Skipnavigation

Navigation

Kriegsfolgenarchivgut -
Rückblick auf eine Tagung im Lastenausgleichsarchiv

Am 14. und 15. Oktober 2019 richtete das Bundesarchiv im Gebäude des Lastenausgleichsarchivs in Bayreuth eine Konferenz zu „Kriegsfolgenarchivgut: Entschädigung, Lastenausgleich und Wiedergutmachung in Archivierung und Forschung“ aus.

12.11.2019

Öffentlichkeitsarbeit

Der Präsident des Bundesarchivs Dr. Michael Hollmann bei der Tagungseröffnung

30 Jahre Lastenausgleichsarchiv

Anlass der Veranstaltung war zum einen die Feier zum 30jährigen Bestehen des Lastenausgleichsarchivs, das am 15. Juni 1989 seinen Betrieb in Bayreuth aufgenommen hatte. Der andere Ausgangspunkt war der 80. Jahrestag des Einfalls der deutschen Wehrmacht in Polen, des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs. Die Entstehung des Lastenausgleichsarchivs und seiner Unterlagen waren dadurch bedingt: Archivgut als Kriegsfolge – Kriegsfolgenarchivgut.

So stand der erste Vormittag im Zeichen des Lastenausgleichs. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann, und einem Überblick über die Aufgaben und Bestände des Lastenausgleichsarchivs durch dessen kommissarischen Leiter Karsten Kühnel folgten eine historische Darstellung des Lastenausgleichs durch den Vizepräsidenten des Bundesausgleichsamts Henning Bartels sowie eine rechtsgeschichtliche Betrachtung durch Thomas Henne von der Archivschule Marburg mit dem Fokus auf den 1950er Jahren. Beschlossen wurde dieser erste Konferenzteil durch das Themenportal Wiedergutmachung. Kai Wambach vom Bundesministerium der Finanzen stellte den Stand und die Ausrichtung des Projekts vor.

Der zweite Teil der Konferenz befasste sich mit der Überlieferung von Kriegsfolgenarchivgut und ihrer wissenschaftlichen Auswertung. Hierzu gab es drei Panels.

Archivalische Überlieferung und Auswertbarkeit

Fragen und Möglichkeiten der Provenienzforschung in Archiven wurden seitens der Archive von Michael Unger von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und seitens der Provenienzforschung von Ilse von zur Mühlen von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und Emily Löffler von der Deutschen Nationalbibliothek thematisiert.

Schlaglichter auf die Vielfalt der zum Tagungsthema einschlägigen Unterlagen beleuchteten in einem weiteren Panel die Bestände der Arolsen Archives (Christian Groh), die Entschädigungsakten im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (Gerhard Fürmetz) und die Entschädigungsakten in der Abteilung Rheinland des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen (Karoline Riener).

Ein drittes Panel hatte internationale Aspekte im Auge. George Hay (The National Archives of the United Kingdom) präsentierte Entschädigungsunterlagen für NS-Verfolgte in den britischen National Archives. Ähnliche Formen der Überlieferung zeigt Petre Matei vom Elie Wiesel National Institute in Bukarest für Holocaust-Überlebende im kommunistischen Rumänien. Gabrielle Nishiguchi (Library and Archives Canada) wies in ihrem Vortrag auf die kanadisch-japanischen Beziehungen im Zweiten Weltkrieg, die von Diskriminierung und Unterdrückung gezeichnete Geschichte der japanischen Kanadier und ein darauf gründendes Entschädigungsprogramm hin.

In zwei Keynotes behandelten Iris Nachum von der Hebräischen Universität Jerusalem den Lastenausgleich für NS-Verfolgte, wobei sie die Rechtsfigur des „Fiktivvertriebenen“ im deutschen Entschädigungsrecht anhand eines Fallbeispiels nachzeichnete, und Dagmar Hovestädt (BStU) die Rolle von Archiven für Gerechtigkeit und Menschenrechte.

Bei über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem In- und Ausland waren fast alle Plätze im Veranstaltungssaal des Lastenausgleichsarchivs belegt. Die ausführlichen Diskussionen im Anschluss an die Vorträge spiegelten auf hohem fachlichen Niveau die noch immer große Relevanz des Tagungsthemas.

Die Vorträge werden sukzessive auf der Tagungshomepage veröffentlicht.