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Filmteam der Fox

Filmteam der Fox' Tönende Wochenschau mit Ausrüstung vor dem Olympiastadion in Vorbereitung auf die Sommerspiele in Berlin, Quelle: BArch, Bild 102-17621 / Pahl, Georg

Die Olympischen Sommerspiele 1936 in Rundfunk, Fernsehen und Film

Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin waren das bis dato wahrscheinlich größte Medienereignis der Welt. Etwa 1.800 Pressevertreterinnen und - vertreter aus 59 Ländern, 117 akkreditierte Fotografinnen bzw. Fotografen sowie 41 ausländische Rundfunkgesellschaften waren angemeldet. Sowohl im Rundfunk als auch im Kino und Fernsehen spielten die Olympischen Spiele eine wichtige Rolle.

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Olympia im Rundfunk

Am 29. Oktober 1923 nahm am Potsdamer Platz in Berlin der erste Radiosender Deutschlands seinen Betrieb auf. Zu dieser Zeit gab es nur 250 Rundfunkempfänger im ganzen Deutschen Reich. In den Jahren danach entstanden im ganzen Land zahlreiche Sender, die Hörerschaft stieg schnell an. Während das Radio in der Weimarer Republik größtenteils unbeeinflusst von der Politik agierte, änderte sich das nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933. Propagandaminister Joseph Goebbels machte den Rundfunk zum Massenmedium. Bereits im August desselben Jahres wurde der „Volksempfänger“ auf der Funkausstellung in Berlin vorgestellt. Er war preislich erschwinglich, so dass sich die Zahlen der Rundfunkteilnehmer bis 1939 mehr als verdreifachten. Das Radio wurde zum wichtigen Mittel der Nationalsozialisten zur Beeinflussung der Bevölkerung.

Während der Sommerspiele in Berlin hatten die Deutsche Reichspost und die Reichsrundfunkgesellschaft ein umfangreiches Programm für den Rundfunk vorbereitet. Über 350 Sendungen mit einer Gesamtdauer von 185 Stunden waren geplant. Dafür gab es allein auf dem „Reichssportfeld“, dem Zentrum der Olympischen Sommerspiele, mehr als 200 Mikrofon-Anschlüsse und im Olympiastadion 20 geschlossene Sprecherkabinen. So war eine Live-Übertragung der Wettkämpfe sichergestellt. Neben der Sportberichterstattung gab es ein musikalisches und unterhaltendes Rahmenprogramm im Rundfunk. Eine sogenannte „Fliegende Redaktion“ war während der Spiele zudem mit vier Übertragungswagen in ganz Berlin unterwegs, um Interviews aufzunehmen und Randnotizen der Olympischen Spiele zu dokumentieren.

Die Schaltzentrale der Rundfunkübertragungen lag direkt unterhalb der „Führerloge“ im Olympiastadion. Hier liefen alle Übertragungen zusammen – sowohl aus dem Olympiastadion selbst, als auch von den anderen Wettkampfstätten wie den Ruderanlagen in Berlin-Grünau oder in Kiel, wo die Segelwettbewerbe stattfanden. Vom Olympiastadion aus wurden die Rundfunksignale an die 41 Sendeanstalten weitergeleitet – im In- und Ausland.

Familie im Wohnzimmer beim Radiohören mit Volksempfänger, Typ VE 301 (1933/1943 ca.)
Familie im Wohnzimmer beim Radiohören mit Volksempfänger, Typ VE 301 (1933/1943 ca.)Quelle: BArch, Bild 146-1978-056-04A / o. Ang.

Auch Menschen, die gerade nicht in der Nähe eines Radios waren, sollten Teil der Spiele sein: In Berlin und in anderen deutschen Großstädten waren Lautsprecher auf öffentlichen Plätzen angebracht worden. Sie übertrugen die Live-Sendungen des Rundfunks. Diese Maßnahme sollte die Begeisterung für die Sommerspiele in der Bevölkerung hochhalten.

  • Plakat zu Volksempfänger (1936)
    Plakat zum Volksempfänger (1936)

Olympia im Fernsehen

Kombinierter Fernseh- und Rundfunkempfänger der Firma Telefunken (1933)
Kombinierter Fernseh- und Rundfunkempfänger der Firma Telefunken (1933)Quelle: BArch, Bild 183-R26738 / o. Ang.

Der erste Fernsehsender der Welt ging am 22. März 1935 in Berlin erstmals auf Sendung. Zum Programm des „Fernsehsenders Paul Nipkow“ gehörten tägliche Sendungen wie Nachrichten und Diskussionsrunden, aber auch Kurzfilme und Varieté-Shows.

Die Entwicklung dieser technischen Neuheit war vor allem eine propagandistische Maßnahme der Nationalsozialsten, um die „überlegene Fortschrittlichkeit“ deutscher Technik zu demonstrieren. Denn sie hatten erfahren, dass auch im Vereinigten Königreich ein Fernsehsender in Betrieb genommen werden sollte. Als neues „Massenmedium“ nutzte das NS-Regime das Fernsehen jedoch nicht: Im August 1936 gab es etwa im gesamten Berliner Stadtgebiet 27 öffentliche Fernsehstuben. Nur in rund 50-75 Privathaushalten standen Fernsehgeräte, da diese sehr teuer waren. Aufgrund seiner niedrigen Reichweite spielte das Fernsehen in der NS-Propaganda daher nur eine untergeordnete Rolle.

Der „Fernsehsender Paul Nipkow“ berichtete bis zu acht Stunden am Tag über die Olympischen Sommerspiele 1936. Von der Eröffnungsfeier im Olympiastadion am 1. August 1936 produzierte der TV-Sender eine Live-Übertragung. Dabei filmte er von drei Übertragungsstellen aus: Die erste lag im Olympiastadion unter der Ehrentribüne, die zweite im Schwimmstadion und die dritte über dem Marathontor. Zusätzlich gab es sogenannte „Zwischenfilmwagen“, also Autos, auf deren Dächern Kameras befestigt waren. Die Eröffnungsfeier verfolgten knapp 1.000 Menschen in den Fernsehstuben. Damit waren die Sommerspiele in Berlin das erste live übertragene Ereignis der Fernsehgeschichte.

  • Fernsehkamera im Einsatz bei den 100-Meter-Vorläufen im Olympiastadion
    Fernsehkamera im Einsatz bei den 100-Meter-Vorläufen im Olympiastadion

„Am heutigen Tage der feierlichen Eröffnung der 9. Olympischen Sommerspiele beginnen wir mit einer Filmsendung von den ‚Vorbereitungen der Olympischen Spiele‘ und werden uns anschließend auf das Maifeld umschalten, um Ihnen einen Stimmungsbericht vom Reichssportfeld zu verschaffen.“

Ansage auf dem „Fernsehsender Paul Nipkow“ bei seiner Liveübertragung der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in Berlin am 1. August 1936

Der „Fernsehsender Paul Nipkow“ berichtete nicht nur über die olympischen Wettkämpfe: Seine Reporter fertigten u. a. auch einen Bericht über das Olympische Dorf bei Dallgow an. Dabei interviewte ein Reporter des Senders ausländische Sportler sowie Angestellte des Olympischen Dorfes wie einen Wachsoldaten oder die Köche im Speisehaus.

Andere Filmbeiträge über die Olympischen Spiele wurden nicht im Fernsehen, sondern im Kino als Teil des Vorprogrammes ausgestrahlt. Ein Filmteam der „Fox Tönenden Wochenschau“, der deutschen Abteilung der US-amerikanischen Produktionsfirma „Fox Movietone News“, zeigte auf den vorliegenden Fotos einem Pressefotografen ihr Equipment. Dazu zählten neben mehreren Kameras auch drei Tonwagen, in denen die Tonverarbeitung stattfand.

Die Olympia-Filme von Leni Riefenstahl

Wie die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen sollten auch die Sommerspiele in Berlin in einem Film festgehalten werden. Als Regisseurin beauftragte das Propagandaministerium Leni Riefenstahl. Diese hatte bereits die Filme „Sieg des Glaubens“ sowie „Triumph des Willens“ über die Reichsparteitage der NSDAP 1933 und 1934 gedreht. Die propagandistischen Filme waren kommerzielle Erfolge gewesen: 20 Millionen Menschen hatten allein „Sieg des Glaubens“ im Kino gesehen – ganz im Sinne von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Ähnliche Massenwirkung sollte auch der Olympia-Film von Leni Riefenstahl erzielen.

„Der Film über die olympischen Spiele soll einen starken propagandistischen Wert besitzen, er soll für den olympischen Gedanken und für das neue Deutschland im Inlande und im Auslande werben.“

Aus einem Schreiben des Reichsfinanzministerium vom 31. Oktober 1935
Quelle: BArch, R 2/4788, Image 0443

Riefenstahl setzte mit ihrem Zweiteiler „Olympia“ die Olympischen Spiele in Berlin in direkte Verbindung mit dem antiken Griechenland. Den Prolog des Filmes drehte sie u. a. auf der Athener Akropolis. Für den Zweiteiler nutzte Riefenstahl die modernsten Kameras und entwickelte neuartige Filmtechniken. An den Wettkampfstätten ließ sie Gruben ausheben, aus denen die Kameraleute die Athletinnen und Athleten aus der „Froschperspektive“ filmten – diese Perspektive ließ sie heroischer wirken. Riefenstahl und ihre Kollegen entwickelten Schienen, auf denen Kameras fuhren, filmten die Schwimmer unter Wasser und befestigten den Marathonläufern Kameras an ihren Körpern. Dabei filmte Riefenstahl nicht immer die tatsächlichen Wettbewerbe mit: Der Leichtathletik-Star und mehrfache Olympiasieger Jesse Owens etwa musste seinen Weitsprung für Riefenstahls Film noch einmal nachstellen.

Insgesamt fertigten Riefenstahl und ihre Kameraleute 400 Kilometer Filmmaterial an. Dementsprechend dauerte die Postproduktion des Films auch über anderthalb Jahre – entgegen der ursprünglichen Planung des Propagandaministeriums. Dieses wollte den Film zeitnah nach den Sommerspielen veröffentlichen. Auch die Produktionskosten waren deutlich höher als ursprünglich veranschlagt: Anstatt 1,5 Millionen Reichsmark (RM) kostete der Film schlussendlich 2,8 Millionen RM. 250.000 Reichsmark waren dabei allein für Riefenstahls „Auslagen (für Reisen, Aufwendung, Kraftwagen usw) und persönliche Vergütung“ vorgesehen.

  • Vertragsentwurf zwischen Reichspropagandaministerium und Leni Riefenstahl zur Herstellung eines Films zu den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin
    Vertragsentwurf zwischen Reichspropagandaministerium und Leni Riefenstahl zur Herstellung eines Films zu den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin, Seite 1
  • Vertragsentwurf zwischen Reichspropagandaministerium und Leni Riefenstahl zur Herstellung eines Films zu den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin
    Vertragsentwurf zwischen Reichspropagandaministerium und Leni Riefenstahl zur Herstellung eines Films zu den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin, Seite 2
  • Pressenotiz zur Übertragung der Aufgabe der Erstellung eines Olympia-Films an Leni Riefenstahl und die „Olympia-Film GmbH“ durch den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels
    Pressenotiz zur Übertragung der Aufgabe der Erstellung eines Olympia-Films an Leni Riefenstahl und die „Olympia-Film GmbH“ durch den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels

Die Uraufführung von „Olympia“ fand schließlich am 20. April 1938 im Ufa-Palast in Berlin statt – am Tag von Adolf Hitlers 49. Geburtstag. Die Nationalsozialisten feierten „Olympia“, wie auch die Zuschauerinnen und Zuschauer in den meisten europäischen Ländern. Dies war jedoch nicht überall auf der Welt der Fall: Im November 1938 tourte Riefenstahl durch die Vereinigten Staaten, um „Olympia“ zu bewerben. Doch die USA zeigten den Film aufgrund der Novemberpogrome in Deutschland sowie wegen Riefenstahls Nähe zum Nationalsozialismus nicht regulär im Kino.

Das Olympiajahr 1936: Eine Chronologie

1936 blickte die Welt nach Deutschland: Vom 6. bis 16. Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele; die Sommerspiele richtete die Reichshauptstadt Berlin vom 1. bis 16. August aus. Das nationalsozialistische Regime erkannte die Möglichkeiten, die das Großereignis für seine Propaganda bot: Der deutsche NS-Staat konnte sich auf der Weltbühne als friedliebende Nation präsentieren – obwohl er Jüdinnen, Juden und Andersdenkende verfolgte, die ersten Konzentrationslager errichtete und heimlich für einen Krieg aufrüstete.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Chronologie zum Olympiajahr 1936. Darin finden Sie zahlreiche Beiträge zum Verlauf der Olympischen Winter- und Sommerspiele 1936 sowie zu weiteren Ereignissen des Jahres 1936 mit einer Auswahl an Archivgut aus dem Bundesarchiv.

  • Siegerehrung im modernen Fünfkampf bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin
    Themenseite

    Olympia 1936 im nationalsozialistischen Deutschland

    1936 fanden die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Deutschland statt – und damit das größte Sportereignis der Welt. Die Nationalsozialisten nutzten es für ihre Propaganda. Zum 90. Jahrestag der Spiele präsentiert das Bundesarchiv Archivalien aus dem Olympiajahr 1936.