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Gründung des Reichsarchivs 1919

  • Weimarer Republik (1918-1933)

Mit der Weimarer Republik ist die Gründung verschiedener Institutionen verbunden, deren Wirkung bis heute fortbesteht.

Auch das Bundesarchiv blickt auf eine Tradition zurück, die vor 100 Jahren ihren Anfang hatte: Zum 1. Oktober 1919 wurde das Reichsarchiv als zivile zentrale Behörde unter der Leitung des Präsidenten Hermann Ritter Mertz von Quirnheim eingerichtet.

Infolge der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Revolution wurde im Jahr 1919 erstmals die Idee näher verfolgt, mit der Neuordnung des Staatswesens auch ein Reichsarchiv einzurichten. Die Reichsregierung sah sich mit der Aufgabe konfrontiert, die Aktenmengen zu bewältigen, die während des Weltkrieges bei den verschiedenen militärischen Dienststellen angefallen waren. Bereits 1915 war die Prüfungsstelle für Kriegsakten (PK) beim Stellvertretenden Generalstab in Berlin eingerichtet worden, um Unterlagen über die militärische Planung zu sammeln. Es stellte sich heraus, dass die Unterlagen eine wichtige Grundlage für die Auseinandersetzung über Entstehung und Verlauf des Krieges sein würden, so dass General Erich Ludendorff am 12. Oktober 1918 die Wiedereinrichtung der Dienststelle des Oberquartiermeisters für Kriegsgeschichte befahl, die unter die Leitung von Oberst Hermann Ritter Mertz von Quirnheim gestellt wurde.

Die Situation änderte sich durch das Bekanntwerden des Entwurfs für den Versailler Vertrag am 7. Mai 1919 jedoch grundlegend, da der Große Generalstab und seine Teilstrukturen abgeschafft werden sollten und so die amtliche Kriegsgeschichtsschreibung nicht in der geplanten Form möglich sein würde. Erste Überlegungen, denen zufolge die amtliche Kriegsgeschichtsschreibung auch eine nationale wissenschaftliche Aufgabe sei, die einem nichtmilitärischen Institut zu übertragen sei, mündeten in die „Denkschrift über die Zukunft der Archive und kriegsgeschichtlichen Abteilungen des Großen Generalstabs“ vom 12. Juli 1919, der sogenannten „Seeckt-Denkschrift“. Sie plädierte für die Zusammenführung aller Akten des Weltkrieges in einem zentralen Archiv und deren amtliche Auswertung im Auftrag des Reichs. Zu diesem Zweck seien die Kriegsgeschichtlichen Abteilungen in ein Reichsarchiv umzuwandeln.

In zähen Verhandlungen wurde die Umsetzung der Forderungen der „Seeckt-Denkschrift“ diskutiert. Der Reichsminister des Inneren schlug vor, auch die Akten von Reichskolonialamt und Reichsmarineamt zu berücksichtigen. Am 3. September 1919 legte Oberst von Haeften eine Entscheidungsvorlage zur Errichtung eines Reichsarchivs vor, der am 5. September 1919 zugestimmt wurde. Am 1. Oktober 1919 schließlich wurde das Reichsarchiv unter der Leitung seines ersten Präsidenten Mertz von Quirnheim durch die Unterstellung der Kriegsgeschichtlichen Abteilungen unter das Reichsministerium des Innern errichtet. Es war zuständig für die nicht mehr für die laufende Verwaltung benötigten Unterlagen des Reiches, die Auskunftserteilung und die Erforschung und Schilderung der Geschichte des Reiches im Weltkrieg. Anfang Januar 1920 wurde die Standortfrage zugunsten der Jäger-Kaserne auf dem Potsdamer Brauhausberg entschieden.

Zu Beginn seines Bestehens war das Reichsarchiv stark geprägt von der Sammlung der Dokumente zum Weltkrieg und der militärischen Forschung in den Sichtungsabteilungen. Das Reichsministerium des Innern war jedoch im Folgenden bemüht, das Reichsarchiv durch die Übernahme der Akten aller Reichsressorts zu einem wirklichen Zentralarchiv des Reiches zu machen. Die große Menge der übernommenen Akten stellte eine große Herausforderung dar. Im Laufe des Jahres 1920 wurden die ersten zivilen Mitarbeiter eingestellt, und die Bildung einer „Historischen Kommission für das Reichsarchiv“ sollte die Mitwirkung bürgerlicher Historiker sicherstellen. Im Dezember 1920 übernahm Staatsarchivar Ernst Müsebeck vom Geheimen Staatsarchiv Berlin-Dahlem die Archivabteilung und richtete die Arbeit nicht mehr nur am Militär und dessen Anforderungen aus.

Die für die virtuelle Galerie ausgewählten Dokumente spiegeln diese Gründungsphase des Reichsarchivs wieder und beinhalten dabei teilweise erstaunlich aktuelle Bezüge.

Aus Anlass der Gründung des Reichsarchivs vor 100 Jahren wurde der im Bundesarchiv verwahrte Aktenbestand R 1506 Reichsarchiv vollständig digitalisiert und ist über das Recherchesystem invenio online recherchierbar.