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Kolonialakten dank Künstlicher Intelligenz jetzt vollständig durchsuchbar

KI-Pilotprojekt macht alte Handschriften leichter zugänglich

28.06.2024

Öffentlichkeitsarbeit

Markierter Textabschnitt zu Rudolf Manga Bell

Das Bundesarchiv hat mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ein Programm zur Handschriftenerkennung entwickelt. Damit können Nutzerinnen und Nutzer im Lesesaal in Berlin-Lichterfelde die gesamten Unterlagen des Reichskolonialamtes durchsuchen. Die Suchanwendung wird für etwa zwei Jahre vor Ort aus dem Netzwerk des Bundesarchivs verfügbar sein. Danach soll sie in den neuen Digitalen Lesesaal des Bundesarchivs integriert und damit auch von außen nutzbar werden. 

Die etwa 10.000 Akten des Reichskolonialamtes (Bestand R 1001) wurden für das KI-Projekt ausgewählt, weil sie einen besonders hohen Anteil handschriftlichen Text enthalten, und zwar in deutscher Kurrentschrift (Sütterlinschrift). Diese Unterlagen bilden eine wichtige Quelle für die Erforschung des von der deutschen Kolonialherrschaft begangenen Unrechts. Sämtliche Akten des Reichskolonialamtes sind vollständig digitalisiert, unterliegen keinen Schutzfristen mehr und sind damit frei zugänglich.

Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs: „Digitale Schlüsseltechnologien bieten auch Archiven ganz neue Möglichkeiten. Mit dieser eigens zur Handschriftenerkennung trainierten Künstlichen Intelligenz bauen wir Verständnishürden ab, schaffen Verbindungen zwischen Dokumenten und machen so Wissen besser zugänglich. Damit tragen wir zur dringend notwendigen Aufarbeitung der gewaltvollen deutschen Kolonialgeschichte bei.“ 

Staatsministerin Claudia Roth, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, sagte: „Zu lange waren die Verbrechen der deutschen Kolonialzeit ein blinder Fleck in unserer Erinnerungskultur. Ich bin dem Bundesarchiv deshalb dankbar, dass es mithilfe speziell dafür entwickelter KI-Technologie dabei hilft, das Wissen über dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte zu stärken. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung.“

Im Rahmen des 2021 begonnenen Pilotprojekts wurde der Einsatz von KI-Technologien bei der Handschriftenerkennung mit Hilfe von Dienstleistern geprüft, erprobt und immer wieder verfeinert, um maschinenlesbare Texte (Transkriptionen) zu erzeugen. Die für dieses Projekt speziell entwickelte Suchanwendung hat die Besonderheit, dass sie auch über alle, in einer Datenbank hinterlegten, möglichen Transkriptionsversionen eines Textes suchen kann. Dies ist besonders bei der Suche nach Eigen- oder Ortsnamen hilfreich, die möglicherweise in unterschiedlichen Varianten auftauchen.

Die Buchung der Plätze für den Lesesaal Berlin-Lichterfelde erfolgt über die Terminreservierung des Benutzungszentrums unter: https://www.bundesarchiv-lichterfelde.de/.

Zur Geschichte der deutschen Kolonialherrschaft hat das Bundesarchiv in seiner neuen Publikationsreihe „Im Fokus“ ein Heft mit Quellen zu Unterdrückung und Widerstand in deutschen Kolonien veröffentlicht. Die Publikation mit dem Titel „Die Sache ist unhaltbar“ steht unter folgendem Link kostenlos zum Download bereit: https://www.bundesarchiv.de/DE/Content/Publikationen/Im-Fokus/im-fokus_kolonialismus.html