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Blick in eine Akte. Sichtbar ist der Beschluss zur Anlage eines Vorgangs zu einem verdeckten Stasi-Offizier

Quelle: BArch

Quellen im Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv

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Zugangsinformationen

Durch die Besonderheit der Überlieferung einer Geheimpolizei sind der Zugang zu den Beständen im Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv (StUA), die Einsicht in Unterlagen und die Herausgabe von Duplikaten - vor allem zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte der darin genannten Personen - eingeschränkt. Zugang und die Nutzung unterliegen den speziellen Regelungen des Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG).

Zugang haben Forscherinnen und Forscher z. B. von Hochschulen, Universitäten oder Forschungseinrichtungen aus dem In- und Ausland. Ebenso möglich sind private Forschungsanträge, Nutzungsanträge von Journalistinnen und Journalisten sowie Anträge von Einrichtungen der politischen Bildung. Erforderlich ist immer ein Antrag auf Zugang zu den Beständen.

Forscherinnen und Forscher, die an Hochschulen, anderen Forschungseinrichtungen und bei den Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und den Folgen der kommunistischen Diktatur wirken, können – soweit die zur Durchführung der wissenschaftlichen Forschungsarbeit erforderlich ist – eine Akteneinsicht in nicht anonymisierte Unterlagen erhalten. Voraussetzung für dieses erweiterte Einsichtsrecht ist eine förmliche Verpflichtung nach dem Verpflichtungsgesetz.

Eine erste Recherche kann - mit Einschränkungen gemäß StUG - in Invenio durch die Nutzerinnen und Nutzer erfolgen. Die vollständigen Sach- und Personenrecherchen sowie die Vorbereitung der Unterlagen für eine Einsicht und Herausgabe übernehmen dann jedoch - in enger Abstimmung mit den Nutzerinnen und Nutzern - die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des StUA. Eine möglichst präzise Eingrenzung und Beschreibung des Themas sind daher außerordentlich wichtig. Der Staatssicherheitsdienst hat überwiegend Vorgänge personenbezogen geführt, Unterlagen sind aber auch sachbezogen recherchierbar. Für die Personenrecherche werden stets das genaue Geburtsdatum sowie Angaben zu Vor- und Nachnamen inklusive Geburts- und Ehenamen benötigt, für die Sachrecherche die möglichst ausführliche Angabe zu Ereignissen, Unternehmen und weiteren themenrelevanten Angaben. Mit ihrer Fachkenntnis und jahrelangen Erfahrung stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des StUA bei allen Fragen - auch Fragen, die im Forschungsprozess ggf. neu auftauchen - unterstützend zur Seite, gerne auch in einem persönlichen Beratungsgespräch.

Nach Auswertung der Recherche-Ergebnisse werden relevante Archivmaterialien ggf. anonymisiert und (nach Ihrer Wahl entweder digital oder aber analog) zur Einsicht in den Lesesälen der jeweiligen Standorte für Sie bereitgestellt. Die Herausgabe von Kopien dieser Unterlagen ist auch ohne vorherige Einsicht möglich.

Recherchestrategien

Dem StUA obliegt gemäß §§ 1 und 2 StUG die Erfassung, Verwahrung, Erschließung, Verwendung und Vermittlung der Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR (1950 - 1989). Die Überlieferung umfasst die des Ministeriums für Staatssicherheit (MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische...) und der fünfzehn Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit (BVfS) sowie den diesen nachgeordneten Kreisdienststellen (KDKreisdienststelleDie KD waren neben den Objektdienststellen die territorial zuständigen Diensteinheiten. Sie waren...) und Objektdienststellen. Zu den Beständen gehören auch dem Staatssicherheitsdienst überlassene Unterlagen des Arbeitsgebiets 1 der Kriminalpolizei, von Gerichten und Staatsanwaltschaften der DDR.

Um im Rahmen der Provenienzforschung einer bestimmten Fragestellung wie beispielsweise der nach dem Verbleib einer privaten Kunstsammlung, nachzugehen, kann sowohl ein strukturierter, ein personenbezogener als auch ein thematischer Rechercheansatz zum Erfolg führen. Diese verschiedenen Ansätze ergeben sich auch aus dem Erschließungsstand der Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes. Diese gliedern sich in zwei Überlieferungsbereiche. Einen Teil bilden die bereits abgeschlossenen und archivierten Vorgänge (MfS-Sprachgebrauch: „Archivierte Ablagen“). Sie wurden durch die Abteilung XIIAbteilung XIIAbteilung zur Speicherung und Verwaltung von Informationen zu Personen und formgerecht geführten... des Ministeriums bzw. der Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit verwaltet. Der Zugang zu diesen erfolgt in den meisten Fällen personenbezogen mittels der vom Staatssicherheitsdienst erstellten Findmittel. Sie werden fortlaufend auch sachthematisch erschlossen. Der andere Teil der Überlieferung setzt sich aus den in den Büros der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes aufgefundenen Materialien – den sogenannten „Unterlagen der Diensteinheiten“ – zusammen. Da für diese keine Inhaltsverzeichnisse oder gar Findmittel vorlagen, konzentrierte sich die Erschließung zunächst auf diesen Teil der Gesamtüberlieferung des Staatssicherheitsdienstes.

Auswahl relevanter Archivbestände

Wege zu und wesentliche Inhalte der im StUA überlieferten Quellen zur Provenienzforschung und zum Kulturgutentzug werden im Folgenden kursorisch und untergliedert nach den drei vorbezeichneten Recherchewegen beschrieben.

Die Übersicht ist nicht abschließend. Die Überlieferung der einzelnen Organisationseinheiten des MfS bzw. der BVfS und der KD werden unterhalb des angegebenen Klassifikationspunktes der Bestände MFS 1 bis MFS 16 hinterlegt. Die Klassifikationspunkte dienen der Binnengliederung der vorbezeichneten Bestände.

Strukturierte Recherche

Innerhalb des Staatssicherheitsdienstes waren Zuständigkeitsbereiche für geheimpolizeiliche und geheimdienstliche Aufgaben sowie den inneren Dienstbetrieb definiert. Infolge häufiger Strukturänderungen, wechselnder Aufgabenschwerpunkte und der spezifischen Arbeitsweise des Staatssicherheitsdienstes sind solche definierten Zuständigkeiten jedoch nicht immer eindeutig voneinander abgrenzbar. Dennoch bietet die strukturierte Recherche innerhalb der für die Thematik einschlägigen Bereiche des Ministeriums und der Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit einen erfolgversprechenden Ansatz.

Personenbezogene Recherche

Personenbezogene Recherchen sind in den bereits vom MfSMinisterium für StaatssicherheitDas Ministerium für Staatssicherheit (umgangssprachlich oft kurz "Stasi") war politische... Archivierten Unterlagen und den zu diesen angelegten Findmitteln Erfolg versprechend. Insbesondere führen die zentrale PersonenkarteiF 16Personenkartei, die in den Abteilung XII geführt wurde. Die F 16 diente dem zentralen Nachweis... F 16F 16Personenkartei, die in den Abteilung XII geführt wurde. Die F 16 diente dem zentralen Nachweis... und die mit dieser mittels identischer Registriernummer korrespondierende VorgangskarteiF 22Aus Gründen der MfS-internen Konspiration wurde - räumlich getrennt von der Personenkartei F 16 -... F 22F 22Aus Gründen der MfS-internen Konspiration wurde - räumlich getrennt von der Personenkartei F 16 -... zu den Archivierten Ablagen. Aber auch in den „Unterlagen der Diensteinheiten“ finden sich personenbezogenen Hinweise. Dies gründet sich auf die Regelung des § 3 Absatz 1 StUG, wonach „jeder Einzelne […] das Recht [hat], vom Bundesarchiv Auskunft darüber zu verlangen, ob in den erschlossenen Unterlagen Informationen zu seiner Person enthalten sind.“ In Umsetzung dessen werden bei der sachthematischen Erschließung alle relevant dargestellten Personen erfasst.

Eine personenbezogene Recherche setzt die Identifizierung der im Kulturguttransfer bzw. -entzug involvierten Personen voraus. Das können beispielsweise die in den Bereichen MfAH, KoKo, KuA, Zoll und dem Staatlichen Kunsthandel (SKH) tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die vom Entzug Betroffenen aber auch Museumsdirektoren, Gutachter und Antiquitätenhändler sein. Die Recherchen erfolgen auf der Grundlage der den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des StUA zugeführten personenbezogenen Hinweise.

Thematische Recherche

Der Umfang der vom Staatssicherheitsdienst vorgenommenen Informationserhebung führte in den unterschiedlichen Beobachtungs-, Überwachungs- und Ermittlungszusammenhängen zu Erkenntnissen über das Vorhandensein wertvoller privater Kunst- und Antiquitätensammlungen sowie privaten Vermögens. Die erhobenen Informationen wurden im verfügten Umfang an die zuständigen Struktureinheiten weitergegeben, finden aber auch im informationserhebenden Bereich ihren schriftlichen Niederschlag. Infolgedessen ist eine bereichsübergreifende Suche im Gesamtbestand erfolgversprechend. Die Devisenbeschaffung war jedoch nicht nur auf kategorisiertes Kunst- und Kulturgut beschränkt, sondern richtete sich auf im „volkseigenen“ wie privaten Besitz befindliche Wertgegenstände und Vermögen insgesamt. Das Spektrum entzogener Objekte umfasst dabei u. a. archäologische Funde und Archivalien, Bücher, Glas- und Kristallwaren, historische Waffen und Militaria, Medaillen, Militaria, Möbel, Münzen Musikinstrumente, Orden, Porzellan Schmuck Spielzeug und Urkunden. Detaillierte Übersichten bzw. Beschreibungen der entzogenen Objekte sind in den Beständen des StUA jedoch kaum überliefert. Zudem finden sich gelegentlich Verfälschungen in überlieferten Titeln bzw. der Bezeichnung von Kunstwerken. Eine Suche nach übergeordneten Kategorien von Kulturgütern bzw. Warengruppen ist daher erfolgversprechender als nach einem konkreten Objekt.

Für themenbezogene Recherchen kann auch die Archivdatenbank invenio auf einschlägige Treffer hin durchsucht werden. Dabei kann mithilfe ausgewählter Schlagworte sowohl in der zentralen als auch der regionalen Überlieferung des Staatssicherheitsdienstes nach relevanten Unterlagen recherchiert werden.

Cover Blum Kulturgutverluste

Auf der Suche nach Kulturgutverlusten: Ein Spezialinventar zu den Stasi-Unterlagen

Im Rahmen der Provenienzforschung zu Kulturgutentzug in der DDR bietet dieses im Auftrag und unter Mitwirkung des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste in Magdeburg (DZK) entstandene Spezialinventar einen Überblick zu den einschlägigen Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR die die Bereiche von Kulturguttransfers und -verlusten betreffen. Es beschreibt systematisch die überlieferten Quellen, bietet darüber hinaus umfassende Hinweise zum Kulturgutbegriff und weist – basierend auf dem bis 2019 erreichten Erschließungsstand – einschlägige Einzelarchivalien nach.

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