
Die Notaufnahmelager in Uelzen (Niedersachsen) und Gießen (Hessen) zählten zu den größten Überwachungsprojekten der Stasi in der Bundesrepublik. Flüchtlinge, die illegal die DDR verließen, und Übersiedler, die offiziell über einen Ausreiseantrag ausreisten, mussten hier eine Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik beantragen. Beide Aufnahmeeinrichtungen galten für die Staatssicherheit als feindliche Objekte – die Stasi- Offiziere nannten sie „Filtrierorgane des Adenauerregimes“, „Instrumente der psychologischen Kriegsführung“ oder „Werkzeuge zur Herbeiführung einer Massenflucht“.
Doch was genau störte die Geheimpolizei der SED an diesen Einrichtungen? Warum beschäftigte sie sich fast obsessiv mit ihnen? Drei Aspekte machten die Lager in Gießen und Uelzen für Stasi-Offiziere interessant: Zum einen kamen hier Menschen zusammen, die der DDR den Rücken gekehrt hatten. Aus Sicht der SED und der Staatssicherheit handelte es sich um „Republikflüchtige“ – und damit um Straftäter, die – so die Unterstellung – von diesen Lagern aus gezielt in den Westen gelockt wurden.



