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Olympia 1972: Ein Terroranschlag zerstört die antike Idee vom „Olympischen Frieden“

Rückblick auf zahlreiche Facetten der XX. Olympischen Spiele 1972

  • BRD (ab 1949)

Hintergrundinformationen

Die Ereignisse während der XX. Olympischen Spiele 1972 in München sind in der kollektiven Erinnerung fest verankert: Mit dem Anschlag palästinensischer Terroristen auf das israelische Quartier im Olympischen Dorf am 5. September 1972 endeten die bis dahin „heiteren Spiele“ abrupt. Insgesamt 17 Menschen starben. Nach dem Attentat plädierten viele Stimmen für den Abbruch der Olympischen Spiele. Doch das Internationale Komitee unter der Leitung von Avery Brundage entschied anders: Die Spiele wurden fortgesetzt.

Ausgewählte Quellen aus den Beständen des Bundesarchivs einschließlich Stasi-Unterlagen-Archiv ermöglichen einen Rückblick auf zahlreiche Facetten der Olympischen Spiele 1972.

Mehr als nur Sport

Mit einem „Fest des Friedens“ wollte sich die Bundesrepublik Deutschland als demokratisches, und weltoffenes Land präsentieren, ganz bewusst im Gegensatz zu den wuchtigen Propaganda-Inszenierungen der Olympischen Spiele 1936.

121 Mannschaften mit mehr als 7.000 Athletinnen und Athleten kämpften zehn Tage lang vor begeistertem Publikum um Medaillen und Rekorde.

München als Austragungsort der Spiele

München als Austragungsort der Olympischen Spiele 1972 – davon wurde die Stadt selbst ein wenig überrascht. Am 26. April 1966 traf das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Entscheidung. Die bayerische Landeshauptstadt setzte sich im dritten Wahlgang mit dem Konzept der „Olympischen Spiele im Grünen“ gegen die Mitbewerber Montreal, Madrid und Detroit durch.

Das sportliche Großereignis veränderte die Stadt: Es entstanden das Olympiastadion und weitere Sportstätten, das Olympische Dorf sowie die Münchner U-Bahn zusammen mit einem leistungsfähigen Verkehrsnetz.

Sport und Deutschlandpolitik

Erst zu den Olympischen Spielen 1972 erhielt die DDR vom IOC die volle Anerkennung und durfte mit einer eigenen Mannschaft unter eigener Flagge und Hymne teilnehmen. Zuvor, 1968, trat die DDR bereits mit einer eigenen Mannschaft an, jedoch nahmen die Aktiven unter der Olympischen Fahne mit der Hymne „Ode an die Freude“ teil.

Die DDR wollte sich und damit den Sozialismus erfolgversprechend präsentieren und wählte dafür gezielt Sportlerinnen und Sportler, die Staatssymbole und speziell geschulte Zuschauende aus.

In ihrem Bemühen um internationale Anerkennung betrachtete die DDR ihre Athletinnen und Athleten gerne als "Diplomaten im Trainingsanzug". Diese sollten nun ausgerechnet in der Bundesrepublik die Welt von der Überlegenheit des Sozialismus überzeugen.

Für das Ministerium für Staatssicherheit bedeuteten die Wettkämpfe dementsprechend eine große Herausforderung. Es galt die DDR-Mannschaft von außen abzuschirmen und zu verhindern, dass ostdeutsche Athletinnen und Athleten in der Bundesrepublik blieben. Dazu gehörte auch, Werbung aus dem Westen abzufangen und Doping zu verheimlichen. Hauptverantwortlich hierfür war die Hauptabteilung XX (Staatsapparat, Kultur, Kirche, Untergrund) mit ihrer Abteilung 3 (Linie Sport).

Die DDR kam in München wie bereits in Mexiko 1968 auf Platz 3 der Nationenwertung – ein Ergebnis erfolgreicher, intensiver Sportförderung.

Das Attentat

In den frühen Morgenstunden des 5. September 1972 drangen palästinensische Terroristen in das Haus in der Connollystraße 31 im Olympischen Dorf ein. Es war das Quartier der israelischen Mannschaft. Die Terroristen töteten zwei Menschen und nahmen neun weitere als Geiseln. Die Geiselnehmer verlangten zunächst die Freilassung von 232 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen sowie die Freilassung von Andreas Baader und Ulrike Meinhof sowie des Japaners KõzõOkomoto. Die israelische Regierung ließ keine Verhandlungen zu. Der Befreiungsversuch auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck scheiterte. Die neun israelischen Geiseln, die fünf Palästinenser sowie ein deutscher Polizist starben.

Der Satz von Avery Brundage „The Games must go on“ bei der Trauerfeier am 6. September 1972 ging in die Geschichte ein. Die Olympischen Spiele wurden nach nur einem Tag Unterbrechung fortgesetzt.

Sportliche Höchstleistungen und technische Neuheiten

Insgesamt wurden 195 Wettbewerbe in 21 Sportarten ausgetragen. Neu waren unter anderem die Wiedereinführung des Bogenschießens und des Mannschaftsports Handball. In der Leichtathletik werden die 1500 Meter und die 4x400 Meter Staffel der Frauen eingeführt.

Der herausragende Sportler der Olympischen Spiele war der US-amerikanische Schwimmer Mark Spitz. Er gewann sieben Goldmedaillen. Die Kunstturnerin Karin Janz aus der DDR war mit zwei Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille die erfolgreichste deutsche Athletin.

Die Olympischen Spiele begeisterten aber nicht nur durch sportliche Rekorde. Weltneuheiten wie die Flutlichtanlage, exakte Zeitmessung und Zielbildkamera sowie der Einsatz von Großrechnern schrieben Industriegeschichte.