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Die Seeschlacht von Coronel 1914

Am 1. November 1914 kam es bei Coronel vor der chilenischen Küste zwischen der britischen und der deutschen Marine zur ersten Seeschlacht des Ersten Weltkrieges in Übersee.

  • Kaiserreich (1871-1918)

Hintergrundinformationen

Ende des 19. Jahrhunderts hatte das Deutsche Reich die Kolonie Kiautschou von China erworben und bald darauf das Kreuzergeschwader in der Hafenstadt Tsingtau stationiert. Das Kreuzergeschwader war vor Beginn des Ersten Weltkrieges hauptsächlich für die deutsche Außenpolitik und für die Sicherung der deutschen Kolonien eingesetzt worden. Bei Kriegsbeginn befand sich das Kreuzergeschwader in der Südsee. Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee entschied sich als Chef des Kreuzergeschwaders im August 1914 zu einem Vorstoß seines Verbandes nach Südamerika, da er sich bei einem Marsch Richtung Afrika sowie bei Operationen im Westpazifik überlegenen gegnerischen Seestreitkräften gegenübersah. Admiral Spee entließ den Kleinen Kreuzer "Emden" zum Kreuzerkrieg im Indischen Ozean gegen den gegnerischen Handel, den das Kriegsschiff bis November 1914 sehr erfolgreich führen konnte. Über Monate hinweg konnte das deutsche Geschwader den britischen, französischen, japanischen und russischen Verfolgern entkommen. Ende Oktober 1914 erreichte das Kreuzergeschwader mit den zwei schweren Panzerkreuzern "Scharnhorst" und "Gneisenau" sowie den Kleinen Kreuzern "Dresden", "Leipzig" und "Nürnberg" die chilenische Küste. Die Funkübermittlung übernahm nur der Kreuzer "Leipzig", um den Gegner zu täuschen und den Eindruck eines einzeln operierenden Kreuzers zu erwecken.

Bereits Mitte September 1914 hatte die britische Admiralität dem 4. Geschwader im Südatlantik unter Konteradmiral Sir Christopher Cradock den Auftrag zur Suche nach den deutschen Kreuzern erteilt. Das britische Geschwader mit dem veralteten Linienschiff "Canopus", den zwei Panzerkreuzern "Good Hope" und "Monmouth" sowie dem Leichten Kreuzer "Glasgow" und dem Hilfskreuzer "Otranto" verließ am 21. Oktober 1914 Port Stanley auf den Falklandinseln in Richtung Pazifik und marschierte auf Valparaiso an der chilenischen Küste zu.

Die vorausgeschickte "Glasgow" fing vor Coronel deutsche Funksprüche der "Leipzig" auf. Admiral Cardock entschied sich daraufhin zur Suche nach dem deutschen Kreuzer und schickte die langsame "Canopus" zu einem Treffpunkt nach Juan Fernandez westlich von Valparaiso. Am 1. November 1914 hatte auch Admiral Spee eine Meldung über die Sichtung der bei Coronel vor Anker liegenden "Glasgow" erhalten und nahm mit seinem Geschwader Kurs auf das Gebiet. Beide Befehlshaber gingen davon aus, nur ein einzelnes gegnerisches Kriegsschiff zu verfolgen. Admiral Cradock wartete nach der Vereinigung seines Geschwaders mit der "Glasgow" das Eintreffen der "Canopus" nicht ab, sondern wandte sich zur Suche nach der "Leipzig" nach Norden. Beide Geschwader liefen nunmehr auf Coronel zu.

Am 1. November 1914 trafen vor der Küste Chiles bei Coronel das britische 4. Geschwader und das deutsche Kreuzergeschwader aufeinander. Kurz nach 16.00 Uhr waren die beiden Geschwader in Sichtweite und liefen Südkurs. Das deutsche Kreuzergeschwader war artilleristisch im Vorteil und verfügte über deutlich größere Feuerkraft als das britische Geschwader, zudem hatten die Deutschen im Unterschied zu den Briten ein Feuerleitsystem und eine eingeübte Besatzung, während die britischen Panzerkreuzer erst nach Kriegsausbruch reaktiviert worden waren. Da Admiral Spee die untergehende Sonne vor sich hatte, wartete er mit der Feuereröffnung, erst als die britischen Kreuzer nach Sonnenuntergang in der Abenddämmerung vor dem Horizont deutlich erkennbar waren, eröffnete das Kreuzergeschwader das Gefecht. Die "Scharnhorst" nahm in einem parallelen Liniengefecht die "Good Hope" und die "Gneisenau" die "Monmouth" unter Beschuß, während die "Dresden" auf die "Otranto" und die "Leipzig" auf die "Glasgow" feuerte. Die Briten erwiderten sofort das Feuer. Schon nach kurzer Zeit waren die Panzerkreuzer "Monmouth" und "Good Hope" schwer getroffen. Nach etwa 20 Minuten scherte die „Monmouth“ brennend aus der Formation aus. Rund eine halbe Stunde später zerriß eine heftige Explosion im Munitionsmagazin die angeschlagene "Good Hope", die unmittelbar darauf mit allen Besatzungsmitgliedern versank. Admiral Cradock ging mit seinem Flaggschiff unter. Die "Monmouth" wurde durch den Kreuzer "Nürnberg" versenkt, da das Kriegsschiff die Flagge nicht eingeholt hatte. Der schnelle Kreuzer "Glasgow" und der Hilfskreuzer "Otranto" konnten als einzige in der Dunkelheit entkommen. Insgesamt fanden ungefähr 1.700 britische Seeleute den Tod. Das Kreuzergeschwader konnte bei nur drei Verwundeten zwei britische Panzerkreuzer vernichten und die Seeschlacht bei Coronel für sich entscheiden. Nach der Schlacht lief das Kreuzergeschwader in den Hafen von Valparaiso ein und wurde von den Chilenen und den dort ansässigen Deutschen gefeiert.

Der Erfolg des Kreuzergeschwaders in der Seeschlacht von Coronel war der erste Sieg zur See gegen Großbritannien seit rund einem Jahrhundert. Das Kreuzergeschwader bedrohte nunmehr die britischen Seeverbindungen vor Südamerika. Um dieser Gefahr für den englischen Handel zu begegnen, entsandte die britische Admiralität zwei Schlachtkreuzer ("Invincible" und "Inflexible") aus der Nordsee in den Südatlantik. Admiral Spee hatte nach Coronel verschiedene Optionen, er konnte das Kreuzergeschwader aufteilen und die Schiffe einzeln Handelskrieg führen lassen, er konnte sich im neutralen Ausland internieren lassen oder er konnte Kap Horn umrunden und eine Fahrt in die Heimat wagen. Beim anschließenden Versuch eines Durchbruches nach Deutschland traf das Kreuzergeschwader am 8. Dezember 1914 bei den Falklandinseln auf die gerade eingetroffenen Verstärkungen aus Europa und wurde durch ein überlegenes britisches Geschwader beinahe vollkommen vernichtet, einzig der Kreuzer "Dresden" konnte entkommen. Etwa 2.200 deutsche Seeleute starben in der Schlacht oder im eiskalten Atlantik, darunter Admiral Spee und seine beiden Söhne Otto und Heinrich. Die Schwächung der britischen Kräfte in der Nordsee durch den Abzug der britischen Schlachtkreuzer nach Südamerika hat die deutsche Hochseeflotte strategisch indes nicht nutzen können, da die deutsche Seite zur See passiv blieb.

Daniel Schneider