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Lager- und Verkaufsraum der „Kunst und Antiquitäten GmbH“ in Mühlenbeck bei Berlin, ca. 1986/87

Lager- und Verkaufsraum der „Kunst und Antiquitäten GmbH“ in Mühlenbeck bei Berlin, ca. 1986/87, Quelle: BArch, MfS, AU 10611/87, Bd. 4, Bl. 163

Quellen zu Kulturgutverlagerungen in SBZ und DDR (1945–1990)
 

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Einführende Informationen

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) kam es zwischen 1945 und 1990 zu einer großen Zahl unfreiwilliger Besitzwechsel bei Kunst- und Kulturgut. Sie begannen mit Plünderungen und den sog. „Schlossbergungen“ von Kulturgut aus Schlössern und Gutshäusern im Rahmen der auf besatzungshoheitlicher Grundlage erfolgten Enteignungen im Zuge der Bodenreform. Sie setzten sich fort über die Beschlagnahme des Rücklasses von Republikflüchtigen und die Ausfuhrverweigerung für Kulturgut in Umzugsgut von Übersiedlern in die Bundesrepublik. Im Rahmen sog. „Steuerverfahren“ wurden private Kunst- und Antiquitätenhändler und Sammler durch hohe Nachforderungen v.a. von Vermögenssteuer zur Abtretung ihres Eigentums gezwungen.

Nutznießer des Kulturgutentzugs waren zunächst vor allem die Museen. Zunehmend gingen Kunstgegenstände und Antiquitäten jedoch zur Generierung von Devisen in den Export, vor allem in die Bundesrepublik Deutschland und nach Westeuropa. Dieser Export wurde mit der Gründung der Kunst und Antiquitäten GmbH 1973 deutlich intensiviert und führte schließlich auch zum Abfluss von Museumsgut und schutzwürdigem Kulturgut aus der DDR. Neben dem Kulturgut-Entzug im engeren Sinne wurde ein Abverkauf nationalen Erbes durch die Kunst und Antiquitäten GmbH betrieben. Er umfasste neben Kunstwerken und Antiquitäten auch große Mengen an Gegenständen der Alltagskultur, von altem Spielzeug über Möbel und Standuhren bis hin zu Kfz-Veteranen, Gaslaternen und gebrauchten Pflastersteinen.

Bereits seit 1953 waren Kulturgutschutz und die Frage der Ausfuhr von Kulturgütern in der DDR durch eigenes Recht geregelt. Seit 1978 existierte ein Klassifizierungsschema, in drei Kulturgut-Kategorien (GBl der DDR 1978, Teil I, S. 166). „Kulturgut der Kategorie I und der Spitze der Kategorie II“ war vom Export ausgeschlossen. In der Praxis des Kulturgutentzugs dienten die Kulturgutschutz-Kategorien v.a. dem Zurückhalten wertvoller Stücke im Umzugsgut von Übersiedlern, die dann wenig später über die Kunst und Antiquitäten GmbH exportiert wurden. Nur selten konnte die für die Exportfreigabe zuständige Kunstschutz- dann Kulturgutschutzkommission den Export herausragender Stücke verhindern. Mit Inkrafttreten des Kulturgutschutzgesetzes von 1980 mussten Privatpersonen Kulturgut in ihrem Besitz den staatlichen Stellen melden – ein Weg Vermögenssteuer zu senken aber zugleich eine Offenlegung von für den Export interessanten Kunstbeständen. Das Gesetz bewehrte den Kulturgutschutz zudem mit Geld- und Haftstrafen bis hin zur Entziehung des entsprechenden Besitzes.

Die DDR-Bestände des Bundesarchivs und die Bestände des Stasiunterlagenarchivs im Bundesarchiv können dazu beitragen, die Aufbau- und Ablauforganisation im Zusammenhang mit der Entziehung und Verwertung von Kunst- und Kulturgut in der DDR zu verstehen und Fragen nach der Herkunft von Objekten zu beantworten. Die im Bundesarchiv überlieferten Quellen zum Kulturgutentzug und Kulturgutverlagerungen in der SBZ/DDR finden sich mit der Errichtung der „Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR“ (SAPMO) als unselbstständige Stiftung des öffentlichen Rechts im Bundesarchiv im März 1992 und der im Juni 2021 vollzogenen Integration der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) in das Bundesarchiv in einer gemeinsamen Verantwortung.

Archivbestände im Bundesarchiv

Auf Grund der Besonderheit der vom Staatssicherheitsdienst (als Untersuchungsorgan, Geheimpolizei und Nachrichtendienst) angelegten überwiegend personenbezogenen Unterlagen bestehen, vor allem aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes, unterschiedliche Zugangs- und Verwendungsregelungen innerhalb der SBZ-/DDR-Quellen des Bundesarchivs. Recherchestrategien sowie eine Auswahl relevanter Archivbestände werden Ihnen daher jeweils gesondert vorgestellt.

  • Verkaufsstelle des Staatlichen Kunsthandels der DDR (1955)
    Rechercheleitfaden

    Quellen im Bundesarchiv und der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv

    Für diese Quellen gelten die Zugangs- und Verwendungsregelungen des Bundesarchivgesetzes (BArchG).

  • Blick in eine Akte. Sichtbar ist der Beschluss zur Anlage eines Vorgangs zu einem verdeckten Stasi-Offizier
    Rechercheleitfaden

    Quellen im Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv

    Für diese Quellen gelten die Zugangs- und Verwendungsregelungen des Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG).

  • Fallbeispiel

    Auffindesituation des Gemäldes "Hercules and Achelous" im MfS

    Das Gemälde „Hercules und Achelous“ – ein Kulturgutentzug im Spiegel der Quellen des Bundesarchivs

    Am Beispiel des Gemäldes „Hercules und Achelous“ von Cornelis van Haarlem (1562 - 1638) werden verschiedenen Rechercheansätze und im Bundesarchiv überlieferte einschlägige Quellen zum Kulturgutentzug in der DDR exemplarisch illustriert.

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    Weiterführende Informationen

    • Abkürzungsverzeichnis Bundesarchiv-SAPMO: Hier finden Sie Abkürzungen aus Beständen der Parteien und Massenorganisationen der DDR
    • Archivgut der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB): Diese Website ermöglicht den Zugang zu den bereitgestellten Bestands- und Erschließungsinformationen zu SED- und FDGB-Beständen des Bundesarchivs, der Landes- und Staatsarchive der neuen Bundesländer und Berlins, bietet Hintergrundinformationen und wurde in Kooperation mit allen beteiligten Archiven aufgebaut.
    • Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: Auswahl an Links zu Recherchemöglichkeiten und weiterführende Verweise zum Forschungskontext Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR
    • Die Organisationsstruktur des Ministeriums für Staatssicherheit war selbst den meisten Mitarbeitern unbekannt. Um der inneren Konspiration willen galt der Grundsatz, jedem von ihnen nur so viel Information zu geben, wie er zur Erledigung seiner Aufgaben benötigte. Die Neuauflage des MfS-Handbuchs bietet eine Orientierungshilfe und macht die Zuordnungs- und Hierarchiestrukturen erfassbar.
    • Roland Lucht: Archiv zur DDR-Staatssicherheit
      Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015
      Das Nachschlagewerk erklärt knapp und präzise Begriffe und Kurzbezeichnungen, die von der Stasi bei der Erfassung von Personen, der Registrierung von Vorgängen sowie der Aktenablage im sogenannten Zentralarchiv verwendet wurden.
    • Abkürzungsverzeichnis Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv: Hier finden Sie häufig verwendete Abkürzungen und Begriffe des Ministeriums für Staatssicherheit
    • Das MfS-Lexikon: Das kompakte Nachschlagewerk zum Ministerium für Staatssicherheit der DDR, in dem man auf aktuellem Forschungsstand knapp und präzise alle wichtigen Informationen zum Thema findet.