafenfirmen zu verhindern bzw. zu kontrollieren. Deswegen überwachte es gezielt die Beziehungen von DDR-Beschäftigten zu bremischen Geschäftsleuten und Unternehmen. Zudem wollte die Stasi grundsätzlich auf dem Laufenden über die Firmen und die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik sein.
Informationen aus dem Wirtschaftszweig Schiffsbau sammelten vor allem die als Auslandsgeheimdienst agierende Hauptverwaltung AHauptverwaltung ASpionageabteilung des MfS, deren Bezeichnung sich an die der Spionageabteilung des KGB, 1.... (HV AHauptverwaltung ASpionageabteilung des MfS, deren Bezeichnung sich an die der Spionageabteilung des KGB, 1....) und die ihr fachlich unterstellten Abteilungen XV der Bezirksverwaltungen (BVBezirksverwaltungIm Zusammenhang mit der Verwaltungsreform der DDR vom Sommer 1952 wurden die fünf...) Schwerin und Rostock. 1971 bündelte die HV A ihre im Bereich Wirtschafts- und Industriespionage tätigen Diensteinheiten im Sektor Wissenschaft und Technik. Dieser beschaffte Hochtechnologie aus dem Westen und war bestrebt, Kenntnisse über wissenschaftlich-technische Entwicklungen und Patente zu erlangen. Zudem wertete er die Spionageergebnisse so aus, dass sie möglichst schnell den DDR-Betrieben zugutekamen und die Wirtschaft stärkten.
Einige Bremer Werften standen dadurch als sogenannte Schwerpunktobjekte besonders im Fokus des MfS, so etwa die Lürssen-Werft, die bereits in den 1950er Jahren Boote für die Bundesmarine plante und baute. Der westdeutsche Schiffbau war für die DDR strategisch bedeutsam und um ihn auszuspionieren, nutzte die Stasi systematisch Kontakte ihrer IMInoffizieller MitarbeiterInoffizielle Mitarbeiter waren das wichtigste Instrument des Ministeriums für Staatssicherheit... zu Angestellten der Bremer Unternehmen. In einem Fall war es ihr sogar gelungen, einen Beschäftigten der AG „Weser“, einer der bedeutendsten Bremer Werften, als Spion anzuwerben.



