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Schiff mit Namen "Esso Hamburg" verlässt den Hafen

Stapellauf des Tankers „Esso Hamburg“, Quelle: StAB, 10.B, FS I 29, Nr. 2

Kontrolle am Kai

Die bremischen Häfen waren ein wichtiges Spionageziel für die Staatssicherheit der DDR. Sie sammelte hier Informationen über Werften, Reedereien, Fischereibetriebe sowie Containerterminals und rekrutierte dafür Angestellte aus diesen Unternehmen als inoffizielle Mitarbeiter. Auch die Besatzung der in Bremen anlegenden DDR-Schiffe wurde von der Stasi überwacht.

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Wirtschaftsspionage am Hafen

Seit jeher spielen Handel und Seefahrt und mit ihnen die Häfen eine wesentliche Rolle in Bremens Wirtschaft. Als „Tor zur Welt“ verbanden sie die Stadt mit internationalen Warenströmen und Märkten. Der in den 1960er Jahren errichtete Containerhafen in Bremerhaven gehört zu den größten der Welt und der Fischereihafen ist nach wie vor ein bedeutendes Zentrum für den Umschlag und die Verarbeitung von Fisch. Der Schiffsbau prägte Bremen über Jahrzehnte hinweg als zentraler Wirtschaftszweig, ehe die Werften durch Globalisierung und Ölkrisen zunehmend in schweres Fahrwasser gerieten.

Diese wirtschaftliche Bedeutung machte die Bremer Häfen für das MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... interessant. Es ver­suchte, die Bremer Werften auszuspionieren, die sie als Konkurrenz für den DDR-Schiffsbau betrachtete. Umgekehrt sah es das MfS als seine Aufgabe an, den Abfluss von Informationen aus den volkseigenen Betrieben (VEB) zu Bremer Werften und Hafenfirmen zu verhindern bzw. zu kontrollieren. Deswegen überwachte es gezielt die Beziehungen von DDR-Beschäftig­ten zu bremischen Geschäftsleuten und Unternehmen. Zudem wollte die Stasi grundsätzlich auf dem Laufenden über die Firmen und die wirt­schaftliche Entwicklung der Bundesrepublik sein.

Informationen aus dem Wirtschaftszweig Schiffsbau sammelten vor allem die als Auslandsgeheimdienst agierende Hauptverwaltung AHauptverwaltung ASpionageabteilung des MfS, deren Bezeichnung sich an die der Spionageabteilung des KGB, 1.... (HV AHauptverwaltung ASpionageabteilung des MfS, deren Bezeichnung sich an die der Spionageabteilung des KGB, 1....) und die ihr fachlich unterstellten Abteilungen XV der Bezirksverwaltungen (BVBezirksverwaltungIm Zusammenhang mit der Verwaltungsreform der DDR vom Sommer 1952 wurden die fünf...) Schwerin und Rostock. 1971 bündelte die HV A ihre im Bereich Wirtschafts- und Industriespionage tätigen Diensteinheiten im Sektor Wissenschaft und Technik. Dieser be­schaffte Hochtechnologie aus dem Westen und war bestrebt, Kenntnisse über wissenschaftlich-technische Entwicklungen und Patente zu erlangen. Zudem wertete er die Spionageergebnisse so aus, dass sie möglichst schnell den DDR-Betrieben zugutekamen und die Wirtschaft stärkten.

Einige Bremer Werften standen dadurch als so­genannte Schwerpunktobjekte besonders im Fokus des MfS, so etwa die Lürssen-Werft, die bereits in den 1950er Jahren Boote für die Bundesmarine plante und baute. Der westdeutsche Schiffbau war für die DDR strategisch bedeutsam und um ihn auszu­spionieren, nutzte die Stasi systematisch Kontakte ihrer IMInoffizieller MitarbeiterInoffizielle Mitarbeiter waren das wichtigste Instrument des Ministeriums für Staatssicherheit... zu Angestellten der Bremer Unternehmen. In einem Fall war es ihr sogar gelungen, einen Beschäftigten der AG „Weser“, einer der bedeutendsten Bremer Werften, als Spion anzuwerben.

  • Reiseplan des IM "Willy" zum Treff mit IM "Werner" im Operationsgebiet, 20.3.1968
    Reiseplan des IM „Willy“ zum Treff mit IM „Werner“ im Operationsgebiet, 20. März 1968
  • Reiseplan des IM "Willy" zum Treff mit IM "Werner" im Operationsgebiet, 20.3.1968
    Reiseplan des IM „Willy“ zum Treff mit IM „Werner“ im Operationsgebiet, 20. März 1968

Dieser Mann arbeitete unter dem Decknamen „Werner“ als inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi und lieferte zwischen 1964 und 1969 Informationen aus dem Schiffbau sowie aus den rüstungsrelevanten Vereinigten Flugtechnischen Werken in Bremen.

„Werner“ beschaffte dem MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... u. a. technische Details zu Turbinen und übergab Proben von neu entwickelten Schiffslacken. Solche Materialien waren für die DDR von Interesse, da sie Rückschlüsse auf den techno­logischen Stand westdeutscher Werften zuließen und im Idealfall für die eigene Industrie nutzbar waren.

Flucht von Seeleuten

Auf ihrer Weiterfahrt in entferntere Gefilde legten in Bremen regelmäßig DDR-Schiffe an. Die Abteilung Hafen war für die Auswahl der Besatzungen zuständig. Sie überprüfte nicht nur jeden Mitfahrenden intensiv, es durfte auch niemand der Besatzung alleine auf Landgang. Trotzdem geschah es immer wieder, dass Seeleute ihre Aufenthalte zur Flucht nutzten.

Die Stasi untersuchte stets die Umstände und Motive der Geflüchteten, holte Erkundigungen in der Schiffscrew ein, bereitete Postkontrollen vor und suchte nach Möglichkeiten, die Geflohenen zurück in die DDR zu holen.

In Bremen fanden die DDR-Seeleute oft Zuflucht im Seemannsheim und versuchten dann anzu­heuern. In der Unterkunft kursierten Gerüchte darüber, dass der lange Arm der DDR-Behörden bis in die Bundesrepublik reiche. Aus diesem Grund riet etwa der Heimleiter einem Geflüch­teten, seine neue Adresse und Telefonnummer nicht an Verwandte in der DDR weiterzugeben. Auch wenn die Seeleute oft Arbeit bei Bremer Fischereien oder im Hafen fanden, so trieb einige doch das Heimweh wieder in die DDR.

Schwarzweißaufnahme des Seemannsheims
Stasi-Beobachtung der Bremer Innenstadt – Seemannsheim und Seemannsfrauenheim, 8. Mai 1972Quelle: BArch, MfS, GH, Nr. 352/79, Bd. 2, Bl. 145 (Ausschnitt)

Weitere Informationen

  • Die Stasi und Bremen
    Publikation

    Die Stasi und Bremen

    Das Ministerium für Staatssicherheit spitzelte nicht nur in der DDR. Auch Bremerinnen und Bremer wurden überwacht und verfolgt.

  • Thomas Doll mit jubelnden BFC-Fans nach dem 3:0 Sieg gegen Werder Bremen im Hinspiel des Europapokals der Landesmeister am 6. September 1988
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    Die Flutlichter erhellten den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (kurz: Jahn-Sportpark) in Ost-Berlin an diesem 6. September 1988. Im Europapokal der Landesmeister traf im Hinspiel der SV Werder Bremen auf den Berliner Fußball Club Dynamo (BFC). Während sich auf dem Platz alles um Taktik und Tore drehte, spielte sich auf den Rängen ein anderes Spiel ab – eines um Kontrolle und Information.

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